Petrus öffnet die Schleusen

Kayaken auf dem Supermarktparkplatz in Healdsburg.

Kayaken auf dem Supermarktparkplatz in Healdsburg.

Erst ging jahrelang gar nichts und dann kam es mit aller Gewalt. Nordkalifornien wird derzeit von einer Sturmfront heimgesucht, die Überschwemmungen, entwurzelte Bäume, Stromausfälle und ein Verkehrschaos mit sich bringt. Im Wine Country von Sonoma konnten Anwohner sogar auf dem Parkplatz des Safeway Supermarktes in Healdsburg mit dem Kayak paddeln. Man nahm es gelassen, willkommene Erinnerungsfotos.

Die starken Regenfälle am Jahresende sind bitter nötig in einer Region, die immer mehr austrocknet. Doch derzeit geben Experten noch keine Entwarnung, noch sind die Pegel in den Seen und Reservoirs zu niedrig, der Grundwasserspiegel noch nicht gestiegen. Ein Großteil des Wassers läuft einfach ungehindert ab, der Boden ist ausgetrocknet und kann die Wassermassen gar nicht aufnehmen.

Mit Spannung wird in Kalifornien erwartet, ob es einen feuchten Jahresausklang gibt, ob das erwartete Wetterphänomen El Niño tatsächlich eintrifft und damit die Reservoirs gefüllt werden. Wenn ja, könnte man in Kalifornien endlich wieder aufatmen, denn in vielen Gemeinden herrscht Wassernotstand, im Central Valley, dem wichtigen Anbaugebiet, liegen aufgrund des Wassermangels ganze Felder brach, Wasser ist zu einem wichtigen Gut geworden, das derzeit die Nachrichten im Westen der USA bestimmt.

Bürger eines Dritte-Welt-Landes

Guten Morgen. Der Lichtschalter läßt sich wieder umlegen und es wird hell. Die Heizung wummert. Die Kaffeemaschine läuft. Ein Samstagmorgen, wie er sein sollte. 36 (!) Stunden mußte ich darauf verzichten. Ein Sturm wehte über der Bay Area, ein Baum fiel um und mit einem dollen Wumm war alles schwarz am Donnerstagabend. Die Crews der Versorgungsgesellschaft PG&E kamen erstmal nicht. Sie hatten andere Arbeiten als die in meiner Nachbarschaft zu erledigen. Am Freitagnachmittag gab es dann ein Männleinlaufen. Ein PG&E Wagen nach dem anderen brummte den Hügel hoch. Männer in Arbeitshosen und mit Helm auf dem Kopf latschten die Straße wieder runter, schauten sich die hängenden Kabel an und kamen dann zu dem Ergebnis, da muß ein anderer Trupp her.

Es war schon wieder dunkel und ich lass mit Taschenlampe in einem Buch, als draussen das schwere Gerät angekarrt wurde. Die Nacht wurde mit Flutlicht erhellt und los ging es. Ein Gesäge und ein Gebrumme, ein Geschrei und ein Aufheulen der Motoren. Das Ergebnis war dann am Morgen der frischaufgebrühte Kaffee. Yeah!

Und doch, im Februar war ich im Ost-Kongo. Da sass ich auf dem Balkon meines Zimmers und auf einmal war der Strom weg. Etwas ganz normales in Goma. Zwei, drei, vier Stunden wird dann das Stromnetz umgeschaltet. Das ist normal, das weiß man, Stromausfälle sind in der Region ganz alltäglich, damit lernt man zu leben. Aber ich kann nicht damit leben, dass hier in einer Region, die sich die High Tech Schmiede der Welt schimpft, Jahr für Jahr bei einem lauen Lüftchen die Bäume umknicken und der Strom weg ist. Die mit ihren ollen Kabeln über der Straße, was soll denn das? Warum verbuddeln die die nicht, wie in Deutschland? Teurer kann das nicht sein, wenn man Jahr für Jahr explodierende Transformatoren und zerrissene Kabel austauschen muß, wie das hier um die Ecke gestern Nacht passiert ist….wieder passiert ist. Denn die Dunkeldüsterstunden in den Hills von Oakland waren nicht meine erste Erfahrung mit dem Unvermögen von PG&E.

Ich habe da so meine Vermutung, warum die Kabel nicht unter die Erde verlegt werden. Die Materialschlacht, die da gestern abgeliefert wurde, die Trupps von „Spezialisten“, die Freitagabend nach Dienstschluß angerückt kamen, das alles kostet Geld, viel Geld. Die Mitarbeiter verdienen bei PG&E gut, Über- und Nachtstunden werden extra, doppelt und dreifach bezahlt. Da gibt es sicherlich Bedenken und Ablehnung bei den Arbeitnehmern, dieses eingespielte Kabelfrickeln zu verändern. Vielleicht liege ich auch falsch. Egal, ich habe wieder Strom im Haus.

Barack, Mitt und die stürmische Sandy

Sandy     

Der Monstersturm Sandy braust über die Ostküste, haufenweise Reporter stehen knie- und hüfthoch im Wasser, um über das herannahende Grauen zu berichten und Mitt Romney wird am Dienstag präsidial in Ohio (!) eine „Fluthilfe“ Veranstaltung durchführen. Amerika steht Kopf „in the eye of the storm“. Sandy könnte die Wahl am kommenden Dienstag entscheiden, wenn die Bundesbehörden, allen voran die Katastrophenhilfe FEMA, erneut versagen würden, wie sie das 2005 nach Katrina in New Orleans taten.

Präsident Barack Obama hat erst einmal alle Wahlkampfveranstaltungen abgesagt, um sich auf seine Aufgabe als Präsident im Katastrophenfall zu konzentrieren. Vieles hängt davon ab, was nun in den nächsten Tagen geschieht, wie er reagiert, wie er mit den einzelnen Bundesstaaten zusammen arbeiten wird, deren Gouverneure zum Teil Republikaner sind, wie seine Behörden funktionieren. Dazu ein aktueller Audiobericht.

Ehrenwache trotz Sandy

Der Sturm peitscht die Regenwolken über Washington DC, weite Teile der amerikanischen Ostküste sind durch Sandy lahmgelegt. Die Haupstadt steht still. Nur die Ehrenwache am Grab des unbekannten Soldaten auf dem Arlington National Cemetery harrt der Dinge aus. Kein Sturm, kein Regen läßt die Soldaten abziehen. Seit 1948 gibt es diese andauernde Ehrenwache. In dem Grab haben die sterblichen Überreste nicht identifizierter amerikanischer Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg, dem Korea- und dem Vietnamkrieg ihre letzte Ruhe gefunden.

Killernatur

Flora und Fauna brauchen den Regen. Ja, aber der Tigerhai nicht ganz so viel. In den Küstengebieten zwischen Mexiko und Oregon stößt man auf den markant aussehenden Hai. Auch in der San Francisco Bay ist er in seichteren Gewässern zu finden. Doch in den letzten Wochen wurden mehr als 100 Tigerhaie tot geborgen. Unklar ist noch, was genau zu diesem Massentod führte und noch immer führt. Angenommen wird, dass der starke Regenfall in diesem Winter und Frühjahr dafür verantwortlich zu machen ist. Nicht, dass der Hai etwas gegen Regen hätte, das ist ihm eigentlich schnurzepurz egal, aber die langanhaltenden Schauer haben deutlich den Salzgehalt in der San Francisco Bay verändert. Und das, so erste Vermutungen von Wissenschaftlern, gefällt dem Hai so gar nicht und könnte letztendlich zum Tod der Tigerhaie führen. Die Untersuchungen laufen, die Wissenschaftler überlegen, ob es das sein könnte und, wenn ja, ob man Salzpäckchen in die Bay schütten sollte.

Tigerhaie werden bis zu 1,50 Meter lang, können durchaus 40 Jahre alt werden und ernähren sich von Krabben, kleinen Fischen und Würmern im Bodenschlamm.