Geschichtliche Weißwaschung

Es ist schon interessant, was in diesen Tagen in den USA passiert. Da lesen die US-Abgeordneten im Kongress, auf Initiative der GOP, bei der ersten Zusammenkunft des neuen Parlaments laut die Verfassung vor, doch lassen viele Stellen aus. Man wolle niemanden mit Äusserungen über Sklaverei, die Prohibition, Frauenrechte und die Dreifünftel Regelung für Afro-Amerikaner provozieren und beleidigen. Die Republikaner, die sonst immer sehr auf die wortwörtliche Auslegung der Verfassung pochen und stets behaupten, die Artikelsammlung sei nicht abhängig von Moden und gesellschaftlichen Entwicklungen, knicken hier vor dem eigenen Anspruch ein.

Und dann kündigte ein Verleger eine „gereinigte“ Version von Mark Twains „Huckleberry Finn“ an. Denn in der Originalversion kommt das Wort „Nigger“ rund 200mal vor. Nun wird es durch das Wort „Sklave“ ersetzt. Eine dolle Verbesserung, die die geschichtliche Tatsache der unmenschlichen Sklaverei gleich in einem anderen Licht erstrahlen läßt. Eine Weißwaschung der besonderen Art. Die politische Korrektheit in den USA hat manchmal schon sehr fragwürdige Auswüchse.

Lillie McCain für Barack Obama

P1_AN330_BMcCai_G_20081016211338.jpgDer Wall Street Journal Reporter Douglas Blackmon stiess durch Zufall auf eine Nebengeschichte in diesem Wahlkampf. John McCains Vorfahren waren Plantagenbesitzer in Mississippi und Eigentümer von rund 120 Sklaven. Eine der Nachfahren ist die Psychologie Professorin Lillie McCain (Bild), die trotz der verbindenden Familiengeschichte den Demokraten Barack Obama unterstützt.

Hier ein Audio-Beitrag:

McCain-Sklaven