Istanbul – New York – Los Angeles

Die Druckwelle der Bomben in Istanbul war bis in die USA zu spüren. Bereits am Montag, einen Tag vor dem Anschlag am Atatürk Airport, hatte das „State Department“ eine neue Reisewarnung für amerikanische Staatsbürger herausgegeben. Vor allem der Südosten des Landes, im Grenzgebiet zu Syrien, solle von US-Bürgern gemieden werden: „The U.S. Department of State warns U.S. citizens of increased threats from terrorist groups throughout Turkey and to avoid travel to southeastern Turkey.“

Ausländische und einheimische Terrorgruppen, so das amerikanische Außenministerium, hätten es in der Vergangenheit immer wieder auf Touristen und Besucher aus dem Ausland abgesehen. Die erneute und verschärfte Warnung vom Montag kam nur wenige Monate nach einem allgemeinen „Travel Alert“ für die Türkei. US-Regierungsmitarbeitern wird es untersagt nach Hatay, Kilis, Gaziantep, Sanliurfa, Sirnak, Diyarbakir, Van, Siirt, Mus, Mardin, Batman, Bingol, Tunceli, Hakkari, Bitlis und Elazig zu reisen. Angehörige von Entsandten an den US-Konsulate in Hadena und Izmir wurden zur Abreise aufgefordert. Den amerikanischen Geheimdiensten und Diplomaten lagen konkrete Hinweise auf Anschläge in der Türkei vor.

Die USA verurteilten deutlich die Anschläge von Istanbul. Sowohl das Weiße Haus, wie auch das "State Department" veröffentlichten Pressemitteilungen. Der US-Botschafter in Ankara, John Bass, erklärte auf der facebook Seite der Botschaft: "Horrified by tonight's attack at Ataturk Airport. We mourn with the families of those lost, and pray for speedy recovery for those wounded."

Das Weiße Haus und das „State Department“verurteilten deutlich die Anschläge von Istanbul. Der US-Botschafter in Ankara, John Bass, erklärte auf der facebook Seite der Botschaft: „Horrified by tonight’s attack at Ataturk Airport. We mourn with the families of those lost, and pray for speedy recovery for those wounded.“

Und dann passierte es in Istanbul, direkt am Flughafen. In den USA schaut man nun genau hin, wie das passieren konnte, denn die Terroristen hatten Schwachstellen im Sicherheitsapparat des Atatürk Airports ausgemacht. Und diese Schwachstellen gibt es auch an amerikanischen Flughäfen. Zuallererst die Anfahrt in einem unscheinbaren Taxi und dann sitzt auch am SFO-Airport nur ein, meist gelangweilt dreinblickender, Customs-Agent am Ausgang des internationalen Terminals. Ohne weiteres könnten Bewaffnete hier in den inneren Bereich des Flughafens, zur Gepäckausgabe gelangen, wie das wohl auch in Istanbul passiert ist.

Amerikanische Sicherheitsbehörden haben bereits die Kontrollen und die Präsenz von uniformierten Beamten an den US-Flughäfen verstärkt. In dieser Woche steht der Nationalfeiertag, der 4. Juli, an, ein traditioneller Großreisetag in den USA. Millionen von Passagieren fliegen quer durchs Land und das zu einer Zeit, in der die „Transportation Security Administration“ (TSA) massive Probleme im schnellen Abfertigen der hohen Passagierzahlen hat und dazu noch der Sicherheitslevel heraufgesetzt wurde. Es könnte ein Alptraum für Reisende werden, vor dem Hintergrund, dass die absolute Sicherheit sowieso nicht garantiert werden kann, wie es der Terrorakt in Istanbul brutalst demonstriert hat.

Nürnberg IST mehr wert

Das stimmt. Nürnberg ist mehr wert, als ein Wahlspruch, der für die CSU eine „Katastrophe“ (Sebastian Brehm) brachte. Nürnberg ist eine sehr schöne, lebens- und besuchswerte Stadt. Ich bin dort aufgewachsen, zur Schule gegangen, habe dort studiert, Volontariat gemacht, viel über die Geschichte, die Menschen, das Leben dort gelernt. Und auch, wenn ich seit 1996 in Kalifornien wohne und arbeite, bin ich noch immer sehr mit Nürnberg verbunden. Familie, Freunde, tiefe Wurzeln. Dieses komische Wort „Heimat“ habe ich erst im Ausland so richtig verstanden.

Nun geht es zurück in meine zweite „Heimat“, Kalifornien. Nach Oakland, eine Stadt, in der ich bis heute nie richtig angekommen bin. Es ist eine schöne Stadt, eine einzigartige Region, doch nichts wiegt das auf, was Nürnberg zu bieten hat. Das Golden Gate ist nichts im Vergleich zum Königstor. Das ist kein platter Vergleich, zumindest nicht für mich. Das Golden Gate ist wunderschön, die Brücke ein Jahrhundertwerk. Und doch, am Königstor liegen Erinnerungen, die einem ein Leben lang bleiben.

Und nein, ich werde hier nicht melancholisch. Ganz im Gegenteil. Als jemand, der Nürnberg kennt und nun als Besucher immer wieder und immer wieder gerne zurück kommt, verstehe ich nicht, warum die Nürnberger Nürnberg schlecht reden. Alles ist irgendwie ein Prolbem. Von den Fahrradwegen bis zur VAG, vom Müll auf der Straße bis zur Sicherheit, von den Nachbarschaften bis zum Verkehr. All das erlebe ich auch als Besucher und ich frage mich jedesmal, wo ist das Problem. Nürnberg ist eine sichere Großstadt. Das belegen nicht nur die Statistiken, das empfinde ich auch. In keiner anderen Stadt fühle ich mich sicherer. Es gibt keinen Stadtteil, um den ich einen großen Bogen machen würde und ich gehe gerne nachts spazieren. In Oakland gibt es gleich mehrere, die ich meide und in denen ich zu bestimmten Tageszeiten sicherlich nicht zu Fuß unterwegs sein möchte. Wenn ich in der Vergangenheit als Journalist unterwegs war, in Los Angeles, in Ciudad Juarez oder in Goma, dann fragte ich immer zuerst dort Wohnende, was ich machen kann, was ich nicht machen sollte. Daran halte ich mich, das ist meine Faustregel auf allen Reisen. Sicherlich, das sind drei extreme Städte, doch es sind Städte, in denen Menschen leben und überleben. In Nürnberg brauche ich das nicht. Nürnberg ist sicher.

Die U-Bahn fährt pünktlich. Nürnberg ist ein Paradies für Fahrradfahrer. Nürnberg hat ein wunderschönes Umland, das einfach und direkt zu erreichen ist. Nürnberg pflegt sein Bratwurst- und Lebkuchenimage, und doch ist es eine Kulturstadt mit zahllosen Angeboten, Museen, Theatern, Konzerten, Ausstellungen, Filmfestivals. Man muß nur hinschauen. Und ja, Deppen gibt es überall, die ihren Müll auf die Strße schmeißen. Das hat nichts mit SÖR zu tun, sondern mit einer Einstellung zum öffentlichen Raum.

Vor ein paar Tagen war ich mit einer alten Bekannten aus Funkhauszeiten einen Kaffee trinken, sie arbeitet bei der Stadt Nürnberg und erzählte mir eine so typische Anekdote für Nürnberg. Täglich kommen Nürnbergerinnen und Nürnberger zu ihr ins Büro und fragen nach Programmen. Doch sie fragen nicht; „Könnte ich ein Programm bekommen?“. Nein, sie fragen; „Sie  haben sicherlich kein Programm mehr?“. In Nürnberg sieht man die Dinge in einer Schieflage. Alles ist schlimm, und wenn nicht, wird es schlimm geredet. Die Münchner kriegen eh mehr und haben es viel besser. Die haben Bayern München und feiern einen Sieg und einen Titel nach dem anderen, wir haben den 1. FC Nürnberg und erklärtes Saisonziel ist immer der Nichtabstieg. Aber mal ehrlich, will jemand Bayern München Fan sein?

Nürnberg war, ist und bleibt eine schöne Stadt und sicherlich gibt es Probleme. Keine Frage, die gibt es überall. Aber man sollte wirklich mal einen Blick von außen auf die Frankenmetropole werfen. Das lohnt sich. Ich weiß, wovon ich spreche.

„The terrorists have won“

NacktscannerDie Terroristen haben gewonnen….das ist eine Schlagzeile aus den USA. Und sie ist wohl gar nicht so weit weg von der Realität. Was sich derzeit an amerikanischen Flughäfen abspielt ist schon mehr als ein gespielter Witz. Wer sich weigert, eine Ganzkörpernacktaufnahme machen zu lassen, wird von oben bis unten abgetastet…zweimal…auch zwischen den Beinen. Und wer dies nicht über sich ergehen lassen will…tja, Pech gehabt. Nonne beim SicherheitscheckEntweder Bild oder Abfummelei, den Sicherheitsbereich darf man ohne nicht mehr verlassen, das könnte sonst eine Anklage und 10.000 Dollar Strafe bedeuten. Aber man wird ja von einem freundlichen, gleichgeschlechtlichen TSA Beamten oder einer Beamtin abgegriffen. Mit sicherem, fingerfertigem und festem Griff wird dann geprüft, ob man nicht Bomben, Waffen oder sonstiges Terroristenwerkzeug am Körper oder hinter dem Hodensack versteckt hat. Und, die amerikanische Regierung verspricht, im Falle man entscheidet sich für das Ganzkörperbild, dass die Photos auf keinen Fall gespeichert oder sonstwie zugänglich gemacht werden. Schade, ich hätte gerne einen Abzug gehabt.

Amerika hat nach dem 11. September 2001 etliche Grundrechte zum Fenster rausgeschmissen. Die Aktienkurse von Sicherheitsfirmen hingegen, die solche Nacktscanner entwickelt haben, sind enorm gestiegen. Und die Terroristen haben zumindest im Angstschüren gewonnen. Osama lacht sich bestimmt schepps in seiner ollen Höhle.

Auch schön!

Nun wird das Fliegen ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten noch schöner und angenehmer und nicht zu vergessen noch bequemer. Weil ein sprichwörtlicher Knaller mit dem Feuer spielt flippen nun alle aus. Sicherheit hin oder her, es macht für mich keinen Sinn, dass man nun als Passagier eine Stunde vor Landung nicht mehr aus seinem Sitz aufstehen, sich nichts mehr aus seiner mitgeführten Tasche nehmen und nichts im Schoss liegen haben darf. Also jemand mit Blasenschwäche oder mit einem schwachen Magen oder jemand, der sich noch kurz vor Landung die Zähne putzen und die Haare kämmen möchte wird von nun an als Cousin dritten Grades von Osama bin Laden angesehen. Mal ganz abgesehen von den strengeren Kontrollen an den Flughäfen…das wird eine Fummelei geben.

Ich habe so das dumme Gefühl, dass irgendwelche bärtigen Terrornetzwerkkommandanten keine Ahnung mehr haben, wie sie westlichen Nationen eins auswischen können. Von daher schicken sie einfach solche Haubentaucher, dumm wie Brot, wie den Schuhbomber Richard Reid oder nun Umar Farouk Abdulmutallab ins Feld, um mit Minimaleinsatz extremen Schaden anzurichten. Und das haben sie erreicht. Die Ticketpreise werden aufgrund der erhöhten Sicherheitsbestimmungen steigen, die Leute mehr angenervt sein und das Misstrauen gegenüber seinem Sitznachbarn wird nur verstärkt. Fliegen macht keinen Spass mehr…wo sind die Zeiten geblieben, als Peter Sellers noch für TWA warb…ach ja, Peter Sellers ist schon fast 30 Jahre tot und auch TWA fliegt seit 2001 nicht mehr am amerikanischen Himmel herum.

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