„Bang, you’re dead“

Als ich noch klein war und in St. Leonhard wohnte, spielten mein damaliger bester Freund und ich öfters auch mal Cowboys und Indianer. Bei ihm hinterm Haus auf der großen Wiese oder in irgendwelchen Gebüschen machte es ständig „Bcht“, „Bcht“, so klangen unsere imaginären Gewehre aus Stöcken. Bumm, Du bist tot.

"Bang, Bang, Du bist tot"

„Bang, Bang, Du bist tot“

Irgendwann trennten sich unsere Wege, aber er hat sich ganz gut entwickelt, ist Familienvater und großer Clubfan. Mich hat es an die amerikanische Westküste gezogen mit einem Drang zu Krisen- und Konfliktregionen. Also, das Rumgeballere hat uns beiden wenig geschadet.

Daran mußte ich denken, als ich die Nachricht vom sechsjährigen Elijah Thurston aus Colorodo Springs, Colorado, las. Der Junge spielte mit seinem Freund eben genau so ein Spielchen. Es kann Cowboy und Indianer gewesen sein, wobei das ja politisch nicht korrekt in den USA ist. Wahrscheinlicher spielten sie Polizist und Gangster. Elijah zeigte mit den Fingern auf seinen Freund und sagte „“Bang, you’re dead.” Das war alles, doch das reichte, um ihn zur Strafe einen Tag lang zu beurlauben. Der Sechsjährige mußte daheim bleiben, da es in der „Stratton Meadows Elementary  School“ eine sogenannte „zero-tolerance policy“ gibt, also eine Nulltoleranz Regel in Bezug auf das Spielen und den Umgang mit Waffen.

Aber es war keine Waffe, es war die Hand des Kleinen, die hier das ganze Tohuwabohu auslöste. Der Vater wendete sich an die Medien, die berichteten über den Fall und sprachen auch mit der Schulaufsicht. Und die, in aller Ernsthaftigkeit, blieben bei ihrer Entscheidung und meinten, Elijah sei „gerecht bestraft“ worden für „Drohungen gegen einen Mitschüler“. Auch erklärten sie, man habe mit dem Jungen gesprochen, ihm den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Fantasie erklärt.

Zwei Finger, Bang, Schulverweis….ich glaub‘ es hackt! Bei allem Verständnis für eine Nulltoleranz Regel in amerikanischen Schulen. Gerade vor dem Hintergrund von 350 Millionen Waffen im Umlauf, rund 32.000 Toten durch Schußwunden und nahezu einer Million Schießereien pro Jahr im Land. Aber hier hat man erneut einer sinnvollen Debatte über den Umgang mit Waffen einen Bärendienst erwiesen.

Ach ja, von dem oben beschriebenen kriminellen Treiben meines Freundes und mir gibt es auch noch einen alten Super-8 Film, auf dem wir mehrmals tot zu Boden sinken, um dann gleich wieder aufzustehen und weiter zu „kämpfen“ und zu „schießen“. Geheim gefilmt vom Vater meines Freundes. Ich glaube, dieser bedenkliche Streifen sollte in einer überpolitisch korrekten Welt besser zerstört werden. Denn was würden seine Kinder denken, wenn sie ihren Vater so in Action sehen.

Umuganda in Ruanda

In Afrika blickt man auf Amerika und Europa. Junge Leute laufen in Hip Hop Kluft durch die Gegend, die westliche Kultur, vor allem die Pop-Kultur, ist hier überall anzutreffen. Doch kann man auch von Afrika lernen? Von einem Kontinent, der in den westlichen Medien nur als ein Sammelsurium von Ländern mit Kriegen, Katastrophen und Krankheiten dargestellt wird?

Einmal im Monat ist in Ruanda „Umuganda“, was als „Beitrag“ übersetzt werden kann. Am vierten Samstag im Monat von 8-12 Uhr müssen alle Bürger einen öffentlichen und für die Allgemeinheit wichtigen Beitrag leisten. Vom Strasse fegen bis zu Baumaßnahmen. Wer nicht daran teilnimmt und nicht nachweisen kann, dass er beruflich anderweitig eingespannt ist, zahlt eine Strafe. „Umuganda“ wurde von der Regierung nach dem Genozid von 1994 eingeführt, um die Gesellschaft wieder zusammen zu führen. Nachbarn sollten gemeinsam helfen, das Land und die Gesellschaft erneut aufzubauen.

Heute ist wieder „Umuganda“, in Kigali steht alles still. Die Läden sind bis Mittag geschlossen, es fahren kaum Autos, alles ist ungewöhnlich ruhig für eine Hauptstadt. Vier Stunden lang wird im öffentlichen Interesse gearbeitet. Die Grundidee hinter „Umuganda“ ist gar nicht mal so schlecht. Wäre das vielleicht etwas, was man auch in Deutschland einführen könnte? Einmal im Monat an einem Samstagmorgen trifft sich die Hausgemeinschaft oder die Nachbarn, um Dinge in ihrem eigenen kleinen Umfeld anzugehen? Parks und Grünflächen und Spielplätze zu säubern, Graffiti von den Wänden zu schrubben, kleinere Ausbesserungsarbeiten zu erledigen, hilfsbedürftigen Nachbarn zu helfen… Die Liste der Möglichkeiten ist lang. Wäre das nicht etwas, um eine soziale Gemeinschaft zu fördern und zu stärken? Geschimpft, genölt, beschwert wird gerne in Deutschland, „Umuganda“ wäre eine Idee, das ganze dann in etwas Produktives umzusetzen.

Ich bin mir durchaus bewußt, dass dieser „Beitragsgedanke“ in der deutschen Gesellschaft nie umgesetzt werden wird. Leider. Und dennoch finde ich dieses Gedankenspiel interessant. Ich habe es für mich in Nürnberg umgesetzt, am Wöhrder See, im Burggraben, auf dem Spielplatz in St. Leonhard, gegenüber von St. Bonifaz. Man hilft, man unterstützt, man nimmt Anteil am öffentlichen Leben. Daran ist nichts falsch. Eine regelmäßige und fest angesetzte Nachbarschaftshilfe sehe ich als etwas positives. Und man würde endlich mal all jene kennenlernen, die man tagtäglich auf dem Weg zur Arbeit, im Supermarkt oder beim Spaziergang sieht. Gewinner wären wir dabei alle.

Entscheidungsstunden

Nach einem Kurztrip bin ich wieder in Oakland gelandet. Eine Woche Nürnberg mit Familie und Freunden, habe das Bardentreffen am Samstag auch noch mitnehmen können….sehr schön.

Und nun zurück in den Alltag und hier erwarten mich gleich mehrere schwierige Entscheidungen. Arbeit und Testamentsauflösung und dann vor allem mein Hund Dolfi. Es liegt der Befund vor, dass er Knochenkrebs hat. Es ist von Metastasen und Beinamputierung die Rede. Vom schnellen Handeln und Schmerzregulierung. Und nun muss man sich überlegen, was man macht. Er ist nach wie vor ein „Happy Camper“, hat sich gefreut mich wiederzusehen, vom Krebspatienten keine Spur. Doch da ist diese Schwellung, da ist eine Röntgenaufnahme vom Bein und da ist der Befund eines Spezialisten.

Letzte Woche sass ich mehrmals im Auto in St. Leonhard und habe mir dort eine wireless Verbindung eingefangen, um online nachzulesen, was Knochenkrebs bei Hunden und auch eine Amputierung des Vorderbeins bedeutet. Spätnachts, als alle schon schliefen durchstöberte ich das Netz. Und das, was ich da zu lesen bekam, war alles andere als aufbauend, wie man beispielsweise hier auf „Roxys Seite“ nachlesen kann.

Ich bin mir nicht sicher, ob Dolfi wirklich Knochenkrebs hat, auch wenn ein studierter Veterinär das sagt, denn die Schwellung stammt eigentlich von einen dummen Unfall, bei dem mir Dolfi ins Fitnessbike gelaufen ist. Was soll man machen, was tun, was ist das beste für ihn? Vieles geht einem durch den Kopf und viele werden das wohl gar nicht verstehen, aber Dolfi war seitdem er ein paar Wochen alt war bei mir. Nun ist er fast 11 Jahre alt, ein herzensguter Hund, der immer dabei war…und noch immer dabei ist.

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