Darauf ein Bier

Am 27. November ist „Giving Tuesday“. Und in diesem Jahr ist in Kalifornien klar, wohin die vielen Spenden gehen sollen. Die gewaltigen Brände im Bundesstaat haben Tausende von Menschen obdachlos gemacht, Geschäfte zerstört, Existenzen zunichte gemacht. 84 Menschen starben, 475 werden noch vermisst.

Sierra Nevada ist eine der ältesten und erfolgreichsten „Craft Breweries“ in den USA mit Sitz in Chico, unweit von Paradise. Auch wenn die Brauerei nicht selbst vom Camp Fire betroffen war, etliche der Mitarbeiter waren es. Ein Spendenkonto mit einem Startkapital über 100.000 Dollar wurde eingerichtet. Und nun hat sich die Brauerei noch etwas besonderes einfallen lassen. Am kommende Dienstag wird das „Resilience Butte County Proud IPA“ gebraut, 100 Prozent des Erlöses kommt auf das Spendenkonto für die Betroffenen des Feuers. Doch nicht nur das, die Grossman Braufamilie hat andere „Micro-“ und „Craft-Breweries“ dazu aufgerufen, an diesem Tag ihr eigenes „Resilience IPA“ zu brauen und ebenfalls den gesamten Erlös zu spenden. Hunderte von Brauereien im ganzen Land, darunter auch Fort Point in San Francisco, machen mit. Die Brauer von Fort Point schreiben dazu auf ihrer Seite: „If you see this beer around town, made by any brewery, know it was made with heart and symbolizes support and love from the local Bay Area craft beer community.“ Also, trinken für einen guten Zweck oder vielleicht einen Sixpack mit gutem Gewissen zu Weihnachten verschenken.

Tiefschnee wird zum Fremdwort in Kalifornien

Eigentlich müßten zum ersten April rund 160 Zentimeter Schnee in den Bergen der Sierra Nevada gemessen werden. Das ist normal, so war es schon immer, daran konnte man auch absehen, wie viel Wasser in den kalifornischen Reservoirs landen wird. Doch derzeit ist alles anders. 60-70 Prozent der Messstellen weisen überhaupt keinen Schnee auf. Insgesamt liegt die Schneedichte gerade mal bei ein paar Inches, 6 Prozent von dem, was eigentlich da sein sollte. Also kaum der Rede Wert.

Ein ausgetrockneter See in Kalifornien, ein normales Bild im Sonnenstaat.

Ein ausgetrockneter See in Kalifornien, ein normales Bild im Sonnenstaat.

Nun will Kalifornien Wasser einsparen, denn die Lage wird immer dramatischer. Die Trockenperiode hält an, Seen, Flüsse und Reservoirs sind leer oder fast ausgetrocknet. Und noch liegt ein langes, trockenes Jahr vor uns bis zur nächsten „eigentlichen“ Regenzeit. Schon seit langem wird in Kalifornien vom Wassereinsparen geredet, doch bislang alles mit gut Zureden und auf freiwilliger Basis. Das half nichts, zumindest wurde nicht genug Wasser eingespart, um auch nur ein bisschen Entlastung zu schaffen.

Jetzt greift der kalifornische Gouverneur Jerry Brown durch. 25 Prozent sollen die Städte und Gemeinden einsparen. Öffentliche Grünflächen werden fortan nicht länger bewässert, 4,6 Millionen Quadratmeter öffentliche Rasenflächen sollen durch wasserarme Anpflanzungen ersetzt werden. Golfplätze, Uni-Campuse und Friedhöfe müssen wassersparende Bewässerungsanlagen einbauen. Für eine begrenzte Zeit bekommen die Kalifornier nun eine finanzielle Unterstützung, um in ihren Häusern neue wasserkonservierende Systeme einzubauen. Das alles sind nur ein paar der nun vorgegebenen Maßnahmen, die jedoch zeigen, es wird ernst in Kalifornien.

Ein mir bekannter Manager eines exklusiven Golfclubs in San Francisco meinte, in Kalifornien müsse man sich endlich daran gewöhnen, dass man eben nicht mehr nur auf dem Grün spielt. Es gehe um das Spiel und nicht um den grünen Rasen. Ein Umdenken beginnt, ein langsamer Prozess in einem Bundesstaat, in dem viel Wert auf Show und Schein gelegt wird. Dass etwas passieren muß ist allen klar, nur wie schnell und wie intensiv ist vielen noch nicht bewußt. Die anstehende Feuersaison wird zeigen, dass Kalifornien ein ausgetrockneter Staat ist. Die Frage für viele ist derzeit nicht, ob es zu gewaltigen Bränden aufgrund der Trockenheit kommen wird, sondern nur, wie katastrophal die Brände sein werden.