Im Wahnsinn gepflegt

Kalifornien steht vor riesigen Problemen. Wo soll man da anfangen…der Staat ist hoch verschuldet und gespart wird überall. Lehrer werden entlassen, Bibliotheken geschlossen, Strassen haben riesige Löcher, öffentliche Parks geschlossen, Gebühren und Steuern erhöht, die Arbeitslosigkeit steigt, soziale Einrichtungen versinken in ihrer Arbeit… Das sind nur ein paar Beispiele, was hier gerade in Kalifornien los ist.

Aber die Abgeordneten im Parlament in Sacramento haben nur das Wohlbefinden der Bürger im Kopf. Von daher muss man die Verabschiedung der folgenden Initiative verstehen. In der ersten Märzwoche soll ab nun eine „fluchfreie Woche“ sein. Kalifornienweit. Jeder Bürger ist dazu aufgerufen, in diesen Tagen keine Schimpfwörter zu benutzen. Also kein „Pottymouth“, vielmehr Lobgesang und Preisung, gewähltes Ausdrücken und Schönrederei. „What the f…, doesn’t f…..California have other f….. problems?“ war alles, was ich dachte, als ich das lass. No Cussing ClubDas ganze geht zurück auf die Initiative eines Schülers an seiner lokalen High School in South Pasadena. Dort hatte er einen „No Cussing Club“ gestartet, also eine Gruppe, in der nicht geflucht werden durfte. Und das hat sich auf andere Schulen ausgebreitet und erreichte schliesslich so einen Parlamentarier in Sacramento, der davon tooootal begeistert war. Alleine mein Blick aus dem Fenster könnte mich jetzt zu Schimpftiraden gegen diesen gewählten Knaller hinreissen, aber ich lasse es mal, lehne mich zurück, grinsend und sage nur, Nürnberg mach Dich bereit. Denn der 16jährige McKay Hatch hat grosses vor. Er will die Welt vom Fluchen und von Schimpfwörtern befreien. Nächstes Jahr plant er eine Welttournee im Kampf um das gepflegte Wort, Deutschland soll bereits auf seiner Reiseliste stehen.

I O U

Ist es nicht schön in Kalifornien zu leben? Derzeit summen hier viele Menschen den Dance Klassiker aus dem Jahr 1983 „IOU“ vor sich hin. Denn „IOU“ steht für „I owe you“ – Ich schulde Dir. Denn der Staat Kalifornien ist ziemlich tief in den Miesen und derzeit können sich die Abgeordneten in Sacramento nicht auf einen Haushaltsplan einigen. Das heisst, der Bundesstaat ist zahlungsunfähig.

Was nun geschieht ist schon einmalig. Anstelle von Schecks für Mitarbeiter und für Dienstleistungen werden sogenannte IOUs verschickt. Also Schuldscheine, die dann später, wenn der Staat wieder zahlungsfähig ist, mit Zinsen ausbezahlt werden. Die grosse Frage ist derzeit noch, ob die Banken diese IOUs auch akzeptieren, ob der Zinsvorteil für sie hoch genug ist, um jetzt das Bargeld vorzustrecken.

Kalifornien hat sich da ein Loch gegraben, das mittlerweile schultertief ist. Der Staat steht vor dem Bankrott und es droht eine radikale Kürzung öffentlicher Ausgaben. Davon betroffen ist jeder Bereich: Bildung, Strassenbau, soziale Dienste, Ämter, Staatsbedienstete, staatliche Parks….und dann tröpfelt das so weiter runter in die Gemeinden und trifft dort die Polizei, Feuerwehren, Schulen. Einen Ausweg aus dem Finanzchaos gibt es wohl nicht, man kann nur hoffen, dass ein Haushaltsplan abgeschlossen wird und Kalifornien damit zumindest zahlungsfähig bleibt. „It’s so nice to live in sunny California“!!!

Kalifornien, kein Platz für Touristen

….jedenfalls nicht für jene, die sich gerne die Naturparks ansehen und Campen gehen. Aufgrund des riesigen Schuldenberges tanzt nun der Rotstift Polka in Sacramento. Und das heisst, überall soll gespart werden. Ein Vorschlag ist radikal bei den State Parks zu kürzen. Das wird dramatische Auswirkungen haben, denn von den 279 Parks in Kalifornien, die mit staatlichen Geldern aus Sacramento unterhalten werden, müssten 223 für die Öffentlichkeit geschlossen werden, das sind 80 Prozent der Parks in diesem Bundesstaat.

Kürzungen heisst, jeder, der in den Parks arbeitet, würde entlassen werden. Das reicht von Park Rangern bis zu Umweltwissenschaftlern und sogar Reinigungspersonal. Allein im Umfeld von San Francisco wären davon 25 Parks betroffen. Ausflugsziele, wie Strände und Redwood Wälder.
Fragt sich nur, ob solche Sparmassnahmen wirklich was bringen, wenn am Ende Einnahmen ausbleiben, die Ausflügler und Touristen in die Parks und die umliegenden Gemeinden bringen.