Corona bremst den Kulturaustausch

Die San Francisco Bay Area ist so eine Region, in der man, wenn man denn sucht, viele deutsche Spuren finden kann. San Francisco und auch Oakland wurden von deutschen Einwanderern mitaufgebaut. In der Geschichte am Golden Gate hinterließen die „Germans“ einen tiefen Eindruck.

Ich erinnere mich noch gut an die Schilderungen eines alten Freundes, der bereits 1942 nach San Francisco kam. Er hatte eine aufregende Flucht hinter sich, war vom FBI nach dem japanischen Angriff auf die Militärbasis Pearl Harbor in Costa Rica aufgegriffen und wie viele Tausend weitere Deutsche und Japaner aus Mittel- und Südamerika in die USA gebracht worden. Hier sollte er in ein Internierungslager kommen, konnte aber nachweisen, dass er aus Nazi-Deutschland schon 1938 geflohen war…das ist eine Geschichte für sich, die hier in Oakland beginnt.

Doch zurück zu diesem alten Freund, mit dem ich oft durch San Francisco fuhr. Er deutete immer wieder auf Häuser und Straßenecken, da sei ein deutscher Metzger gewesen, dort ein Tischler, da ein Bäcker, dort ein Automechaniker. Mit Hans die Straßen von San Francisco zu befahren, war eine historische Rundfahrt der besonderen Art. Er erzählte von den vielen Festen, die gefeiert wurden, von den Empfängen in der „California Hall“ auf Polk Street.

Davon ist nicht viel übrig geblieben, das alte „deutsche“ San Francisco ist längst verblasst. Dennoch waren die Deutschen nie weg, neue Immigranten kamen und bauten hier das auf, was sie machen wollten, lebten ihren „American Dream“. Etliche deutsche Restaurants kann man finden, noch. Denn die „Suppenküche“ in Hayes Valley ist in Schwierigkeiten, deutsche Gemütlichkeit, Bierhallenatmosphäre und das lange Sitzen an Tischen ist in Corona-Zeiten nicht möglich. Das „Walzwerk“, ein ostdeutsches Themenrestaurant, macht zum Ende der Woche ganz dicht. Schon zuvor fiel ihr „Schmidt’s“ den hohen Mietpreisen in der „City by the Bay“ zum Opfer.

Das „Walzwerk“ hat es schon auf seiner Webseite stehen: „We are closed“

Auch Feste der noch verbliebenen Kulturvereine werden derzeit ersatzlos gestrichen. Wie soll man auch ein Maifest im Herbst feiern. Und die Aussichten sind nicht gut, denn oftmals waren diese Feste auch „Fundraiser“ für die Clubs. Das Goethe-Institut, die offizielle deutsche Kulturaußenstelle in der Region, ist seit Monaten geschlossen. Die Ausfälle an Gebühren und Eintrittsgeldern werden deutlich bei allen zukünftigen Planungen zu spüren sein.

Den Deutschen geht es sicherlich nicht anders als anderen ethnischen Gruppen in San Francisco oder in den USA. Doch an diesen mehr als wichtigen Part in der amerikanischen Gesellschaft wird kaum gedacht. Das Land der Immigranten vergisst gerade in diesen harten Zeiten die oftmals gefeierte und geschätzte Vielseitigkeit des amerikanischen Lebens. Was nach dieser Pandemie von all dem Kulturleben der „Minderheiten“ noch übrig bleiben wird, ist nicht absehbar. Man kann nur hoffen, dass es nicht einen totalen Kahlschlag geben wird.

Paul Ryan und der Suppentopf

Also, ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Da steigt der republikanische Vize-Präsidentschaftskandidat und langfristige Hoffnungsträger seiner Partei schon mal hinab in die unteren Regionen der Gesellschaft und dann dankt man ihm noch nicht einmal. Am Samstag tauchte er mit seiner Entourage vor einer Suppenküche in Ohio auf. Er wolle helfen, meinte er und ein freiwilliger Helfer fühlte sich etwas überrumpelt und sperrte die Küche für den Jungspund auf. Und dort band sich Paul Ryan eine schöne weiße, gebügelte und gestärkte Schürze um und schrubbte ein bißchen an einem sauberen (!) Topf rum. Klick, Klick, Klick, Klick und schon hatte man die guten Photos des ach so sorgenden Paul Ryan, der auch an einem Samstag seine Zeit für die Bedürftigen opfert.

Allerdings war der Termin mit der Leitung der Einrichtung nicht abgesprochen. Brian J. Antal, Präsident der gemeinnützigen Organisation erklärte, niemand habe ihn kontaktiert und er hätte auch nicht die Zustimmung dazu gegeben, den seine Organisation sei überparteilich, werde von Spendengeldern finanziert und wolle keinen Schaden durch einen politischen Wahlkampf erleiden. Außerdem, fügte Antal hinzu, hätte er sicherlich nicht zugestimmt, dass Paul Ryan in eine bereits geputzte Küche kommt, um noch einmal für ein Photo einen blinkenden und blitzenden Topf zu reinigen.

Aber Herr Antal, erwarten Sie denn wirklich, dass ein Paul Ryan Soßenspritzer auf sein schönes Hemd und seine teure Krawatte bekommen möchte? Nein, Ryan kam nur mal kurz zwischen zwei Wahlkampfterminen vorbei. Wahrscheinlich fuhr die Autokolonne durch die Straße, einer im Wahlkampfteam sah ein paar Obdachlose herumhängen und meinte „Ey Paul, komm laß uns ein paar Bilder machen, wie Du samstagmorgens in der Suppenküche aushilfst. So ein „Human Touch“ Photo kommt immer gut für die Webseite“. Und Ryan war ganz begeistert von der Idee und stellte sich bereitwillig mit hochgekrempelten Ärmeln an den Wasserhahn. Tolles Bild und ich finde, es zeigt richtig den sozialen Charakter dieses Ausnahmepolitikers.