Wo ein Richter, da kein Angeklagter…

…so ungefähr könnte man den Beginn des „Gemeinde Gerichts“ in San Francisco beschreiben. Im Stadtteil Tenderloin und South of Market, am Rande der Downtown Hotels und der Touristengegend, kommt es immer wieder zu kleineren Straftaten. Das reicht von Prostitution bis hin zum Drogenkauf, öffentlichem Urinieren und Autoeinbruch. Um dem Problem Herr zu werden gründete Bürgermeister Gavin Newsom dieses direkte Gericht, nach Vorbild New York City. Die Idee dahinter ist, dass die eigentlichen Gerichte entlastet und die Vorfälle in wenigen Tagen abgeurteilt werden sollen. Auch ist als Strafe kein Gefängnis vorgesehen, sondern vielmehr ein sozialer Dienst in der Nachbarschaft oder Geldbussen.

Und nun hat dieses „Gemeinde Gericht“ eben seine Türen in San Francisco geöffnet. Eingeplant waren am ersten Tag fünf Fälle. Doch keiner der fünf Angeklagten tauchte auf. So stand Richter Ron Albers etwas verloren in seiner schwarzen Robe herum und harrte der Dinge aus, die da eigentlich auf ihn zukommen sollten. Das Problem bei dieser Art von Gerichtsverfahren ist schlichtweg, dass viele der Straftäter Obdachlose oder Drogenabhängige sind, die ohne weiteres absichtlich oder unbeabsichtigt den Prozesstermin verpassen.