Die Zukunft heißt Bildung

Die Förderklasse in der Schule.

Dienstagmorgen kurz nach 9 Uhr. Zwischen einer Tankstelle und einigen Verkaufsständen geht eine staubige Straße links ab. Nach etwa 30 Metern eine hohe Mauer und ein Stahltor. Dahinter liegt ein riesiger Platz umrahmt von etlichen Klassenzimmern. Hier werden 1383 Schulkinder von der ersten bis zur achten Klasse unterrichtet. Die Schule platzt aus allen Nähten, unterrichtet wird in zwei Schichten. Alles andere als ideale Bedingungen.

Gegenüber des kleinen Büros der Direktorin, das auch das Lehrerzimmer für 42 Lehrkräfte ist, werden zwei neue Schulräume gebaut. Links davon ein weiterer Raum für Mädchen mit dahinter liegenden Toiletten und einem Waschbereich. Die Hilfsorganisation CARE ist hier mit deutschen Entwicklungshilfegeldern aktiv. Damit soll etwas Abhilfe geschaffen werden, doch es fehlt an allen Ecken und Enden. In den Klassenzimmern sitzen die Kinder zu dritt, manchmal zu viert auf einer Schulbank. Unterrichtet wird in einem Zimmer Geschichte, im anderen Englisch, im dritten Mathematik. Die ganz Kleinen lernen fleißig ihr ABC und schauen den etwas anders aussehenden Besucher mit großen Augen an. Und es gibt auch eine Förderklasse für Kinder mit Lerndefiziten an dieser Schule.

Gleich an mehreren Schulen in der Haupstadt Hargeisa werden solche Baumaßnahmen von CARE durchgeführt. In den Städten wird die Schulpflicht umgesetzt, die Fehlrate oder Schulabbrecherquote liegt bei 5-10 Prozent. Das ist wenig im Vergleich zum ländlichen Raum in Somaliland. Dort geht rund die Hälfte der Kinder nicht zur Schule, sie müssen ihren Familien auf den Feldern oder bei der Viehhütung helfen. Das sei ein großes Problem, wird mir gesagt. Was in diesen „rural areas“ benötigt werde, seien „Flexi Classes“, flexible Schulangebote für Kinder, die eben in ihrer Familie schon früh mitarbeiten müssten. Auch in den Städten würden sich solche Nachmittags- und Abendklassen anbieten, doch dafür fehlt das Geld und der Raum.

In Hargeisa gibt es neben den öffentlichen Schulen auch private Schulen, doch die können sich nur die Reichen leisten. Für die meisten der Kinder auf den „public schools“ ist nach der achten Klasse Schluss. Eine fortführende Schulbildung oder gar ein Studium kann sich hier kaum jemand leisten, denn dafür muss gezahlt werden. Die Nachfrage nach Stipendien ist daher groß und könnte hier mit wenigen finanziellen Mitteln zahlreiche Kinder fördern.

Kinder sind Kinder überall.

Der Staat selbst kann das nicht leisten. Somaliland geht seit 1991 seinen eigenen Weg. Und das ohne internationale Anerkennung. Warum, werde ich hier immer wieder gefragt, wird Somaliland nicht anerkannt? Das Land sei friedlich, es gebe demokratische Wahlen, man sehe sich nicht als Teil Somalias. Diese Frage stellte ich dem Auswärtigen Amt in Berlin. Schriftlich wurde mir erklärt, dass das nicht passieren wird, denn man wolle keine „Balkanisierung“ des Horn von Afrikas. Wenn ich diese offizielle Antwort gebe, schüttelt man hier nur den Kopf. Verstehen kann das niemand.

In der Grundschule wird an diesem Morgen mit einem Metallschlagen das Ende der Pause eingeläutet. Nach einem kurzen Fussballkick, Fangen, im Sand spielen, Unterhaltungen, viel Lachen geht es wieder zurück in die kleinen Klassenräume, ganz so, wie es Schulkinder auch in Nürnberg oder Oakland tun. Nur hier scheinen die Kinder wissenshungriger zu sein, irgendwie kommt es mir sogar so vor, als ob sie wissen, dass Bildung ihre – vielleicht einzige – Chance ist. Doch die Aussichten nach der Schule Erfolg zu haben, sich weiter bilden zu können sind mehr als schwierig. Mit wenig könnte man hier viel erreichen. Das habe ich auf diesen Reisen immer wieder sehen und erfahren können. Es braucht nicht viel, es braucht vielleicht nur den Willen helfen zu wollen.

 

2 Tote, 20 Verletzte

Während man in Washington eine sinnlose Debatte über den Zugang zu Waffen führt, starben seit dem Schulamoklauf von Parkland in Florida in vier Massenschießereien zwei Menschen und 20 weitere wurden verletzt. Es sind Schießereien, die keine großen Schlagzeilen machen, die nur Leben verändern.

Foto: Reuters.

Donald Trump schwingt sich, nachdem er der Wunschkandidat der „National Rifle Association“ war, zum Anführer einer Schulsicherheitsfront auf. Seine Lösungsvorschläge sind allerdings mehr als fraglich. Weder ein Verbot der sogenannten „Bump Stocks“, die aus einem halbautomatischen Gewehr ein fast vollautomatisches werden lassen, noch sein Vorschlag nun Lehrer in den Schulen zu bewaffnen, werden in Zukunft Amokläufe verhindern. Einem Verbot der „Bump Stocks“ widerspricht noch nicht einmal die NRA, von daher sieht man, dass es ein Nullvorschlag zur Waffenkontrolle ist.

Trump will handeln und macht dennoch nichts, um die Schulen und das Land sicherer werden zu lassen. Er diskutiert darüber, dass man das Mindestalter für den Kauf eines Sturmgewehrs auf 21 anheben soll und übersieht dabei, dass nur in dreieinhalb Prozent der mit Schußwaffen verübten Straftaten Gewehre zum Einsatz kommen. Der Großteil der Amokläufe und Massenschießereien in den USA wird mit Handfeuerwaffen durchgeführt.

Und überhaupt geht die derzeitige Diskussion über Schulsicherheit am eigentlichen Thema vorbei. Denn Massenschießereien gibt es nicht nur in Schulen, es gab sie in Kinos, am Arbeitsplatz, in Kirchen. Sollen nun Filmvorführer, Angestellte von Versicherungen und Priester bewaffnet werden, damit diese umgehend reagieren können, wenn ein „Sicko Shooter“ (Donald Trump), durch die Tür kommt? Auch wird bei dieser unsäglichen Debatte bewußt übergangen, dass Jahr für Jahr weit über 10.000 Menschen mit Schußwaffen ermordet werden und sich etwa 23.000 Menschen mit einer Knarre das Leben nehmen. Wer hier in den USA wirklich die Waffengewalt stoppen will, der muss das vermeintliche Grundrecht auf Waffenbesitz in Frage stellen. Alles andere ist nur Augenwischerei. Weder ein Verbot von „Bump Stocks“, noch eine Anhebung der Altersgrenze für Sturmgewehre, noch die Militarisierung der Schulhöfe wird zukünftige Blutbäder in den USA verhindern. Die Zahlen, die Statistiken sprechen eine eindeutige Sprache. Es gibt nur eine Lösung, doch die findet in den USA keine politische Mehrheit. Von daher ist auch weiterhin die Frage nicht, ob es wieder passieren wird, sondern wann es wieder passieren wird.

Yoga ist gefährlich für das Wohl der Kinder

Ich bin so was von steif in der Hüfte, meine Haltung ist eine einzige Katastrophe, ich kann noch nicht mal beim Vorbeugen meine Füße berühren. Für mich war immer klar, es kann nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn sich da Menschen verbiegen und verdrehen, problemlos Beine hinter dem Kopf ablegen oder sich mit der Nasenspitze in der Kniekehle reiben können. Nun weiß ich auch warum. Es liegt wohl an meiner mangelnden Religiosität.

Das wird nämlich nun in Kalifornien gerichtlich geprüft. Im Schuldistrikt von Encinitas in Südkalifornien legte eine Familie Klage dagegen ein, dass Yoga in den öffentlichen Schulen unterrichtet wird. Durch eine finanzielle Unterstützung der Jois Foundation in Höhe von 533.000 Dollar wurde Ashtanga Yoga in den Schulen eingeführt. Zweimal in der Woche erhalten die Schüler ein 30 Minuten Programm. Und das stößt einer Familie gehörig auf.

Es gehe den klagenden Eltern Stephen und Jennifer Sedlock nicht um eine finanzielle Abfindung, so Anwalt Dean Broyles, vielmehr verteidigen sie mit ihrer Klage die amerikanische Verfassung. „Das Ashtanga Programm des Schuldistrikts ist für mich einer der klarsten Fälle, wie der Staat auf dem Grundrecht auf religiöse Freiheit herumtrampelt, den ich in meinen 18 Jahren als Verfassungsanwalt gesehen habe“, erklärte Broyles. In seiner Klageschrift führt er an, dass Yoga seine Wurzeln im hinduistischen, buddhistischen, taoistischen und anderen metaphysischen Glaubensrichtungen habe.

Der für die Schulen in Encinitas verantwortliche Superintendent Timothy Baird betonte, man vermittele keine Religion. Er verwies darauf, dass in vielen amerikanischen Schulen bereits Yoga unterrichtet werde, allerdings am Nachmittag als Zusatzangebot und nicht wie in Encinitas am Vormittag. Durch das Erlernen gezielter Atemtechnik solle Stress abgebaut werden, verteidigte Baird das Schulangebot. Erste Untersuchungen haben ergeben, dass Schüler, die regelmäßig Yoga praktizieren, ruhiger in Prüfungssituationen sind. Die Jois Stiftung hofft  mit diesem Pilotprojekt in Südkalifornien eine Ausweitung von Yogaklassen an den Schulen durchzusetzen. Also eigentlich eine gute Sache in einem Land, das von Schulschießereien und Gewalt in Bildungseinrichtugen betroffen ist. Tief Durchatmen und Ommm……

 

 

 

Privatisierung der Schulen

Das öffentliche Schulsystem in den USA liegt im argen. Landauf, landab, von Osten nach Westen sind die „public schools“ ein Desaster. Die Probleme für das Scheitern vieler Schüler sind vielfältig. Von gesunkenen finanziellen Mitteln, von überstarken Lehrergewerkschaften, vom reinen Testlernen bis hin zum Absenken des Lernniveaus….die öffentlichen amerikanischen Schulen sind reformbedürftig, das steht außer Frage. Doch die Ansätze, eine grundlegende Reform durchzusetzen und somit den Schülerinnen und Schülern die bestmöglichste Bildung zu bieten, wurde politisiert. Demokraten setzen auf eine allgemeine Bildung, fordern mehr Gelder und wollen den Einfluß der Gewerkschaften nicht beschneiden. Die Republikaner glauben nicht an eine Reform, können sich zu einer Abschaffung der „public schools“ aber auch nicht durchringen. Sie versuchen nun das öffentliche Schulsystem finanziell auszubluten.

Allen voran Bobby Jindal, Gouverneur von Louisiana und Hoffnungsträger seiner Partei. Er hat gegen den Willen der Opposition einen sehr fragwürdigen Plan durchs Abgeordentenhaus von Baton Rouge gepaukt. Dieser besagt, dass in Zukunft die Eltern von Schülern der öffentlichen Schulen die freie Wahl haben, ihre Kinder auch auf Privatschulen zu senden. Und falls sie dies tun, wird ihnen vom Staat einfinanzielle Gutschein in der Höhe jenes Betrages gewährt, den öffentliche Schulen für ihre Schüler ansetzen. Damit hofft Jindal, dass zum einen langfristig Gelder im 3,5 Milliarden Dollar Bildungshaushalt eingespart werden. Zum anderen ist er, wie eigentlich jeder Republikaner, davon überzeugt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Nutznießer, so der Gouverneur, wären am Ende die Schüler. „Wir lassen die Eltern selbst entscheiden, was für ihre Kinder am besten ist, nicht die Regierung“, faßt er seinen Plan zusammen.

Das einzige Problem dabei ist, dass es nicht genug Privatschulen und vor allem qualitative Alternativen für die Eltern und Kinder in Louisiana gibt. Dennoch erwarten viele, gerade christlich-fundamentalistische Kleinstschulen einen staaatlichen Geldregen. In Ruston ist die Einrichtung „New Living Word“ angesiedelt, die zwar ein anerkanntes Basketball Team hat, aber keine Bücherei. Die Schüler verbringen den Großteil der Stunden vor dem Fernseher, über denen sie Auslegungen der Bibel in allen möglichen Fächern vermittelt bekommen. Die „Upperroom Bible Church Academy“ in New Orleans, ein bunkerähnliches Gebäude ohne Fenster und Spielplatz, plant 214 Gutscheinschüler aufzunehmen. Der Gegenwert 1,8 Millionen Dollar. Die Pastorin und jetzige Schulleiterin Marie Carrier will mit diesem neuen Gesetz 135 Schüler für ihre „Eternity Christian Academy“ in Westlake hinzugewinnen. Auch hier wird die Welt ausschließlich durch den christlichen Blick vermittelt. Das Wissenschaftsbuch beginnt mit den Worten „what God made“. Von Evolution ist keine Rede. „Wir versuchen von all den Dingen fern zu bleiben, die unsere Kinder verwirren könnten“, meint Carrier. Andere Privatschulen benutzen im Unterricht Materialien, die vor „Liberalen“ warnen, denn diese würden die Weltgemeinschaft gefährden, und nutzen „wissenschaftliche“ Bücher, die alles andere als wissenschaftlich fundiert sind.

Louisisanas Gouverneur hat mit seinem Gesetzesvorstoß die Totenglocke für das öffentliche Schulsystem geläutet. Anstelle einer mutigen und weitgehenden Reform, setzt er auf „die Wahl der Eltern“, die jedoch in Wahrheit keine ist. Am Ende werden im Bibelgürtel Amerikas noch mehr bibelfeste Kinder leben. Ach ja, das ist wohl die Wahl, die alles entscheidende im Süden der USA.

 

 

 

 

 

 

Guten Tag in Kigali

Auf (Nimmer) Wiedersehen sagt man in den USA. Ein Deutschprogramm nach dem anderen wird an High Schools und Universitäten eingestampft. Das Geld in den Bildungseinrichtungen fehlt vorne und hinten, da wird gestrichen wo es geht. Fremdsprachen, wenn es nicht gerade Spanisch oder Chinesisch ist, Musik- und Kunstunterricht, bestimmte Sportarten, alles fällt dem Rotstift zum Opfer. Deutsch ist in den USA beliebt, die Nachfrage da, aber eben nicht mehr so, wie noch vor 20 Jahren. Also weg damit.

Ganz anders hier in Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. An der „Green Hills Academy“ wird die Lehrerin mit „Guten Morgen“ begrüßt. Die Schüler lernen mit den Wise Guys etwas Umgangssprache, schauen sich deutsche Musikvideos an, rappen auch schon mal die deutsche Nationalhymne ganz locker vom Hocker. Deutsch ist „in“ an dieser Schule. Es ist cool die Sprache von Goethe und Rammstein zu lernen. So beliebt sind die Deutschklassen, dass sogar Schüler abgewiesen werden müssen. Über 500 Deutschlernende gibt es an der Schule, alle Altersgruppen, ein Erfolg sondergleichen.

Unterstützt wird das ganze durch das Projekt „Schulen: Partner der Zukunft“ des Auswärtigen Amts, vor Ort betreut durch die deutsche Botschaft. Wenn es in bestimmten Städten keine deutschen Auslandsschulen gibt, werden Partnerschulen vor Ort gesucht, die Deutsch unterrichten oder unterrichten möchten, an denen die Lehrerfortbildung gewährleistet ist und die Nachfrage nach Deutsch da ist. Und in Kigali an der „Green Hills Academy“ ist sie da. Ein Klassenzimmer mit allen Schikanen wurde eingerichtet, Lehr- und Unterrichtsmaterial gestellt, der bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband unterhält ein Austauschprogramm.

An dieser Privatschule kommen die Kinder von überallher. Viele Ruander, doch auch viele Kinder aus anderen afrikanischen Ländern, aus Korea, Japan, nur wenige Schüler sind aus europäischen Ländern. Und Deutsch gilt bei Ihnen als schwierige Sprache, doch auch als Sprache der Zukunft. Etliche von ihnen waren schon in Deutschland, viele wollen später dorthin reisen oder auch dort studieren, wie David aus Nigeria, der schon zwei Jahre lang in Hannover lebte und gerne für ein Studium nach Deutschland zurückkehren möchte. „Wie geht es Ihnen?“ „Mir geht es gut“…wenn ich solche mitreißenden Schul- und Sprachprojekte, engagierte Lehrerinnen und begeisterte Schüler im Herzen von Afrika erleben kann.

„It takes a village…“

„…to raise a child“. Dieser Satz der einstigen First Lady Hillary Clinton erlebt eine ganz neue Bedeutung im Kongo. Hier muß man zusammen halten und zusammen arbeiten, um auch nur kleine Fortschritte zu erzielen.

Die lutherische Grundschule im kleinen Ort Kilungutwe. Am Rande des Dorfes gelegen findet man zwei Klassenzimmer aus Backsteinen (Bild links), selbstgezimmerte, wackelige Schulbänke, die Fenster offen, Lehmboden. Einen kleinen Hügel hinauf liegen zwei weitere Klassenzimmer für die älteren Kinder. Ein Lehmbau mit Strohdach, der mehr an einen Stall als an eine Bildungseinrichtung erinnert.

Und auch in Bukavu, immerhin eine Großstadt, ist das Bild nicht besser. In der Gemeinde Bizimana stehen zwar größtenteils aus Backsteinen gefertigte Klassenzimmer, doch der Gesamteindruck ist mehr als ärmlich. Über 400 Kinder werden hier unterrichtet. Der Boden ist unbefestigt, draußen ist es schlammig. Gleich neben dem Klassenzimmer der 1A (Bild) liegen die Außentoiletten. Im Raum riecht man die Fäkalien. Bis zu fünf Kinder teilen sich eine Schulbank. Ein paar Schüler schreiben auf Schiefertafeln, einige haben Hefte, der Großteil jedoch kann gar nicht mitschreiben. Die Unterrichtsmaterialien fehlen hier überall.

Die Schule ist eine halbstaatliche, was bedeutet, die lutherische Kirche ist der Träger, die Lehrer müßten aber eigentlich vom Staat finanziert werden. Müßten….denn  seit längerem, teilweise schon seit Jahren, haben sie kein Gehalt mehr bekommen. 40 Dollar im Monat erhält ein Lehrer normalerweise, nun leben sie von den kleinen Schulbeiträgen der Schüler. Und die kommen auch eher sporadisch und meist nur teilweise. Und dann hat der Staat am Anfang des Schuljahres verkündet, dass alle Schulen für die ersten drei Klassen kostenlos sind, was zur Folge hat, dass die Eltern nun kein Schulgeld mehr zahlen müssen. Und das, obwohl der Staat auch weiterhin nicht die Lehrer bezahlt. Eine fatale Situation.

Vor kurzem wurde einigen Lehrern ein Teilmonatsgehalt ausgezahlt. 20.000 kongolesische Franc, also rund 20 Dollar. Allerdings erhielten die Lehrer nur 17.000. Denn derjenige, der die Kasse verwaltete mußte auch was bekommen und der mußte ebenfalls etwas an seinen Vorgesetzten abdrücken.

Die Situation ist nicht anders bei den Schülern, die nach dem Abschluß den Sprung auf die Universität schaffen. Auch hier müßten die Professoren eigentlich vom Staat finanziert werden, doch Gehälter werden schon lange nicht mehr bezahlt. Deshalb treiben die Professoren das Geld bei den Studenten ein. In jeder Vorlesung, vor jeder Prüfung, wenn man die korrigierte Arbeit zurück haben will und dann auch noch das Zeugnis bekommen möchte. Natürlich zahlt man extra für die Prüfungsunterlagen, die der Prof. selbst zusammen gestellt hat.

Die Regierung in Kinshasa und der gesamte Staatsapparat leben auf dem Rücken der Bevölkerung. Für alles und nichts muß gelöhnt werden. Vor allem bei staatlichen Einrichtungen wird von den Beamten kräftig zugelangt, denn die kleinen Zugelder sind ihr Einkommen. Wenn man sich die Zustände in den Schulen ansieht weiß man, dass der Kongo in absehbarer Zeit nicht voran kommen wird. Und das, obwohl dieses Land, aufgrund seiner Bodenschätze zu einem der reichsten der Welt zählen könnte.

Am Tag als die CIA sprach

Am Tag, als die CIA ihren Bericht zur Lage der Menschenrechte vorlegt, und eigentlich jedes Land kritisiert ohne den USA selbst den Spiegel vorzuhalten, kommt aus dem Bundesstaat Mississippi die Meldung, dass der Tanzabend zum Jahresabschluss abgesagt wurde. Nun kann man sich fragen, was ein Tanzabend in Fulton, Mississippi mit dem bescheuerten Minarettverbot in der Schweiz oder der Überwachung von Scientology Mitgliedern in Deutschland oder der Verhaftung von Regimegegnern im Iran zu tun hat.

Constance McMillenAm Mittwoch hat der Schulddistrikt von Itawamba, in dem Fulton liegt, den Jahresabschlusstanzabend abgesagt. Der Grund ist nicht, dass kein Geld da ist, wie es derzeit oft vor kommt. Nein, die Party wurde gestrichen, weil eine 18jährige mit ihrer Freundin kommen wollte. Constance McMillen ist lesbisch und wollte diesen Abschluss mit ihrer Freundin begehen, ebenfalls eine Schülerin an der High School. Doch das ist laut dem Schuldistrikt unerwünscht. Im Februar schickte die Schulbehörde an alle Schüler eine Mail, in der es hiess, dass man zum Tanzabend nur einen Partner des anderen Geschlechts mitbringen dürfe. McMillen fragte nach und bat um die Erlaubnis mit ihrer Freundin kommen zu dürfen. Das wurde nicht erlaubt. Die 18jährige wandte sich an die ACLU, die American Civil Liberties Union, eine Rechtsvertretung in Fragen der Bürgerrechte. Die schickte einen Brief an die Behörde, in dem erklärt wurde, Constance McMillen habe das verfassungsmässige Recht mit ihrer Partnerin zu kommen.

Die Verantwortlichen der Schulbehörde des Bezirks überlegten hin und her und sagten schliesslich am Mittwoch die Veranstaltung ganz ab. „Aufgrund der jüngsten Störungen für den Bildungsablauf“ sah man sich zur Absage gezwungen. Man hoffe jedoch, dass von privater Seite eine Alternativveranstaltung organisiert werde. Man muss dem Distrikt zugute halten, dass er im Norden Mississippis liegt, also im sogenannten „Bible Belt“, dem konservativen Bibelgürtel im Süden der USA. Falls der Distrikt gegenüber der ACLU eingeknickt wäre, hätte es mit Sicherheit einen Sturmlauf besorgter Eltern gegegben. Einige der gewählten Vertreter der Schulbehörde wären dann wohl nicht wiedergewählt worden. Nun also versucht man mit der Absage des Tanzabends den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. McMillen muss wie alle Jugendlichen auf das Tanzvergnüngen verzichten. Die 18jährige wird zur verhassten Person auf dem Schulgelände, aber alles ist wieder ok….nicht wahr? Wie war das nochmal mit dem Eintreten für Bürgerrechte und die Gleichheit aller in der Verfassung?

Rammstein auf dem Index

Liebe ist für alle daIch habe nun ein Problem. Wie erkläre ich Amerikanern, was ein Index ist und warum die jüngste CD von Rammstein „Liebe ist für alle da“ nun unterm Ladentisch verkauft werden muss? Auf Antrag der Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen nahm sich nun die traute Runde der Jugendschützer und Kämpfer des guten Geschmacks die Nummer 1 der deutschen Charts vor. Geht ja auch nicht, so einen Schweinkram massenhaft zu verbreiten! Da muss man schon 18 sein, denn ansonsten wird aus einem jugendlichen Hörer noch ein potentieller Amokläufer. Beispiele dafür gibt es ja genug, dachte sich wohl auch die in Internetforen nur als „Zensursula“ bekannte von der Leyen. Man denke nur an das Massaker an der Columbine High School, die Täter sollen ja angeblich auch eine Rammstein Platte in ihrem Regal stehen gehabt haben. Und auch das erste Video für die neue Platte „Pussy“ sei ja wohl der Hammer (unpassende Wortwahl, Herr Peltner!). Die Sexszenen würden, so die Prüfkommissare, zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr in Zeiten von Aids animieren. Aids hat sich ja auch erst seit diesem Herbst drastisch ausgebreitet, weil Jugendliche nun wie die Böcke zum Rammsteinsound rumrammeln.

Ich frage mich echt, ob die werten Damen und Herren sich schon mal die Mühe gemacht haben, englischsprachigen Bands auf die schmutzigen Finger zu schauen. Wahrscheinlich pfeifen sie sogar die Melodie von Fran Zappas „Bobby Brown“ mit. Na ja, man sollte das eine nicht gegen das andere ausspielen. Tatsache ist wohl einfach, dass so eine Indizierung der jüngsten Rammstein Platte lächerlich ist. Ich frage mich wirklich, was das soll. Bislang ist die Begründung der Bundesprüfstelle noch nicht veröffentlicht worden, „Liebe ist für alle da“ steht also noch in den Plattenregalen, ist noch ohne weiteres über amazon.de erhältlich. Aber schon bald muss man seinen Ausweis zeigen, um den Silberling ganz legal kaufen zu können. Auch schön! Na, hier drüben in den USA bin ich das ja vom Bier bestellen in der Kneipe gewöhnt, ich sehe ja mit meinen 41 auch noch so aus wie 15.

Es wird sich also zeigen, ob diese Massnahme zum drastischen Verkaufseinbruch des Albums führen wird. Aber, wo kämen wir auch hin, wenn man Jugendlichen in Deutschland Gewalt und Pornographie zugänglich machen würde. Sowas sieht man ja sonst nirgends, oder?