„America Alone“

„America First“ wird zum „America Alone“. Foto: Reuters.

Die USA hatten schon immer eine etwas verdrehte Selbstwahrnehmung. Man denke nur an Äußerungen von amerikanischen Politikern, die von „God’s country“, von der „greatest nation on earth“ sprechen. Manchmal hat man das Gefühl, dass die, die da so lauthals von der Größe Amerikas schreien, noch nie auch nur einen anderen Teil der Welt bereist, erlebt, entdeckt haben. Und sie vergessen dabei auch, dass dieses Land ein Land der Immigranten ist. Viele kamen freiwillig, andere wurden aus ihren Herkunftsländern vertrieben und fanden in den USA eine vorübergehende Unterkunft. Doch fast alle Immigranten tragen auch weiterhin ihre Wurzeln im Herzen. „God’s country“ bleibt für sie das Land, in dem sie geboren wurden, auch wenn die USA noch so ein beeindruckendes Land sind. weiter lesen

Eskalation mit Planung

Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain kappen die diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Katar. Alles im Namen des von Donald Trump ausgerufenen „War on Terror“, so, als ob hier die Guten gegen die Bösen kämpfen. Katar, so das Länderbündnis, unterstütze Terrororganisationen und halte engen Kontakt zum Iran, einer Großmacht in der Region, dem erklärten Feind der Saudis.

Und dann knallt es in Teheran, der sogenannte „Islamische Staat“ bekennt sich zu den Anschlägen auf das Parlament und das Khomeini Mausoleum, alle Welt spricht den Iranern ihr Beileid aus, nur Donald Trump ergänzt ganz offiziell mit einer Stellungnahme des Weißen Hauses und nicht via Twitter, wer Terror sät, der wird Terror ernten. Man stelle sich vor, der Iran hätte das nach den Terrorattacken des 11. Septembers 2001 gemacht. „Beileid, aber ihr habt es ja kommen sehen, satanische Gringos“. Nichts dergleichen fand statt. In Teheran brannten vielmehr Kerzen im Gedenken an die Opfer.

Trump tritt nicht nur nach, er schwingt sich nun auch noch zum Friedensstifter der Region auf. Vorher schwärmt er von immensen Lieferungen an „beautiful weapons“ – alles „Made in USA“ („Jobs, Jobs, Jobs“) – an Saudi Arabien und auch Katar, um dann zu erklären, die Region müsse in Frieden leben. Erst fordert er Saudi Arabien und die Nachbarländer auf, etwas gegen den Geldfluss an Terrororganisationen zu unternehmen, um dann erst die Isolation Katars in einem Tweet zu bejubeln und anschließend den Emir von Katar anzurufen, man könne sich ja auf eine Diet Coke im Weißen Haus treffen, um über die Lage zu sprechen.

Donald Trump zeigt hier erneut auf, wie er als Elefant durch den diplomatischen Porzellanladen trampelt. Ohne Plan, ohne Weitsicht, ohne ein Interesse daran auch nur ein bißchen auf die Ratschläge anderer zu hören. Er weiß alles besser, immerhin ist er ja Donald Trump. Unterdessen verlegt die Türkei Truppen nach Katar und verspricht weitere Hilfen, wie Nahrungsmittellieferungen an den Golfstaat  Mehrere Tausend Soldaten sollen schnellstmöglich im Emirat stationiert werden. Die Türkei unter ihrem Präsidenten Erdogan schlägt sich damit deutlich auf die Seite Katars. Erdogan sieht sein Land als „Powerhouse“ der Region und will bei diesem drohenden Militärkonflikt nicht außen vor stehen. Damit wird alles nur noch undurchsichtiger, wer hier mit wem bandelt, wer hier welche Terrorgruppen unterstützt und welche bekämpft. Die Region gleicht einem Pulverfass, in der Trump und sein despotischer Pokerclub in aller Ruhe vor sich hin zündeln.

 

Das Bla Bla um die Menschenrechte

Eigentlich ist es ja gut, dass die amerikanische UN Botschafterin, Nikki Haley, mal Klartext spricht. Eigentlich…. Vor dem Menschenrechtsrat in Genf drohte sie am Dienstag mit einem Rückzug der USA, wenn es nicht zu einer Reform der Mitgliedschaft des Rates kommen sollte. Eigentlich ist diese Forderung gut, denn am Tisch sitzen solche Länder wie Algerien, China, Kuba, Marokko, Saudi Arabien, Russland, Burundi, Kongo, Kirgistan, Irak, Äthiopien. Insgesamt 47 Staaten umfasst der Menschenrechtsrat.

Kämpferin für die Menschenrechte auf verlorenem Posten – Nikki Haley. Foto: Reuters.

Die Kritik Haileys richtete sich vor allem gegen Venezuela und die ständigen Anti-Israel Beschlüsse der „Human Rights“-Vertreter. „Es ist nur schwer hinzunehmen, dass dieser Rat noch nie eine Resolution gegen Venezuela auch nur angedacht hat. Und gleichzeitig wurden seit März fünf parteiische Resolutionen gegen ein einziges Land verabschiedet – Israel. Es ist notwendig, dass dieser Rat seine chronische Anti-Israel Einseitigkeit anspricht, um überhaupt noch glaubwürdig zu bleiben“, meinte die UN Botschafterin. Damit hat sie sicherlich recht, denn im Rat sitzen viele Vertreter, die das Existenzrecht von Israel hinterfragen.

Allerdings machte Hailey mit ihrer Kritik auch deutlich, dass die USA selbst in Sachen Menschenrechte nicht so genau hinsehen. Venezuela zu benennen und gleichzeitig andere (Partner-)Länder zu übergehen spricht für sich. Ihr Boss, Präsident Trump, gab ja die Losung auf seiner Reise nach Saudi Arabien vor. Trump erklärte in Riad, er sei nicht gekommen, um andere Länder zu kritisieren, ihm gehe es nur um wirtschaftliche Kontakte und den Kampf gegen Terroristen. „Human Rights“ Verletzungen im Wüstenkönigreich, das ist dann wohl eine innere Angelegenheit, die Trump bewußt übersah.

Die USA unter Donald Trump fahren keine klare Linie, das wurde auch wieder in Genf deutlich. Dass der Menschenrechtsrat eine traurige Witzveranstaltung geworden ist, in der Länder wie Saudi Arabien, China, Russland und Burundi neben vielen anderen Diktaturen und Unrechtsregimen über Grundrechte urteilen ist leider schon lange bittere Realität. Das darf, das sollte man deutlichst kritisieren. Aber die USA können nicht hier und jetzt die Moralkeule schwingen und dort und nur ein paar Tage zuvor das brutale Vorgehen der Saudis geflissentlich übergehen. Man muss sich fragen, wie Nikki Haley diese Gratwanderung überhaupt zustande bringen kann. Eigentlich müsste ihr übel geworden sein, als sie Trumps Auftritt in Riad sah. Denn die Hofierung der Scheichs war eine deutliche Absage an all das wofür Nikki Haley im UN Menschenrechtsrat sprach. Armes Amerika!

 

Der unkontrollierte Waffenfluss in die Krisengebiete

Die USA lernen nichts aus ihrer Geschichte. Das zeigt sich nun erneut mit dem Ausruf von Donald Trump, dass er „wunderschöne amerikanische Waffen“ nach Saudi Arabien liefern wird. Und daneben steht das Angebot an andere islamische Staaten, dass auch sie in den Genuss amerikanischer Waffenlieferungen kommen werden, wenn sie sich am Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat und anderer Terrorgruppen beteiligen. „No questions asked“, meint Trump, egal wie es in den jeweiligen Ländern um Menschenrechte, Demokratie, Korruption steht.

Das Friedenswerkzeug des Donald Trump in den falschen Händen. Beschlagnahmte Waffen im Irak. Foto: Reuters.

Zeitnah zum Trumpschen Motto „Frieden durch mehr Waffen“ wurde nun bekannt, dass die USA nicht so genau wissen, wohin eigentlich die bisherigen Waffenlieferungen in die Region – Waffen, Munition und militärisches Zubehör – im Wert von über einer Milliarde Dollar geblieben sind. All das, was für das irakische Militär, Schia Milizen und kurdische Peschmerga Gruppen gedacht war, wo ist es geblieben? Nachweise, ob diese Lieferungen auch tatsächlich angekommen sind, gibt es nicht. Ähnliche offene Fragen bestehen auch für das Jahr 2015.

Ein Team von BBC Journalisten hat sich einmal die Mühe gemacht und sich die Bestell- und Lieferscheine des Pentagon aus den letzten 14 Jahren genauer angesehen. Darin sind 1,45 Millionen Waffen aufgelistet, die in den Irak und nach Afghanistan geliefert wurden: 978.000 Sturmgewehre, 266.000 Pistolen und fast 112.000 Maschinengewehre. Dem Bericht zufolge ist jedoch nicht mehr nachvollziehbar, in welchen Händen diese Waffen heute sind. Ob irakisches Militär oder Islamischer Staat, ob afghanische Armee oder Taliban. Aber all das ist egal, mehr Waffen soll es für die Region geben, so Trump, denn das bedeutet ja schließlich mehr „Jobs, Jobs, Jobs“ für die Waffenschmieden in „God’s Country“….Make America Great Again!

Die Eskalation der Entwicklungshilfe

Präsident Donald Trump erklärt die Welt. Foto: AFP.

Donald Trump liest vom Teleprompter ab und die Welt hört zu. Auf seine Rede zum Islam in Riad waren viele gespannt. Nein, er sprach nicht vom „radical islamic terrorism“, vielmehr pries er den Islam in ganz ungewohnten Tönen. Der Wolf hatte Kreide gefressen und sich den Schafspelz übergeworfen. Aber es war klar, dass Donald Trump nicht nach Saudi Arabien reisen würde, um dort seine offene Polterei fortzuführen. Er nutzte vielmehr die Möglichkeit vor dem saudischen Königshaus und Dutzenden von Präsidenten aus islamischen Ländern zu sprechen, um die Welt aufzuteilen – in gut und böse. Wer mit uns kämpft ist auf der guten Seite, wer gegen uns ist, wird die Konsequenzen tragen müssen. Vieles in dieser Ansprache erinnerte an George W. Bush aber auch an Barack Obama. Das reichte vom Handausstrecken bis zur Verteufelung des Gegners. Die „Axis of Evil“ 2017 besteht nun aus jenen, die den IS unterstützen, dem Iran und Nordkorea.

Was in dieser Rede und Trumps Besuch allerdings deutlich wurde, war die Neuausrichtung der amerikanischen Entwicklungspolitik. Zuvor schon hatte Trump massive Kürzungen in den Haushalten von USAID und State Department vorgeschlagen. Und dann fehlten Begriffe wie Menschenrechte, Fairness, humanitäre Intervention, Demokratisierung ganz in der Trumpschen Vorlesestunde. Vielmehr betonte Präsident Trump, dass er nicht gekommen sei, um anderen vorzuschreiben, wie sie zu denken und zu leben haben. Ein klares Signal in Saudi Arabien und vielen anderen islamischen Regimen: „Macht so weiter, wie bisher. Mich interessieren eure inneren Angelegenheiten nicht“.

Trump will fortan Staaten unterstützen, die den USA im Kampf gegen die Terrororganisation IS helfen. Das heißt, die Amerikaner wollen den Nahen Osten und Teile Afrikas mit gewaltigen Waffenlieferungen und Militärhilfen überziehen. Der 100 Milliarden Dollar Deal mit Saudi Arabien zeigt den Weg. Die notleidende jemenitische Bevölkerung, die Opfer der saudischen Bomben wurde, ist und wird, entlockt Donald Trump noch nicht einmal einen Seufzer. Die Militarisierung der Krisengebiete nimmt damit eine katastrophale Wende. Trump ist kein Friedenspräsident, auch wenn er, wie in Riad, großspurig vom Frieden in aller Welt spricht. In der saudischen Hauptstadt machte er deutlich, dass mit den „wunderschönen amerikanischen Waffen“ der Frieden herbeigebombt werden soll. Ein Frieden für die diktatorischen Machthaber im Kampf gegen Demokratie, Menschenrechte, Gleichberechtigung, Mitspracherecht, Anderssein.

Der amerikanische Präsident zeigte in Saudi Arabien sein wahres Gesicht. „America first“, „Jobs, Jobs, Jobs“, „Beautiful Deals“ – und das alles auf Kosten jener Menschen, die schon jetzt zu den Benachteiligten der Welt gehören. Trump ist nicht ohne Grund Milliardär geworden. Seine Dollargeilheit als Immobilienhai will er nun als US Präsident witerführen. Koste es was es wolle!

In Rüstung „we trust“

In der Nürnberger Zeitung steht heute ein Artikel über die gestiegenen Rüstungsausgaben weltweit. Die USA gaben im vergangenen Jahr 611 Milliarden Dollar für ihre Armee aus, China 215, Russland 69,2, Saudi Arabien 63,7. Deutschland liegt mit 41.1 Milliarden Dollar auf dem neunten Rang. Diese Zahlen werden in diesem Jahr weiter steigen. In den Vereinigten Staaten unter Donald Trump wird das Militär aufgerüstet und Trump selbst setzt die NATO Mitgliedsländer unter Druck, auch ihre Wehretats aufzustocken. Die Welt ist damit wieder in einer kostspieligen und verheerenden Rüstungsspirale angekommen.

Doch diese Zahlen drücken nur einen Teil der Rüstungsdebatte aus. Der frühere Korrespondent Markus Bickel berichtete lange Jahre aus den Krisengebieten dieser Welt, aus Sarajevo, Beirut, Bagdad und Damaskus. Er reiste viel in all die umliegenden Länder der arabischen und nordafrikanischen Welt. Seit Anfang des Jahres ist er der Leiter der Zeitschrift „Amnesty Journal“, dem Magazin von amnesty international in Deutschland. In seinem nun erschienen Buch „Die Profiteure des Terrors“ blickt Bickel auf ein Kapitel der Rüstungsindustrie, das nur zu gerne übersehen wird. Der internationale und legale Waffenhandel ist hier zu einem gewinnbringenden Exportschlager geworden und dort zu einer Manifestierung alter und überholter Strukturen. Hinzu kommt die beabsichtigte und auch unbeachsichtigte Bewaffnung von Terrorregimen und -gruppen. Ein kleiner Kreis deutscher Politiker unterstützt mit einem „Ja-Wort“ im Bundessicherheitsrat Tod und Verderben, Terror und Unterdrückung in zahlreichen Ländern. Deutsche Waffen sind beliebt in aller Welt und leichter erhältlich, als man glauben mag. Gerade das zeigt Markus Bickel in seinem Buch auf.

Es geht um Bündnistreue, um politische und militärische Partnerschaften, die immer wieder zu bedenklichen Exporten führen. Saudi Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar sind nicht gerade bekannt als Hüter der Menschenrechte. Der Krieg im Jemen beleuchtet die ganze militärische Macht Saudi Arabiens. Deutsche Waffen sind im Einsatz, auch und vor allem gegen die Bevölkerung. Was die Bundesregierung immer wieder öffentlich einfordert ist die Kontrolle der Waffenlieferungen. Man wolle nicht, dass die Waffen in die falschen Hände geraten oder gegen Zivilisten eingesetzt werden. Doch das ist Augenwischerei, wie Markus Bickel in „Die Profiteure des Terrors“ ausführlich beschreibt. Eine Kontrolle ist mit der Auslieferung von Schußwaffen und Rüstungsgerät nicht mehr zu garantieren.

Man muß nur selbst in Krisen- und Konfliktländer reisen, um die Schwemme an Waffen zu sehen. Allein in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara, in denen ich mehrfach unterwegs war, wird geschätzt, dass weit über 30 Millionen Schußwaffen im Umlauf sind. Nun denke man an den Irak, an Syrien, an Afghanistan. Von einer Kontrolle kann da nicht die Rede sein. Eigentlich überall haben Länder wie Deutschland, Frankreich, England und vor allem die USA die „Bad Hombres“, wie Donald Trump gerne Terroristen und Kriminelle nennt, bewaffnet. Der Islamische Staat wurde nur noch stärker durch die Waffen aus dem Westen. Und die kamen aus eroberten amerikanischen Depots und aus Waffenlieferungen im Kampf gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad.

Markus Bickel legt in seinem lesenswerten und umfassenden Buch die Wege offen, jene Wege, die von Deutschland aus in Krisengebiete gehen und sich dort verlaufen. „Profiteure des Terrors“ ist eine Anklage gegen das Wegsehen. Das Siegel „Made in Germany“, u.a. auch produziert in Nürnberg, geht uns schließlich alle an.

Markus Bickel, Profiteure des Terrors, Westend Verlag, 18 Euro.

Trump wird zum Kriegspräsidenten

Vor der Wahl hieß es, vor allem in den sozialen Netzwerken, die Wahl für Hillary Clinton sei eine Wahl für den Krieg. Verstanden habe ich diese Argumentation nicht ganz, denn derjenige, der im Wahlkampf von militärischer Stärke, der Führungsnation und „America First“ tönte, war Donald Trump. Und nun zeigt er, was er damit meint.

Der Jemen gerät immer mehr zwischen die Fronten. Foto: AFP.

Trump will über 50 Milliarden Dollar mehr in das US Militär investieren. Hinzu kommen Drohgebärden in alle Richtungen, die zeigen sollen, Amerika pocht auf seine Vormachtstellung. So fordert der frühere General und jetzige Verteidigungsminister Jim Mattis im Einvernehmen mit den verbündeten Golfstaaten und Saudi Arabien eine verstärkte Einmischung der USA im Jemen. Dort kämpft die saudische Allianz gegen eine vom Iran unterstützte Rebellengruppe. Der Bürgerkrieg im Jemen hat schon weit über 10.000 Menschenleben gefordert, die Versorgungslage der Bevölkerung kann nicht mehr garantiert werden, eine Hungerkatastrophe droht, Tausende von Flüchtlingen versuchen nur wegzukommen aus dem Jemen. Bislang mischten sich die USA nur mit Spezialeinheiten im Anti-Terrorkampf ein. Waffenlieferungen an die Allianz wurden unter Obama nach massiven Bombardierungen gegen die Zivilbevölkerung und Menschenrechtsverletzungen zurück gefahren.

Doch damit soll nun Schluß sein. Mattis fordert ein stärkeres Eingreifen am Golf von Aden, auch und vor allem gegen den Iran, dem Erzfeind Saudi Arabiens. Das Regime in Teheran hatte Donald Trump im Wahlkampf ebenfalls zum erklärten Gegner der USA erklärt. Den Nuklear-Deal mit Teheran, unter Barack Obama ausgehandelt, wischte der Donald als „schlimmsten Deal überhaupt“ vom Tisch. Und auch auf der anderen Seite der Meerenge, in Somalia, intensivieren die Amerikaner ihren Einsatz, der hier noch rein als Anti-Terror Einsatz umschrieben wird.

Die USA unter Donald Trump setzen auf militärische Stärke, die sie auch zeigen wollen. Trump hat sich im Weißen Haus mit so einigen Hardlinern umgeben, die mehr Einsätze von Bodentruppen und Waffenlieferungen fordern. Trump befeuert damit in Wild-West-Manier die Eskalation in den vergessenen Teilen der Welt, auf Kosten der Zivilbevölkerung wird ein Stellvertreterkrieg angezettelt.

„Je Suis…“?

Am Wochenende standen in den frühen Morgenstunden Menschen im Nürnberger Hauptbahnhof Schlange, um eine der wenigen Ausgaben des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ zu ergattern. Die Auflage von mehreren Millionen ist europaweit vergriffen. Diese massive Solidaritätsbekundung gilt als Zeichen für die Meinungs- und Pressefreiheit. Doch ist das wirklich so? Seien wir mal ehrlich, viele verstehen die provokanten und verletzenden Karikaturen gar nicht und wenn, dann würden sie sie wohl auch als maßlos übertrieben, humorlos und unverschämt ansehen.

Das ruandische Hetzblatt Kangura.

Im ruandischen Hetzblatt Kangura wurde zum Mord an den Tutsi aufgerufen.

Die uneingeschränkte Meinungsfreiheit ist uns heilig. Das ist für mich, nicht nur weil ich selbst als Journalist arbeite, ein Grundrecht. Jeder sollte das sagen können, was er möchte, ohne in Gefahr zu geraten, von Extremisten erschossen oder anderweitig hingerichtet zu werden. Doch gibt es diese uneingeschränkte Meinungsfreiheit überhaupt, die in diesen Tagen so hochgehalten wird, die Millionen von Menschen auf die Straßen bringt, die Regierungschefs Arm in Arm in einer Pariser Seitenstraße vor die Kameras führt? Wann zeigt man sich solidarisch, wann blickt man lieber weg?

FOXNews ist ein konservativer Nachrichtenkanal in den USA, der durchaus als Sprachrohr der Republikaner gesehen werden kann. Nicht nur, dass hier regelmäßig für amerikanische Kriegseinsätze und ein hartes iinternationales Durchgreifen geworben wird. Auf FOXNews kommen durchaus auch Leute zu Wort, die voller Verschwörungstheorien sind, die den Präsidenten als Sozialisten, als Nazi, als dumm bezeichnen. Oftmals auch noch mit einem rassistischen Unterton. Was wäre, wenn Extremisten die Redaktionsräume des Senders in New York stürmten und einige Journalisten und Moderatoren erschießen würden? Je Suis FOX?

Was wäre, wenn Extremisten in den Büros der saudischen Zeitung „Al-Riyadh“ ein Blutbad anrichteten. Einem Blatt, das den offiziellen Kurs Saudi Arabiens widergibt, das regelmäßig gegen Israel hetzt, das Diskriminierungen gegen Homosexuelle, Frauen, Ausländer verteidigt, das für die Scharia Gesetzsprechung eintritt. Je Suis Al-Ryadh?

Oder gehen wir 21 Jahre zurück nach Ruanda. Damals hetzten Journalisten des Radiosenders „Radio-Télévision Libre des Mille Collines“ (RTLM) gegen die Tutsi Minderheit, beschimpften sie als „Kakerlaken“, die umgebracht werden müssen, forderten die radikalen Interahamwe Milizen auf, liberale Hutu und Angehörige der Tutsi abzuschlachten. Genauso das Blatt „Kangura“, in dem übelste Hassparolen, auch in Karikaturen, verbreitet wurden. RTLM und Kangura Journalisten wurden zum Teil auch von der „Konrad-Adenauer-Stiftung“ und von der „Deutschen Welle“ ausgebildet. Was wäre passiert, wenn die Büros des Senders und der Zeitung von Bewaffneten gestürmt und die anwesenden Mitarbeiter umgebracht worden wären?  Je Suis RTLM, Je Suis Kangura?

Wohl kaum. Und nein, ich vergleiche nicht die Hetzparolen von RTLM mit den Karikaturen von Charlie Hebdo. Ich versuche auch nicht zur Gewalt aufzurufen oder sie zu rechtfertigen. Niemand sollte wegen „Freedom of Speech“ umgebracht werden. Ich frage nur, was ist Meinungsfreiheit, was ist Pressefreiheit? Ist es am Ende nicht eine Illusion zu glauben, jeder habe das Recht alles zu sagen, alles zu veröffentlichen? Machen wir uns da nicht was vor? Und wann zeigt man sich solidarisch? Ich habe keine Antworten darauf.

24 Stunden News

Wer ist der mysteriöse Mann auf dem Dach? War es ein geplanter Anschlag am Steuertag, dem 15. April? Was machten die beiden arabisch sprechenden Männer auf einem Flug von Boston nach Chicago? Und was haben die FBI Agenten aus der Wohnung des saudischen Studenten getragen? „Informanten“ und „gut unterrichtete Kreise“ berichten Reportern, natürlich nur unter Vorbehalt und Nichtnennung ihres Namens, von ersten Spuren, Verhören, Fahndungserfolgen. Und das ist Wahnsinn, was da verbreitet wird. Jeder will etwas gesehen und gehört haben.

Da wird ein 20jähriger Student aus Saudi Arabien von einem Passanten festgehalten, weil er verletzt vom Tatort wegrannte. „Das sei auffällig gewesen“. Danach habe der junge Mann auch noch den herbeigerufenen Polizisten gefragt, ob jemand umgekommen sei. Absolut tatverdächtig! Das Foto einer Person auf dem Dach, die nach der Explosion zum Dachrand läuft, wird zum Ausgangspunkt für die schrägsten Verschwörungstheorien. Und besorgte Marathonläufer auf einem Rückflug von Boston nach Chicago weigerten sich mit zwei arabisch sprechenden Männern an Bord zu fliegen, die nicht nebeneinander saßen. Diese mussten erst aus dem Flugzeug eskortiert und befragt werden, bevor die Maschine abheben konnte. Arabisch, klar die Taliban Terrorzelle ist wieder aktiv. Und warum hat Präsident Obama nicht vor der Presse von einem Terroranschlag gesprochen, hat er Informationen, dass es sich um einen Anschlag gegen den amerikanischen Steuertag handelte?

Die 24 Stunden Nachrichtenkanäle machen einen in diesen Stunden ganz wirr. Da werden Leute befragt, immer und immer wieder, die eigentlich nichts zu sagen haben. Es werden Analysen erstellt, die unsinnig, Schlußfolgerungen gezogen, die schlichtweg bescheuert sind. Jeder will bessere und mehr Informationen haben, als der andere. Breit wurde veröffentlicht, dass Blindgänger gefunden wurden. Nun mußte man zurück rudern und erklären, keine weiteren Bomben seien entdeckt worden. Die Muslime in den USA sind verständlicherweise besorgt, was, wenn der Täter ein radikaler Islamist war? Und noch schlimmer, was, wenn er gläubiger Amerikaner war und hier im eigenen Land radikalisiert, sprich verblendet wurde?

Nichts sieht derzeit nach einem Anschlag aus, der von langer Hand und vom Ausland vorbereitet wurde. Sogar die Taliban, die sonst jeden kleinen Zwischenfall als gezielten Anschlag auf die „imperiale Großmacht USA“ darstellen, erklärten „Wir waren es nicht“. Ich wage es zu sagen, der oder die Täter sind von hier, aus den USA. Das macht den Terroranschlag nicht besser, es ist und bleibt ein feiges Attentat. Doch man sollte hier nun mal gelassener reagieren. Die Ermittlungsbehörden ihre Arbeit ungestört erledigen lassen und nicht als seriöser Nachrichtensender auf die Aussagen eines Hausmeisters, Parkwächters oder Passanten hören, der sich irgendetwas zusammenreimt, weil ein Wagen des FBI vorbeifuhr. Ich zahle Steuern hier drüben, mit denen Ermittlungsbehörden finanziert werden. Ich vertraue jetzt einfach mal darauf, dass Polizei, FBI, Secret Service, ATF, Homeland Security und  wer noch alles an diesen Ermittlungen beteiligt ist, wissen, was sie da machen. Vor allem, was sie für eine Verantwortung haben, damit die Situation nicht eskaliert.