Ein großer Staatsmann geht

In diesen Tagen wird viel über Barack Obama berichtet. Was hat er erreicht, was nicht? Welche politischen Erfolge und Misserfolge gab es in seiner Amtszeit? Wie hat er Washington, die USA, die Welt geprägt? Sein Nachfolger ist so ganz anders. Donald Trump tritt selbstherrlich und selbstverliebt auf, „Me Me Me“ ist seine Aussage, so ganz anders als das „You You You“ von Barack Obama. Es gibt viele Kritikpunkte an dem scheidenden Präsidenten. Es gibt viele Kritiker, die froh sind, dass die Obama Ära endlich vorbei ist. Doch was ihn ausgemacht hat, sind Momente, wie dieser hier, als Barack Obama nach dem Blutbad in einer Kirche in Charleston, South Carolina, zur Gedenkfeier kommt, die Rede hält und dann „Amazing Grace“ anstimmt. Ein Lied, das heute eng mit der Bürgerrechtsbewegung in den USA verbunden ist. Es ist kein Kitsch und keine Show, vielmehr drückt diese Symbolik all das aus, für was Barack Obama angetreten ist und gewählt wurde:

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Zwei sind nicht mehr dabei

Carly Fiorina und Chris Christie sagen zum Abschied leise Servus. Foto: Reuters/AFP.

Fiorina und Christie sagten zum Abschied leise Servus. Foto: Reuters/AFP.

Ich hatte auf drei getippt, nun haben sich am Mittwoch nur zwei weitere Kandidaten aus dem Rennen verabschiedet. Ben Carson glaubt noch immer an Wunder. Chris Christie, Gouverneur von New Jersey und auch die ehemalige CEO von Hewlett-Packard, Carly Fiorina, hingegen strichen die Segel. Genug ist genug. Fiorinas Abgang war klar, bei Christie stellte sich am desaströsen Wahlabend in New Hampshire die Frage, ob er über seinen eigenen Schatten springen kann. Er kann und sein Ausscheiden hilft vor allem Jeb Bush und John Kasich. Alle drei Gouverneure buhlten um die gleichen Wähler. Die kommenden Wahlen in South Carolina und Nevada werden zeigen müssen, wer von diesen beiden den langen Atem gegen Donald Trump haben wird.

Trump ist derzeit obenauf, sein gewaltiger Sieg in New Hampshire, setzte für die Partei ein deutliches Zeichen. Gespalten wie sie derzeit erscheint, mit nach wie vor sechs Kandidaten im Rennen, wird sie die Kandidatenkür des Immobilieninvestors nicht stoppen können. Doch selbst wenn auch noch Bush oder Kasich aussteigen sollten, sind da noch Cruz und Rubio, die sich für die Heilsbringer Amerikas halten. So läßt sich ein Donald Trump mit seiner nichtssagenden Kampagne stoppen.

Bei den Demokraten beginnt nun der Kampf um die Stimmen der Minderheiten, die der Afro-Amerikaner und der Latinos. Der „Black Caucus“ im Kongress, die Vereinigung der afro-amerikanischen Abgeordneten auf demokratischer Seite, haben sich nun auf Hillary Clinton festgelegt. Doch das heißt gar nichts, denn in Umfragen wird immer deutlicher, dass gerade junge und Erstwähler unter den Schwarzen Bernie Sanders unterstützen. Sanders marschierte in den 60er und 70er Jahren für Gleichberechtigung, gegen Rassismus und Segregation, wurde dafür sogar verhaftet. Der alte Mann aus Vermont spricht nicht nur von einer politischen Revolution, er kann auch mit Anekdoten aus seinem Leben begeistern. Hillary Clinton wird nun einen offensiveren Wahlkampf führen und dabei aufpassen müssen, dass sie die Wähler von Sanders nicht verprellt. Denn die Chancen, dass der Senator aus Vermont am Ende der strahlende Sieger sein wird, sind gering. Hillary wird es wohl schaffen, doch sie braucht für den Einzug ins Weiße Haus eine geschlossene Partei hinter sich. Und das geht nur mit den Millionen Unterstützern von Bernie Sanders.

Der Clown und die Gehirntoten

Die Daily beschimpft Trump als Clown und seine Wähler als gehirntot.

Die Daily beschimpft Trump als Clown und seine Wähler als gehirntot.

Was für ein Wahlausgang! Donald Trump gewinnt erwartungsgemäß und auch Bernie Sanders zeigt, was eine demokratische Harke ist. Hillary Clinton erhielt in New Hampshire einen ziemlichen Dämpfer. Bei den Republikanern wurde das Feld noch einmal kräftig durchgewirbelt. John Kasich ist obenauf, Ted Cruz glaubt an sich selbst, Jeb Bush dümpelt weiter vor sich hin. Marco Rubio sieht sich mißverstanden. Chris Christie sollte nun aufhören. Bei Carly Fiorina und Ben Carson fragt man sich, warum sind die beiden überhaupt noch im Rennen?

Die Huffington Post beschreibt Trump als rassistischen, sexistischen und fremdenfeindlichen Demagogen.

Die Huffington Post beschreibt Trump als rassistischen, sexistischen und fremdenfeindlichen Demagogen.

Nun geht es weiter nach South Carolina, da könnten die Karten neu gemischt werden. Spannend wird da vor allem die Wahl bei den Demokraten sein. Hillary Clinton liegt in den Umfragen bei Afro-Amerikanern und Latinos vor Bernie Sanders. Diese Wählerschaft gab es in Iowa und New Hampshire kaum, doch in South Carolina sind diese beiden Wählergruppen gut vertreten und könnten die Wahl maßgeblich mitentscheiden. Aus diesem Grund reist Bernie Sanders am Mittwochmorgen nach New York, um dort den Bürgerrechtler Al Sharpton zu treffen. Sanders erhofft sich so, Zuspruch der „Black Community“ in den USA zu bekommen.

Unterdessen greifen einige der amerikanischen Medien den republikanischen Wahlsieger des Abends, Donald Trump, heftigst an. Die New York Daily News macht mit dem „Clown Trump“ auf und fragt, ob die Wähler in New Hampshire Gehirntote seien. Die Huffington Post hingegen erklärt ganz klar: WTF („What The Fuck“) rassistischer, sexistischer, fremdenfeindlicher Demagoge gewinnt New Hampshire“. Nun beginnt der harte Teil des Wahlkampfes, Tiefschläge sind ab jetzt erlaubt.

 

Hier noch ein Interview, das ich am Abend einem Privatsender in der Schweiz gegeben habe:

Sanders und Trump gewinnen die Wahl. Überraschung für dich?

Nein, das war vorher schon klar, es ging eigentlich nur darum, wie hoch beide gewinnen. Donald Trump schaffte genau das, was in den Prognosen genannt wurde. Bernie Sanders liegt mit derzeit über 20 Prozent vor Hillary Clinton. So deutlich hat das wohl keiner erwartet.

Bernie Sanders hat doch deutlich vor Clinton gewonnen. Wie kam es dazu?

Bernie Sanders hatte sich auf New Hampshire konzentriert und er ist aus dem Nachbarstaat Vermont. Die Wählerschaft in der Gegend ist weitaus mehr auf seiner Linie, glaubt seiner Message. Und die kommt einfach an. Interessant vor allem auch, dass Sanders mehr als die Hälfte der weiblichen Wähler für sich gewinnen konnte.

Wie kann Clinton die jungen Wähler mobilisieren?

Also, Iowa und New Hampshire waren nur der Beginn dieses Wahlkampfes, das sind vor allem „weiße“ Bundesstaaten. In South Carolina sieht das schon ganz anders aus. Da gibt es mehr Afro-Amerikaner, mehr Latinos. Das sind vor allem die Wähler, die jetzt umkämpft sind. Clinton sieht sich bei ihnen vorne, sie wird sich in den kommenden Wochen darauf konzentrieren, danach geht es um die jungen und Neuwähler.

Was heisst das Ergebniss von New Hamphire jetzt für die weiteren Vorwahlen bei den Demokraten?

Das Ergebnis ist eine klare Ansage an Hillary Clinton, dass es nicht leicht wird. Man sieht schon jetzt, dass sie politisch nach links rückt, um Sanders Wähler zu gewinnen. Bernie Sanders wird ihr einen harten Zweikampf liefern, vor allem auch, weil er von Millionen von Amerikanern finanziell unterstützt wird. Die haben durchschnittlich gerade mal 27 Dollar gespendet, darauf kann er nun bauen. Er hat kein Super PAC im Rücken, keine großen Geldgeber.

Trump fährt nach dem zweiten Platz in Iowa jetzt einen Erfolg ein. Warum?

Trump hatte sich kaum auf Iowa konzentriert, dort wenig Wahlkampf gemacht. Er wollte New Hampshire gewinnen. Das war für ihn die Testwahl und er hat nun deutlich gezeigt, dass er so leicht nicht wegzukriegen ist. Damit hat die republikanische Partei nun ein sehr großes Problem.

Was ist der John Kasich auf dem zweiten Platz für ein Mann?

Kasich ist eigentlich mehr so ein Mitte-Rechts-Mann, durchaus wählbar, erfolgreich als Gouverneur in Ohio. Wichtig war bei dieser Wahl, wer von den drei Gouverneuren, also John Kasich, Chris Christie und der Ex-Gouverneur Jeb Bush die Nase vorn hat. Kasich geht nun gestärkt nach vorne, er hat die besten Aussichten.

Was heisst Trumps Erfolg für den weiteren Wahlverlauf?

Ganz klar, Trump macht weiter und bestimmt den Wahlkampf in den Reihen der Republikaner. Die sind derzeit so gespalten, dass es keine einheitliche Front gegen den Milliardär gibt. Und das hilft eben Trump, der eigentlich mit keiner klaren politischen Aussage Wahlkampf führt.

Was meinst du, wird jemand der Republikaner Cruz, Bush oder Rubio jetzt das Handtuch schmeissen?

Ich denke auf den hinteren Plätzen wird sich was tun, also Ben Carson, Carly Fiorina könnten aussscheiden, für sie ist das Rennen quasi gelaufen. Und Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey muß sich jetzt eingestehen, abgeschlagen hinter Kasich und Bush, dass es keinen Sinn mehr macht.  Gerade auch, weil Christie viel Zeit und Geld in New Hampshire investiert hat. Das hat sich nicht ausgezahlt. Sinnvoll wäre es jetzt für ihn, wenn er sich zurück zieht und einen der anderen Kandidaten unterstützt, im Kampf gegen Trump.

Die sinnlose politische Korrektheit

Die "Confederate Flag" wurde vielerorts eingeholt. Foto: AFP

Die „Confederate Flag“ wurde vielerorts eingeholt. Foto: AFP

Die „Confederate Flag“, die vielgepriesene Fahne der Südstaaten, war eines dieser großen Themen in den letzten Wochen. Nach den tödlichen Schüssen von Charleston, sahen sich auf einmal alle dazu berufen, die Fahne abzunehmen, zu verbieten, in den Giftschrank zu sperren. Die Gouverneurin von South Carolina, Nikki Haley, schaffte es sogar, dass die Fahne vom Parlamentsgebäude ihres Bundesstaates eingeholt wurde. Zuvor schaute sie anscheinend nie gen Himmel. Unter dem Protest von so einigen, die meinten, die „Confederate Flag“ stehe für die Geschichte, die Kultur und das Erbe des amerikanischen Südens. Da zog auch nicht das Argument, dass die Fahne erst seit 1961 über dem Kapitol flatterte, damals als deutliches Zeichen gegen die afro-amerikanische Bürgerrechtsbewegung gehisst. Selbst das ist den Musikern von Lynyrd Skynyrd und auch Kid Rock egal, sie wollen weiterhin die Fahne auf ihren Konzerten wehen lassen.

Anders reagierten da ganz plötzlich amazon, WalMart, Sears und auch ebay, die erklärten, fortan dürfe die Fahne nicht mehr verkauft werden. Das war sicherlich keine leichte Entscheidung, denn die Verkäufe von „Confederate Flags“ schoss nach der erneuten Diskussion nach oben. Auf amazon wurden Verkaufszahlen der Fahne um bis zu 2000 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr registriert. Dennoch, die Entscheidung wurde gefällt. Damit solle ein Zeichen gegen Hass gesetzt werden, hieß es von den realen und virtuellen Warenhäusern.

Die Hakenkreuz Geschenkbox ist bei amazon zu kaufen.

Die Hakenkreuz Geschenkbox ist bei amazon zu kaufen.

Etwas seltsam ist die Entscheidung dennoch, denn interessanterweise kann man auf amazon ohne weiteres auch weiterhin Nazi Bücher und Hakenkreuzfahnen erwerben. Neben einem Nachdruck des antisemitischen Kinderbuchs „Der Giftpilz“ aus dem Nürnberger Stürmer Verlag, hier in der modernen Kindle-Version für gerade mal 99 Cent zu haben, gibt es auch eine Blechgeschenkdose mit Reichsadler und Hakenkreuz für $11.99 zu erwerben. Ein Käufer schrieb dazu: „Makes a great conversation piece……especially with your jewish friends.“ HaHaHa…ich lach‘ mich schief. Und das ist nur eines von zahlreichen handlichen Hakenkreuzprodukten bei amazon.

Die ganze Debatte über die „Confederate Flag“ in den USA ist also mehr als falsch. Hier will man deutlich und mit großer Aufmerksamkeit ein Zeichen setzen, dort bleibt auch weiterhin der Giftschrank mit rassistischen, faschistischen und menschenverachtenden Inhalten geöffnet. Das verstehe wer will.

Randnotizen aus der US Politik

Schauen Sie sich bitte in Zukunft bei McDonald’s Ihre Chicken McNuggets genauer an, denn vor Ihnen könnte Ihr nächster Urlaub liegen. Eine Frau in Dakota City, im US Bundesstaat Nebraska, saß beim Schnellimbissexperten und wollte schon alles zu einem Klumpen zusammenschieben und wegschmeißen. Da fiel ihr auf, der eine Chicken McNugget sah ein bißchen so aus wie der abgebildete George Washington auf der 25 Cent Münze. Und was macht man in so einem Fall? Sicherlich nicht wegschmeißen. Man packt den Essensrest ein, geht nach Hause, schaltet den Computer an, loggt sich auf ebay ein und versteigert einen George Washington Chicken McNugget. Am Ende steht dann ein Betrag von 8100 Dollar. Also, wie gesagt, schauen Sie das nächste mal genauer hin.

Ein Abgeordneter der Republikaner ist derzeit in der Bredouille. Roscoe Bartlett wurde vom „American Mustache Institute“, einer Art nationaler Schnorrnwastlclub, angeschrieben, mit der Bitte den „Stace Act„, einer jährlichen Steuererleichterung von 250 Dollar für alle Bartträger, zu unterstützen. Kein Witz, unten gibt es das Video zu diesem Vorhaben. Abgeordneter Bartlett, selbst mit Gesichtsbehaarung, hatte wohl anfangs dem Vorhaben zugestimmt, doch rudert nun zurück. Sein Büro meinte, er habe den Antrag nur gelesen, unterstütze ihn aber öffentlich nicht. Ah ja!

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Ein Unterbezirk der republikanischen Partei in South Carolina hat nun bekannt gegeben, dass in Zukunft alle Kandidaten aus ihren Reihen eine eidesstattliche Erklärung abgeben müssen. Darin verpflichten sich die Kandidaten in ihrer zukünftigen politischen Arbeit weder Steuern zu erhöhen noch untreu zu sein, sich keine Pornographie anzusehen oder etwaigen außerehelichen Sex zu haben. Der 28 Punkte Katalog umfasst viele traditionelle republikanische Forderungen, doch greift auch in die persönlichen Freiheiten jedes einzelnen potentiellen Kandidaten ein. Der Unterbezirk begründet seine Entscheidung damit, dass man von einer Führungsperson durchaus moralische Stärke erwarten kann. Die GOP in South Carolina bezweifelt allerdings, dass so die eidesstattliche Erklärung der Untergruppierung überhaupt rechtens ist.

 

 

Auf nach Florida

Newt Gingrich muß man nicht mögen. Für so jemanden wie ihn wurde die Bezeichnung Unsympath kreiert. Aber man muß dem früheren Sprecher des US Kongresses zugute halten, dass er ein Aufstehmännchen ist. Schon dreimal wurde Gingrich in diesem Wahlkampf für politisch tot erklärt, doch er ist wieder da, wie man am Samstag in South Carolina sehen konnte.

Mit einem deutlichen Sieg über den Mann mit den großen Dollartaschen, Mitt Romney, rückte sich Gingrich wieder ins Rampenlicht. Ellbogen links, Ellbogen rechts…und da steht er. Romney und Santorum neben ihm wie begossene Pudel. Die christlich-konservativen Wähler in South Carolina, so formulierte es ein politischer Beobachter vor dem Urnengang, hatten die Wahl zwischen einem Ehebrecher und einem Mormonen. Und sie votierten für den Ehebrecher, obwohl ABC News noch zwei Tage vor dem Wahlgang ein Interview mit Gingrichs Ex-Frau ausstrahlte, in der diese die moralische Führungsstärke des Kandidaten anzweifelte. Ein deutliches Zeichen für Romney, der nach wie vor für einen Großteil der republikanischen Basis nicht wählbar ist, eben weil er dem „religiösen Kult“ der Mormonen angehört. Das ist Amerika im Jahr 2012.

Mitt Romney hatte eine katastrophale Woche hinter sich. Erst erklärte die GOP in Iowa, dass er dort doch nicht gewonnen habe, dann machte er einen Eiertanz um seine Steuererklärungen der vergangenen Jahre, die er erst im April (nach den Vorwahlen) veröffentlichen wolle. Und dann kam auch noch raus, dass der Multimillionär und frühere Gouverneur von Massachusetts gerade mal 15 Prozent Steuern auf seine Einnahmen zahlt. Ach ja, da waren auch noch die Konten auf den Cayman Islands. Keine gute Woche für Mitt, am Samstag erhielt er die Quittung dafür.

Und Pullunderträger Rick Santorum, der war auch irgendwo im Wahlkampf, aber weit hinten. Die offene Unterstützung der meisten religiösen Führer im Land nutzte ihm nichts. Irgendwie sieht er einfach zu brav und unerfahren aus. Santorums Tage in diesem Wahlkampf sind gezählt. Gerade auch wenn man daran denkt, was nun noch kommt. Als nächstes steht am 31. Januar Florida an, dort müssen sich die Kandidaten in einem bevölkerungsreichen Staat beweisen. Es wird eine teure Schlacht mit Fernseh- und Radiospots. Romney hat das Geld, Gingrich auch, Santorum eiert hinterher. Ron Paul kann überall im Land auf seine Basis bauen, doch oben mitreden wird er nicht mehr. Paul ist bereits abgehakt, man läßt ihn einfach freundlicherweise noch reden.

Nun wird es richtig schmutzig. Angriffe gegen die einzelnen Kandidaten werden kommen. Der einzige, der sich dabei lachend zurück lehnen kann ist Präsident Barack Obama. Denn die GOP Kandidaten schwächen sich derzeit mit den unzähligen und unsäglichen Tiefschlägen nur selbst. Egal wer von ihnen am Ende durchkommt, im Hauptfight ums Weiße Haus wird ein angeschlagener GOP Kandidat gegen Amtsinhaber Obama antreten.

Da warens nur noch vier

Rick Perry hat die Faxen dicke. Der Texaner war eigentlich DER Kandidat der Republikaner. Mit viel Palaver und hohen Erwartungen stieg er im Sommer ins Rennen ein. Doch dann kam alles anders. Seine Fernsehdebatten waren unter aller Kanone, seine Kommentare nicht haltbar und in Wählerumfragen drückte sich das deutlich aus. Fünfter in Iowa, Sechster in New Hampshire mit noch nicht einmal einem Prozentpunkt am Wahlabend. Er baue auf South Carolina, tönte Perry. Doch auch da schlappt er hinter den anderen Kandidaten her. Keine Chance, nun also zieht er nur zwei Tage vor der Wahl in South Carolina die Reissleine. Das wars, Tschüss, bis denne und ich bin dann mal wieder in Texas.

Sowieso sieht alles danach aus, als ob die Vorwahlen ein abgekartetes Spielchen sind. In Iowa „gewann“ am Wahlabend Mitt Romney mit nur acht Stimmen Vorsprung. Nun „tauchten“ weitere Stimmzettel auf, die Rick Santorum zum Sieger machen. Doch die GOP in Iowa sagt, es ist ein Unentschieden. Warum? Ähm, es fehlen noch weitere Stimmzettel aus ein paar Bezirken. Hallo! Wenn das nicht nach Schiebung aussieht. Wie schwer ist es eigentlich Wahlstimmen einzusammeln und auszuwerten? Wahlzettel ausgeben, Kreuz machen, Wahlzettel einsammeln, nach Wahlschluß alle Zettelchen auswerten. Vielleicht sollte hier drüben mal jemand vom Unschlittplatz 7 einen Crashkurs „Wahlen für Anfänger“ anbieten.

Romney also nun vorne, South Carolina fest im Blick. Doch der smarte Frontrunner gerät immer mehr unter Druck. Die Geschäfte des Kandidaten und seine Steuerzahlungen stehen von allen Seiten unter Beschuß. Romney hat wohl gerade mal einen Steuersatz von 15 % auf seine Investitionen zahlen müssen und erklärte, sonst habe er kaum Einnahmen gehabt. Bis auf die rund 400.000 Dollar an Sprecherhonoraren. Peanuts, ich weiß. So eine Äußerung kommt aber nicht so gut beim Wahlvolk an, dass hier und da und dort sparen muß. Romney will nun alles offenlegen, sagt er….nachdem er seine Steuererklärung für 2011 abgegeben hat. Im April, dann sind auch die Vorwahlen vorbei.

Jon Huntsman sagt „zàihuì“

Der nächste zieht den Hut. Jon Huntsman, der noch vor wenigen Tagen nach seinem dritten Platz in New Hampshire ausrief „auf geht’s nach South Carolina“ ist raus aus dem Rennen ums Weiße Haus. Kein Geld, keine breite Unterstützung und auch die jüngsten Umfrageergebnisse in den nächsten Vorwahlstaaten sahen düster für ihn aus. Huntsman, ganz der Realist, zieht damit die Konsequenz. Die richtige. Mit seiner heutigen Pressekonferenz verabschiedet er sich und bringt sich damit auch für zukünftige Aufgaben in Position. Mit seiner Erfahrung als Gouverneur von Utah, als Diplomat und seinen Kenntnissen des asiatischen Raumes ist er für jeden Präsidenten eine Bereicherung. Huntsman, der nun auf Romney setzt, könnte durchaus eine Rolle in dessesn Schattenkabinett übernehmen.

Jon Huntsman paßte von Anfang an nicht in das Schaulaufen der GOP Kandidaten. Er war besonnen, realistisch und hatte im Vergleich zu den anderen Mitstreitern internationale Erfahrung. Der Ex-Diplomat hatte den Blick von außen auf die USA, wußte, welche Rolle Amerika auf der Weltbühne spielt und vor allem, wie sein Land in anderen Teilen der Welt gesehen wird. Doch mit Erfahrung, Wissen und Kenntnissen kommt man bei den Wählern nicht unbedingt an. Markige Sprüche sind ihm fern, er hätte wohl niemals das Urinieren auf tote Talibankämpfer durch US Soldaten als „dumme Jungen Idee“ abgetan, wie es der texanische Gouverneur Rick Perry formulierte.

Huntsmans Wahlkampf lief von Anfang an schief. Zwar hofften viele auf seine Kandidatur, erwarteten sich von ihm einen kühlen, erfahrenen, weltoffenen Mann im Rennen. Doch schon bei der ersten Pressekonferenz hatte sein eigenes Team falsche Pressekarten ausgegeben, statt Jon hieß es da John Huntsman. Kein gutes Zeichen für einen Wahlkampf der perfekt laufen muß.

Mit Jon Huntsman zieht sich der Kandidat zurück, der als einziger aus der politischen Mitte heraus Wahlkampf führte. Auch Demokraten schätzten und schätzen ihn, er wäre wählbar gewesen. Doch die GOP ist in der Hand von lautstarken Interessengruppen, Tea Party, Evangelikale, Fundamentalisten. Für einen wie Huntsman ist da kein Platz. Er zieht die Bremse, steigt aus und wartet ab, was seine nächste Aufgabe im öffentlichen Dienst für sein Land sein wird.

Auf nach South Carolina

New Hampshire war ein Klacks für Mitt Romney. Ohne Probleme rollte sein Tourbus durch den Bundesstaat und sammelte mal schnell die meisten Wählerstimmen ein, bevor es über den I95 runter nach Süden geht. Mit einem breiten Lächeln präsentierte sich der gegelte Mitt am Abend seinen Anhängern und der Fernsehnation. Die Frisur sitzt. Romney ist nun der sichere Frontrunner. Ron Paul, Newt Gingrich und Rick Perry hatten sich noch im Vorfeld der Stimmenabgabe auf den einstigen Gouverneur von Massachusetts eingeschossen, genutzt hat es jedoch nichts.

Ron Paul lag weit hinter Romney auf Platz 2, danach noch weiter abgeschlagen Jon Huntsman, der seit Monaten New Hampshire beackerte und sich hier viel erhoffte. Beide werteten das Ergebnis jedoch als stark, überzeugend und unterstützend für ihre jeweilige Kampagne. Na ja! Huntsman wird spätestens in South Carolina am 21. Januar wieder auf den Boden der Tatsachen zurück geholt werden. Dann ist es auch Zeit für ihn aus dem Rennen auszuscheiden. Ron Paul wird weiter machen. Klar, er wäre nicht Ron Paul, wenn er jetzt schon die Brocken hinschmeissen würde.

Newt Gingrich träumte am Dienstagabend von einem republikanischen Kongress und Senat und einer Gingrich Administration im Weißen Haus. Träume sind Schäume, Gingrichs Seifenblasenphantasien kommen zumindest so gar nicht beim Wähler an. Er mag einfach Mitt Romney nicht, ätzt immer wieder gegen ihn und bleibt wohl im Rennen, um sicher zu gehen, dass der wahrscheinliche GOP Präsidentschaftskandidat geschwächt in den Kampf gegen Obama zieht. Das ist auch Parteiarbeit.

Rick Santorum, der noch vor ein paar Tagen in Iowa mit nur acht Stimmen hinter Mitt Romney lag, lief in New Hampshire auch unter ferner liefen. Aber immer schön im Pullunder lächelnd gratulierte er dem Wahlsieger. Es wird schon gemunkelt, dass Romney eventuell Santorum als Vize-Präsidentschaftskandidaten ins Team holt, um so für die christlich-fundamentalistische Basis der Partei wählbar zu sein. Der Pullunder würde dann endlich wieder als Modeerscheinung auf die internationale Politikbühne zurück kehren. Genscher läßt grüßen.

Und Rick Perry, der schaffte nichts in New Hampshire. Der Texaner führte dort überhaupt keinen Wahlkampf und konzentriert sich derzeit voll auf South Carolina. Hier wird sich alles für ihn entscheiden….wobei es eigentlich schon entschieden ist. In den Umfragen schlappt er im einstelligen Bereich rum, keine guten Aussichten für den Wahlabend am 21. Januar.