Die Brücke an der Bay

Am 3. September sollte es endlich so weit sein. Die neue Bay Bridge, der Ost-Teil, sollte mit Posaunen, Trompeten, Tamm-Tamm und viel Trulala eröffnet werden. Ein Volkslauf sollte organisiert werden, ein freier Spaziergang bis nach Treasure Island möglich sein, Volksfeststimmung war geplant. Und nun fällt die Feier wohl ins trübe Bay Wasser.

Das eigentlich auf eineinhalb Milliarden Dollar geplante Projekt kostet mittlerweile 6,4 Milliarden Dollar. Eine kleine Kostenerhöhung, die in Kalifornien daran liegt, dass über lange Zeit jeder mitreden wollte. Bürgermeister kamen und gingen auf beiden Seiten der Bay und verlangten Nachbesserungen, denn mit so einer Brücke kann man sich ja auch in die Annalen der Region einschreiben. Dann stieg der Stahlpreis und schwupps hatte man ein paar Milliarden mehr Kosten verursacht.

Als ich in die San Francisco Bay Area zog wurde gerade die Brückengebühr von einem Dollar eingeführt. Die sollte zeitlich begrenzt sein und zur Finanzierung des Neubaus beitragen. Mittlerweile zahlt man zu den Stoßzeiten sieben Dollar Gebühr und keiner redet mehr davon, dass dies auch wieder abgeschafft wird. Auch nicht die steuerfeindlichen Republikaner….ach ja, stimmt, das ist ja keine Steuer. Denn nur wo Steuer drauf steht, ist auch eine Steuer drin.

Doch zurück zum 3. September. Die Party muß wohl abgesagt werden, denn vor kurzem hat man festgestellt, dass 32 Bolzen, die teilweise drei Meter messen, brüchig sind. Und das genau in dem Bereich, an dem die Brücke nach links in das Tunnel auf Treasure Island biegt. Nun rätselt man, wie es dazu kommen konnte. Erst hieß es, die Stahlfirma in Ohio, die die Bolzen lieferte, habe schlampig gearbeitet. Die wehrte ab und meinte, nix da, wir haben sauber malocht. Jetzt heißt es, die Bolzen haben über fünf Jahre neben der Brücke gelegen, anscheinend habe das Regenwasser und der feuchte Nebel die Teile splissig gemacht. Andere Experten fragen sogar, ob nicht ganz falsch geplant worden sei und der Fehler in der seismischen Ausrichtung der Brücke liege.

Egal, was nun der Fehler ist, es sieht nicht gut für die Party am 3. September aus. Die Bürgermeisterin von Oakland, Jean Quan, meinte schon, dass würden die Hotelbesitzer in ihrer Stadt nicht gerne hören, denn an disem verlängerten Labor Day Weekend sei alles schon ausgebucht. Nun debattiert man darüber, ob man nicht dennoch, auch mit den ollen kaputten Bolzen die Brücke für den Verkehr eröffnen kann. Denn das Problem ist die alte 1936 errichtete Brücke direkt daneben, die nicht erdbebensicher ist und schon beim 89er Earthquake nachgab.

Wir hier haben also die Wahl, entweder weiter auf einer Wackelbrücke Jahrgang 1936 zu fahren oder aber auf einer niegelnagelneuen Skybridge voran zu kommen, in der Hoffnung, dass nicht noch mehr Bolzen rissig werden. Kalifornien ist wahrlich zum Schildbürgerland geworden.