Amerika wird weiblich

Joe Biden hat angekündigt, eine Frau als Vize-Präsidentschaftskandidatin auszuwählen. Damit macht Biden deutlich, dass die Zukunft Amerikas in weibliche Hände gegeben werden soll. Man kann nur sagen: Endlich!

Derzeit wird viel gemunkelt und vermutet, wer denn für Biden in Frage kommen würde. Ganz oben auf der Liste stehen wohl die kalifornische Senatorin Kamala Harris und Amy Klobuchar, Senatorin aus Minnesota. Beide kandidierten auch für die Präsidentschaftsnominierung der Demokraten, doch zogen sich schließlich aus dem Rennen zurück. Was für diese zwei Politikerinnen spricht, ist ihre Erfahrung im US Kongress. Sie kennen die Abläufe, haben direkte Kontakte, wissen, wie das politische Spiel gespielt wird.

Harris, die Biden im Wahlkampf mehrmals hart anging, gilt derzeit sogar als Favorit. Die Afro-Amerikaniern lässt immer wieder aufhorchen. So geht sie bei Senatsanhörungen hart gegen Donald Trump und seine Kandidaten vor. Das kommt an bei der Basis. Hinzu setzt sie sich verstärkt für „black communities“ in diesen Corona Zeiten ein, die hart getroffen wurden. Team Biden/Harris könnte die Partei weitgehend mobilisieren, denn am Ende geht es darum, möglichst alle Wählergruppen der Demokraten zu erreichen. Auch wäre das ein deutliches Signal für einen Generationenwechsel der Partei.

Kamala Harris, Amy Klobuchar, Elizabeth Warren (v.l.n.r.), drei mögliche Vize-Präsidentschaftskandidatinnen. Foto: Reuters.

Amy Klobuchar ist ebenfalls im Rennen, allerdings drangen immer News über Schwierigkeiten mit ihren Mitarbeitern durch. Klobuchar scheint nicht gerade eine Teamplayerin zu sein, wenn es um ihr eigenes Büro geht. Das läßt aufhorchen. Sie hat sicherlich den Vorteil, dass sie zeigen kann, auch im Mittleren Westen Wahlen gewinnen zu können, denn wer im November Präsident wird, hängt von den Wahlergebnissen in einigen „Midwest States“ wie Wisconin und Michigan ab.

Team Biden blickt auch genau auf Stacey Abrams, die nur knapp die Wahlen für das Gouverneursamt in Georgia verloren hat. Abrams ist Afro-Amerikanerin und organisiert derzeit hinter den Kulissen neue Wählergruppen und das Registrieren von Wählerinnen und Wählern. Abrams war in Georgia nah dran an einem Wahlsieg und konnte so zeigen, dass Demokraten dort durchaus eine Chance haben.

Auch Elizabeth Warren zählt zum engeren Kreis der möglichen „Veeps“. Mit ihr  könnte ein deutliches Zeichen zur Einheit der Partei gesetzt werden, denn Warren zählt zum linken Flügel der Demokraten. Sie ist eine erfahrene Wahlkämpferin und hat als Senatorin sehr gute Kontakte im Kongress. Was gegen sie spricht ist ihr Alter. Mit dann 71 Jahren wäre sie an der Seite des im November 78jährigen Joe Biden sicherlich keine Kandidatin für einen Neuanfang, einen Generationenwechsel bei den Demokraten.

Eine Frau kommt, das steht fest. Damit wird ganz deutlich gemacht, dass die amerikanische Politik endlich auch die Wende schafft. Joe Biden hat damit eine wichtige, kluge und auch weitsichtige Entscheidung getroffen.

Es geht nicht nur ums Weiße Haus

„Ich will nicht für den Senat kandidieren“, sagt Stacey Abrams aus Georgia. Sie hofft auf den Anruf als Vize-Präsidentin antreten zu dürfen. Steve Bullock aus Montana erklärt, er sehe sich mehr als Präsident und nicht als Senator und bleibt weiter abgeschlagen im Rennen um die Kandidatur seiner Partei. Beto O’Rourke aus Texas betont, der Senat sei ihm nicht genug. Auch er sieht sich zu Höherem berufen.

Stacey Abrams will nicht in den Senat. Foto: Reuters.

Diese drei Aussagen zeigen das ganze Dilemma der Demokraten auf. Über zwei Dutzend von ihnen wollen ins Weiße Haus einziehen, doch der wichtige US Senat wird vernachlässigt. Denn genau dort schaltet und waltet der Republikaner Mitch McConnell, der immer und immer wieder die Politik von Donald Trump erst möglich macht. Im Senat werden Gesetze beschlossen und abgeschmettert, im Senat werden Verfassungsrichter gewählt, die Amerika auf Jahrzehnte hinaus prägen werden.

Die drei oben genannten Demokraten hätten gute Chancen ihre Rennen um den Senat in diesen republikanischen Bundesstaaten Georgia, Texas und Montana zu gewinnen, damit könnte die Mehrheiten im Senat zugunsten der Demokraten verschoben werden. Doch anscheinend scheint das keine Priorität zu haben. Alles wird darauf gesetzt Donald Trump in der kommenden Wahl zu schlagen. Doch falls das gelingt und gleichzeitig der Senat in republikanischer Hand bleibt, vielleicht sogar noch das Abgeordnetenhaus wieder eine republikaniche Mehrheit bekommen sollte, dann ist es egal ob der/die Präsident(in) Biden, Warren, Sanders oder Harris heißt. Regiert werden kann dann nur über präsidiale Anordnungen, die schnell wieder gekippt werden könnten.

Die Demokraten haben anscheinend keinen größeren Plan für dieses Land, außer dem, die Wiederwahl von Donald Trump zu verhindert. Das ist zu kurzsichtig, denn nicht nur Trump hat dieses Land in ein gefährliches Fahrwasser gebracht. Der eigentliche Strippenzieher, das Mastermind im Hintergrund des Trumpschen Politplans ist Mitch McConnell. Und genau da müssten die Demokraten ansetzen, um all das rückgängig zu machen, was Trump angerichtet hat und die USA endlich für die Herausforderungen der Zukunft auszurichten.