Gottes Rache ist die Dürre

Vor einigen Tagen gab die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) der Saarbrücker Zeitung ein Interview. Darin sprach sie sich gegen eine Öffnung des Ehebegriffes aus. Kramp-Karrenbauer meinte, in Deutschland sei die Ehe klar als eine Gemeinschaft von Mann und Frau definiert. Weiter sagte sie; „Wenn wir diese Definition öffnen in eine auf Dauer angelegte Verantwortungspartnerschaft zweier erwachsener Menschen, sind andere Forderungen nicht auszuschließen: etwa eine Heirat unter engen Verwandten oder von mehr als zwei Menschen“. Der Aufschrei in ganz Deutschland war groß. Sogar eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung wurde gestellt. Diese Behauptung, so die Anwältin Sissy Kraus, die gegen die Ministerpräsidentin klagte, müsse man in „ihrem Gehalt gleichsetzen mit den ähnlich verachtenden Äußerungen 1933 – 1945.“

Die republikanische Abgeordnete Shannon Grove meint, die Dürre in Kalifornien sei Gottes Rache.

Die republikanische Abgeordnete Shannon Grove meint, die Dürre in Kalifornien sei Gottes Antwort auf Abtreibungsgesetze.

Um das ganze Mal in Perspektive zu setzen, ein Beispiel aus den USA, was hier gewählte Politiker so von sich geben und danach auch noch von ernstzunehmenden Präsidentschaftskandidaten hofiert werden.

Die Dürre wird im Alten Testament ja als Strafe für den Ungehorsam des Volkes verstanden, als Zorn Gottes interpretiert. Die Republikanerin Shannon Grove, die im kalifornischen Parlament den 34. Distrikt, Kern County, vertritt, sieht das genauso. Kern County liegt um die Stadt Bakersfield, im Herzen des Central Valley. Also genau jene Gegend, die von der kalifornischen Dürre besonders betroffen ist. Nun hat Grove eine Ursache und gleichzeitig auch eine Lösung für die historische Wasserknappheit im Bundesstaat gefunden. Auf einem festlichen Bankett der „ProLife“ Abtreibungsgegner erklärte sie: „Texas litt lange Zeit unter einer Dürre, bis Gouverneur Perry das fötale Schmerzgesetz unterschrieb. In der gleichen Nacht regnete es. Nun hat Gott Kalifornien im Griff“. Grove verwies hier auf ein texanisches Gesetz, das Abtreibungen nur noch bis zur 20. Schwangerschaftswoche erlaubt und nicht wie das Bundesgesetz bis zur 24. Woche.

T-Shirt Antwort der Abtreibungsbefürworter in Kern County.

T-Shirt Antwort der Abtreibungsbefürworter in Kern County.

Auf ihrer facebook Seite fügte Shannon Grove anschließend noch an: „Ich glaube – wie auch die meisten Amerikaner – dass Gott eine Hand in den Angelegenheiten der Menschen hat und ganz sicher bei der Gründung dieses Landes mit entschied. Ist diese Dürre von Gott gewollt? Das weiß keiner. Aber die biblische Geschichte zeigt, dass die Handlungen der Menschen Konsequenzen haben.“ Die Abgeordnete machte mit ihren Aussagen Schlagzeilen. Sie erhielt Zuspruch von den christlichen Fundamentalisten,  einige schüttelten nur den Kopf, andere erklärten sie für „verrückt“. Abtreibungsbefürworter in ihrem Distrikt nutzten die Aufmerksamkeit und produzierten ein T-Shirt mit dem Aufdruck: „Ich habe eine Wüste mit meiner Abtreibung geschaffen und alles, was ich bekommen habe, war dieses lausige T-Shirt“.

Ach ja, am vergangen Freitag kam dann auch gleich Shannon Groves Held bei ihr im Distrikt vorbei. Es ist Wahlkampf und der ehemalige texanische Gouverneur Rick Perry wußte, dass er in Kern County ein dankbares Publikum vorfinden wird.