Der Superbowl in Amerika

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Es ist das größte Sportereignis in den USA – der Superbowl, das Endspiel um die Meisterschaft im American Football. Dieses Jahr wird er in Santa Clara, dem Heimstadion der 49ers ausgetragen, einer Kleinstadt bei San Jose. Doch die gesamte San Francisco Bay Area ist im Ausnahmezustand. In Downtown San Francisco wurden ganze Straßenzüge für „Superbowl City“ gesperrt. Dort treffen sich die Fans für Aktivitäten, Konzerte und zum Fanartikeleinkauf. Die Stadt ist voller Fans, das Verkehrschaos garantiert. Raketenabwehrsysteme wurden aufgefahren, Scharfschützen sind auf den Dächern auszumachen.

Alles außenrum ist auch Superlative. Hotelzimmer in San Francisco kosten bis zu einer Million Dollar, Tickets für das Spiel inbegriffen. Die letzten Einzelkarten gingen für über 30.000 Dollar an den Mann oder die Frau. Zwei Wochen lang herrschte Partystimmung in der „City by the Bay“. Stars und Sternchen waren vor Ort, darunter Jamie Foxx, Vince Vaughn, Snoop Dogg, Justin Bieber, Beyonce, die Red Hot Chili Peppers, Alicia Keyes.

In der Superbowl Woche essen die Amerikaner so viele Kalorien, wie in keiner anderen Woche des Jahres. „Junk Food“ aus Chips, Burger, Chicken Wings, allem möglich Fritiertem und viel Bier ergeben rund 6000 Kalorien pro Tag. Die zweitverfressenste Woche in den USA ist nicht Thanksgiving oder Weihnachten, es ist die Woche vor der Superbowlwoche. Man probiert quasi, was man die Woche danach verspeisen will.

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Die Werbeclips während des Endspiels sind sündhaft teuer, mehrere Millionen Dollar kostet allein die Sendezeit. Einige davon unterhaltsam, andere nervig, ein paar durchaus künstlerisch wertvoll. Drei fand ich besonders gut, schräg, witzig: den Audi-Clip, die Mountain Dew Werbung und das Video für die mexikanischen Avocados.

Der einzig wahre "Bowl" ist "Puppy Bowl".

Der einzig wahre „Bowl“ ist „Puppy Bowl“.

Und ein Klassiker am Rande des Superbowls ist immer der „Puppy Bowl“, übertragen vom Fernsehsender Animal Planet. Es ist eine Benefiz-Sendung zugunsten von Tierheimen. Eine Stunde lang kann man kleinen Hunden in einem als Football Stadion dekorierten Spielzimmer zusehen, das ganze mit Live-Kommentar. Die „Puppies“ kommen dafür aus verschiedenen Tierheimen im ganzen Land und können adoptiert werden. Und wer die Sendung um drei Uhr nachmittags verpasst, keine Sorge, sie wird zwölfmal hintereinander wiederholt.

Gewalt gehört wohl dazu

Die Bay Area ist derzeit im Football-Fieber. Am Sonntag findet der 50. Superbowl im niegelnagelneuen Heimstadion der San Francisco 49ers statt, die nun eigentlich in Santa Clara spielen, einer Kleinstadt bei San Jose. Deshalb sind die Parties auch überall, in Santa Clara, in San Jose und eben auch in San Francisco. Ein Verkehrschaos sondergleichen, in Downtown SF sind Straßen für „Superbowl City“ gesperrt, auf der man exklusive Taschen für $ 3500 oder spezielle Leder Baseball Caps für $ 2500 Dollar erwerben kann. Die Hotels in der Region bieten „Special Packages“ an, die Luxusausgaben kosten eine Million Dollar, Tickets inklusive. Na, wer hat, der hat!

Die „National Football League“, NFL, ist ein Riesengeschäft. Die Werbeclips während des Endspiels kosten mehrere Millionen Dollar für 30 Sekunden. Eines der letzten Tickets für das Endspiel ging gerade für $ 27.000 an einen „Fan“. Diesen Geldfluss will man schön fließen lassen, da passen Nachrichten von Gewalt so gar nicht ins Bild. Um das Image der harten und muskelbepackten Kerle etwas aufzupolieren, tragen viele in der NFL im Herbst die Farbe Pink, um so ihre Unterstützung im Kampf gegen Brustkrebs zu zeigen.

Alles gut und schön, das dachten sich auch die Frauen von „Made By Women“, einem Zusammschluß von mehreren Filmschaffenden in Hollywood. Sie produzierten einen Clip, der sicherlich nicht während des Superbowls gezeigt werden wird, der aber im Internet viele Zuschauer findet. Thematisiert wird die Gewalt gegen Frauen durch NFL-Spieler. Immer wieder machen Footballspieler Schlagzeilen, in dem sie durch Gewaltexzesse gegen ihre Freundinnen und Frauen auffallen. Es kommt zu Anklagen, Gerichtsverfahren und die NFL kehrt dann alles still und leise unter den Teppich. So zuletzt geschehen im Fall Greg Hardy von den Dallas Cowboys. Der hatte eine frühere Freundin verprügelt und ihr angedroht sie umzubringen. Nach der Verurteilung und einer kurzen Zwangspause wurde er wieder ins Team aufgenommen. Die Stimmen gerade bei Frauengruppen werden lauter, die fordern, wer gewalttätig gegenüber Frauen ist, sollte keinen Weg mehr zurück in die beste Liga der Welt bekommen. Insgesamt hat die NFL ein Gewaltrproblem, doch im stereoiden Muskelalltag wird darüber nicht gerne geredet.

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Der haarige Superbowl

Am kommenden Sonntag ist der beste Tag um in Downtown San Francisco einkaufen zu gehen, Parks zu besuchen oder in Sonoma Wein trinken zu gehen. Man ist ziemlich alleine auf der Straße. Es ist Superbowl Sunday und alle hängen vor dem Fernseher rum. Sportfans und Fernsehbegeisterte, die eine perfekt inszenierte Show sehen wollen. Ach ja, da sind dann auch die sündhaft teuren neuen und unterhaltsamen Werbespots, wie dieser hier vom deutschen Autobauer Audi:

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Doch wem weder nach Shopping oder Spaziergang oder Weinprobe ist, es gibt auch die Alternative im Fernsehen. Jedes Jahr werden Millionen von Zuschauern zum Sender „Animal Planet“ gezogen. Dort gibt es den sogenannten „Puppy Bowl“, quasi ein American Football Spielfeld für kleine Hunde vor laufenden Fernsehkameras. Unterhaltsam für Hundeliebhaber, die nicht so gerne erwachsenen Männern dabei zuschauen möchten, wie diese sich die Köpfe einrennen. Gehirnerschütterung „here I come“. Beim Puppy Bowl gibt es Kameras im Wassernapf und Spielunterbrechungen bei kleineren, nennen wir es, Zwischenfällen. Ach ja, ein paar Katzen tauchen am Rande der Vorstellung auch immer auf.

Vielleicht wäre das ja auch was zur bevorstehenden Fußball-WM im deutschen Fernsehen. Na, welcher Privatsender traut sich?

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