Die Welt spielt verrückt

Der Führer der Zorn-Republik. Foto: Reuters.

Schnee in Texas, ausufernde Brände in Kalifornien, Politiker links und rechts, die ihren Job wegen sexueller Belästigung verlieren, ein republikanischer Senatskandidat wird wohl trotz schlimmster Beschuldigungen und das mit präsidialer Unterstützung gewählt werden und der „greatest groper“ von allen sitzt weiterhin im Weißen Haus. Irgendwie spielt gerade alles verrückt. Am Jahresende geht es noch einmal so richtig rund.

Wer hoffte, Donald Trump würde im Laufe seiner Amtszeit etwas gemäßigter werden, den populistischen Rechtsaußenton ändern, der sieht sich immer mehr getäuscht. Eigentlich müsste man ja sagen, so ist es gut, denn Donald Trump hat sich im Wahlkampf nicht verstellt, hat seine Wahlversprechen gegeben, die er jetzt nach und nach abarbeitet. Niemand kann also behaupten, er hätte nicht geahnt, was da auf uns zukommt. Wer für Trump gestimmt hat, der ist für Trump verantwortlich. Wer nicht zur Wahl gegangen ist, der sollte lieber den Mund halten und sich nicht beschweren. Anstatt zu klagen, wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen, sich zu informieren, zu organisieren, die schnelle Abwahl der Trumpschen Kongresssoldaten im kommenden Jahr und ihres Führers 2020 vorzubereiten.

Vor dem selbstverliebten Donald Trump wurde jahrelang gewarnt, wer das nicht hören wollte muss nun damit leben. Trump versteckte sich nicht, sprach das aus, was er dachte, für was er stand. Rechtspopulistisches Gefasel, das die USA auf eine gefährliche Spur gebracht hat. Nun setzt Trump zu Überholmanövern an, die dieses Land, diese Gesellschaft und die internationale Gemeinschaft mehr als gefährden.

Amerika ist nicht erst seit Donald Trump tief gespalten. Spätestens seit der republikanischen Revolution unter Newt Gingrich Mitte der 90er Jahre war offensichtlich, dass es tiefe Gräben in diesem Land gibt. Man musste nur Talk Radio hören, die schreienden „Radioheads“ Rush Limbaugh, Michael Savage, Sean Hannity und andere oder den offiziellen GOP-Sender Fox News sehen, der die Kandidatur von George W. Bush aktiv unterstützte. Der Graben war schon damals tief und wurde nur noch tiefer. Mit Barack Obama im Amt und Trumps Kandidatur wurden all diese Gräben noch betoniert. Eine Einheit, ein Zusammenkommen ist gar nicht mehr vorstellbar. Die USA werden nicht aus der Mitte heraus regiert. Das politische Pendel schlägt hier immer weiter aus, unter Donald Trump wurde das Zentrum des politischen Diskurses massiv nach rechts verlagert

Ich glaub‘ Donald Trump ist auf Drogen

Also irgendetwas muß er rauchen oder einwerfen. Anders kann man das doch gar nicht mehr begründen, was Donald Trump in diesen Tagen da vom Stapel läßt. Er fordert eine Drogentest vor der nächsten Präsidentendebatte, weil ausgerechnet er meint, Hillary Clinton schien ihm beim letzten Aufeinandertreffen der beiden zugedröhnt zu sein. Er begründet es damit, dass Hillary am Anfang der Debatte voller Energie war und später dann nur noch da saß und ihm still zuschaute. Ich füge hier hinzu, dass sie eigentlich gar nichts machen mußte, nur noch zusehen, wie Trump sich selbst zerlegte.

Was soll man da noch sagen? Foto: twitter.

Was soll man da noch sagen? Foto: twitter.

Als Donald Trump den Drogentest auf einer seiner Veranstaltungen vorschlug, jubelte die Menge und wieder erklangen die Rufe „Lock her up“. Die Trump Unterstützer stehen hinter ihm, egal was da auch kommt. Auf seinen „Events“ geht es laut zu. Sogar die Aussagen des Kandidaten, Frauen einfach sexuell zu benutzen, die Vorwürfe, Trump habe mehrere Frauen angegrabscht, ist für sie nur ein weiterer Beleg dafür, dass die „Lügenpresse“ in den USA gegen ihren Mann im Rennen ist. Auf den Veranstaltungen tauchten sogar Frauen auf, die sich aufs T-Shirt gemalt hatten, Trump könne ihre „Pussy“ ruhig anfassen, mit einem Pfeil nach unten.

Nicht alle bekannten Namen im republikanischen Lager haben sich in der letzten Woche von Donald Trump distanziert. Der frühere Sprecher des Abgeordnetenhauses, Newt Gingrich, ist allabendlich auf FOXNews zu sehen, um mit dem quasi inoffiziellen Sprecher der Trump-Kampagne, dem Moderator Sean Hannity, die Dinge so zu drehen, wie sie in ihren Augen sein sollten. Trump wird über den Klee gelobt, alles, was er sagt und tut hat für sie Hand und Fuß. Die Medienberichterstattung wird ausgerechnet von Hannity angeklagt, die Vorwürfe gegen Trump als Lügen abgetan, Hillary als Strippenzieherin einer riesigen Verschwörung gesehen.

Trump werden keine Chancen mehr auf einen Wahlsieg eingeräumt. Er hat in den letzten Monaten und Wochen zu viele wichtige Wählergruppen verprellt. Die Frage ist, was nach der Niederlage passiert, was der Donald und seine vielen wütenden Wählerinnen und Wähler machen, die schon jetzt alle glauben, die Wahl sei manipuliert, die gesamte Stimmabgabe ein abgekartetes Spiel. Was sie übersehen ist, dass Donald Trump mit seinem provokanten Wahlkampf die Vorwahlen gewonnen hat. Nichts und niemand konnte ihn stoppen, obwohl es genügend Anlässe dazu gab. Auf die bewaffneten amerikanischen Wutbürger blickend, frage ich mich schon, was das hier in diesem Land noch wird.

„Breaking News“….Donald Trump hat keinen Plan

Bitte schauen Sie sich das folgende Video an. Das wurde gestern Abend in Las Vegas, im Hotelcasino Caesar’s Palace aufgezeichnet. Der FOXNews Moderator Sean Hannity hatte Donald Trump zu Gast. Trump gewährte großzügigerweise den Wunsch, auch Fragen der Zuschauer zu beantworten. Zumindest schien das so vorher ausgemacht worden zu sein. Ab Minute 3:00 kommt eine junge Frau ans Mikrofon, um über die Schulden von Studierenden nach ihrem Abschluß zu sprechen. Die Frage ist einfach: „Mr. Trump, wie würden Sie die Situation verbessern?“ Und dann kommt Trump, mit einer, seiner typischen Nullantworten, die zeigen, der Mann hat keinen Plan.

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Man muß sich langsam fragen, wie es eigentlich zu einer Kandidatur von Donald Trump gekommen ist. Er ist ein Egozentriker, ein Egomane, der sicherlich niemanden um sich herum akzeptiert, der ihm nicht nach dem Mund redet. Donald Trump liebt die Bauchpinselei…bei sich wohlgemerkt. Er ist der Größte, der Tollste, der Erfolgreichste, der Reichste, der Klügste (der Schönste hat er, das muß man ihm zugestehen, noch nicht behauptet). Ein selbstverliebter Mann, wie in Amerika und die Welt noch nicht erlebt hat. Seine Kandidatur kann eigentlich nur auf einem Mißverständnis beruhen. Irgendjemand in seinem Umfeld wird zu ihm scherzhaft gesagt haben, „Donald, Du solltest Präsident werden“. Und Donald, ganz Donald, formte die Lippen zu einem „O“ (was leider sehr an was anderes erinnert), nickte leicht mit dem Kopf, die Haarwelle saß prächtig dank Dreiwettertaft und meinte, „Ja, ich wäre der beste Präsident aller Zeiten“.

Das war’s! Die Entscheidung war gefallen, Donald Trump erklärte seine Kandidatur. Als Superreicher mußte er nicht auf Betteltour gehen, um Gelder zu sammeln. Als Fernsehstar hatte er den Starbonus, und das alleine fanden und finden viele Amerikaner toll. Sie haben auch für Arnold Schwarzenegger gestimmt und würden auch für Lady Gaga votieren. Trump hatte ideale Ausgangsbedingungen. Den bekannten Namen, viel Geld, ein Riesenego und auf seine Weise Unterhaltungswert. Von Inhalten ist da keine Rede, die braucht jemand wie Trump nicht, er kann ja alles.

Leider habe ich auf der liberalen Insel San Francisco Bay Area noch niemanden getroffen, der für Donald Trump stimmen möchte. Denn ich würde ihn oder sie gerne fragen, was denn für den Donald spricht? Auf seiner Webseite findet man keinen politischen Plan, keine Analyse der aktuellen Situation, keine genauen Absichten, wie die derzeitigen Probleme in den USA und international gelöst werden sollen. Klar, die Mauer, die kommt immer, doch daran scheiterte schon die DDR. Aber sehen Sie selbst. Hier ist Donald Trumps Antwort auf seiner Webseite unter dem Punkt „JOBS – ich werde der größte Arbeitsstellen schaffende Präsident der amerikanischen Geschichte sein“. Das muß man eigentlich nicht mehr kommentieren:

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Die Brandstifter von FOXNews

Gestern habe ich mir mal wieder FOXNews angetan. „Hannity“ lief, die Sendung von Moderator Sean Hannity, den ich lange Zeit immer im Auto auf KSFO 560AM hörte, bis mir ein Depp die Antenne abbrach. Seitdem kriege ich nur noch ein paar UKW Sender rein. Aber zurück zum erzkonservativen Propagandasender. Als Journalist in der sehr liberalen San Francisco Bay Area finde ich es wichtig, einen Eindruck vom Rest des Landes zu bekommen, vom „Heartland“ Amerikas. Und FOXNews liefert das nur zu gerne. Oftmals ist es unterhaltsam, wenn man sich die Sendungen ansieht. Verschwörungstheorien wechseln sich da mit unsäglichem Journalismus und Meinungsmache ab.

Sean Hannity in seiner FOXNews Sendung. Foto: AFP.

Sean Hannity in seiner FOXNews Sendung. Foto: AFP.

Sean Hannity, der gerne das Motto des Senders „fair and balanced“ betont, ist alles andere als ein fairer und ausgewogener Journalist. Er ist ein Talk-Show-Moderator, der auf einer Mission zu sein scheint. Man könnte diesen Quasselkopf nun als Entertainer bezeichnen, was durchaus berechtigt ist und wenn es so wäre, dann würde er diese Rolle richtig gut spielen. Doch Hannity will kein Entertainer sein, er will nicht unterhalten, er will über die bösen Absichten des „schlechtesten“ und „unfähigsten“ Präsidenten aller Zeiten aufklären.

Gestern berichtete Sean Hannity über die Weltklimakonferenz in Paris. Als Gesprächspartner hatte er sich den Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee zugeschaltet. Warum redet Obama immer die USA schlecht, wollte Hannity wissen? Obama sei nach Paris geflogen, um dort zu erklären, dass das große Amerika schuld sei am kaputten Klima. Kein Wort davon, dass die USA die beste Nation, die größte Wirtschafts- und Militärmacht, der führende Staat auf dem Globus sei. So begann er das Interview und Huckabee nahm die Steilvorlage nur zu gerne an. Er verstehe auch nicht, wie man als Präsident sein eigenes Land schlecht rede, Fehler eingestehe und drastische Folgen für die eigenen Landsleute fordere. Amerika, so Huckabee, solle vielmehr die eigenen Ressourcen nutzen, Erdöl fördern, Rohstoffe abbauen, wieder die führende Rolle in der Welt übernehmen.

Als nächstes Segment stand ein Bericht und eine Diskussion mit Studiogästen über Hillary Clinton an, die der „fair and balancded“ Moderator Sean Hannity ganz offen als „Lügnerin“ bezeichnete. Hannity hat eine jahrelange Abneigung gegen die einstige First Lady. Als sie 2008 in den Präsidentschaftswahlkampf einstieg, startete Hannity seinen „Stop Hillary Express“. Es gab nur negative Meldungen. Und das hat er nun wieder aufgenommen. Für Hannity ist Hillary ein rotes Tuch. Und nicht nur für ihn, man kann sich bei dieser „ausgewogenen“ Berichterstattung vorstellen, was passieren wird, wenn Hillary Clinton wirklich die nächste Präsidentin werden sollte. Amerika würde einen absoluten Stillstand erleben, denn alles, was aus dem Weißen Haus käme, würde blockiert und schlecht geredet werden. Bestes Beispiel ist die Gesundheitsreform, die als „Obamacare“ verschrien ist. Die Republikaner und Konservativen im Land haben es mit dieser Rufmordkampagne geschafft, eine wichtige Reform schon im Ansatz zunichte zu machen.

Was für mich wichtig an diesen Interviews von Sean Hannity und anderen auf FOXNews ist, als Zuschauer merkt man, wie ein Teil Amerikas tickt. Nicht alle Amerikaner glauben der Propaganda, doch es ist ein lautstarker und einflussreicher Teil, der hier auf diesem Frontsender Stimmung macht. Stimmung, die gefährlich werden kann. Forderungen wie „Obama needs to be stopped“ könnten falsch ausgelegt werden. Das zeigt auch das jüngste Attentat in einer „Planned Parenthood“ Klinik in Colorado Springs. Der Täter wiederholte bei seiner Verhaftung einen Satz, den man zuvor öfters auf FOXNews gehört hatte: „No more baby parts“.

Hillary Clinton als Piñata

Es war lange Zeit ein offenes Geheimnis, dass Hillary Clinton kandidieren wird. Und genauso war es ein offenes Geheimnis, dass die Konservativen im Land mit aller Gewalt gegen die Kandidatur der vehassten Hillary angehen werden. Irgendwie hat man das Gefühl, da seien noch ein paar Rechnungen offen. Die Clintons sind das rote Tuch seit den frühen 90er Jahren. Als Hillary 2008 kandidierte, machte nicht nur der FOXNews und Talk Radio Moderator Sean Hannity gegen sie mobil. Sein „Stop Hillary Train“ wurde früh gestoppt, doch ich würde mich nicht wundern, wenn seine Kampagne auch zum Scheitern der damaligen Hillary Kandidatur beigetragen hätte.

Nun wird eine neue Runde eingeläutet. Die alten Clinton Skandale aufgewärmt, ihre Abstimmungen als US Senatorin peinlichst genau durchgesehen, ihre Arbeit als Außenministerin penibelst analysiert, die Machenschaften der Clinton Foundation unter die Lupe genommen. Und heraus kommen mit Sicherheit offene Fragen, die zu Skandalen und Skandälchen aufgebauscht werden können. Die Clintons, die man seit Jahrzehnten glaubt zu kennen, haben noch so einige Leichen im politischen und privaten Keller liegen.

Hillary Clinton ist zur Piñata im Wahlkampf geworden.

Hillary Clinton ist zur Piñata im Wahlkampf geworden.

Der konservative Journalist Peter Schweizer ist Teil der neuen Kampagne gegen Clinton. Sein aktuelles Buch heißt „Clinton Cash“ und verfolgt die Arbeit der Clinton Foundation und den gleichzeitigen Reichtum des bekannten Politikerpaares. Hand in Hand gehen da Spenden an die Organisation und sehr lukrative Redebeiträge von Bill und Hillary Clinton. 250.000-300.000 Dollar kassierten sie zum Teil von fragwürdigen Regierungen, die dann auch noch Gelder für die Stiftung locker machten.

Auch Hillarys Amtszeit als Außenministerin wird nun genauestens untersucht. Welche Deals gab es, welche Hinterzimmerverträge wurden unterzeichnet, die dann auch noch zeitgleich mit Überweisungen an die Clinton Foundation zusammen fielen. Den großen Skandal gibt es bislang nicht, das einzige, was gerade von FOXNews aufgeblasen wird ist, ein Urangeschäft mit Russland. Für 600 Millionen Dollar kaufte Russland Schürfrechte, die vom Außenministerium unter Hillary Clinton genehmigt werden mußten. Später stellte sich heraus, dass das russische Bergbauunternehmen hinter dem Deal auf Umwegen 2,35 Millionen Dollar an die Clinton Foundation überwiesen hatte. Zufall oder Skandal?

Die Republikaner und ihr konservatives Umfeld setzen nun nicht mehr nur auf FOXNews und die bekannten Talk Radio Köpfe, sie gaben ihre Informationen auch an die Washington Post und die New York Times weiter. Sie wissen, Hillary kann nur so geschlagen werden, wenn Zweifel im eigenen Lager auftauchen. Und die werden nun Tag für Tag, Woche für Woche gesät.

Hillary Clinton ist die einzige Kandidatin auf weiter Flur bei den Demokraten. Kein anderer hat sich bislang nach vorne getraut, denn es gibt keinen anderen neben der Über-Demokratin, einstigen First Lady, US Senatorin, Außenministerin. Hillary Clinton ist zur Piñata im Wahlkampf geworden. Die Frage ist jetzt, wie lange sie unter den einprasselnden Schlägen durchhalten kann.

Unpatriotische Oscars

Was will man schon vom liberalen Hollywood erwarten? Da ist so ein hoch patriotischer Spielfilm wie „American Sniper“ im Rennen, der die wahren Heldentaten eines amerikanischen Scharfschützen erzählt und was wird ausgezeichnet….ein mexikanischer Regisseur und nicht der übergroße Clint Eastwood. Ja, wo kommen wir denn da hin?

Der Hollywoodspielfilm "American Sniper" ging bei den diesjährigen Oscars unter.

„American Sniper“ ging bei den diesjährigen Oscars unter.

Ja wohin wohl…klar, dass sich da auch der selbsternannte Filmkritiker Donald Trump zu Wort melden muß. Zu was kann er sich eigentlich nicht äußern? Aber bleiben wir beim Thema, am Montagmorgen telefonierte er gleich live on-air mit der Show „Fox & Friends“, die auf FOXNews ausgestrahlt wird. Darauf angesprochen, wie er die Entscheidung sehe, dass Clint Eastwood und „American Sniper“ kaum beachtet wurden, meinte Trump: „Es war eine großartige Nacht für Mexiko. Dieser Kerl (Alejandro Iñárritu, Direktor von „Birdman“) kam immer und immer wieder auf die Bühne. Was macht er da? Er haut mit dem ganzen Gold ab“. Typisch sei das für dieses Land, so Trump. Also, Mexiko übernimmt nicht nur mit seinen Taquerias in den Städten die Schnellimbisse. Nein, nun sahnen sie auch noch die Preise ab.

Einer der Anchorman auf FOXNews, Sean Hannity, wollte auch seinen Senf zur Diskussion dazugeben und twitterte, dass die Entscheidung ja von vornherein klar war. Die liberalen Geister in Hollywood würden ja niemals einen patriotischen Kassenschlager wie „American Sniper“ auszeichnen. Alles also ein abgekartetes Spiel?

Man muss sagen, in diesem Jahr war die Oscarpreisverleihung politischer denn je. Von den angeschnittenen Themen der Gewinner und Performer auf der Bühne bis hin zur Wahl von „Citizen Four“, dem Dokumentarfilm über Edward Snowden, setzte Hollywood in diesem Jahr deutliche Zeichen. Die Nichtbeachtung von „American Sniper“ war da sicherlich keine Absicht, denn andere Filme waren einfach besser. Das nun jedoch als mangelnden Patriotismus oder als Zeichen gegen die „Frauen und Männer in Uniform“ zu werten, wie das einige Kommentatoren taten, ist völliger Blödsinn und zeigt nur die geistige Beschränktheit von einigen Dauernörglern in den USA.

Ich lass das mal mit dem Arzt

Ich habe da ein kleines Problem. Eigentlich wollte ich nach meiner Rückkehr hier in Oakland zum Arzt gehen, doch allein die Tatsache, dass ich in Afrika unterwegs war, birgt nun ein Problem. Denn es gibt da ja die einfache Rechnung: Afrika + Unpässlichkeit = Ebola.

Ebola ist das Topthema auf der CDC Webseite.

Ebola ist das Topthema auf der CDC Webseite.

Amerika „liebt“ Horrorszenarien. Al Qaida baut Terrorzellen in den USA auf. Saddam Hussein hat riesige Arsenale mit chemischen und biologischen Waffen. Die Terrorgruppe Islamischer Staat steht schon in Ciudad Juarez an der amerikanischen Grenze, um mit Unterstützung der Drogenkartelle Attentate zu planen. Die Flüchtlinge aus Guatemala, Honduras und El Salvador werden das amerikanische Sozialnetz vernichten. Ach ja, dann sind da noch Kuba, weiße Haie an Stränden, gelegentlich ein Berglöwe in einer Nachbarschaft, Pädophile hinter jedem Busch und Strauch. Und, und, und nun eben auch noch Ebola. Damit lassen sich 24 Stunden „Nachrichtenkanäle“ füllen.

Amerika reagiert panisch. Die Medien stürzen sich darauf, berichten über etwas, was fast nirgendwo im Land auch nur aktuell ist. Gestern Abend stand tatsächlich in den 23 Uhr Nachrichten ein Reporter eines lokalen Fernsehsenders für einen Live-Bericht (!) am Flughafen von San Francisco. „Wird SFO bald Ebola Testtechnologie bekommen?“, fragte er. Hallo!!! Es gibt keine direkten Flüge von Freetown in Sierra Leone oder Monrovia in Liberia nach San Francisco. Also, was soll das?

Die konservativen Meinungsmacher von FOXNews, wie Sean Hannity, die Radio Talkshow Brabbler, wie Michael Savage, die Online Kolumnisten, wie Ann Coulter, sie alle sehen die Ebola Krise als eine politische Krise im Land. Barack Obama verfolge das Weltbürgertum, nur so sei zu erklären, warum es keine Reisebeschränkungen nach Westafrika gebe. Zwischen den Zeilen kann man da die rassistischen Töne durchhören, er sei ja ein Schwarzer, da wolle er seine Brüder und Schwestern in Afrika nicht vor den Kopf stoßen. Erneut zeige sich jedoch die Führungsschwäche des „Commander in Chief“. Egal, was Obama auch macht, es ist für seine Berufskritiker nicht genug. Der zuständige Chef des „Center for Disease Control“ (CDC) müßte umgehend entlassen werden, die Grenzen dicht gemacht, Reisewarnungen und Reiseverbote ausgesprochen werden, kein Amerikaner dürfe mehr in die betroffenen Länder reisen. Man hat den Eindruck, das Ebola Virus lauert hinter jeder Ecke und wartet nur darauf einen Amerikaner, „a good patriot“ zu infizieren. Obama, der Weichling, lasse es zu, dass „god’s country“ verseucht wird, so die Meinung der vielbeachteten Meinungsmacher.

Und nun wieder zu meinem angedachten Arztbesuch. Ich glaube, es ist verständlich, dass ich erst einmal ein bisschen warte. Schmerzen hin, Schmerzen her. Unwohlsein hin, Unwohlsein her. Bevor ich mir das antue, erneut jemanden vor mir im Schutzanzug zu sehen, lasse ich lieber noch etwas Wasser die Pegnitz runterfließen. Die mit ihrer Panikmache gehen mir gerade ziemlich auf den Geist. Hier und da. Denn durch die Ebolakrise bekomme ich noch nicht mal meine Tschadthemen in den Medien unter. Die Afrikaberichterstattung drehe sich derzeit nur um Ebola, heißt es. So, als ob der Kontinent eh nur aus Krankheiten und Seuchen besteht.

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Erdbeben im News Geschäft

Gleich zwei Schlagzeilen drehen sich um das Newsgeschäft. „Al Jazeera America“ geht in diesen Tagen on-air und bei FOXNews wird einiges durcheinander gewürfelt. Mit Hochspannung wartet man auf den Start des neuen Nachrichtenkanals. Al Jazeera steht noch immer im Ruf, in den USA pro-islamistische Propaganda zu verbreiten. Totaler Quatsch, aber sowas hält sich. Vielmehr berichet der Kanal aus einer Region und aus einem Blickwinkel, der von amerikanischen Stationen total vernachlässigt wird. Am 20. August ist nun der Sendestart des neuen Nachrichtenkanals geplant.

Bei FOXNews werden die Sendeplätze neu vergeben. Der konservative und stark ideologisch ausgerichtete Sean Hannity verliert seinen 21 Uhr Programmplatz. Er hat seit der letzten Wahl 35 Prozent an Zuschauern eingebüßt. Das liegt auch daran, dass Hannity vor der Wahl immer auf die falschen republikanischen Kandidaten setzte und dazu noch demagogische Talk-Gäste, wie Dick Morris, einlud, die ihre stark gefärbten Einschätzungen und Analysen verbreiten durften. Bis zum Schluß glaubte Morris, dass Mitt Romney die Wahl gewinnen würde. Ein fataler Fehler, FOXNews wurde dann kalt erwischt. Hannity muß also weichen und nicht nur hier, er verliert nun auch seine „syndicated“ Radioshow. Wie es heißt, wird Cumulus Media die tägliche „The Sean Hannity Show“ nicht länger auf Hunderten von Stationen im Land verbreiten. Hannitys Zeit scheint damit abgelaufen zu sein.

Auf den 21 Uhr Spot von FOXNews wird nun Megyn Kelly ziehen, die bereits eine Nachmittagssendung auf dem Sender hatte. Sie gilt als gemäßigter, liberaler und auch weltoffener als Hannity. Ihre Zuschauerzahlen schossen in den letzten Monaten nach oben, ein klares Zeichen für die Senderverantwortlichen, Kelly auf einen „Drive-Time“ Platz zu setzen. Einige Beobachter werten dieses Programmgeschiebe bereits als „Liberalisierung“ von FOXNews, doch das muß dahin gestellt bleiben. Der Nachrichtenkanal lebt von seinen konservativen und teils extremen Einschätzungen der politischen Landschaft. Das ist die Nische, die sich FOXNews im Kampf gegen CNN und MSNBC geschaffen hat.

Amerika steht Kopf

„Wir sind erst einmal Amerikaner, bevor wir Republikaner oder Demokraten sind“, das sagte Präsident Barack Obama unmittelbar nach dem gestrigen Anschlag in Boston. Damit wollte er deutlich machen, dass Amerika geeint ist, dass man an die Opfer und deren Familien denkt, dass nun gemeinsam alles getan werden wird, um die Täter zu fassen. Tja, die Einheitsfront „Made in USA“ dauerte noch nicht mal einen Tag. Schon ging es los mit den Anfeindungen.

Demokraten beschuldigten Republikaner, aufgrund deren Blockadehaltung im Haushaltsstreit, seien wichtige Gelder für die Polizei und Ermittlungsbehörden gekappt worden. Natürlich habe das nicht direkt zum Terrorakt geführt, aber es hätte im Vorfeld des Marathons durchaus Einsparmaßnahmen gegegeben. Die Republikaner hingegegen sehen den schwarzen Peter eher in der Hand von Obama, der mit seinem Starrsinn die nationale Sicherheit Amerikas gefährde.

Und die konservativen Talk-Sendungen hatten ein volles Programm am heutigen Tag danach. Talk Show König Rush Limbaugh zeigte sogar Verständnis für den Fall, wenn der Täter wirklich Amerikaner gewesen sei. Wörtlich sagte er: „Ich glaube man sollte nicht verwerfen, dass wir in diesem Land in einem wirtschaftlichen Desaster sind. Es gibt Leute, die einfach nicht mehr weiter wissen. Sie finden keine Arbeit, keinen Job, keinerlei Hoffnung. Das führt zu allerlei Ärger und Chaos.“ Also, nach der Logik von Rush Limbaugh ist es also nur eine Frage der Zeit, bis ein Teil der Amerikaner los schlägt. Bewaffnet sind sie ja, dafür palavert Limbaugh ja schon lange genug.

Andere konservative Moderatoren, wie Bill O’Reilly oder Sean Hannity, machten „nur“ die „liberalen“ Medien dafür verantwortlich, dass nun eine politische Diskussion losgetreten wurde. Die „Libs“ wollten einfach einen Nutzen aus dem Attentat ziehen.

Der Anschlag in Boston hätte für Barack Obama zu keinem schlimmeren Zeitpunkt kommen können. Das fünfte Jahr der Präsidentschaft, das erste Jahr nach der Wiederwahl, sind die 12 Monate, in denen der Präsident wirklich was entscheiden kann. Quasi sich in die Annalen der Geschichte einschreiben. Obama hatte viel vor. Die Waffengesetze verschärfen, eine Reform des Einwanderungsgesetzes durchpauken, die gleichgeschlechtlichen Ehen im Bundesgesetz zu verankern. Daneben noch den Haushalt in ein günstiges Fahrwasser bringen und den Krieg in Afghanistan auslaufen lassen. Damit hätte Obama viel erreicht. Doch nur einen Tag nach dem Attentat ist klar, es wird schwer, verdammt schwer für all diese Ziele. Nun konzentriert sich alles wieder auf die nationale Sicherheit, auf den Terrorismus, auf die Frage, wer patriotischer als sein Nachbar ist.

Teile der GOP haben bereits erklärt, erst einmal die „Immigration Reform“ neu überdenken zu müssen. Denn falls es zutreffe, dass ein ausländischer, sprich saudiarabischer Student für den Anschlag verantwortlich zu machen sei, müßte alles neu formuliert werden. An Waffengesetze und an Schwulenehe ist zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht zu denken. Obama läuft die Zeit davon, denn 2014 wird er nur noch ein Präsident auf Abruf sein. Die Kongresswahlen stehen dann im November an und die ersten Kandidaten auf beiden Seiten werden sich ins Rampenlicht rücken. Da ist kein Platz mehr für die politischen Ideen eines Barack Obama.

Obama, der unfähige Marxist

Manchmal kann er einem schon leidtun. Barack Obama wurde von seinen Kritikern und politischen Gegnern schon alles an den Kopf geworfen, was es so an Bezeichnungen gibt. Mal ist er Marxist, mal Sozialist, mal Kommunist. Dann Nazi und Faschist, dann Islamist und von China bezahlt. Ach ja, verlogen, unfähig, naiv, einfach ein bisserl deppert ist er auch noch. Wenn man so liest und hört und schaut, was die Talkradio Quasselköpfe und die FOXNews Komödianten so alles vom Obamastapel lassen, dann ist klar, Obama ist die volle Nullnummer.

Aber ist er wirklich so schlecht? War seine Amtszeit wirklich so dermaßen katastrophal? Hat er wirklich gar nichts erreicht?

Dazu ein aktueller Audiobeitrag:

      Obama und die Wiederwahl