Neue Bürger braucht das Land

Eine nahegehende Einbürgerungsveranstaltung in Oakland bis Donald Trump sprach.

Sie kamen aus Togo, aus dem Jemen, aus Burma, Afghanistan und von den Fiji Inseln. 1126 Frauen und Männer aus 94 Nationen waren am Mittwochnachmittag ins historische Paramount Theatre nach Oakland gekommen, um hier eingebürgert zu werden. Es war eine bunte, multikulturelle Menschenansammlung, die in zig Sprachen durcheinander sprach. Manche hatten sich fein rausgeputzt für dieses Ereignis, auf das sie lange gewartet hatten, einigen war anzusehen, sie nahmen die Veranstaltung im Vorbeigehen mit.

Anfangs wurden von einem Chor bekannte amerikanische Lieder vorgetragen, darunter auch die alternative Nationalhymne „This land is your land“ von Woody Guthrie. Es war eine entspannte Stimmung, es wurde gelacht, es war teils nahegehend, „America is richer, because of you today“, hieß es. Der Moderator forderte alle Neubürger auf, sich umgehend als Wähler registrieren zu lassen. Wir haben Probleme in diesem Land, nun liegt es an Ihnen, diese mitzulösen, sagte er. Auch wies er daraufhin, dass keiner mehr eine Green Card mit sich herumtragen müsse, denn als Amerikaner habe man nun das Recht einem Polizisten, der einen kontrollieren will, zu sagen: „Officer, I’m an American, I don’t need to show you my immigration papers“.

Interessant wurde es, als ein Video von Präsident Donald Trump eingespielt wurde, in dem er die neuen amerikanischen Staatsbürger begrüsste.

     

Als ich 2013 die US Staatsbürgerschaft annahm, sprach noch Barack Obama zu den „Neuen“ im Land. Viele waren von seinen Worten angetan. Anders jedoch am Mittwoch. Als Trump auf der Leinwand erschien, ging lautes Buhen durch die Reihen. Das hielt während seiner eineinhalb minütigen Rede an. Als es kurz mal leiser wurde, schrie jemand „Fuck you“. Lachen im Saal. Präsident Trump hat sich mit seinem Anti-Immigrationskurs keine Freunde bei den neuen Staatsbürgern und damit Neuwählern gemacht. Jedes Jahr werden rund 750.000 rechtmäßige Immigranten in den USA eingebürgert. Sicherlich werden sich nicht alle als Wähler registrieren lassen, doch die Zeichen stehen für die Republikaner nicht gut. Wer sich so offen gegen Immigranten stellt, wie dieser Präsident, könnte schon bald eine deutliche Antwort darauf bekommen.

„Natural-Born Candidate“

Donald Trump nervte jahrelang mit einer Debatte über den Geburtsort von Präsident Barack Obama. Trump und viele in der sogenannten „Birther“-Szene wollten nicht wahrhaben, dass Obama auf Hawaii geboren wurde. Sie warfen dem damaligen Präsidentschaftskandidaten und dann „Commander in Chief“ vor, dessen Geburtsurkunde sei gefälscht, Barack Obama sei eigentlich in Kenia zur Welt gekommen und damit nicht wählbar. Auch der republikanische Senator John McCain, der 2008 gegen Obama antrat, mußte nachweisen, dass er ein „natural-born“ Amerikaner sei. McCain war zwar 1936 in Coco Solo in Panama geboren, doch das Gebiet des Panamakanals stand damals unter US amerikanischer Flagge und somit war der Senator aus Arizona wählbar. So die Auslegung des „Natural-Born Citizens.

"Isch bin kein Kanadier". Ted Cruz will ein "richtiger" Amerikaner sein. Foto: Reuters.

„Isch bin kein Kanadier“. Ted Cruz ist davon überzeugt, ein „richtiger“ Amerikaner zu sein. Foto: Reuters.

Diesmal ist alles anders. Ted Cruz, der Erzkonservative im Rennen, der sich durchaus Chancen auf die Kandidatur machen kann, wurde 1970 in Calgary, Kanada, geboren. Seine Mutter eine US Amerikanerin, der Vater ein Kubaner. Der Senator aus Texas hatte also von Geburt an auch einen amerikanischen Pass. Cruz behielt seine doppelte Staatsbürgerschaft bis zur Verkündigung seiner Kandidatur.

Trump, der nicht gerade einen sauberen Wahlkampf führt und in Iowa in den Umfragen hinter Cruz liegt, brachte nun die alte Frage wieder an. Was ist ein „natural-born citizen“, die Voraussetzung für den Job des US Präsidenten? Langt es, wie bei Ted Cruz, ein Elternteil mit amerikanischem Pass zu haben und somit von Beginn an amerikanischer Staatsbürger zu sein. Oder, wie das die „Birther“-Gemeinde um Donald Trump sieht, muß ein Präsident in den 50 Bundesstaaten oder auf amerikanischem Territorium, z.B. in einer Botschaft, geboren sein. Kanada fiele da zweifellos nicht darunter.

Donald Trump meinte am Mittwoch in einem Interview, die Wähler sollten das für sich entscheiden, ob sie jemanden wählen möchten, der dann erst einmal vor Gericht seine eigentliche Berechtigung für den Job abklären lassen muß. Das sei für das Land eine große Hürde. Er werde sicherlich nicht wieder eine Initiative wie bei Obama starten, finanzieren und unterstützen, ABER man solle sich darüber schon mal Gedanken machen.

Ted Cruz selbst wischte den Kommentar von Trump mit einem Lächeln vom Tisch. Seine Anwälte hätten alles genau geprüft, er sei US Amerikaner, „natural-born“, und somit „ready for the job in the White House“. Das Schlammcatchen, auch US Wahlkampf genannt, hat jetzt erst so richtig begonnen.

„An der Ostküste ist der Atlantik“

Heute hatte ich meinen Einbürgerungstest. Downtown San Francisco, 10:45 am Morgen. Erstmal ging es durch einen Metalldetektor, dann zur Anmeldung. Dort wurden gleich mal wieder Fingerabdrücke abgenommen und ein nettes Foto von mir gemacht. Die Dame am Auslöser meinte „it’s a good one“. Na, da bin ich beruhigt.

Anschließend ging es in den zweiten Stock. Kurz warten, dann holte mich eine junge Beamtin im Warteraum ab. Wir plauschten kurz. Auf Englisch. In ihrem Büro wurde ich zuerst vereidigt, ja, ich werde hier die Wahrheit sagen, danach zeigte ich ihr meinen kalifornischen Führerschein, um mich auszuweisen, meinen deutschen Pass, den sie interessiert durchblätterte. Visa von Afghanistan, Kongo, Burundi und allerhand Stempel…ich dachte, da müsste doch eine Frage kommen, aber nichts. Nun ging es an meine Englischkenntnisse, die zuallererst getestet wurden. Ich mußte einen Satz vorlesen „What color is the American flag?“. Und dann die Antwort aufschreiben, die mir die nette Beamtin vorsagte: „The American flag ist red, white and blue“. Das schaffte ich. Ohne Probleme. Sprachtest bestanden.

Danach ging es zum Wissenstest. Vor ein paar Wochen wurde ich zum Fingerabdrucknehmen und Fotografieren vorgeladen, da erhielt ich auch ein Heft „Learn about the Unitet States“. 100 Fragen aus Geschichte, Geographie und Politik. Dazu die Antworten. Und aus diesem Fragenkatalog wählte die Beamtin 10 Fragen aus. Sieben mußten richtig beantwortet werden.

– „What is freedom of religion?“ – You can practic any religion, or not practice ?

– „What ocean is on the East Coast of the United States?“ – The Atlantic ?

– „Name one state that borders Canada?“ – North Dakota ?

– „How many U.S. Senators are there?“ – 100 ?

– „When must all men register for the Selective Service?“ – Age 18 ?

– „When was the Constitution written?“ – 1787 ?

– „What is the capital of the United States?“ – Washington, D.C. ?

Sieben richtige Antworten. Das war es. „Congratulations, you passed the test“.

Nun gingen wir nochmals alle Papiere durch. Nochmal mußte ich beantworten, dass ich weder hier bin, um den Präsidenten zu stürzen, noch dass ich jemals Terroristen unterstützt habe.

„That’s all“….in ein paar Wochen muß ich nun noch in einer Veranstaltung mit rund 1300 Neubürgern einen Schwur ablegen, dann bin ich amtlich Amerikaner.

Und ich bleibe Deutscher. Eine Frage stellte ich mir allerdings immer wieder während dieses ganzen Prozedere, warum ist sowas nicht in Deutschland möglich? Warum erlaubt mir der deutsche Staat meine Staatsbürgerschaft zu behalten und eine andere anzunehmen , wenn ich glaubwürdig nachweisen kann, dass ich noch enge Kontakte und Verbindungen nach Deutschland habe? Die doppelte Staatsbürgerschaft ist in meinem Fall möglich. Warum wird dieses Recht nicht den vielen „ausländischen Mitbürgern“ in Deutschland zuerkannt, die noch enge Kontakte und Verbindungen in ihr Herkunftsland oder das Land ihrer Eltern haben? Muss ich das verstehen, kann ich das verstehen? Nein, das verstehe ich nicht!