In der Tiefe des Klangrausches

COVERNORESIZEIch wußte gar nicht, wie schön ein Ton klingen kann. Wie kraftvoll, wie tief- und auch nahegehend. Claire M. Singer legt mit “Solas” ein Debutalbum vor, das für mich großartig ist. Irgendwie würde ich sie zwischen dem avandgardistischen Komponisten Ben Frost und den Ethereal-Soundkreationen von Miranda Sex Garden ansiedeln. Hier die Offenheit, neue Soundwege zu gehen, da das Düstere, ja Beängstigende.

“The Molendinar” heißt das erste Stück auf dieser Platte, ein fast 26 Minuten langes Aufbäumen, das den einen Ton für diese Platte vorgibt. Ganz langsam, ganz ruhig beginnt es, entwickelt sich immer mehr zu einem gewaltigen Klanggewitter. Man wünscht sich richtig, dass es draußen regnet, stürmt, blitzt und donnert, um dabei diese wunderbaren Soundmalereien zu bewundern. Es wäre das vollkommene und alles ergreifende Bild.

Singer beschreibt ihre Musik als “Live Electronics / Experimental / Electronic / Organ / Cello / Contemporary / Improvisation” und ja, es ist all das. Für manchen Hörer mag ihre Musik anfänglich eintönig wirken, doch das ist es ganz und gar nicht. Auf “Solas” läßt die Londoner Klangkünstlerin gewaltige Bilder entstehen. Es ist kein Album für nebenbei, man braucht Zeit zum Zuhören, zum tiefen Eintauchen in die Musik, die es zum Glück noch fernab der Charts und Sang-Und-Klanglos-Sendungen gibt.

Das ist nichts für den iPod und billige Kopfhörer, “Solas” ist ganz großes Kino, in das man hineinwachsen muß. Das Cover zeigt einen Waldrand, davor Sträucher, Büsche. Als ich das Bild sah, mußte ich gleich daran denken, dass ich mit meiner Grünschwäche wohl nicht alle Farbschattierungen erkennen kann. So profan dieser Anblick des Waldes auch erscheinen mag, da ist Tiefe zu entdecken. Wie auf diesem Album. Mehr durch Zufall stieß ich auf dieses Album, für mich schon jetzte eines der Highlights in diesem Jahr.

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