Grenzenlose Musik ohne Einreiseverbot

Es gibt eigentlich in jedem Land, in das ich reise, zwei Dinge, die ich unbedingt machen möchte. Zum einen ist es Radiosender, vor allem Community Stationen, besuchen. Zum anderen in Läden nach lokaler Musik auf Vinyl oder CD suchen oder Musiker zu treffen, deren Musik ich aufzeichnen kann und darf. In Somaliland habe ich so Abdi Nasir Macalin aufnehmen können, im Niger lernte ich die Band Studio Shap Shap kennen und lieben.

Musik verbindet, das habe ich erst wieder in Niamey gelernt. An einem Nachmittag im Garten von Laetita probte „Studio Shap Shap“. Sechs Musiker, die alle lächelten und mich Willkommen hießen. Die Musik sprach dann für sich, ein wunderbares Erlebnis, in dem es nicht um Worte und großes Verstehen ging, vielmehr um ein sprachübergreifendes, inniges Zusammensein. Musik verband uns und verbindet uns noch immer.

Foto: AFP.

Seit nunmehr über 20 Jahren produziere und moderiere ich Radio Goethe, eine Sendung, mit der ich versuche im Ausland Interesse an der deutschen Musikszene zu schaffen. Und es geht da nicht nur um Musik, es geht um Sprache, um Kultur, um den Blick in ein anderes Land, um Verständnis und Interesse zu schaffen. Kurz nachdem ich 1996 in die USA kam, begann ich mit der Sendung auf einem Collegesender in San Francisco. Ich wurde eingeladen meine Kultur, meine Wurzeln, meine Musik einer offenen und interessierten Hörerschaft zu präsentieren.

Eigentlich wollte ich nur drei Jahre in den USA bleiben, schließlich beantragte ich die Green Card und wurde auch amerikanischer Staatsbürger. Ich kam mit einem Journalistenvisum und wurde ein Immigrant in diesem Land.

Als Präsident Donald Trump ein Einreiseverbot für sieben zumeist muslimische Länder aussprach, dachte ich, ich müsste etwas sagen, etwas tun. Aber ich wußte nicht was, bis ich daran dachte, eine Radio Goethe Sendung mit Musik aus Somalia, Iran, Libyen, Sudan, Jemen, Irak und Syrien zu produzieren. Im Laufe der Jahre mit Radio Goethe und auf all meinen Reisen, die mich auch immer wieder in Krisen- und Konfliktgegenden, wie Somalia, führten, lernte ich, dass Musik eine universelle Sprache ist, die jeder versteht. Ich habe viele Menschen in den Ländern getroffen, die offen, herzlich und hilfsbereit waren. Ich glaube, dass uns alle mehr verbindet, als uns trennt. Die Musik war dabei immer eine Sprache, die wir alle verstanden haben.

Ich weiß, wenn ich eine Stundensendung mit Musik aus Somalia, Iran, Libyen, Sudan, Jemen, Irak und Syrien produziere, die auf einigen Dutzend College- und Communitystationen ausgestrahlt wird, wird das nichts im Großen ändern. Vielleicht ist es aber ein kleiner Blick, ein Ohr voll, auf die reiche Kultur jener Länder, die den meisten nur durch die hässlichen Schlagzeilen von Krieg, Terror und Krisen bekannt ist.

Von daher, die aktuelle Radio Goethe Sendung gibt es hier zu hören:

      Radio Goethe

 

 

Das gewollte Chaos des Mister Trump

Eine Woche im Amt, dann kam der große Knaller. Zuvor hatte King Donald I schon mehrfach per Dekret wichtige politische Entscheidungen seines Vorgängers Barack Obama ausgebremst und ausgehebelt. Trump wollte schnell einen neuen Ton in Washington setzen.

Und dann am vergangenen Freitag die umstrittenste aller Entscheidungen, Menschen aus Somalia, Sudan, Iran, Irak, Syrien, Jemen und Libyen voerst die Einreise in die USA zu verweigern. Ein Einreiseverbot für Muslime meinten die einen. Ein Einreiseverbot für „radical islamic terrorists“ argumentierte Trumps Umfeld, so, als ob sich Terroristen ordnungsgemäß an Pass- und Visagesetze und die Formalitäten des internationalen Luftverkehrs hielten.

Foto: Reuters.

Donald Trump und seine Gehilfen fegen durch Washington ohne Rücksicht auf Verluste. Alles wird in Frage gestellt, Geschichte wird umgeschrieben, Verträge gekündigt, Freundschaften beendet. Nach außen wirkt alles stümperhaft, nicht durchdacht, überhastet, ohne Plan. Doch Trump und seine Berater haben einen Plan, den haben sie schon im Wahlkampf deutlich gemacht. Sie wollen Amerika neu ausrichten und das mit einer Chaos-Strategie. Trump twittert weiter, wettert und hetzt gegen Demokraten, Medien und alle, die sich ihm in den Weg stellen, darunter auch namhafte Republikaner wie die Senatoren John McCain und Lindsey Graham.

Es sieht nach Unvermögen aus, das Ziel nicht erkennbar. Trump hat jedoch in diesen Tagen das Ziel fest vor Augen. Er will seine Basis stärken, verbreitet dafür Falschmeldungen, und alles was über ihn, seine Entscheidungen und Absichten berichtet wird, bezeichnet er als „Fake News“. Auf seinem Haussender FOXNews haben sich so einige Moderatoren, allen voran Sean Hannity, zu Bütteln des neuen Kaisers gemacht. Trump schafft bewußt Unruhe, will die Gesellschaft spalten und so seine Gefolgschaft ganz auf sich ausrichten. Was er sagt stimmt, was die anderen sagen ist falsch. Gegenfragen sind nicht erlaubt und werden als unerlaubte Kritik am „Big Man“ gesehen.

Die Trump-Anhänger jubeln, endlich einer, der in Washington aufräumt, durchgreift, seine Wahlversprechen einlöst. Zumindest sieht es danach aus, doch Trump kann nicht auf Dauer per Dekret regieren. Was er aber schafft ist, er zeigt mit ausgestrecktem Finger auf den Kongress und schiebt den Abgeordneten und Senatoren die Schuld zu: „Ich würde ja gerne machen, aber die unterstützen mich nicht“. Die Mauer muß gebaut, der Umweltschutz beendet, Unternehmen gezwungen, Terroristen die Einreise in die USA versperrt werden. America First!

Noch jauchzen die Trumpschen Chöre, denn bislang betrifft sie nicht das, was er umsetzt. Die „New York Times“ und „Washington Post“ lesen sie nicht, CNN schauen sie nicht, die Mauer stört sie nicht, eine Ölpipeline durch Reservate geht sie nichts an, Hauptsache das Benzin wird billiger. Flüchtlinge aus Somalia und Syrien kennen sie nicht. Von daher „Make America Great Again“, „Hire American, Buy American“. So sehr ich mich vor diesem Vergleich auch scheue, all das erinnert mich an die Worte von Pastor Martin Niemöller:

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

Weg sein – hier sein

Ich bin nur eine Generation von einem Flüchtling entfernt. Auch der Vater meines besten Freundes war ein Flüchtling. Sie kamen aus Schlesien und aus dem Sudentenland. Sie waren Deutsche, aber sie waren auch Flüchtlinge und das prägte ihr Leben, das prägte unser Leben. Und noch heute ist das, was da vor über 70 Jahren passierte, in vielen Familien, auch in meiner, gegenwärtig.

„Weg sein – hier sein“ heißt ein Buch aus dem Secession Verlag, in dem Autorinnen und Autoren zu Wort kommen, die aus Syrien, aus dem Jemen, aus dem Iran gekommen sind. Kommen mußten, auch sie sind Flüchtlinge. Sie schreiben über ihre Heimat, über das, was sie zurück gelassen haben, über das, was sie erlebt und gesehen haben. Über das Ankommen und Leben in einem neuen Land, einer neuen Kultur, einer neuen Sprache, im deutschen Exil.

Kalifornien war in den 30er und 40er Jahren so ein Exil für viele deutsche Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Sie fanden hier in der Fremde einen sicheren Ort. Keine neue Heimat. Weg sein – hier sein am Pazifik. Sie wurden nie ein Teil der amerikanischen Literatur, doch wer über die Literatur Amerikas schreibt, kommt an diesen Autorinnen im Exil nicht vorbei. An diesen deutschen und anderen aus aller Welt, denn die USA waren bis vor kurzem noch ein sicherer Hafen für viele Menschen auf der Flucht. Auch für Autoren aus Syrien, dem Jemen, dem Iran. Damit ist seit Freitag Schluß.

Deutschland ist so ein Exil geblieben, ein sicherer Hafen geworden. Das zeigt „Weg sein – hier sein“. Hier schreiben Autorinnen und Autoren, die fliehen mußten und nach Deutschland kamen. Texte aus Deutschland, die nicht immer leicht zugänglich sind, die jedoch andere, neue Bilder zeichnen. Es ist ein Blick in andere Länder, Kulturen, Sprachen, Gepflogenheiten, Denkweisen, Gefühlszustände. Es ist ein ehrliches Buch in einer Zeit, die von „Fake News“, Mauerbau und „Denkmal der Schande“ bestimmt wird. „Weg sein – hier sein“ ist ein mutiges Buch, von dem neben dem Verlag viele überzeugt waren, es unterstützt haben. Vor allem jene Frauen und Männer, die hier in Wort und Bild vorgestellt werden.

Joachim Zepelin vom Secession Verlag schreibt am Anfang des Buches, warum „Weg sein – hier sein“ veröffentlicht werden mußte. Und dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen:

„Literatur erforscht Identitäten und formt und verstärkt sie dadurch gleichzeitig. Seit jeher erzählen wir Geschichten, um uns zu verstehen, um Grundlagen für ein gemeinsames Leben zu schaffen. Und je verschiedener der Nachhall der Begriffe ist, umso mehr Geschichten müssen wir uns voneinander erzählen…Diese Autoren sind die Geschichtenerzähler, die erklären können, wer da kommt und woher und mit welcher Geschichtee. Nicht etwa, um Fremdheit einzuebnen, sondern um Fremdheit festzustellen – und eben auch Gemeinsamkeiten.“

 

Die USA ziehen die Visa Schrauben an

Amerika macht die Grenzen dicht. Fortan dürfen Bürger aus 38 Ländern, darunter vor allem aus Europa, die eigentlich Visa-Freiheit für die USA haben, nicht mehr so ohne weiteres einreisen. Und zwar dann, wenn sie seit dem 1. März 2011 in den Iran, den Irak, nach Syrien oder in den Sudan gereist sind. Das betrifft auch – und nun wird es interessant – EU Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft. Also ein Deutscher, der auch noch einen iranischen Pass hat, darf über die bislang bestehende Visa-Freiheit nicht mehr in die USA einreisen. Er oder sie muß in Zukunft vor einer Reise direkt und persönlich bei einem US Konsulat vorstellig werden. Der deutsche Pass wird damit nicht mehr anerkannt.

Die neue Regelung, die eigentlich erst ab April gelten sollte, ist ein Kompromiss zwischen der Obama Administration und dem republikanisch geführten Kongress. Es werde im Einzelfall entschieden, so Josh Earnest, der Pressesprecher des Weißen Hauses. Was das heißt ist, wer nachweisen kann, dass er seit 2011 aus beruflichen Gründen, als Entwicklungshelfer oder als Journalist in die Länder reisen mußte, darf auch weiterhin ohne gesondertes Visa einreisen. Für Personen mit doppelter Staatsbürgerschaft allerdings gilt das nicht. Selbst Kinder iranischer Eltern, die in Ländern der EU geboren wurden und noch nie im Iran waren, jedoch einen iranischen Pass haben, werden fortan gesondert geprüft.

In den USA glaubt man, so das „Homeland“ sicherer machen zu können. Das erste bekannte Opfer der neuen Regelung ist die BBC Journalistin Rana Rahimpour. Sie hat einen britischen und einen iranischen Pass und arbeitet für die BBC im persischen Service. Rahimpour wollte in der letzten Woche von London Heathrow zu einer Familienfeier nach New Jersey fliegen. Am Flughhafen wurde ihr gesagt, ohne Visa könne sie nicht reisen. Noch ist unklar, ob die neue Visa-Regel bestehen bleibt, das Weiße Haus würde es gerne ändern, die Republikaner hingegen wollen das ganze Prozedere noch verschärfen. In einem Wahljahr wird daher erst einmal nicht viel passieren.

Die Grenzen dicht zum Weihnachtsfest

Die Stimmung ändert sich in den USA. Das Land der Einwanderer aus aller Welt, igelt sich immer mehr ein. Donald Trumps Forderung, die Einreise für alles Moslems zu verbieten, wurde zwar mit einem großen Aufschrei beantwortet, doch es scheint, es war mehr aus „political correctness“ als eine ernstzunehmende Kritik an der Wahlkampfaussage Trumps. Die jüngsten Beispiele belegen, Amerika fährt nun auf einer anderen Immigrationsschiene.

Gleich mehrere Fälle wurden bekannt, in denen jüngst britischen Moslems die Einreise verwehrt wurde. Eine elfköpfige Familie wollte vom Londoner Gatwick Airport nach Los Angeles fliegen, um einen lang geplanten Disneyland Urlaub anzutreten. Doch am Gate wurde ihnen gesagt, dass die USA ihnen die Einreise verwehrt. Ein Grund wurde nicht genannt. Alle Einreisedokumente lagen vor. Nachdem dieser Fall bekannt wurde, meldeten sich weitere Mosleme in Großbritannien, denen ähnliches passiert war. Es scheint, die amerikanische Einwanderungsbehörde INS, Teil des Homeland Security Ministeriums, konzentriert sich mehr und mehr vor allem auf Moslems. Gründe des Einreiseverbots werden nicht genannt. Die Fluggesellschaften verweigern einfach den Betroffenen in letzter Minute das „Boarding“.

Donald Trump und Konsorten wird es freuen, auch wenn sie das sicherlich als Tropfen auf dem heißen Stein sehen. Doch auch die anderen republikanischen Präsidentschaftsanwärter verbreiten im Wahlkampf Angst und Schrecken. Keiner von ihnen unterstützt die Initiative aus dem Weißen Haus, syrische Flüchtlinge in den USA aufzunehmen. Vielmehr wird erklärt, unter den Flüchtlingen seien mit Sicherheit auch ISIS Terroristen, die die Hilfsbereitschaft der Amerikaner nur ausnutzen wollen, um ins Land zu kommen und hier Anschläge vorzubereiten. Das ist ein Wahlkampf voller Angst. Jeder Syrer wird damit zum Terroristen abgestempelt.

Nun legt die Obama Adminstration noch einen drauf in Sachen Immigrationspolitik. Allein in diesem Jahr sind etwa 100.000 Familien aus Mittelamerika illegal in die USA gekommen. Geflüchtet vor der ausufernden Gewalt in Guatemala, Honduras, El Salvador. Die Mordrate in El Salvador ist so hoch, wie noch nie. An der sich immer schneller drehenden Gewaltspirale in Mittelamerika sind die USA zumindest mitschuldig. Und doch gibt es nun Pläne, in den nächsten Tagen mit einer riesigen Abschiedewelle zu beginnen. Innerhalb der Obama Administration scheinen diese jedoch zu heftigen Debatten geführt zu haben. Auch wurden Latino Bürger- und Menschenrechtsgruppen nicht vorab informiert. Die Abschiebungen sollen dennoch durchgeführt werden. Wie viele Männer, Frauen und Kinder zurück geschickt werden, ist noch unklar. Amerika macht dicht, von offenen Grenzen und dem sicheren Ort für Flüchtlinge und Verfolgte aus aller Welt ist schon lange keine Rede mehr. Die diesjährige Weihnachtsbotschaft aus dem Weißen Haus und aus Washington ist alles andere als friedlich und einladend.

So einfach ist das mit der Außenpolitik

Wenn einer eine Reise tut....dann kann er Präsident werden. Foto: AFP.

Wenn einer eine Reise tut….dann kann er Präsident werden. Foto: AFP.

Eigentlich wäre ich ja wie geschaffen für den Job als amerikanischer Präsident. Zumindest, wenn es nur um die „Außenpolitik“ ginge. Immerhin habe ich schon ein paar Länder außerhalb der USA bereist und zweitens auch schon Flüchtlingslager besucht. Eine gute Basis für „internationale Erfahrungen“. Damit liege ich im Feld der Möchtegernpräsidenten weit vorne. So zumindest muß man die jüngste Reise von Präsidentschaftskandidat Ben Carson einschätzen. Der Neurochirurg Carson, der in vielen Umfragen noch immer auf dem zweiten Platz im republikanischen Kandidatenkarussell liegt, ist nun überraschend nach Jordanien gereist, um dort zwei syrische Flüchtlingslager zu besuchen. Damit, so Vertraute Carsons, wolle sich der Kandidat außenpolitisch als interessiert und „erfahren“ darstellen. Denn immer wieder wurden die Stimmen laut, dass Ben Carson zwar ein netter Kerl, ein guter Konservativer sei, aber außenpolitisch sei er wohl in einer Zeit wie der unseren der falsche Mann. Unerfahren, ja, richtig blank auf dem internationalen Parkett. Sogar führende konservative Meinungsmacher, wie der Radio Talkshow Moderator Rush Limbaugh und der  FOXNews Kommentator Charles Krauthammer erklärten, Carson sei aus diesem Grund unwählbar. Die Anschläge in Paris hätten noch einmal gezeigt, dass man kein globales Greenhorn ins Oval Office setzen sollte.

Die Reise nach Jordanien ist nun also etwas für den Wahlkampf. Schaut her, ich kenne mich im Syrienkonflikt aus. Carson selbst meint dazu: „Ich finde, man bekommt einen stärkere Eindruck, wenn man die Dinge selbst sieht, als sie nur erzählt zu bekommen.“ Stimmt schon, lieber Ben, allerdings kann man als amerikanischer Präsident nicht überall hin reisen, um sich zu informieren. Da ist man auf die Beschreibungen und Berichte anderer angewiesen.  Aber egal, so kann man also mitreden in den USA, so kann man schließlich Präsident werden.

Daneben will Ben Carson auch noch die Evangelikalen im Land erreichen, denn sie sind in der Flüchtlingsfrage hin und her gerissen. Sie wollen helfen, doch wissen nicht genau wie. Nur den Christen aus Syrien, wie es einige fordern, oder allen, egal welcher Glaubensrichtung. Der Chor in den USA ist laut, der verlangt, man solle helfen, aber bitte keine Flüchtlinge ins Land holen. Ben Carson wird dazu sicherlich bald etwas sagen. Er ist ja dann Experte in Sachen Syrienkrise, Flüchtlinge, Vertreibung, Terrorgruppe ISIS.

Die Aufnahme von syrischen Flüchtlingen ist „verrückt“.

Pegida, Nügida und all die anderen selbsternannten Kämpfer gegen die Islamisierung des Abendlandes werden diesmal wohlwollend mit dem Finger auf die ach-so-verhassten Amerikaner zeigen. Gleich mehrere Kandidaten ums Präsidentenamt in den republikanischen Reihen warnen davor, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Donald Trump ganz Donald Trump schwor sogar, falls Barack Obama seinen Plan durchführe, 10,000 „Refugees“ aus dem Kriegsgebiet in die USA zu bringen, werde er sie, so bald er Präsident ist, die 10,000 wieder zurück schicken. Niemand wolle sie hier in Amerika. Sein Publikum applaudierte

Ted Cruz will keine Flüchtlinge im Land haben. Foto: AFP.

Ted Cruz will keine Flüchtlinge im Land haben. Foto: AFP.

Der Neurochirug im Rennen, Ben Carson, sprach sich auch mit weicher Stimme gegen die Aufnahme von Syrern aus, denn diese seien von moslemischen Extremisten „unterwandert“. Ins gleiche Horn blies nun auch Senator Ted Cruz, der auf einer Wahlkampfveranstaltung in Michigan erklärte, der Plan, syrische Flüchtlinge in die USA zu bringen, sei „verrückt“, denn einige von ihnen seien islamistische Terroristen. „Es wäre der Höhepunkt des Irrsinns, Zehntausende von Menschen hierher zu bringen, darunter Dschihadisten, die nur kommen, um unschuldige Amerikaner zu ermorden“. Kann man leichtfertiger mit der Farbe Angst umgehen?

Ted Cruz meinte dann noch: „Es gibt einen Grund, dass der Direktor der „National Intelligence“ sagte, unter den Flüchtlingen befinden sich ohne Zweifel eine signifikante Anzahl von ISIS Terroristen“. Nur hatte James Clapper, der Direktor der „National Intelligence“, das so nie gesagt. Letzten Monat meinte er, dass man davon ausgehen könne, das der IS versuchen werde, den Flüchtlingsstrom zu infiltrieren. Die USA jedoch werden alles daran setzen, genau hinzusehen, wer nach Amerika reingelassen wird, so Clapper.

Einige der republikanischen Kandidaten im Wahlkampf erinnern also sehr an die Falschaussagen, die Wortverschwurbelungen, an die Panikmache und an die Horrorszenarien der Idaisten in Deutschland. Sie passen gut zusammen, wählbar sind sie hier und dort nicht.

 

 

 

Das Bild vor Augen

Syrien, Irak, Libyen, Nigeria, Zentralafrikanische Republik, Demokratische Republik Kongo, Afghanistan und da ist auch noch die Ukraine. Ein paar der Kriegsschauplätze, die mir auf Anhieb einfallen. Der Blick in Deutschland und auch in den USA geht vor allen nach Osten in die Ukraine, denn dieser Konflikt könnte eskalieren und noch dramatische Folgen für Europa haben.

"Nukemap" wurde von Alex Wellerstein entwickelt.

„Nukemap“ wurde von Alex Wellerstein entwickelt. Hier kann man sehen, welche Auswirkungen ein Einschlag über der Nürnberger Altstadt hätte.

Daran mußte ich denken, als ich die Webseite „Nukemap“ fand. Eine Webseite, die von Alex Wellerstein eingerichtet wurde. Wellerstein ist Wissenschaftshistoriker mit dem Schwerpunkt Nuklearwaffen und -geheimhaltung. Er ist Assistenz-Professor am „Stevens Institute of Technology“ in Hoboken, New Jersey. Seine Dissertation schrieb er zum Thema “Knowledge and the Bomb: Nuclear Secrecy in the United States, 1939-2008.” Sein Blog ist ein umfassendes Archiv zum Bereich der Nuklearwaffen. Informationen über Technik, Hintergründe und die Geheimhaltung der militärischen Nuklearnutzung.

So ganz nebenbei hat er „Nukemap“ entwickelt, eine Seite, auf der man eine beliebige Adresse angeben und dazu eine passende Bombe aussuchen kann. Verschiedene Herkunftsländer sind angegeben, von den USA über Russland, Nordkorea, Pakistan, China. Dazu noch die Kilotonnenstärke.

Zuerst dachte ich an ein zynisches Spielchen, doch das ist es nicht. Die Karte zeigt nur den explosiven Radius. Man kann, man muß sich selbst vorstellen, was passieren würde wenn… Wellenstein will nicht schocken, sondern eher mit seinen Einschlagkarten aufklären. Der kalte Krieg ist zwar vorbei, aber die Gefahr einer kriegerischen Eskalation nicht gebannt.

Zeit für einen neuen Präsidenten

Zur Stunde redet Barack Obama in Washington mit Vertretern der Demokraten und der Republikaner im Kongress und Senat. Es geht mal wieder um den Irak. Morgen, am Abend vor dem Jahrestag der Terroranschläge des 11. Septembers, will sich Obama zur besten Sendezeit an die Fernsehnation wenden. Der Präsident will zeigen, dass er sicher am außenpolitischen Steuer steht, die Situation im Irak, in Syrien und die Terrorgefahr durch den „Islamischen Staat“ unter Kontrolle hat. In seiner Rede wird er den Plan vorgeben, wie Amerika in naher Zukunft voranmarschieren wird. Beobachter gehen davon aus, dass Obama Luftangriffe auf IS Stellungen in Syrien ankündigen und, dass er Mitglieder seiner „Coaltion of the Willing“ nennen wird.

Barack Obama am Schreibtisch im Oval Office.

Barack Obama am Schreibtisch im Oval Office.

Doch egal, was Barack Obama in diesen Tagen auch versucht, er ist ein Präsident, dessen Amtszeit viele als gescheitert ansehen. Mehr als die Hälfte der Amerikaner bestätigten in einer jüngsten Umfrage von Washington Post und ABC genau das. In der Außenpolitik halten 56 Prozent Obama für überfordert. 65 Prozent der Befragten antworteten sogar, dass das Land seit Obamas Amtsantritt auf dem falschen Weg sei.

Deutliche Zahlen, die im Weißen Haus sicherlich registriert werden. Barack Obama wird in den verbleibenden Monaten nicht mehr retten können, was nicht mehr zu retten ist. Er gilt als überfordert, als jemand, der sich mehr um das internationale Ansehen sorgt, als um das eigene Land, als planlos, wie er jüngst in einer Pressekonferenz auf eine Frage nach der Strategie zu IS selbst erklärte. Sicherlich kann man hier anführen, dass Obama ein Präsident ist, der mit hehren Zielen angetreten ist, der Vorschußlorbeeren einheimste, obwohl er noch gar nichts getan hatte. Nur weil er mit „Hope“ und „Change“ Rufen gerade jungen Menschen Hoffnung in ein kaputtes Politsystem zurückgab. Die Hochstimmung ebbte schnell ab. Jetzt 26 Monate vor Obamas Ausscheiden setzt Katerstimmung ein.

Ich glaube, Barack Obama hätte ein guter Präsident sein können. Doch mit dem Erbe, das er antreten mußte, mit dem täglichen politischen Kleinkrieg in Washington vom ersten Tag an, den gezielten Störmanövern des politischen Gegners, all das hat ihn aufgerieben. Auf den Fotos sieht man ihm an, dass diese anfängliche Begeisterung, diese Lockerheit, dieser Drang nach Verändern über die Jahre im Weißen Haus verloren gegangen ist. Geblieben ist ein Politiker, der seine Zeit noch absitzen wird, in der Hoffnung, einigermaßen heil aus der ganzen Sache rauszukommen. Amerika braucht einen neuen Präsidenten oder eine neue Präsidentin. Ob der oder die es dann besser machen werden, sei dahin gestellt. Aber es wäre ein neuer Anfang, und den wollen die Amerikaner.

Das Säbelrasseln beginnt

Präsident Barack Obama im Interview mit dem Fernsehsender NBC.

Präsident Barack Obama im Interview mit dem Fernsehsender NBC.

Es geht wieder los. Seit Wochen schon warnen republikanische Scharfmacher vor einer nicht näher identifizierten Terrorzelle in der mexikanischen Grenzstadt Ciudad Juarez. Dort würden, in Zusammenarbeit mit den Drogenkartellen, gezielte Anschläge gegen amerikanische Einrichtungen vorbereitet. Präsident Barack Obama erklärte am Wochenende in einem Interview mit dem Fernsehsender NBC erneut, dass keine direkte Gefahr von der Terrororganistation „Islamischer Staat“ auf die USA ausgehe. Das heißt, den Geheimdiensten liegen derzeit, so der Präsident, keine Anhaltspunkte vor, dass „IS“ schon an der Santa Fe Bridge lauert.

Obama allerdings kommt der Jahrestag der Terroranschläge zum 11. September sehr gelegen. Am Dienstag wird er sich mit Vertretern des Abgeordnetenhauses und des Senats zusammen setzen, um über die weitere Strategie im Kampf gegen die „IS“ Milizen zu reden. Einen Tag später, am Vorabend von 9/11, wendet er sich an die Fernsehnation. Der von seinem Vorgänger ausgerufene „Krieg gegen den Terror“ geht in die dritte Runde, quasi „War on Terror 2.1“. Was Bush im Irak verbockt hat, muß nun Obama richten. Dabei sollte man nicht übersehen, dass Barack Obama selbst an der jetzigen Situation in Syrien und im Irak eine heftige Mitschuld trägt. Zu lange konzentrierte er sich lediglich auf einen Abzug der US Streitkräfte aus dem Irak. Dabei wurde übersehen, dass sich ein Machtvakuum in der Region bildete, in das die Extremisten nur zu gerne vorstießen. Die katastrophale Situation im Irak ist also schon lange nicht mehr „nur“ George W. Bush unterzuschieben. Der Friedensnobelpreisträger Obama wird ebenfalls als Kriegspräsident in die Geschichtsbücher der USA eingehen.

Barack Obama hat in den letzten Wochen keine gute Figur im Umgang mit den „IS“ Terroristen abgegeben. Sein langes hin und her, ob und wie und überhaupt, wurde von den Republikanern und von Teilen seiner eigenen Partei als Planlosigkeit ausgelegt. Und dann sein Golfspiel nur wenige Minuten nachdem er Stellung zur Enthauptung des amerikanischen Journalisten James Foley bezogen hatte. Die Bilder des lachenden Präsidenten auf dem Grün stießen vielen auf. Im NBC Interview entschuldigte sich Obama für diese Fotos.

Nun also will Obama wieder das Ruder übernehmen, ganz den Kapitän in der stürmischen Außenpolitik spielen. Seine Aussagen sind jedoch weiterhin nebelig. „No boots on the ground“, gezielte Luftangriffe auf Stellungen der „IS“ Milizen im Irak, eventuell werden diese noch ausgeweitet auf syrisches Gebiet. Und Obama will nicht alleine losziehen. Es ist mal wieder die Rede von einer „Koalition der Willigen“. Mit Spannung kann man also auf die Rede am Mittwochabend warten, vor allem darauf, ob Obama, anders als Vorgänger George W. Bush, neben den Marshall Islands auch noch schlagkräftigere Koalitionspartner für seinen neuen „Krieg gegen den Terror“ überzeugen konnte.