Halt Dein „Potty Mouth“

Deutsche Bands halten sich beim Texten nicht zurück. Warum auch, ist es doch die künstlerische Freiheit sich auszudrücken, wie man möchte. Mein Problem ist seit fast 17 Jahren Radio machen in den USA, dass man hier im freien Amerika nicht alles spielen kann, was man gerne möchte. Alles, was unter „Indecent language“ läuft, fällt durch. Das sind eigentlich sieben Wörter, die man nicht senden darf, wenn man seine Sendung behalten möchte und die Station, auf der man sendet, nicht gefährden will. Denn die Strafen für das Ausstrahlen solcher Wörter kann teuer werden und hat schon so mancher Station das Aus gebracht.

Also hält man sich bewußt zurück, hört alles vorab durch und im Zweifelsfall läßt man es lieber. Als ich 1996 bei KUSF in San Francisco anfing, mußte ich unterschreiben, dass ich mich on-air an die FCC Regularien halte. Besucher, die ich im Studio hatte, mußten vor jedem Live-Interview unterschreiben, dass sie nichts schlimmes auf Sendung sagen würden. Also kein „Fuck“, kein „Shit“, kein „Piss“, kein „Cunt“, kein „Cocksucker“, kein „Motherfucker“ und kein „Tits“. Und das ist nicht alles, auch eindeutige sexuelle Darstellungen dürfen nicht erwähnt werden. Also wird nicht von einem „Blowjob“ gesprochen, sondern von einem „BJ“, das ist dann wieder legal, aber auch erst zur späten Abendstunde. Viele meiner Live-Gäste nahmen sich als kleine Erinnerung so ein Formular mit.

Wenn ich in Deutschland mittlerweile Radio höre, zucke ich regelmäßig zusammen. Wie kann der tagsüber so was on-air sagen, wie kann so etwas gespielt werden?, denke ich mir, bis ich merke, ich bin in Deutschland.

Doch bei aller Eigenzensur über die Jahre, habe ich immer wieder tolle Songs zugeschickt bekommen, die ich gerne in einer Radio Goethe Sendung gespielt hätte. Heute habe ich mal die Zeit genutzt, eine zu produzieren, natürlich nur für die Online Hörer. Danach, ist klar, geht die Welt unter. Zumindest, wenn das nicht eintritt, sollte man sich die Ohren putzen, nach so einem Hörterror des schlechten Geschmacks. Mit dabei sind auch zwei fränkische Bands, Fiddler’s Green und Retrosic. Ja, ja, auch die Franken benützen schlimme Wörter. Wer als deutscher Hörer diese Sendung hört, wird sich nichts böses denken, lahmes Zeug, das hört man doch jeden Tag zu genüge im Äther. Doch sowas ist im „Land of the Free and the Brave“ einfach nicht erlaubt. Amerika ist manchmal schon sehr seltsam.

 

Fuck that shit

Aktueller Audiobeitrag zum „Fuck“-Urteil in den USA

Audiobeitrag zum Fuck-Urteil     

Als ich vor 14 Jahren bei KUSF in San Francisco mit meiner Sendung anfing wurde mir gleich gesagt, diese bestimmten sieben Wörter darfst Du „on-air“ nicht sagen. Dann schaute mich die Sendermitarbeiterin an und meinte mit einem Lächeln: „Auf Englisch geht das nicht. Auf Deutsch kannst Du sie schon sagen“. Und genau das macht schon deutlich, dass diese Liste von „unsittlichen“ Wörtern überhaupt keinen Sinn macht: Shit, Piss, Fuck, Cunt, Cocksucker, Motherfucker und Tits.

Seit Jahrzehnten hüten sich Stationen davor, „indecent language“ in ihren Programmen zu senden. Denn das kann teuer werden. Hunderttausende von Dollar Strafe bis zum Sendelizenzentzug. Gerade kleinere Stationen fürchten die Keule der Aufsichtsbehörde FCC, die nie selbst ermittelt sondern nur auf Anzeige von Hörern hin.

Die Situation verschlimmerte sich zunehmends unter der Administration von George W. Bush. Die FCC klagte alles und jeden an, verhängte Strafen und machte sehr viele Leute im Unterhaltungsgeschäft mehr als nervös. Und dann klagte der konservative Sender FOX von Rupert Murdoch gegen die Vorgehensweise der FCC. Im letzten Jahr schmetterte das Verfassungsgericht die Klage noch ab und erklärte, die FCC habe das Recht eine Art Sittenkatalog zu führen. Allerdings verwies das höchste Gericht die Frage der Verfassungsmässigkeit der Einschränkung von Meinungsäusserungen zurück an ein New Yorker Gericht. Und das hat nun entschieden: Shit, Piss, Fuck, Cunt, Cocksucker, Motherfucker und Tits fällt unter die Meinungsfreiheit.

Die FCC und Konservative im Land sind geschockt. Sie sehen nun schon eine Welle von lotterlastigen Kommentaren über den Äther rollen und haben umgehend Berufung eingelegt. Das Bundesverfassungsgericht muß sich nun mit der Frage beschäftigen, ob „Fuck“ unsittlich ist oder unter die Meinungsfreiheit fällt. Das höchste Gericht ist konservativ ausgerichtet, von daher ist der Ausgang dieses Verfahrens mit Spannung zu erwarten.

Bei KUSF unterdessen will man kein Risiko eingehen. Auch weiterhin dürfte ich auf Sendung nur „Mutterficker“ anstatt „Motherfucker“ sagen….aber wer will das schon, so oder so.

Hier das Video der Anhörung im Verfahren FOX gegen FCC:

YouTube Preview Image

Und hier der Comedy Meister George Carlin in den 70er mit seinen „famous seven words“:

YouTube Preview Image

Das „f…in“ Wort „F…“

„F…“ ist ein Wort, das überhaupt nicht geht. Jedenfalls nicht, wenn man eine Radiosendung in den USA produziert. Da kennen die Amerikaner keinen Spass. Mit „F…“ kann man sich seine Karriere zugrunde richten und dabei auch noch arm werden. Als DJ auf KUSF, dem Collegesender in San Francisco, muss man schon sehr aufpassen. Denn zum einen sendet der Sender im Vergleich zu den kommerziellen Stationen wirklich live und nicht mit 10 Sekunden Verzögerung. Zum anderen unterschreibt man, dass man für eventuelle Bussgelder selbst aufkommt. Und die können bei rund 30.000 Dollar (!) pro Vergehen liegen.

Das ist auch ein Grund, warum ich jede CD, bevor ich sie on-air spiele, genauestens durchhöre. Seltsamerweise finden gerade viele deutsche Bands das „F…“ Wort besonders cool und nutzen es bis zum Abwinken. Deutscher HipHop geht gar nicht, denn die „F…“-Bombe, wie „F…“ hier drüben auch genannt wird, ist da quasi Markenzeichen und isssss jaaaaa soooooo cooooool! Das schlimmste allerdings, was mir je zugeschickt wurde, war eine Compilation von Düsseldorfer Punk Bands. Ich konnte keinen einzigen Song daraus spielen, soviele „F…“s und „S…“s gab es darauf. Ja, „S…“ ist auch ein Bannwort im puritanischen amerikanischen Medienmarkt.

Aber nun zur Bedeutung und Nutzung von „F…“. Hierzu ein kleines Video, es sei allerdings darauf hingewiesen, dass das im amerikanischen Sinne nicht jugendfrei ist. Also „Explicit Adult Language“:

YouTube Preview Image