Ein Lied gegen das Unrecht

Woody Guthrie ist der wohl bekannteste und wichtigste Protestmusiker und -sänger des 20. Jahrhunderts. Foto: Public Domain.

Amerika durchlebt im Trumpschen Zeitalter ganz dunkle Tage. Der Kandidat und nun Präsident Donald Trump beschwört immer wieder die „guten alten Zeiten“, als Amerika noch als weißes Land, als führende Nation der Welt wahrgenommen wurde. Die Probleme von heute gab es nicht auf der „Main Street“, denn da waren Minderheiten, Andersdenkende und Andersfarbige nicht erlaubt. „God’s Country“ war christlich, patriotisch, einheitlich – so zumindest erscheint es im Rückblick des Donald. Wenn man ihm so zuhört, dann scheint Trump von den 1950er und frühen 1960er Jahren zu schwärmen, die heile Welt, in die er sich zurück sehnt, ohne dabei die Probleme jener Zeit wahrzunehmen. weiter lesen

Es ist nicht alles Trump in den YOU-ESS-AI

Donald Trump hier, Donald Trump dort. Über die Sommermonate hatte ich für einen öffentlich-rechtlichen Sender die Korrespendentenstelle übernommen. Wochenlang hieß es nur Trump, Trump, Trump, Trump, Trump. Am Ende wusste ich schon gar nicht mehr, was ich noch über den 45. Präsidenten der USA sagen sollte. Ruhige Wochenenden gab es fast nie, denn im Weißen Haus hat man die Angewohnheit am Freitagnachmittag wichtige Personalentscheidungen zu treffen. weiter lesen

Donald Trump zeigt mir die Welt

Ich hätte ja auch nicht gedacht, dass ich mal ein gutes Wörtchen für diesen Präsidenten finden werde. Aber der Nationalist und „America First“ Verfechter Donald Trump zeigt mir die Welt. Zumindest musikalisch. Mir fällt auf, dass ich seit Trumps amerikanischem Isolationismus verstärkt Musik aus den verschiedensten Ländern und Regionen anhöre. Aus Afrika und dem Nahen Osten, aus Vietnam, Afghanistan und Japan. Und da ist kaum Musik aus den USA dabei, und wenn, dann sind es alte Aufnahmen, die ich sehr schätze.

Gerade liegen die CDs der Box „Voices of forgotten worlds“ im CD-Spieler. Ja, ich höre noch CDs und auch Vinyl. Mit mp3 Files konnte ich mich nach all den Jahren noch immer nicht anfreunden. Ich brauche was in der Hand, will in einem Booklet blättern, Musik halten. Was ich bislang an Liedern als mp3 gekauft habe, kann ich wohl an einer Hand abzählen. Und wenn, waren es auch nur dringend benötigte Songs für eine Radioproduktion. „Voices of forgotten worlds“ präsentiert eine musikalische Welt, so ganz fernab von Pop und Glanz und Glimmer. Nix mit Grammy und MTV Awards, keine Stars und keine Sternchen.

Es sind zumeist Feldaufnahmen aus Regionen wie Grönland, Nepal, Papua-Neuguina, Zentralafrika, Eritrea oder den indianischen Nationen in den USA und Kanada. Ein „spin around the world“, Musik, die Sprachen, Kulturen und Länder präsentiert. Auch ein Lied der „Bad Dudes“ aus dem Iran ist auf dieser Box vertreten, die mit einem umfangreichen Begleitbuch erschienen ist. Es wird gesungen in allen möglichen Variationen, getrommelt und auf Instrumenten gespielt, die man in unseren Breitengraden nicht kennt. Doch diese Musik, wie fremd und anders sie auch klingen mag, verbindet, macht Lust auf mehr, auf den Blick jenseits der großen Wasser links und rechts der USA.

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Trumps sinnloses Einreiseverbot für Menschen aus dem Iran, Irak, Syrien, Libyen, dem Sudan, Jemen und Somalia hat mir auch schon schöne Arbeit gebracht. Als nächstes bespreche ich die neue Platte von Rahim Alhaj, einem Iraker, der seit 2002 in den USA lebt. „Letters from Iraq“ ist nun ganz unbeabsichtigt zu einer politischen Aufnahme geworden. Ein wunderschönes Album, das diesen Meister auf der Oud präsentiert, der musikalisch von seiner alten Heimat, einem geschundenen Land und seinen Menschen erzählt. Auch das schafft Trump, die Politisierung der Kunst, der Kultur. Nicht nur die Veröffentlichung von Musik aus diesen Ländern ist da eine klare Botschaft, sondern auch das bewußte Hin- und Zuhören. Musik kennt wahrlich keine Grenzen, keine Visa und keine Mauern.

 

 

Ein Lied gegen Hitler

Als in Deutschland das Horst-Wessel-Lied gesungen wurde, erlebten die USA eine Hochzeit der Folk- und Protestsongs. Die 20er und 30er Jahre waren in den Vereinigten Staaten ein tumulthafte Zeit. Massenarbeitslosigkeit, Migration, Armut und Elend führten auch zu einer Musikergeneration, die zum Sprachrohr der Benachteiligten wurde. Die 30er und 40er Jahre brachten eine engagierte und kritische, eine anti-faschistische und auch patriotische Gruppe an Musikern hervor. Woody Guthrie, Pete Seeger, Joe Hill, Lead Belly und viele andere sangen Songs, in denen sie sich mit den Themen der Zeit auseinandersetzten.

Auf “That’s why we’re marching”, veröffentlicht auf Smithsonian Folkways, werden Lieder präsentiert, die einen Eindruck der amerikanischen Folkmusik-Bewegung während des Zweiten Weltkriegs geben. Titel wie “Move into Germany”, “When the Yanks go marching in”, “Mr. Hitler”, “The Fuhrer” oder auch “Round and round Hitler’s grave” zeigen, was neben den klassichen Themen der US-Troubadours zum Thema wurde. Die Musiker sangen gegen den Krieg, gegen den Faschismus, gegen die Gewaltherrschaft der Nazis, und alles mit einem patriotischen Unterton.

In der Krise rückte die amerikanische Nation zusammen. Kritik an der Lage daheim bedeutete damals (noch) nicht, dass man gegen den Einsatz für Frieden, Freiheit und Demokratie in Übersee war. Der Spanische Bürgerkrieg ein paar Jahre zuvor hatte schon früh die amerikanische Linke organisiert, und damit auch viele Folk-Musiker beeinflusst. Der Kampf gegen den Faschismus wurde ein zentrales Thema für Guthrie, Seeger und die vielen anderen. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor richteten die Musiker erneut ihren Blick auf Europa. Hitler und seine Schergen wurden in den Liedern lächerlich gemacht, der Nazi-Diktatur frühzeitig ein Ende gesetzt.

Smithsonian Folkways greift mit diesem Album tief in den Archivschatz, der da in den klimatisierten Räumen in Washington DC schlummert. “That’s why we’re marching” belegt, welche Kraft Musik haben kann, welche Bedeutung sie hat und vor allem, wie zeitlos sie ist. Eine beeindruckende Song-Sammlung, die von einem umfangreichen Booklet begleitet wird.

Wohin mit all den Platten?

Die Frage stelle ich mir auch immer mal wieder: wer will eigentlich all die LPs, 45er und vor allem CDs haben, die sich bei mir über die Jahre angehäuft haben? Und ich bin kein exzentrischer Sammler, einfach nur jemand, der Musik mag und dazu noch zwei Sendungen moderiert und produziert (hat). Da kam einiges in den letzten 35 Jahren zusammen.

Chris Strachwitz gründete Arhoolie Records. Nun geht das gesamte Archiv an Smithsonian Folkways Recordings.

Chris Strachwitz gründete Arhoolie Records. Nun geht das gesamte Archiv an Smithsonian Folkways Recordings.

Für Chris Strachwitz sieht das alles noch einmal ganz anders aus. Er hatte 1960 Arhoolie Records gegründet, ein Label, auf dem man herausragende Aufnahmen aus den Bereichen Blues, Folk, Jazz, Country, Gospel, Cajun, Zydeco, Mexican American und Weltmusik finden kann. Im Laufe der Jahre sind bei Arhoolie Records 350 Veröffentlichungen erschienen. Der in Schlesien geborene Chris Strachwitz kam Ende der 40er Jahre in die USA. In einem Interview erzählte er mir einmal, dass er schon in den 50er Jahren begeistert mit seinem Wagen in die Südstaaten fuhr, um dort Musik zu hören. Mit Arhoolie kam dann noch dazu, dass er die Musik aufnahm, vor allem Musik der Schwarzen. In Bars, in Wohnzimmern, in Küchen, auf Terrassen. Strachwitz hatte schon früh erkannt, was da für ein unglaublicher musikalischer Schatz nur darauf wartet, aufgenommen zu werden. Und der große Blonde mit dem Lächeln wurde gerne in den Südstaaten gesehen, denn für ihn ging es um die Musik, nicht um Hautfarbe und die Politik jener Tage.

Chris Strachwitz ist nun 84 Jahre alt und sagte sich: „Da ich nicht der König Tutanchamun bin, kann ich auch nicht mein Arhoolie Baby mitnehmen.“ Er erinnerte sich an den Satz von Moses Asch, dem Gründer von Folkways Records, der ihm einmal sagte, „Chris, Du solltest mal daran denken, was Du mit all dem Kram machen willst, wenn Du abkratzt“. Asch stiftete seinerzeit seine umfassende Sammlung an das Smithsonian Institute und ließ damit Smithsonian Folkways entstehen. Und diesen Weg folgt nun auch Chris Strachwitz mit seinem Arhoolie Label. Einzige Bedingung, wie auch schon bei Moses Asch und der Übernahme von Folkways Records, Smithsonian Folkways wird alle Veröffentlichungen von Arhoolie Records weiterhin für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Dort freut man sich auf die neue Sammlung. Daniel Sheehy, Kurator und Direktor von Smithsonian Folkways Recordings, umschreibt denn auch die Aufnahmen von Arhoolie Records als „national treasure of recorded music“.

 

Der Soundtrack einer Reise

Somalia vor Augen. Derzeit bin ich am Abhören der stundelangen MiniDisc Feldaufnahmen, der Interviews, am Abtippen, am Schreiben der Artikel und Radioskripte. Das ist der nicht gerade erbauliche Teil meiner Arbeit, wenn man aus diesem Haufen an Informationen, Geschichten und Hörbarem den roten Faden herausziehen muß. Ich bin lieber draußen in aller Welt und nehme auf und höre zu, anstatt hier am Schreibtisch zu sitzen, um zu Tippen.

Aber nun habe ich zumindest die passende musikalische Untermalung gefunden. In Somaliland und Puntland konnte ich leider keine Aufnahmen von Musikern und Gruppen finden. Ein bißchen zeichnete ich am letzten Abend in einem Restaurant mit meinem iPhone auf. Abdi Nasir Macalin spielte dort für die Care Gruppe, beeindruckend, bewegend, emotional. Nach meiner Rückkehr schaute ich mich um und wurde wieder mal bei Smithsonian Folkways fündig. Ein wahrer Kulturschatz, der den Hörer um die Welt führt, mich zurück nach Somalia. Gleich zwei Alben ließ ich mir schicken, „The Freedom Songs of the Somali Republic“ und „Baijun Ballads: Somali Songs in Swahili„.

FW08504Ich weiß nicht, ob mich die Musik nur anspricht, weil ich vor dem inneren Auge die vielen Bilder Somalias habe. Die langen Autofahrten durch die Steppe, Ziegen- und Kamelherden, Nomaden, kleine Ansiedlungen, Projekte der Hilfsorganisation Care. Verschleierte Frauen, lachende Kinder mit großen Augen, bärtige Männer, die einen prüfend anblickten. Der Muezzin, der zu allen Unzeiten und immer gleich nebenan loslegte. Armut im Flüchtlingslager, schnelle Pässe auf dem Fußballplatz. Kalaschnikovs und Reisgerichte. Interviews, Geschichten, gute Gespräche, Gerüche und so viele Eindrücke, die man gar nicht in Worte fassen kann. Und nun sitze ich hier auf der anderen Seite der Welt in meinem Büro, höre die Musik und versuche irgendwie all diese Erfahrungen in Sätze zu bringen.

Die Lieder helfen, es ist diese besondere Klangsprache, eine Mischung aus Anklage und doch auch Stolz und Unbeugsamkeit. Die Welt hat Somalia schon lange abgeschrieben, die Menschen dort wurden nicht gefragt.

 

 

The sound of New Orleans

Der Klang einer Stadt ist manchmal nur schwer zu beschreiben. Und manchmal ist es doch so einfach. Zu San Francisco gehört „If you’re going to San Francisco“ und schon sieht man vor sich die Bilder der Golden Gate Bridge. Oakland war lange Jazz Stadt, doch wird heute vor allem als Hip Hop City an der Westküste gesehen. Los Angeles kann man gut mit den Soundtracks der Traumfabrik Hollywood beschreiben, na klar ist da auch Hip Hop und natürlich die 80er „Hair Bands“. Seattle ist Grunge. Und New York ist alles, Jazz, Rock, Punk, Elektro, Rap.

Der Sound of New Orleans, hervorragende neue CD.

Der Sound of New Orleans, hervorragende neue CD.

Und nun liegt „New Orleans Brass Bands“ vor mir. Eine absolut passende musikalische Umschreibung dieser einmaligen Stadt. Die Leichtigkeit der Musik wurde hier beeindruckend festgehalten. Gleich mehrere Bands spielen auf und laden den Hörer richtiggehend zu einem Rundgang ein. Es sind die alten Herren der „Liberty Brass Band“ und der „Treme Brass Band“ und dazu noch die Nachwuchskapelle der „Hot 8 Brass Band“. Sie alle sprechen die selbe Sprache.

Der Sound der Brass Bands steht für ein Zusammensein. Feiern, Gemeinschaft, Trauerveranstaltungen. Die Musik drückt all das und noch viel mehr aus. Es ist eine emotionale Sprache, die man liebt oder mit der man so gar nichts anfangen kann. Für mich hat sich der Sound von New Orleans auch erst spät mit der Fernsehserie „Treme“ eröffnet. Zuvor war die Stadt nur eine Stadt von vielen. Mardis Gras und Partymeile, ja, ich wollte mal hin, doch irgendwie hat es nie geklappt. Dann kam Hurricane Katrina und danach die Hitfernsehserie auf HBO und ich wußte, ich wollte New Orleans unbedingt erleben. Bislang hat es leider nicht geklappt, doch diese CD ist ein Grund mehr, endlich mal Nägel mit Köpfen zu machen.

Veröffentlicht ist „New Orleans Brass Bands“ auf Smithsonian Folkways Recordings.

Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit

Vor kurzem hat bereits Bear Family Records eine umfassende Box mit Liedern aus dem Spanischen Bürgerkrieg veröffentlicht. Ein Monumentalwerk, für das man Zeit, Ruhe und Raum braucht. Aufnahmen, die knistern, die knastern, die voller Geschichte sind. Für 173 Euro nicht gerade billig, aber der Preis für diese 7CD, 1 DVD und ein umfassendes Begleitbuch sind durchaus berechtigt. Ein Liebhaberstück, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

"Songs of the Spanish Civil War" erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

„Songs of the Spanish Civil War“, neu erschienen bei Smithsonian Folkways Records.

Nun hat Smithsonian Folkways eine alte Platte neu aufgelegt. „Songs of the Spanish Civil War“, im Original bereits in den 1960er Jahren erschienen. Die CD umfasst 24 Lieder, darunter Songs der amerikanischen Lincoln Brigade, Lieder von Ernst Busch und Woody Guthrie. Kampflieder voller Wehmut, Hoffnung, Siegeswillen. Folkways hat hier wieder tief im reichen Archiv gegraben und eine Perle herausgebracht, die durchaus auch aus deutscher Sicht beachtet werden sollte. Ernst Busch singt hier auf Deutsch, er gehörte zweifellos zu den bekanntesten Musikern, die in den Spanischen Bürgerkrieg zogen. Er unterhielt die anti-faschistischen Kämpfer aus aller Welt mit seinen kraftvoll vorgetragenen Liedern. „Die Heimat ist weit, doch wir sind bereit“, sang Busch. Daneben auch das Lied der  Moorsoldaten oder „Peat Bog Soldiers“ (unten zu hören), das bereits 1933 im Konzentrationslager Börgermoor geschrieben worden war. Ernst Busch sang dieses Lied in Spanien, die internationalen Brigaden nahmen es mit in ihre Heimatländer. Die Moorsoldaten wurde eines der wichtigsten und weit verbreitetsten Anti-Faschismus Lieder des 20. Jahrhunderts.

„Songs of the Spanish Civil War“ ist eine beeindruckende Liedersammlung, angereichert durch ein umfangreiches Booklet. Man kann die CD oder den Download direkt beim Label bestellen.

Moorsoldaten oder „Peat Bog Soldiers“:

This land is your land

Er hat die USA bereist, durchreist, besungen. Pete Seeger hat den Soundtrack für ein Land geschrieben, das nicht einfach in Worte zu fassen ist. Pete Seeger war neben Woody Guthrie der wohl wichtigste Folk Sänger Amerikas. Gestern verstarb er im Alter von 94 Jahren.

Vor einigen Jahren fing ich mit meiner Country, Folk und Americana Sendung für die Lufthansa an. Von Pete Seeger hatte ich gehört, auf irgendeiner Compilation war auch ein Lied von ihm. Doch mit dem Beginn der Show setzte ich mich mehr und mehr mit der amerikanischen Folkmusik auseinander. Und an Pete Seeger kommt man einfach nicht vorbei. Seine weiche und angenehme Stimme, seine tiefe Überzeugung bei dem, was er singt, sein begleitendes, leichtes Banjo Spiel. Pete Seeger beschrieb in seinen Liedern ein Amerika, ganz anders als das, was man aus den Medien kannte. Ein Liedermacher, ein Beobachter, ein Hoffnungsträger. Wie er „We shall overcome“ sang oder auch „Die Moorsoldaten“ interpretierte war einzigartig.

Gerade läuft hier in meinem Büro eine von seinen vielen Alben, die auf Smithsonian Folkways Recordings erschienen sind. „Songs of Struggle & Protest: 1930 -1950“. Eine CD, die Pete Seeger in all seiner Größe darstellt. Er singt von den harten Zeiten, von der Arbeiterbewegung, von Unterdrückung, Leid und Elend. Doch da ist auch Hoffnung, da ist der Mut, der Blick nach vorne. Seeger schaffte es einfach, den richtigen Ton zu finden. Seine Lieder lassen einen Lächeln, tief Durchatmen. Mit seiner Musik hat er Generationen von Musikern beeinflusst und einem Land, das heute mehr gespalten als geeint ist, einen Soundtrack hinterlassen, der immer wieder aufs neue gehört werden muss.

Nur einen Tag nach der pompösen, künstlichen und selbst beweihräuchernden Glitzerveranstaltung, der Grammy Verleihung, starb einer der Musikgiganten des 20. Jahrhunderts. Vielleicht hat er das noch abgewartet, was da in Los Angeles vor sich ging, um ja nicht erwähnt zu werden. An Pete Seeger sollte man sich erinnern, aber eben anders als in einer Schweigeminute zwischen den Auftritten von Katy Perry und dem Kaugummi kauenden Pharrell Williams. Seine Lieder, seine Musik und sein Sinn für Gerechtigkeit werden unvergessen bleiben.

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Jazz toll!

Ich bin ja eigentlich kein Jazz Fan. Irgendwie hat sich mir das nie eröffnet. Klar, so Big Band Sachen sind toll, aber so ein Geschrubbel und Geschrammel, ein Gedudel und Geblase, ist nicht mein Ding. Da spuckt jemand mehr in die Trompete als er reinbläst und Experten ergötzen sich an dem Getropfe, was da vorne mit dem seltsam entstandenen Ton rauskommt. Irgendwie klingt das oftmals für mich nicht stimmig. Und wenn ich mir dann das Publikum anschaue, das da eigentlich immer ganz freudestrahlend, teils mit geschlossenen Augen mitwippt….das geht echt an mir vorbei. Das muß ich dann auch nicht verstehen.

Nun aber habe ich diese Jazz Anthology von Smithsonian Folkways bekommen. Ich habe mir die Zeit genommen, auch die Ruhe, das alles mal zu verarbeiten. Ja, das ist Arbeit für mich, aber ich liebe historische Aufnahmen und ich liebe Smithsonian Folkways, das neben Bear Family Records zu meinen Lieblingslabels gehört. Es ist ein Schatz an Musik und Sounds. Und auch diese Anthology ist mehr als beeindruckend. Man merkt einfach, hier haben Wissenschaftler und Musikbegeisterte etwas in Feinstarbeit und mit viel Zeit und Liebe zusammen getragen, was nicht einen schnellen Dollar einbringen soll und wird. Diese Jazz Anthology ist vielmehr ein Einblick in das wunderbare Archiv dieses Labels, das von Folk Musik über Klassik bis zu Field Recordings und eben Jazz und vielem mehr reicht. Und hier wird erneut der Leitsatz von Moses Asch, dem Gründer von Folkways Recordings (heute Smithsonian Folkways) deutlich, die „Musik des Volkes“ müsse verfügbar und hörbar gemacht werden.

Wenn man sich mal auf Jazz einlässt, auch als Unwissender, wie ich einer bin, dann kann das doch besser sein, als man denkt. Diese 6 CD 111 Songs umfassende Sammlung aus dem reichen Archiv von Folkways Recordings ist überwältigend. Hier werden Stile und Einflüsse vorgestellt, erklärt und auch so Rock- und Elektroverblendeten wir mir nahe gebracht. Ein dickes Begleitbuch rundet die Sache ab. Toll! Ich bin angetan. Klar, nicht alles ist mein Geschmack, manches ist mir dann doch etwas zu schräg und atonal, doch diese Anthology ist ein guter Beginn. Die Sammlung reicht von den frühen 30er Jahren bis zur Gegenwart und stellt den Wandel des Jazz vor. Ich kann dieses Boxset nur wärmstens empfehlen, auch und vor allem den nicht Jazzern!