Ein bisschen Deutsch auf NPR

Vor zwei Wochen kam die Mail aus dem Redaktionsraum von „Here and Now“, einer Sendung auf National Public Radio (NPR). Sie hätten Radio Goethe im Internet gefunden, mehrmals reingehört, für gut befunden und würden mich deshalb gerne für ihre DJ-Serie interviewen. Gerne doch, schrieb ich zurück. Letzte Woche fuhr ich rüber zum lokalen Sender KQED, vom dem eine Schaltung nach Boston gelegt wurde. Vorab hatte ich einige Songs an den Produzenten der Sendung überspielt, darunter auch ein Lied von den Nürnbergern Shiny Gnomes. „Heartmoon“, zwar schon etwas älter von der Platte „MC Creatrix“, aber für mich nach wie vor ein unglaublich gutes Stück, eines meiner Lieblingslieder.

Es entwickelte sich ein sehr angenehmes Gespräch mit Moderator Jeremy Hobson über die ausgewählten Lieder und über die deutsche Musikszene. Heute wurde der Beitrag, etwas gekürzt, aber mit den Einspielungen der Titel auf „Here and Now“ über NPR und NPR Berlin ausgestrahlt. Zu hören ist das ganze auch hier auf der Webseite von „Here and Now„.

Radio mittendrin und zwischen den Welten

In diesen Tagen der kritischen Medienbeschauung tut es gut, wenn man mal in einem Sendestudio sitzt, das so ganz anders ist. KKUP 91.5 fm in Cupertino ist eine Community Station, die seit fast 45 Jahren ohne Werbung und ohne Sponsoren auskommt. Nur die Hörer unterstützen diesen einzigartigen Sender im Herzen des Silicon Valleys. Und das spricht für die Qualität und die vielen Sendungen auf dieser Station. Nicht umsonst nennt sich KKUP auch „People’s Radio“.

Don hatte mich in seine Sendung „No Pigeonholes“ eingeladen („The longest running program of home tapes and small studio productions in the world. Send us your home recordings for airplay!“). Don ist vor allem auf KOWS Radio in Sonoma County aktiv, doch noch immer sendet er auf seiner alten Station. Dafür fährt er alle zwei Wochen zwei Stunden hin und zwei Stunden zurück, quer durch den Alptraumverkehr der Bay Area. Auf KOWS wird auch allwöchentlich Radio Goethe ausgestrahlt.

Diese Art Community Radio ist eines der wichtigen Elemene der amerikanischen Medienlandschaft. Hier hört man Stimmen, Musik und Sichtweisen, die es sonst nirgends im streng formatierten Rundfunk (mehr) gibt. Es ist Handarbeit. Don kam mit einer Kiste CDs und Platten und Kassetten. Er spielt wahrlich Musik, die es sonst nirgends zu hören gibt. Musik aus Heimstudios, keine Coversachen, sondern eigene Songs. Und heute durfte ich das, mit einigen Sachen von mir anreichern, das reichte von Kraftwerk und den Einstürzenden Neubauten, über Faust und meine „Lieblinge“ Infamis bis hin zu Studio Shap Shap aus dem Niger. Wir ergänzten uns ganz gut und sowieso macht Live-Radio viel mehr Spaß, als eine vorproduzierte Sendung. Vor allem Live-Radio, bei dem man Zeit zum Atmen hat und die Musik selbst bestimmen kann, Geschichten dazu erzählt, Musik nicht nur als Gedudel im Hintergrund laufen läßt. Wetter, Verkehr und Pollenflug interessieren weder im Studio noch die Hörer vor dem Radio. KKUP hat eine starke Frenquenz in der South-Bay und kann auch übers Internet gehört. Einschalten lohnt sich garantiert!

Musik ist wahrlich eine verbindende Sprache

Mal ehrlich, wer kennt eine Band, einen Musiker, eine Musikerin aus dem Niger? Ich muß ganz ehrlich sagen, ich kenne auch nur deshalb Fatou Seidi Ghali & Alamnou Akrouni, weil ich vor meiner Reise in den Niger nach Musik aus diesem mir unbekannten Land suchte. Viel gab es nicht zu entdecken, zumindest schien es mir so.

Am letzten Tag meiner Reise in den Niger hatte ich noch ein Hintergrundgespräch in der deutschen Botschaft, danach ein Interview mit dem Länderdirektor von CARE und dem Mann von CARE, der den Dialog zwischen Muslimen und Christen im Niger initiierte. Und dann stand zum Abschluß noch ein Besuch bei der Band Studio Shap Shap an. Eine Freundin meiner CARE-Mitreisenden war mit der Gruppe befreundet und meinte am ersten Abend in Niamey, wir sollten sie uns ansehen. Und zum Glück klappte es.

shap1Jeden Freitag spielt und probt die Band im Garten von Sakina zusammen, einer kleinen, ausdrucksstarken Frau voller Energie. Sie lebt seit 13 Jahren im Niger und hat für dieses Projekt eine Reihe von unglaublich guten Musikern um sich geschart. Unter einem selbstgebauten, traditionellen Holzpavillon ist der „Proberaum“. Teppiche, ein paar Stühle, die Instrumente, Lautsprecher darum herum aufgestellt. Kurz nach unserem Eintreffen begann die Magie, anders kann ich es nicht beschreiben. Instrumente, die ich noch nie zuvor gesehen habe im Einklang mit Field-Recordings von Sakina, die sie per Laptop einspielte. Dazu ein Percussionist, der seinen Fuß auf der Trommel ablegt, ihn bewegt und so Töne aus dem Instrument zaubert, die unglaublich sind. Ein Beat, dazu eine Bassgitarre, ein Klavier und dann noch eine Harfe aus Ziegenleder, selbst hergestellt vom Musiker aus dem Tschad.

shap2shap3shap4Und all das findet hier in diesem Garten zusammen. Hin und wieder hört man Alltagslärm im Hintergrund, ein Auto fährt vorbei, ein Kind schreit, jemand hämmert auf irgendwas herum. Aber selbst das stört nicht, irgendwie geht es auf in diese wunderbare Klangwelt, die hier vor meinen Augen und Ohren entsteht. Diese Mischung aus traditionellen Musikansätzen, an Field-Recordings, an Spoken-Word, diese Offenheit an Einflüssen und Musikstilen, es ist ein wahrer Hörgenuss. Und auch die vielen Sprachen der Musiker werden Teil dieser weiten Soundwelt. Unverständlich und doch so wunderbar passend. Sprache als Klangbereicherung.

Studio Shap Shap haben vor ein paar Monaten genau hier in diesem Garten mit der Unterstützung eines französischen Aufnahmetechnikers eine CD aufgenommen, die nun erscheinen wird. Zu hören UND zu erwerben ist sie schon auf der Bandcamp Seite von „Studio Shap Shap„. Ich kann sie nur empfehlen. Habe ich schon gesagt, dass dies ein wunderbarer Ausklang meiner Nigerreise war!?