Weihnachtsmänner sind verschnupft

Santa ClausNun beginnt die heisse Phase des Weihnachtsmannberufs. Dutzende und Hunderte von Kinder werden jeden Tag in die amerikanischen Einkaufszentren pilgern, um dem langbärtigen Santa ihre Weihnachtswünsche mitzuteilen. Viele davon werden auf dem Schoss des rot Gekleideten sitzen. Doch nun im Zeitalter der Schweinegrippe haben die Weihnachtsmänner richtig Muffensauen. Nix mit Friede, Freude, Eierkuchen. Die Organisation der amerikanischen Santa Claus‘ verlangen jetzt, dass sie ganz nach vorne auf die Liste der zu Impfenden kommen. Und die Forderung scheint Gehör in Washington zu finden. Gleich mehrere Abgeordnete haben versprochen, sich dem Anliegen anzunehmen und es prüfen zu lassen.

Auch fordern sie ihre Mitglieder auf, keine Handschuhe zu tragen, vor und mit den Kindern die Hände zu desinfizieren und auch den roten Anzug mehrmals in den kommenden Wochen zu waschen. Was sicherlich für Tränen sorgen wird ist, dass den Weihnachtsmännern auch empfohlen wird, offensichtlich kranke Kinder abzuweisen und den Eltern klar zu machen, dass mit einer Rotznase der Spass aufhört.

Reise nach Omaha

Da sitze ich nun am Flughafen von Omaha in Nebraska und warte darauf, dass die Mechaniker endlich die Maschine freigeben. Yep, da schrauben und kurbeln noch einige Männer in Blaumann rum. Wie beruhigend ist das denn. Der Himmel ist blau über Omaha, aber zumindest haben die hier kostenloses WiFi im Flughafengebäude.

Für zwei Tage war ich hier. Hatte gestern einige Veranstaltungen an der Universität Creighton über die deutsche Musikszene. Tagsüber habe ich ein paar Deutschklassen besucht, mit den Studenten über so ziemlich alles gesprochen und abends dann einen Vortrag über die Geschichte der deutschen Musikszene gegeben. Alles lief glatt, puh!!!

Zwischendrin konnte ich mich noch etwas in Omaha umsehen. Eine sehr schmucke Stadt, die teils hochmodern ist und teils noch den Charme einer alten Handelsstadt im Mittleren Westen hat. Und natürlich musste ich auch den Bahnhof von Omaha besuchen, der ja im Spielzeugmuseum nachgebaut ist. Aber der wirkte hier eher kümmerlich. Es gibt nur noch eine Bahnlinie nach Denver im Westen und Chicago im Osten. Nur das alte Bahnhofsgebäude steht noch in voller Pracht da, ist aber nun ein Museum geworden.

Hier in Omaha läuft übrigens niemand mit Maske rum und keiner zuckt zusammen, wenn der Nachbar mal hustet oder schnieft. Von der Schweinegrippe merkt hier keiner was. Mal sehen, wie das in Kalifornien aussieht, denn dort gab es ja angeblich einige Fälle.

…drei Stunden später… sitze noch immer in Omaha. Die Mechaniker schrauben zwar noch rum, einer gig auch mit einem grösseren Hammer unters Flugzeug, aber United hat dann doch gesagt, heute fliegt der Vogel nicht mehr. Also, umbuchen und warten. Werde heute Abend mit rund achtstündiger Verspätung in Oakland ankommen. Was für ein schöner Dienstag im Herzen der USA….

Die Schweinegrippe kommt

Die amerikanischen Nachrichtenkanäle haben einen „Field Day“, einen Freudentag. Endlich haben sie wieder ein Thema, das man hochdramatisch und drohend den Amerikanern in die Wohnzimmer bringen kann. Die Schweinegrippe ist da. Und nun werden die Horrorbilder an die Wand gemalt. Da wirkt die Entscheidung der Obama-Regierung, den Gesundheitsnotstand auszurufen, wie Öl ins Feuer. Allerdings ist das eine ganz normale Amtshandlung, die auch bei der Vereidigung des Präsidenten oder bei der jüngsten Flut im Mittleren Westen passierte. Es geht bei dieser Entscheidung vielmehr darum, schneller und einfacher reagieren zu können. So war es der Gesundheitsministerin Janet Napilotano möglich, umgehend 12 Millionen Einheiten des Medikaments Tamiflu aus den Bundeslagern vorsorglich freizugeben.

Doch davon spricht keiner, lieber malt man das Horrorbild vom kleinen Mexikaner an die Wand, der illegal und hustend die Grenze überschreitet und sofort die bösen Viren verbreitet. Die Gefahr kommt sowieso derzeit mehr von den Konservativen im Land, die die Schweinegrippe in Mexiko und die Einzelfälle in den USA nun dazu hernehmen, um für eine totale Abriegelung der Grenze zum Nachbarland zu werben. Mit Äusserungen wie, „Die illegalen Einwanderer bringen uns die Schweinegrippe“ wird gezielt Politik gemacht. Bei sowas kriege ich einen dicken Hals.