Trump geht seinen Weg

Ein Radiosender aus der Schweiz fragte mich nach meiner Einschätzung über den gewählten Präsidenten Donald Trump. Es seien ja nun schon seit dem Wahlsieg ein paar Wochen ins Land gegangen, wie sei die Stimmung in den USA? Die ist schwierig zu beschreiben, denn Trump macht in Teilen da weiter, wo er als Wahlkämpfer aufgehört hat. Noch immer kommuniziert er tagtäglich über twitter mit Anhängern und Medien. Gibt Inhalte seiner Gespräche bekannt, so, als ob die Zusammenstellung seines Kabinetts eine weitere Folge von „The Apprentice“ wäre. Dann sind da seine Alleingänge, er wisse alles besser. Das geht soweit, dass die Berufsdiplomaten im „State Department“ nur noch die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Trump stapft derzeit auf internationaler Bühne von einem Fettnäpfchen in das nächste.

Donald Trump hat auch in Indiana gezeigt, er macht vieles anders, nicht unbedingt besser. Foto: Reuters.

Donald Trump hat auch bei seinem Auftritt in Indiana gezeigt, er macht vieles anders, nicht unbedingt besser. Foto: Reuters.

Auch seine Auswahl der engeren Mitarbeiter und Minister läßt bislang nichts Gutes erwarten. Es sind teils Hardliner, die alles über den Haufen werfen wollen, was Obama in acht Jahren aufgebaut hat. Das hat dann nichts mehr mit einem Präsidenten für alle Amerikaner zu tun, wie es Trump großspurig angekündigt hatte. Teils sind seine Erwählten Freunde und Geschäftspartner, die zwar das Business kennen, aber vor allem das Business sich selbst in die Tasche zu schaufeln.

Trump verbreitet über twitter und über sein Umfeld gemischte Informationen. Mal gibt er sich offen und präsidial, um dann wieder knallhart von einer Mauer an der mexikanischen Grenze zu reden, ein Ende von „Obamacare“ zu versprechen, er schimpft gegen die „Lügenpresse“ und fordert harte Strafen für jene, die die amerikanische Fahne verbrennen, was ganz selten vorkommt. Selbst hartgesottene Unterstützer von Trump, wie Sarah Palin und Ann Coulter, zeigen sich mittlerweile irritiert. Der Milliardär aus New York macht vieles unüberlegt und gegen die eigentlichen Grundsätze der republikanischen Partei.

Trump geht seinen Weg, ohne Rücksicht auf andere, ohne Rücksicht auf Verluste. Er läßt sich leiten von den Reaktionen seiner „Fans“. Das konnte man auch wieder bei seinen Auftritten in Indiana und Ohio sehen. Trump badet im Pool der Emotionen, läßt sich feiern, sich hochschaukeln, bekommt dabei Eingebungen, die dann zu politischen Forderungen im Land und weltweit werden. Alles unter dem Mantra „Let’s make America great again“. Das macht ihn nicht nur unkalkulierbar, das macht Donald Trump als Präsidenten auch gefährlich.

Trump ist ein Alptraum für die USA

In einem Leserbrief an die Nürnberger Zeitung schreibt Manfred Ritter aus Neumarkt: „Endlich hat Amerika einen Präsidenten mit deutschen Wurzeln, der unser Land kennt – und nun kommen die ganz gescheiten Spezialisten und haben nichts anderes zu tun als ihn madig zu machen. Als ob uns Deutsche das amerikanische Sozialsystem, die Armut oder das Waffenrecht etwas anginge“.

Da hat er recht, das geht die Deutschen nichts an, aber man sollte sich besorgt zeigen, auch wenn es um die amerikanische Innenpolitik geht. Wenn ich mir auf facebook und twitter so einige der Pro-Trump Kommentare aus deutschen Landen ansehe, durch die vielen qualitativ unsinnigen „News-Seiten“ im Internet lese, dann wird Trump als der Heilsbringer der westlichen Welt, als Friedensstifter, als der neue Führer der Weltgemeinschaft gesehen. Trump setzt nun das um, was er im Wahlkampf von sich gegeben hat. Die erste Riege seiner Administration steht, und die läßt mit Stephen Bannon und Jeff Sessions nichts Gutes erwarten. Dazu kommt eine lange Liste von Republikanern und Konservativen, die einem Nackenschmerzen vom vielen Kopfschütteln bereiten. Namen, die als mögliche Kandidaten im Trump-Kabinett gehandelt werden, darunter Sarah Palin, Joe Arpaio, David Clarke, John Bolton, Jan Brewer. Mir wird schwindelig. Allein die Tatsache, dass diese Personen in Frage kommen könnten ist irrsinnig.

Die Konfederationsflagge auf einer Parade im nordkalifornischen Petaluma. Foto: @ JaredHuffman.

Die Konfederationsflagge auf einer Parade im nordkalifornischen Petaluma. Foto: @ JaredHuffman.

Wer in diesen Tagen als „USA Spezialist“ auf facebook, in sozialen Medien oder auch sonstwo mit Blick auf die internationale Bühne erklärt, es werde schon nicht so schlimm oder wahrscheinlich sogar besser unter Trump werden, dem sei gesagt, es wird schlimm werden. Was die ersten Aussagen von „President elect“ Donald Trump belegen, was die ersten Kabinettsmitglieder zeigen, was hier nun ganz offen passiert, deutet auf schlimme Zeiten hin. Amerika steht vor einem gewaltigen Rechtsruck, einem Kulturschock.

Nördlich von San Francisco liegt die Kleinstadt Petaluma. Dort fand am vergangenen Freitag eine Parade zum „Veterans Day“ statt. Und dort wurde ganz offen die Südstaatenflagge gezeigt, ein Symbol des weißen, rassistischen Amerikas aus längst vergangenen Tagen. So etwas gab es hier noch nie. Klar, manche sagen, es sei nur eine Fahne, kein großes Ding. Doch das ist hier die Bay Area, liberal, offen, politisch korrekt. Wer die Konföderiertenflagge offen zeigt, der will provozieren, will in diesen Tagen deutlich machen, dass nun andere Zeiten anbrechen. Hier IN den USA wird ein Donald Trump tiefe Spuren und auch Wunden hinterlassen.

Es kann immer noch schlimmer kommen

Da spielt man im Kopf durch, was wäre, wenn Donald Trump nun doch Präsident werden würde. Das Ergebnis wäre von meiner Perspektive als Korrespondent sehr unterhaltsam. Denn da gäbe es immer etwas zu berichten. Trump ist ein Entertainer. Vom Standpunkt eines amerikanischen Bürgers jedoch wird mir da angst und bang.

Sarah Palin ist wieder da. Foto: Reuters.

Sarah Palin ist wieder da. Foto: Reuters.

Und falls King Donald noch nicht schlimm genug ist, bekommt er nun auch noch Unterstützung von der Seitenlinie. Sarah Palin hat sich heute als Cheerleader für Trump geoutet. Noch im Dezember erklärte die einstige Gouverneurin von Alaska, dass sie sich noch nicht zwischen Ted Cruz und Donald Trump entschieden habe. Aber sie sei froh, dass solche tollen Kandidaten im Rennen seien. Cruz hatte auf das Ja-Wort von Palin gewartet, hatte sie ihn doch 2012 in seinem Senatsrennen unterstützt.

Doch diesmal geht Sarah mit Donald fremd. Der freut sich wie Bolle über Palins Entscheidung, denn das gibt ihm nur zwei Wochen vor dem Wahlgang in Iowa noch einmal Auftrieb. Er sei schon lange mit ihr gut befreundet und habe großen Respekt vor ihr, meinte Trump. Palin ist noch immer das Darling der Tea-Party. Man hätte es eigentlich ahnen können, was da auf uns alle zukommt, denn Donald Trump meinte schon vor ein paar Monaten, er würde sich freuen, wenn Sarah Palin einen Ministerposten in seiner Administration annehmen würde. Na, mit ihren internationalen Erfahrungen wäre der Job der Außenministerin doch genau die richtige Aufgabe.

Donald Trumps Schattenkabinett

Außenministerin in spe - Sarah Palin? Foto: AFP.

Außenministerin in spe – Sarah Palin? Foto: AFP.

Sarah Palin soll Energieministerin in einer Trump Adminstration werden. Das sagte der Donald, Palin stimmte sogar zu, meinte der Job sei interessant, denn sie komme aus Alaska und kenne sich aus mit Erdöl und Rohstoffen. Ihre erste und wohl auch einzige Amtshandlung sei, das Ministerium in Washington aufzulösen und den Bundesstaaten mehr Mitbestimmung und Eigenverantwortung einzuräumen. Die Welt nach Sarah Palin.

Aber denken wir mal weiter, wer noch so alles in einem Schattenkabinett von Donald Trump Platz nehmen dürfte. Sein ihm freundschaftlich gestimmter Mitkonkurrent Ben Carson wäre sicherlich offen für die Stelle des Gesundheitsministers. Er, der als Chef Kinderneurologe an der John Hopkins Unversität tätig war, hat im Gegensatz zu Palin zumindest ein Fachwissen vorzuweisen. Aber natürlich ist er gegen einiges, was mittlerweile als normal gilt, darunter Abtreibung und Stammzellenforschung.

Der Mann für den religiösen Diskurs und das Bildungsministerium bei Trump wäre sicherlich Mike Huckabee. Der frühere Gouverneur von Arkansas, Pastor und ehemalige FOXNews Moderator ist wie geschaffen für solche Rollen, denn er lehnt offen den Islam ab und mischt sich bei allen Bildungsfragen ein, wenn es um die Trennung von Staat und Religion geht. Huckabee sieht die USA als ein christliches Land an, das es zu verteidigen gilt.

Für die Grenzsicherheit bietet sich selbstverständlich der Texaner Rick Perry an. Allerdings müssten die beiden erst einmal ihr Kriegsbeil begraben. Donald Trump hält den langjährigen Gouverneur von Texas ja nicht gerade für den klügsten Kopf, auch wenn der nun Brille trägt. Aber Perry ist in der Vergangenheit auch mit so martialischen Sprüchen zur Grenzsicherheit aufgetreten, wie der angehende „Commander in Chief“ Trump. Rick Perry wird sicherlich auf seine Texas Rangers und die Nationalgarde setzen, um die wilden Horden aus dem Süden zurück zu drängen. Kein Thema, die beiden werden noch Freunde.

Arbeitsminister? Keine Frage, das muß Scott Walker, Wisconsins Gouverneur und Trumps Herausforderer sein. Er hat sich auf seine Fahnen geschrieben, die Gewerkschaften platt zu machen. Zuerst in seinem Bundesstaat, das hat sogar die superreichen Koch Brothers beeindruckt, die ihn als ihren Präsidentschaftskandidaten auserwählt haben. Und diese erfolgreichen Erfahrungen in Wisconsin könnte Walker in die Trump-Adminstration einbringen. Keine unsinnigen Streiks, keine Genöle mehr um Mindestlohn, Arbeitsrechte, Auflagen für Arbeitgeber. Freie Arbeit für freie Bürger, und wem das nicht passt, der kann ja kündigen. Soviel Freiheit muß sein.

Hm, wer käme denn für die wichtigen Posten im State Department und im Pentagon in Frage? Ich finde, da die Republikaner ja immer von der Kosteneinsparung tönen, auch wenn die Washingtoner Bürokratie unter George W. Bush erst so richtig wuchs, sollte man Arbeitsfelder zusammen legen. Sarah Palin, die ja das Energieministerium auflösen will, hätte dann auch Kapazitäten frei für ihre neue Rolle als Außenministerin. Sie kennt Russland quasi von ihrem Balkon aus und kommentiert alles vom Irandeal und der Diplomatie mit China, Nordkorea, Kuba und Venezuela, bis hin zu Besuchsreisen Obamas in afrikanischen Ländern und dessen europäisch-sozialistischen Grundideen. Sarah Palin ist bestens gerüstet für den delikaten Job auf der internationalen Diplomatenbühne. Eine „toughe“ Frau, die sich von den Mullahs, den Scheichs, den Kommunisten, den europäischen Weicheiern und den afrikanisch-korrupten Regierungschefs nichts weißmachen lassen wird.

Und Donald Trump selbst wird auch noch das Pentagon übernehmen. Er ist als Präsident ohnehin der oberste Führer der Truppe. Da kann er auch gleich noch das Pentagon leiten. Trump in schnittiger Uniform, mal was anderes in den täglichen Trump-Nachrichten am Abend. Es ist noch etwas hin bis zum Wahltag im November 2016, aber so langsam kann man ja schon mal durchspielen, was wäre wenn….mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

 

Ja was denn nun?

Mitt Romney sagt zum Abschied noch einmal laut Servus.

Mitt Romney sagt zum Abschied noch einmal laut Servus.

Mitt Romney also nun doch nicht. Nach der verlorenen Wahl gegen Barack Obama 2012 meinte der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, das war’s dann. Aber Anfang Januar bekundete Romney, dass er es sich durchaus noch einmal vorstellen könne zu kandidieren. In Gesprächen mit Wahlkampfmanangern und vor allem potenziellen Spendern lotete er die politischen Wasser aus. Und dann kam für viele die überraschende Mitteilung „Romney kandidiert“.

Das hätte dann wiederum zu einem direkten Zweikampf mit Jeb Bush geführt, der eigentlich um die gleichen Wähler und Geldgeber buhlt. Romney und Bush trafen sich schließlich in der vergangenen Woche und klärten die Wasser, sprich eine Rückzugsstrategie für Romney wurde ausgehandelt, wie er mit erhobenem Haupt aus der Situation rauskommt. Beide nahmen auch nicht am vergangenen Wochenende am „Freedom Summit“ in Iowa teil, auf dem sich mehr die „Tea Party“ Kandidaten tummelten oder Möchtegernpolitiker wie Donald Trump und Sarah Palin ins Rampenlicht rückten.

Das potenzielle Kandidatenfeld war weit offen, Mitt Romney lag in einigen nichtssagenden Umfragen vorne. Und nun kommt der Rücktritt vom Rücktritt vom Rücktritt. In einer Telefonkonferenz mit Unterstützern erklärte der Millionär: „Eine Umfrage, die heute veröffentlicht wurde, zeigt, dass ich weiter zulege und rund doppelt so viele Stimmen auf mich vereinen kann, wie der zweitplatzierte Herausforderer. Ich führe auch in den vier frühen Bundesstaaten“. Dennoch ziehe er sich nun zurück. Diese Aussage zeigt eigentlich nur, dass Romney nicht als „Versager“ abdanken wollte, vielmehr in vorderster Reihe seiner Partei. Als jemand, der es ja richten könnte, doch eigentlich gar nicht mehr will. Auch ein Weg, die eigenen Niederlagen im Nachhinein zu korrigieren.

 

 

Das wird was geben

Donald Trump setzte sich in Szene.

Donald Trump setzte sich in Szene.

In Iowa trafen sich am Samstag einige der republikanischen Möchtegernpräsidentschaftskandidaten. Ted Cruz, Chris Christie, Scott Walker, Rick Perry, Rick Santorum, Dr. Ben Carson, Donald Trump, Newt Gingrich, Mike Huckabee, Carly Fiorina, Sarah Palin und noch ein paar andere. Das ganze lief unter dem Namen „Freedom Summit“, denn hier kamen ja die Freiheitskämpfer schlechthin zusammen. Freiheit dahingehend, dass sie sich deutlich über Präsident Barack Obama äußerten und sich der erzkonservativen und teils verschrobenen „Tea Party“-Bewegung in den Reihen der GOP anbiederten.

Allzuviel neues konnte man nicht hören, außer den typischen Angriffen und Unterstellungen und Verdrehungen. Interssant allerdings waren die Auftritte von Trump und Palin. Donald Trump erklärte gleich mehrmals, er überlege sehr ernsthaft zu kandidieren. Die Frontrunner in der Partei, Jeb Bush und Mitt Romney, bezeichnete er unter dem Applaus des Publikums als nicht fähig Veränderungen zu bringen. Der eine sei zu lasch in Fragen der Einwanderung, der andere habe seine Chance gehabt und sie verbockt. Nur er und er allein könne Amerika wieder auf Kurs bringen. Seine Geschäftserfahrungen prädestinierten ihn und nur ihn allein für den Job im Oval Office.

Beim "Freedom Summit" durfte auch Sarah Palin nicht fehlen.

Beim „Freedom Summit“ durfte auch Sarah Palin nicht fehlen.

Donald Trump liebt Donald Trump. Er badet geradezu im Scheinwerferlicht auf der Bühne, wälzt sich genüßlich in den eigenen Worten, zeichnet quasi ein politisches Aktbild von sich. Natürlich sexy und unwiderstehlich! Trump ist ein Narzist sondergleichen. Fremdschämen ist angesagt. Man ist als Zuschauer peinlich berührt, wie dieser Mann mit eigenwilliger Haarpracht sich selbst in den höchsten Tönen lobt. Schlimm ist an seinem Auftritt, dass er nicht nur ernsthaft androht zu kandidieren, Trump meint auch noch, er habe sehr gute Chancen zu gewinnen.

Und dann ist da Sarah Palin. Mal wieder. Sie erklärte in den letzten Tagen so ganz nebenbei, dass sie „sehr interessiert“ daran sei zu kandidieren. Sofort springen die amerikanischen Medien und erklären sie gleich zu einer ernsthaften Kandidatin. Und gerade das ist Palin nicht. Das war sie noch nie, auch wenn die Teeparteisoldaten und sie selbst es gerne anders hätten. Palin war Bürgermeisterin in der Kleinstadt Wasilla in Alaska, danach noch nicht mal für eine Amtsperiode Gouverneurin des Bundesstaates. Auffällig wurde sie erst als Vize-Präsidentschaftskandidatin an der Seite von John McCain im Wahlkampf 2008. Auffällig vor allem durch ihre politischen Äußerungen, wie etwa, sie habe internationale Erfahrungen, weil sie Russland von Alaska aus sehen könne.

Sarah Palin hört sich, wie auch Donald Trump, am liebsten selbst. Die ‚Tea Party“ Aktivisten lieben sie, warum ist unerklärbar. Politisch ist Palin ein Nobody, die außer großem Getöse und Schlagworten keine Inhalte bieten kann. Sie und Trump werden sicherlich nicht 2017 im Oval Office Platz nehmen. Und falls doch, falls wirklich das Unvorstellbare passieren sollte, es nicht mit rechten Dingen zugeht, Ostern und Weihnachten auf einen Tag fallen, Barack Obama sich doch noch als wiederauferstandener Adolf Hitler oder Joseph Stalin outen sollte, dann, ja dann, habe ich immer noch meinen deutschen Pass, um das Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf dem schnellsten Weg zu verlassen.

Was die Welt nicht braucht

Es gibt vieles, was man nicht braucht. Wer schon mal auf einem Flug in diese Sky Mall Kataloge geblickt hat, der weiß, wovon ich spreche. Rosafarbene Nasenhaarentwurzeler oder Bauchnabelfusselkissen oder… Es gibt eine Unmenge an Dingen, die wirklich kein Mensch haben muß. Und nun ist die Welt um etwas „reicher“, was auch wirklich niemand bräuchte: Der Sarah Palin Fernsehkanal.

Ja, die kurzzeitige Gouverneurin von Alaska, die Vize-Präsidentschaftskandidatin im Team John McCain, die FOXNews Kommentatorin, das Darling der Tea Party hat nun einen eigenen Online Kanal gegründet. Für 9,95 Dollar Monatsgebühr kann man sich Palin rund um die Uhr ins Wohnzimmer, ins Schlafzimmer oder via Smartphone bei einer Sitzung aufs Klo holen. Sie will einen direkten Blick auf ihr Leben gewähren, will ungefiltert zu aktuellen Ereignissen Stellung beziehen, mit Gästen diskutieren und vor allem ihren Fans und Zuschauern eine Möglichkeit bieten, mit ihr in Kontakt zu treten, sagt Palin. Als Vorbild gilt ihr „TheBlaze“, ein Videokanal, der 2011 vom konservativen Talk Show Moderator Glenn Beck gegründet wurde und mittlerweile nicht nur online, sondern auch per Satellit zu empfangen ist.

Sarah Palin hat sich für dieses neueste Projekt mit Tapp Media zusammen getan. Dahinter stecken zwei bekannte Namen im Fernsehgeschäft. Jeff Gaspin war der Chef von NBCUniversal und Jon Klein, der frühere Präsident von CNN U.S. Beide gehen wohl davon aus, dass man mit der bekanntesten „Hockey Mum“ viel Geld verdienen kann.

Nun also Sarah Palin in der Dauerschleife. Einblicke in ihr Leben neben flachen Verbalergüssen. Natürlich gibt es auch einen Schuldenticker und eine Stoppuhr, wie lange Barack Obama noch im Amt ist. Dazu Nachrichten und Analysen durch die Palin Brille, sie sei die redaktionell Verantwortliche (wer’s glaubt wird seelig).

Sarah Palin testet ihre Möglichkeiten, die Abonnentenzahl wird auch darüber entscheiden, welche politischen Möglichkeiten sie noch hat. Falls sie es wirklich schaffen sollte, die Tea Party Anhänger für ihren Kanal zu interessieren und sie damit zu einem Sprachrohr der Ultrakonservativen in den USA werden sollte, dann käme an Sarah Palin wohl politisch niemand mehr vorbei. Doch das glaube ich nicht. Der Sarah Palin Kanal wird zu einer weiteren Bauchlandung für Palin werden. Still und leise wird auch dieses Projekt von ihr begraben werden. Und vielleicht verstummt dann auch endlich und für immer diese unsägliche Stimme im amerikanischen Politsumpf.

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Keine Drohnen mehr für die Jagd

Das schöne Alaska. Die Weite, die unberührte Natur, die Nachbarschaft zu Russland. Kein Wunder, dass sich Sarah Palin hier sauwohl fühlt. Kaum Verkehr, kein Lärm, eine Landschaft, wie Gott sie geschaffen hat. Nur da summt etwas. Hoch oben über den Wipfeln. Eine Drohne sucht den Wald ab, ob nicht hier oder da, ein Hirsch oder eine Elchkuh grast. Gesteuert wird das Flugobjekt von Jägern, die im Trockenen sitzen und so auf die Jagd gehen. Nein, sie lassen (noch) keine Bombe fallen, um den Wild zu erlegen, sie wollen nur Informationen aus der Luft einholen, um zu wissen, wohin sie dann ziehen müssen. Manchmal wird die Drohne auch direkt zum Jagen eingesetzt, sie treibt das Tier direkt vor die Flinte der Jäger. Ist ja auch saukalt in Alaska, man will sich ja nichts abfrieren und unnötig aus der warmen Stube oder dem Campingbus raus müssen.

Doch damit ist bald Schluß. Die Aufsichtsbehörde fürs Jagen in Alaska hat nun beschlossen, dass man in Zukunft keine Drohnen mehr bei der Jagd zum Einsatz bringen darf. Nun läuft den flugunterstützten Jägern die Zeit weg, denn ab 1. Juli könnte dieses neue Gesetz in Kraft treten, falls das Parlament zustimmt. Und Alaska ist nicht der einzige Bundesstaat, in dem die Drohnenjagd noch erlaubt ist. Auch in Colorado versuchen einige Kommunen diese Form des „Huntings“ mit lokalen Gesetzen zu unterbinden.

Allerdings gibt es auch die andere Seite. Die Tierschutzorganisation PETA hatte in Illinois ein Programm mit dem Namen „PETA’s Air Angels“, ein Drohnenprogramm, das aus der Luft die blutigen Aktivitäten von Jägern überwachte. Die allerdings haben Drohnenjagd ganz anders ausgelegt und auf die teuren fliegenden Kameras geschossen. Ein Gericht in Illinois hat nun entschieden, dass diese Luftüberwachung durch PETA illegal sei und die Privatsphäre von Jägern verletze. PETA hat bereits Einspruch erhoben.

 

Als nächstes ist Alaska dran

Die Krim ist weg. Die Europäer und Amerikaner schauen etwas verdattert, wie es dazu kommen konnte. Die Russen breiten sich weiter aus. Da wird sich Wladimir Putin freuen, dass auch die amerikanischen Russlandfreunde mobil machen. Sie haben nun eine offizielle Petition beim Weißen Haus eingereicht. Ziel ist es, Alaska wieder an Russland anzugliedern. Denn die Russen waren zuerst in der Arktis. Schon vor 16.000 – 10.000 Jahren überquerten Siedler aus dem heutigen Russland die Beringstraße. Russische Entdecker waren zwischen 1729 und 1735 in Alaska unterwegs. Erst 1867 kam Alaska zu den USA. 1959 dann wurde Alaska ein eigener US Bundesstaat.

Wenn man sich den Preis von 7,2 Millionen Dollar ansieht, den Russland 1867 für Alaska bekam, kann man durchaus verstehen, warum Putin im Schlaf tobt und geschichtliche Mißstände bereinigen will. Und sicherlich leben in Alaska auch noch einige russischstämmige Bewohner. Hier drüben in den USA gibt es einige Freunde des russischen Großreiches. Sie haben nun die Petition angestossen. Doch noch ist man weit von den 100.000 Unterschriften entfernt, die man für eine offizielle Stellungnahme des Weißen Hauses benötigt. Derzeit liegt man bei knapp über 32.000 Unterschriften. Es ist auch nicht die erste Petition, die zu einer Abspaltung eines amerikanischen Bundesstaates eingereicht wurde. Schon mehrmals wurde versucht, Texas per Unterschriftenaktion aus dem Staatenbund der USA herauszuholen.

Die ehemalige Gouverneurin und zu alles ihren Kommentar abgebende Nervensäge Sarah Palin hat sich auch noch nicht zu dieser Initiative gemeldet. Ist nur eine Frage der Zeit, denn Palin sieht zwar Russland von ihrer Terrasse aus (irgendwie zumindest in der Ferne), aber so richtig russisch fühlt sie sich wahrlich nicht, die „große amerikanische Patriotin“, wie sie Sean Hannity nannte.

Republikaner, Einwanderung und Umfragen

41 Monate sind es noch bis zur nächsten Präsidentenwahl. Doch der Wahlkampf ist bereits eröffnet. Die heißen Themen, wie auch schon gestern, die Einwanderungsreform und „Obamacare“. Und dann gibt es auch noch die Umfrageergebnisse, wer denn gewinnen würde, wenn heute Wahltag wäre. Nur, es gibt noch keinen erklärten Kandidaten, weder hier noch dort. Namen kursieren, aber keiner hat bislang ernsthaft gesagt er steigt in den Ring.

Hillary Clinton, Marco Rubio, Jeb Bush und natürlich auch noch Sarah Palin. Das wird nun monatelang künstlich am Kochen gehalten. Klar ist, der Wahlkampf 2016 wird erneut um die amerikanische Gesundheitsreform gehen, darin sind sich die Republikaner einig. „Obamacare“ muß weg, zu teuer, zu bürokratisch, zu sozialistisch.

Gespalten sind sie bei der Reform des Einwanderungsgesetzes. Teile der republikanischen Partei sehen die Notwendigkeit, die südliche Grenze sicherer zu machen und gleichzeitig den hier lebenden Latinos, die illegal ins Land gekommen sind, einen Weg aus der Illegalität zu bieten. Der andere Teil der Republikaner will die Illegalen zurück in ihre Herkunftsländer befördern und auch die Grenze dicht machen. Das bietet heftigen Streit in den eigenen Reihen. Die einen wollen sich für neue Wählergruppen, Latinos, öffnen. Die anderen wollen die Grand Old Party bleiben. Das wird noch spannend.