Ein kräftiges Holdrijadideldö aus Wisconsin

Viel wurde schon über die amerikanische “Folk Music” geschrieben. Was dabei aber immer wieder übersehen und überhört wird ist, dass all die Einwanderer, die in die USA kamen, ihre Kultur und Musik mit- und in der neuen Heimat einbrachten. Mit “Alpine Dreaming” erscheint nun eine Doppel-CD auf Archeophone Records, die das kurzlebige US Label “Helvetia Records” vorstellt.

Viel ist nicht bekannt über Ferdinand Ingold, nur soviel, dass er 1860 in Bischofszell im Kanton Thurgau zur Welt kam. Im Alter von 32 Jahren zog er mit seiner Frau und seinen fünf Kindern von Bern in die USA. Dort siedelten sich die Ingolds in “Green County” in Wisconsin an, dem “Little Switzerland” in Amerika. Hier hatten Einwanderer aus dem Kanton Glarus “New Glarus” gegründet. Ferdinand Ingold unterhielt in der Kleinstadt Monroe einen Laden, in dem er unter anderem auch erste Schallplatten aus der alten Heimat verkaufte. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges hatte Ingold die Idee für ein eigenes Plattenlabel, eines, mit dem er seine Heimatverbundenheit und seine Kunden gleichermaßen zufrieden stellen konnte: Helvetia Records war geboren.

Der Musikethnologe James Leary stieß zum ersten Mal vor etwa 30 Jahren auf eine 78er Schellack Platte von Helvetia Records. In einem Plattenladen fand er eine Aufnahme von Otto Rindlisbacher, dem Sohn Schweizer Einwanderer. Learys Neugier war geweckt, von da an suchte er nach weiteren Scheiben des Labels. Im Musik Archiv der University of Wisconsin in Madison, an der er lehrt, konnte er über die Jahre zehn weitere 78er finden. Die Idee für eine Gesamtschau des Labels war geboren. „Man kann eine Mischung aus Jodlern hören, vor allem von Charles Schoenenberger. Aber es gibt auch Akkordeon und Violin Duette und rein männliche und gemischte Quartetts, daneben noch eine Art Operetten Jodler, gesungen von der Schweizer Nachtigall.“

Helvetia Records existierte gerade einmal vier Jahre, von 1920 – 1924, alle Aufnahmen wurden allerdings in den USA eingespielt, meist in New York City, wo es seinerzeit zahlreiche Recordings Studios gab. Zielgruppe waren vor allem die Schweizer in Amerika, die in New Jersey, Ohio und eben Wisconsin lebten, aber Ingold platzierte auch Werbung in Swiss-American Zeitungen, die an der Westküste gelesen wurden. “Alpine Dreaming” stellt nun zum ersten Mal den Gesamtkatalog von Helvetia Records vor, 36 Lieder konnte James Leary für dieses Album finden: „Wir hatten Glück, dass die Besitzer von Archeophone Records so ein gutes Netzwerk zu Sammlern haben. Darüber haben wir noch einige der 78er gefunden, die wir nicht in unserem Archiv hatten. Rich and Meagan vom Label sind dann mit einem Plattenspieler und Computer zu Sammlern nach Tennessee und Wisconsin gefahren, um dort einzelne Lieder zu digitalisieren.“

Begleitet wird die Doppel-CD von einem umfangreichen und reich bebilderten Booklet, in dem die Geschichte des Labels und der einzelnen Musiker erzählt wird. Für den Musikethnologen James Leary, der schon zahlreiche Bücher und Musikprojekte zur Geschichte der Einwanderer im Mittleren Westen veröffentlicht hat, war “Alpine Dreaming” eine Herausforderung. Die Sprache sei nicht leicht gewesen, lacht er. „Zum einen waren die Aufnahmen alt, sie waren gesungen und nicht gesprochen. Zum anderen sind diese Schweizer und diese verschiedenen österreichischen Dialekte keine geschriebene Sprache.“ Herausforderungen, die aber schließlich gemeistert wurden.

Auch wenn Helvetia Records nur vier Jahre existierte und 1924 im Konkurs endete, ist diese Episode und damit diese neue Veröffentlichung ein wichtiges und bislang übersehenes oder vergessenes Klangdokument in der langen Geschichte der Schweizer Einwanderer in den USA.

 

Die wundersame Welt der Mona Caron

      Mona Caron

Die Schweizer Künstlerin Mona Caron coloriert die Städte.

San Francisco ist eine bunte Stadt, und das liegt nicht nur an dem erdigen Orangeton der Golden Gate Bridge oder der allseits präsenten Regenbogenfahne. Künstler, viele davon aus dem deutschsprachigen Raum, hat es seit jeher in die nordkalifornische Metropole gezogen. Das milde Klima, die kreative Atmosphäre, das gewachsene Mäzenatentum sind einzigartig. Unter den vielen die kamen und blieben ist auch eine Schweizer Künstlerin, die den öffentlichen Raum für ihre Kunstwerke nutzt. Und von San Francisco aus eine Weltkarriere gestartet hat.

An der Ecke Church und 14th Street in San Francisco, an der Außenmauer eines Corner Stores, findet man ein etwa zehn Meter mal drei Meter großes Mural, ein Wandbild. Gemalt von der Schweizer Künstlerin Mona Caron, die seit 1996 in San Francisco lebt und arbeitet. Dieses Mural ist eines von 12 in der nordkalifornischen Metropole, das die aus Lugano stammende Malerin fertiggestellt hat. Passanten laufen an dem Bild vorbei, ein Vater mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm schaut genauer hin, deutet auf Personen und Einzelheiten im Bild. Hier treffe ich Mona Caron. Wir schlendern in eine Seitenstraße und setzen uns an diesem sonnigen Tag in San Francisco auf die Stufen eines viktorianischen Gebäudes. „Das Wandbild ist eine einzige Vogelperspektive von der Market Street in San Francisco. Es ist eine Art verschiedene Momente der Geschichte zu vergleichen, wie die Leute so den öffentlichen Raum gebraucht haben und wie sich das wahnsinnig geändert hat.“

Dieses Wandbild ist eines der frühen von Mona Caron. Damals als sie nach einem Studium an der Academy of Art in San Francisco hängenblieb, hier ein relativ günstiges Zimmer fand und einfach eintauchte in die kreative Schaffenswelt der “City by the Bay”. Sie nahm sich die Zeit, manchmal mehrere Monate, sprach mit Anwohnern über das, was in dem Quartier wichtig ist und verarbeitete all das in den riesigen Murals. Doch das ist lange her. Bekannt ist sie nun geworden – und das weltweit – durch ihre riesigen Wandbilder, die Unkräuter darstellen, die in den kleinsten Betonritzen wachsen. Mona Caron spricht von einer Metapher. Unkraut vergeht nicht. Und so sei es auch in einer Stadt wie San Francisco, in der die Gentrifizierung unbarmherzig voranschreitet. „Ich fing an diese Pflanzen zu malen, Zentimeter um Zentimeter, und davon habe ich Trickfilme, also Stop-Motion-Animation gemacht, wie sie da wachsen. Und das in einem visuellen Kontext, wo die plötzlich größer sind als die Stadt selbst, darum waren die Dächer perfekt, weil ich diese Pflanzen zeigen wollte, die Rückeroberung…das wollte ich illustrieren. Dann habe ich so einen kleinen Trickfilm auf youtube gestellt und ich hatte genau 17 followers, aber irgendwie ist das raus und ich weiss nicht, wer das gesehen hat, aber es ging durchs Internet und plötzlich habe ich aus der ganzen Welt Nachrichten von Leuten bekommen, die sagen, ich weiss genau wovon du sprichst.“

Sogar aus dem Kriegsgebiet im Irak erhielt sie Post. Auf ihrer Instagram Seite und auf youtube hat Mona Caron viele Bilder und Videos veröffentlicht, die ihre Kunstwerke und sie bei der Arbeit zeigen. Mittlerweile ist sie international gefragt, war u.a. in Mexiko, Brasilien, Taiwan, um grauen Beton in den Innenstädten unter ihren farbenfrohen Wandbildern verschwinden zu lassen. Und am Anfang, wenn sie vor der leeren Wand steht hat sie noch immer Bauchschmerzen. „Ich denke mir, das werde ich nie fertig bringen. Früher hatte ich manchmal Monate an einer Wand. Was wirklich wahnsinnig ist, ist, dass heutzutage sind nicht nur die Wände sehr groß, sondern man sagt, gut, du hast so 15 Tage…(lacht)…danke vielmals…ja Scheisse, was mach ich da.“

Aufhören kann und will sie dennoch nicht, die Wände ziehen sie weiter an. Ihre Unkräuter wachsen also auf grauem Beton weiter und nehmen sich den Platz zum Wuchern.

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Eine musikalische Spurensuche

      Kulturelle Spurensuche

Amerika, der „Melting Pot“ der Kulturen und Sprachen. Ich muss mir nur die Nachbarn auf meiner Straße ansehen, Menschen aus aller Welt und mit verschiedenster Herkunft. Das macht dieses Land auch aus, denn jeder, der hierher kam, hat etwas mitgebracht, es eingebracht in eine Gesellschaft, die zwar von einigen heute gerne als „weiß“ gesehen wird, aber eigentlich ein farbenfrohes Bildnis des Miteinanders ist.

Immigranten haben immer ein stückweit ihrer Kultur mit in die neue Heimat gebracht, es eingefügt in dieses gesellschaftliche, lebendige und vielschichtige Puzzle und damit die Vereinigten Staaten von Amerika zu dem gemacht, was sie heute sind. Daran wird auch ein Präsident Donald Trump und sein rückwärts gewandter Ruf „Make America Great Again“ nichts ändern. Amerika heute ist ein reiches, ein großartiges Land, auch und vor allem Dank der Immigranten, die aus aller Welt hierher kamen und die USA auf ihre Weise mitprägten.

Dieses Feature zeigt die Bedeutung der Einwanderer aus den deutschsprachigen Ländern auf. Sie kamen aus Deutschland, aus Österreich, aus der Schweiz, um hier ganz neu anzufangen und dennoch haben sie in der „Neuen Welt“ ihre alte Heimat nicht vergessen. In Vereinen, Liederkränzen und auf Festen feierten sie ihre Wurzeln. Die Musik der Immigranten und die Lebensfreude, für die sie stand, wurde in den USA nur zu gerne angenommen und auf ihre Weise von anderen Bevöllkerungsgruppen aufgegriffen. Dieses Feature geht auf die Suche nach den musikalischen Spuren der deutschsprachigen Einwanderer.

Pröschtli Switzerland in San Francisco

Wer als Besucher nach San Francisco kommt, sieht selten die zahlreichen diplomatischen, kulturellen und wirtschaftlichen Vertretungen vieler Länder in der Stadt. Sie haben meist ihre Büros auf irgendeiner Etage in Downtown oder ihre Konsulate in Nachbarschaften, in die kein Tourist kommt.

Eine bessere Location gibt es wohl kaum in San Francisco. Foto: swisspier.org.

Eine bessere Location findet man wohl kaum in San Francisco. Foto: swisspier.org.

Das ist nun anders. Die Schweiz zeigt Flagge und klotzt direkt am Embarcadero in San Francisco. Nachbar ist das Wissenschafts- und Mitmachmuseum Exploratorium, ein beliebtes Ziel für Einheimische und Touristen gleichermaßen. Wer als Besucher vom Ferry-Building, am Ende der Market Street, Richtung Fisherman’s Wharf spaziert, kommt direkt an der neuen Schweizer Vertretung in San Francisco vorbei. Über dem Eingang am Pier 17 weht nun das weiße Kreuz auf rotem Untergrund.

Bislang waren die verschiedenen Einrichtungen der Schweiz über das Stadtgebiet verteilt, darunter das Generalkonsulat, Swissnex und eine Wirtschaftsvertretung. Das hat sich nun mit dem Einzug in Pier 17 geändert. Büros, die Visastelle und ein Veranstaltungsort in einem soll es sein. Die Räume sind hell und offen, immer findet man hier Kunstprojekte aus der Schweiz. Und dann ist da der einmalige Blick auf die San Francisco Bay, Treasure Island/Buena Vista Island und die Bay Bridge.

Ein Schluck Franken an der Westküste.

Gestern nun wurde Pier 17 feierlich eröffnet, am Wochenende stehen noch Workshops, Konzerte und eine Party an. Bürgermeister Ed Lee sprach am Abend von einer engen Beziehung zwischen San Francisco und der Schweiz, Zürich ist die Partnerstast der „City by the Bay“.

Was aus Nürnberger Sicht interessant war, war das Bier, das am Abend ausgeschenkt wurde. Die kleine Brauerei „Fort Point“ aus San Francisco hatte da eine Sorte, die sie „Westfalia“ nannten. Und dieses „Red Ale“ war „Nuremberg inspired“. Klar, ich mußte es probieren und es ist richtig gut. Auf der Webseite der Brauerei wird die Namensgebung so erklärt: „Inspired by a trip to Nuremberg, Germany, Westfalia imports an exemplary red ale to audiences closer to home.“ Na dann,  Pröschtli, Switzerland!

In der Schweiz laufen die Uhren anders

Ich weiß, nun werden einige sagen „First World Problems“. Aber mal ehrlich, wenn man um fünf Uhr morgens von einem Kundenservicemitarbeiter einer großen Schweizer Airline geweckt wird, dann wird man etwas pickelig.

Doch fangen wir von vorne an. Im Januar habe ich ein Ticket nach Deutschland gebucht, SFO – ZRH – NUE – ZRH – SFO. Billig gibt es nicht mehr, also zahle ich dafür sogar außerhalb der Hochsaison 1500 Dollar. Nutzt ja nichts, meine Familie lebt noch immer in der Frankenmetropole. Dummerweise hatte ich die Vorstellung, auf dem Hinflug mit Meilen ein Upgrade zu beantragen. Ich schrieb also eine Mail an die bestimmte Schweizer Fluggesellschaft. Die Antwort kam prompt, man könne aufgrund von Überlastung nicht sofort antworten, „in Kürze“ werde sich jemand meines Anliegens annehmen.

Über den Wolken ist alles gut. Am Boden haben sie keinen Plan.

Über den Wolken kann es nur besser werden.

Kein Problem, dachte ich mir. Nach vier Wochen schrieb ich die Airline erneut an und fragte, ob die Uhren in der Schweiz anders liefen, denn wo ich herkomme und wo ich lebe bedeutet „In Kürze“ einen schnelleren Zeitrahmen als vier Wochen. Ein paar Tage später erhielt ich eine Antwort, ich solle doch mal anrufen, man habe mich telefonisch (eine Stunde vorher) nicht erreicht. Gesagt getan, bimmel, bimmel, Warteschleife. Da hörte ich, dass ja nun Herbst (!) sei und man als Fluggast doch den Winter in schönen Schweizer Gegenden verbringen sollte. Die Uhren scheinen in der Schweiz wirklich anders zu ticken.

Dann nahm ein Servicemitarbeiter meinen Anruf an und hatte keinen Plan von dem, was ich eigentlich wollte. Ich sagte noch freundlich „Good bye“ und legte auf. Heute morgen dann um 5 Uhr klingelt das Telefon. „Hello, this is your Airline calling“. Ganz ehrlich,  um 5 Uhr bin ich nicht so gesprächig und fragte nur nach, ob er wisse, wieviel Uhr es hier sei? Aufgelegt.

Wieder im Bett lag ich wach, wälz, wälz. Im Kopf formulierte ich schon eine Mail an die Fluggesellschaft, darüber schlief ich ein. Doch diese nicht gerade freundlichen Vibes kamen anscheinend in der Kundenservicezentrale der Schweizer Airline an, denn um 5:50 Uhr klingelte erneut das Telefon. „Hello?“. „Is this is a good time to talk?“ Kein Witz, die Schweizer waren wieder am Telefon. Na, Grüezi! Damit war meine Nacht gelaufen.

In der anschließenden Email bat ich darum, dass man doch auf die Liste der absoluten Tabus im Kontakt mit Kunden setzen sollte, dass man sie nicht um 5 Uhr morgens rausklingelt und es 50 Minuten später erneut versucht. Und ich regte an, dass man den Mitarbeitern in der Telefonzentrale die Grundkenntnisse der Geographie nahebringen solle, denn wenn es beim Anrufer draußen hell ist, heißt das noch nicht, dass es beim Angerufenen draußen auch hell ist. Die Erde ist keine Scheibe, wo hier die Sonne scheint, ist es dort noch tiefste Nacht. Ich weiß, alle Airlines wollen sparen, aber die Investition in Zeittafeln für Kundenberater wäre keine schlechte Idee. Gerade für eine Schweizer Fluggesellschaft.

 

Hong Kong, Taiwan, China Expansion?

Seit nunmehr 19 Jahren halte ich hier an der amerikanischen Westküste die fränkische Flagge hoch. Zumindest musikalisch. Denn seit Beginn von Radio Goethe im November 1996 auf dem Collegesender der University of San Francisco, KUSF, sind Bands aus der „alten Heimat“ fester Bestandteil meiner Playlist. Von den guten Freunden von Fiddler’s Green über eine meiner Lieblingsalben, mc creatrix der Shiny Gnomes, bis hin zu Dutzenden anderen Bands, wie The Robocop Kraus, JBO, Fade, Blue Manner Haze, Wrongkong, Smokestack Lightnin‘, Be My Island uva. Ach ja, auch Atze Bauer war hier schon live on-air. Und kürzlich brachte mein Freund Martin Schano die jüngste Straßenkreuzer CD mit. Die fränkische Musikszene ist gut vertreten im Sendernetzwerk von Radio Goethe, derzeit sind das rund 40 Stationen in acht Ländern.

Radio Goethe goes China?

Radio Goethe goes China?

Online sehe ich, dass viele Hörer sich aus China, aus Hong Kong und Taiwan zuschalten. Freut mich natürlich, dass die deutsche Musikszene auch dort ankommt, auch wenn ich kein Wort chinesisch spreche. Nun bekam ich eine Mail, dass jemand in China einige Radio Goethe Webadressen registrieren will: radiogoethe.asia, radiogoethe.cn, radiogoethe.co.in, radiogoethe.com.cn, radiogoethe.com.hk, radiogoethe.com.tw, radiogoethe.hk, radiogoethe.in, radiogoethe.net.cn, radiogoethe.org.cn,
radiogoethe.tw und ob ich das angewiesen, erlaubt, dem zugestimmt hätte.

Nö, habe ich nicht. Keine Ahnung, was das nun soll, ob da jemand im fernen Osten „unerlaubterweise“ einen Radio Goethe Ableger gründen will, mir quasi die Millionen von chinesischen Hörerinnen und Hörer strittig machen, einen Radiokrieg lostreten, ein „battle of the DJs“ beginnen möchte. Ich weiß es nicht, aber dann soll er mal machen. Ich glaub‘ ja eher, dass da jemand wirklich meint, man könne mit einem kulturellen Programm zur Musikszene aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Geld machen. Kann man nicht, warum auch? Aber viel Glück, ich bin gespannt.

Man spricht Deutsch

Zum 19. Mal öffnet sich am heutigen Donnerstag der Vorhang im historischen Castro Theatre in San Francisco für das deutschsprachige Filmfestival „Berlin & Beyond“. Spielfilme, Kurzfilme, Dokumentarfilme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden in den kommenden Tagen präsentiert. Und meistens ist der Saal gut gefüllt oder sogar ausverkauft. Das Interesse am internationalen Kino, hier am deutschsprachigen Film, ist groß in San Francisco.

Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beim 19. "Berlin & Beyond" Filmfestival in San Francisco.

Filme aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beim 19. „Berlin & Beyond“ Filmfestival in San Francisco.

Die „City by the Bay“ ist eine Filmfestivalstadt. Eigentlich gibt es das ganze Jahr über Angebote. Aus allen Ecken der Welt, zu den verschiedensten Themenschwerpunkten werden Filmfeste organisiert. Da ist es nicht leicht, eine Filmschau mit Streifen aus Übersee zu zeigen, alle mit Untertiteln und dennoch sein Publikum zu finden. Doch „Berlin & Beyond“ hat sich etabliert, ist zu einem frühen Highlight im Festivaljahr der Stadt, ja, der Region geworden.

Waren am Anfang, Mitte der 90er, die „Movies“ aus Deutschland noch eher düster und stimmungsgeladener, sind sie heute lockerer, leichter und weltoffener. Als jemand, der von Anfang an mit dabei war, kann man durchaus die Entwicklung im deutschsprachigen Kino beobachten und erkennen.

„Berlin & Beyond“ erlaubt diesen Blick nach drüben. Für Amerikaner, die zum einen das deutsche Kino schätzen, gerade diese etwas anderen, nicht Hollywood gerechten Filme lieben. Da sind aber auch Besucher, die auf irgendeine Art und Weise einen Bezug zu Deutschland, Österreich und der Schweiz haben und über die Filmwelt in die eigenen Erinnerungen und Erfahrungen eintauchen. Und „Berlin & Beyond“ wurde auch zu einem Treffpunkt der vielen hier lebenden Deutschen, Österreicher und Schweizer. Man merkt das deutlich, wenn im Kino dann gelacht wird, wenn die Untertitel diesen bestimmten und teils eigenartigen deutschen Humor nicht vermitteln können.

In diesem Jahr werden wieder etliche Gäste erwartet, darunter Hannelore Elsner, Doris Dörrie, Pepe Danquart und Ronald Zehrfeld. Sie alle werden begeistert sein vom begeisterten und interessierten Publikum, von den vielen Fragen – teils sehr detailiert, teils sehr schräg – und von einer Stadt, die sich in diesen Tagen in sommerlichen Temperaturen präsentiert.

„Berlin & Beyond“ wird organisiert vom Goethe-Insitut. Es ist ein tiefgehender, teils bewegender, teils humorvoller Blick auf eine irgendwie vertraute Kulturlandschaft, die doch so ganz anders ist. Das Publikum genießt diese Sichtweise, fernab der perfekten Hollywoodmaschine, und kommt jedes auf ein neues ins historische Castro Theatre.

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Uuf Wiadäluagä, Michelle Bachmann

Was andere wollen, will Michelle Bachmann nicht. Durch ihren Mann wurde die republikanische Abgeordente und Ex-GOP Präsidentschaftskandidatin im März volle Staatsbürgerin der Schweiz. An die große Glocke wollte sie es nicht hängen, doch ihre neue Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft sprach sich dennoch schnell herum. Riesenwirbel, denn Bachmann hatte auf einmal zwei Pässe. Kommt nicht so gut für eine erzkonservative Politikerin im Wahlkampf, die aller Welt ihren Patriotismus unter die Nase reibt. Doch nur wenige Tage, nachdem die amerikanischen Medien darüber ausführlichst berichtet haben, setzte sich Michelle Bachmann hin und schrieb folgende Erklärung. Wohl auch, um sich ihre Wiederwahl zum US Kongress zu garantieren:

„Ich habe heute einen Brief an das Schweizer Konsulat geschickt, mit der Bitte meine doppelte Schweizer Staatsbürgerschaft rückgängig zu machen, die ich per Schweizer Gesetz 1978 durch die Ehe zu meinem Mann erhielt. Ich habe mich dazu entschlossen und möchte dies auch ganz deutlich machen: Ich wurde in Amerika geboren und ich bin eine stolze amerikanische Bürgerin. Ich bin, und war es immer, 100prozentig der amerikanischen Verfassung und den Vereinigten Staaten von Amerika verpflichtet. Als Tochter eines Air Force Veterans, Stieftochter eines Army Veterans und Schwester eines Navy Veterans, bin ich stolz auf meine Treupflicht zur großartigsten Nation, die die Welt je gesehen hat“.

 

 

I am a Schwizer Mädli

Michelle Bachmann lächelt breit in die Kamera. So richtig stolz ist sie nicht. Wie auch, sie ist eine amerikanische Patriotin durch und durch. Wahrscheinlich überlegt sie schon jetzt, wie sie das 2016 ihren Wählern und Unterstützern erklären soll. Bachmann ist nun Schweizer Staatsbürgerin, neben ihrer US Citizenship. So richtig mit Pass und Pipapo und Nationalhymne. „Wenn der Alpenfirn sich rötet / Betet, freie Schweizer, betet! / Eure fromme Seele ahnt / Gott im hehren Vaterland / Gott, den Herrn, im hehren Vaterland.“

Bachmann hat nun nicht vor, eine neue Karriere in der Eidgenossenschaft anzutreten. Sie wurde mehr zwangsverschweizert. Die Eltern ihres Mannes waren Schweizer, die nach ihrer Hochzeit in die USA emmigrierten. Dort kam Sohnemann und späterer Bachehemann zur Welt. Aufgrund des Schweizer Rechts darf er sich problemlos um die Schweizer Staatsbürgerschaft bewerben. Was Marcus Bachmann auch am 15. Februar tat. Schon einen Monat später waren er, seine Frau Michelle und ihre drei jüngeren Kinder eingebürgert.

Michelle Bachmann hat das ganze bislang eher öffentlich verschwiegen. Doch raus kam es dennoch. Das Schweizer Fernsehen interviewte sie kürzlich sogar, als ein paar Abgeordnete aus Bern in Washington waren. Wo es ihr denn am besten in der Schweiz gefalle? Es sei schwer, in der Schweiz einen Ort zu finden, der nicht schön sei, meinte sie. Ganz neue diplomatische Töne der Rechtseinheizerin.

Aber mal ehrlich, die Österreicher hatten Arnold, die Schweizer haben nun Michelle und wen haben wir Deutschen?

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Vom Bardentreffen ans Golden Gate

Man hätte es auch Wohnzimmerkonzert nennen können. An der Decke hing der Kronleuchter, das Licht gedämpft, gerade mal zwei Dutzend Leute kamen, um eines der schönsten und nahegehendsten Konzerte zu erleben, das ich bislang gesehen habe. Die Schweizerin Sophie Hunger stand auf der Bühne, zwei sie begleitende Musiker rahmten sie ein. Keine großen Worte, keine großen Gesten, nur eine Musikerin, die ihre Songs lebt, atmet, fühlt.

Gefunden habe ich Sophie Hunger vor ein paar Jahren, als sie beim Nürnberger Bardentreffen auftrat. Online hörte ich ihre Songs vor und war einfach tief berührt. Seitdem ist die Musik der Eidgenössin fester Bestandteil meiner Radio Goethe Sendung. Damals verpasste ich ihren Auftritt in der Altstadt, doch nun war es so weit, eben ein paar tausend Kilometer westwärts in einem kleinen Club in San Francisco, gleich neben dem 101.

Da sitzt sie am Klavier, da steht sie mit ihrer Gitarre am Mikrofon und ihre facettenreiche Stimme erfüllt den Raum, erfüllt jeden einzelnen der Frauen und Männer, die an diesem Abend gekommen sind, um diese einzigartige Musikerin zu erleben. Still und lebendig, voller Kraft und Ausdruck, zärtlich und anschmiegsam. Sophie Hunger braucht keine große Bühnenshow, man sieht und spürt, dass hier eine aufrichtige Musikerin ihre Songs lebt.
Sie tourt nun zum ersten mal durch die USA, durch ein Land, in dem, wie sie sagt, viele ihrer musikalischen Wurzeln liegen. Folk, Jazz, Country, Sophie Hunger ist offen, auch für Sprachen. Mal Englisch, mal Französisch, mal Schweizerdeutsch. Sprache ist wichtig für sie, doch welche am Schluß in einem Lied genutzt wird, dass weiß sie selber nicht zu erklären. Erklären kann man die Musik von Sophie Hunger sowieso nicht, man muß sie ganz persönlich erspüren. Entweder hier in den USA auf ihrer Tour oder auf den kommenden Konzerten in Deutschland…und sich eben mal Zeit nehmen, ihre Alben in aller Ruhe zu hören.