Fake News Nation

Donald Trumps Lieblingsbeschäftigung scheinen Schimpftiraden auf die Medien und ihre Vertreter zu sein. „Unehrlich“, „Lügner“, „Fake News“, das sind noch die harmlosesten Worte, die er findet. Seine Anhänger und Hofberichterstatter jubeln begeistert. Was für Trump „Fake News“ sind, das bestimmt er selbst. Kritische Berichte, Nachfragen von Journalisten, umfangreiche Recherchen im Umfeld von King Donald werden als „Lügen“ und „Falschnachrichten“ abgetan. Die Medien, so Trump, seien die Gegner des amerikanischen Volkes. Damit unterminiert er wohl ganz bewußt die amerikanische Demokratie.

Trump selbst ist der König der „Fake News“, wie ich in einem älteren Blogbeitrag schon dargelegt habe. Er nimmt es nie so genau mit der Wahrheit, verdreht Zahlen und Tatsachen, baute seinen Wahlkampf auf Angst auf und so regiert er auch im Weißen Haus. Und doch, Trump ist nicht der Begründer der „Fake News“, auch wenn er es wahrscheinlich gerne wäre, „the greatest Fake News“ Verbreiter.

Hier wurden schon viele Verschwörungstheorien geboren – die geheime Militärbasis Area 51 in Nevada. Foto: Reuters.

Amerika ist vielmehr eine Nation, die auf Falschmeldungen und fragwürdigen Nachrichten aufgebaut ist. Big Foot, Aliens, UFOs, Geisterjäger, dieses Land ist voller Falschmeldungen. Eine der erfolgreichsten und seit 1984 ausgestrahlten allabendlichen Radiosendungen in den USA ist „Coast to Coast AM“, eine Spätnachttalksendung, in der es nur über diese Art der Nachrichten und Ereignisse geht. Verschwörungstheorien und UFO-Sichtungen werden genauso ausführlichst diskutiert, wie die jüngsten Meldungen von der anderen Seite des Jordan. Pro Woche erreicht „Coast to Coast AM“ auf über 600 Stationen fast drei Millionen Hörer.

Ich selbst war vor ein paar Jahren auf einem UFO Kongress. Dort führte ich Interviews mit UFO-Wissenschaftlern, -Historikern, -Experten und selbsternannten investigativen Reportern. Eine Frau beschrieb mir mit ernster Stimme, wie sie schon viermal von Außerirdischen nachts abgeholt worden war, um sich auf dem Mars Untersuchungen unterziehen zu lassen. Sie war allerdings rechtzeitig zum Aufstehen wieder in ihrem Bett. Für das gleiche Feature reiste ich auch nach Rachel, Nevada, der Ansiedlung, die am nähesten zur Area 51 liegt. Auch dort traf ich Menschen (oder Außerirdische), die mir die harten Fakten erzählten und jeglichen Zweifel an dem, was sie gesehen, gehört und erlebt haben als „Fake News“ abtaten.

Doch das sind die offensichtlichen „Fake News“, die es in diesem Land zuhauf gibt. Anders ist es da schon, wenn man durch die USA fährt, das Radio anschaltet und Talk Radio hört. Was ist da noch richtig und wahr, was halbwahr und offensichtlich falsch? Kurz hinter Reno kann man meist nur noch Mittelwellensender empfangen. Weiter auf dem Highway ins Heartland ändert sich auch das Programm. UKW ist ein einziges Rauschen, AM Radio ist die einzige Möglichkeit. Drei Stunden „Farm-Talk“ gefolgt von drei Stunden „Gun-Talk“ und dann drei Stunden Rush Limbaugh, der König des Talk-Radios. Er und andere, wie Michael Savage, Sean Hannity, Mark Levin verdrehen da schon mal die Tatsachen, sehen Ereignisse aus ihrer amerikanisch-patriotisch-nationalistischen Sicht der Dinge. Es wird ein Schwarz-Weiß Bild von diesem Land gezeichnet, hier die Guten Amerikaner, dort die sozialistisch-kommunistisch-irregeleiteten Demokraten. So was bringt Hörer, Einschaltquoten, Werbeeinnahmen. „Fake News“ ist daher keine Neuerscheinung in den USA, sie sind heute nur weit verbreiteter und werden von ganz oben, vom „Fake News Commander in Chief“ verbreitet.

Der Radiokönig mag den Immobilienhai nicht

Vor etlichen Jahren, als ich noch eine Antenne am Auto hatte, war ich begeisterter Mittelwellenhörer. Talk Radio war für mich die beste Unterhaltung auf der Fahrt. Die konservativen und politisch abgedrifteten Sean Hannity und Rush Limbaugh, Michael Savage und Barbara Simpson. Und nachts „Coast to Coast AM“ mit Art Bell und George Noory, die über UFOs, Außerirdische, Spuk und Geister, Leben nach dem Tod und allerhand Übernatürlichem sprachen.

Irgendein Depp hat mir jedoch die Antenne abgebrochen, damit änderten sich auch meine Hörgewohnheiten im Auto. Wenn ich heute mal durch Zufall die konservativen Talk Show Köpfe anhöre, kann ich so gar nicht verstehen, wie ich das früher manchmal für Stunden hören konnte, nein, wie ich das ausgehalten habe. Ein Geschrei ist das, ein Geschimpfe, ein Gezeter und an allem sind Barack Obama und Hillary Clinton Schuld. Sean Hannity ist nicht nur in seiner Talksendung, sondern auch in seiner Fernsehsendung auf FOXNews zum Sprachrohr von Donald Trump geworden. Das ist eine Lobhudelei, wie man sie nur selten vernehmen kann.

Rush Limbaugh mit seiner späten Einsicht über Donald Trump. Foto: Reuters.

Rush Limbaugh mag Donald Trump nicht. Foto: Reuters.

Heute jedoch las ich in einem Artikel – und hörte es mir dann auch selbst an -, dass der König der Rechtsaußenmoderatoren, der selbsternannte Hüter der konservativen Werte, Rush Limbaugh, zugab, dass Trump eigentlich kein Konservativer sei, damit kein richtiger Kandidat für die republikanische Partei. Die Einsicht kommt reichlich spät, gerade auch, wenn man

bedenkt, dass viele in der konservativen Bewegung und auch in der Partei monatelang im Vorwahlkampf die Quasselköpfe im Talk Radio händeringend gebeten hatten, doch endlich mal Klartext über Trump zu reden. Doch nichts geschah. Einer nach dem anderen der eigentlichen konservativen Kandidaten stieg aus dem Rennen um das Weiße Haus aus. Am Ende blieb Donald Trump stehen, der so gar nicht in das Bild der republikanischen Partei passte und passt. Limbaugh hatte sich einfach zu lange auf Hillary Clinton eingeschossen, ohne die Konsequenzen seiner Trumpschen Sprachlosigkeit zu erkennen.

Limbaugh erklärte nun seiner Millionenhörerschaft, dass einige der von Trump vorgeschlagenen Sozialprogramme nichts, aber auch gar nichts mit einer konservativen Überzeugung zu tun hätten. Rush Limbaugh hat durchaus Einfluss, aber erreichen wird er mit seinem späten Klarblick nicht viel. Das Problem ist nämlich nun, dass viele Republikaner und Konservative im Land sich eigentlich eingestehen müssten, dass Limbaugh richtig liegt, was bedeutet, dass sie sich in den letzten Monaten vom Schmierentheater des Donald Trump einlullen ließen. Das, so denke ich mal, werden nicht viele tun. Auch ist die Alternative Hillary Clinton für sie Welten entfernt. Eher würden sie sich die Hand abhacken, als ihre Stimme der verhassten Demokratin zu geben. Das Kasperltheater, das man hier Wahl nennt, dauert weiter an.

Rush Limbaugh ist Gott

Der selbsternannte Alleswisser, Alleskönner und Gutmensch Rush Limbaugh hat mal wieder seinen Senf dazu gegeben. Rush Limbaugh ist eigentlich ein Radiomoderator, ja, man muß im zugestehen, er ist ein Talk Radio Pionier. Limbaugh hat die amerikanische Radiolandschaft revolutioniert. Seine täglichen Sendungen werden auf rund 500 Stationen im ganzen Land ausgestrahlt. Rush Limbaughs Verbalergüsse sind für viele Amerikaner der Ersatz für seriöse Nachrichtensendungen. In einer Umfrage wurde er sogar als die „vertrauensvollste Person im Nachrichtengeschäft“ bewertet.

Das Talk Radio Format gibt vor, dass es provokant und „edgy“ sein kann und nicht so ganz nah dran an den Tatsachen sein muß. Daran hält sich Rush Limbaugh Tag für Tag. Vor einigen Jahren wetterte der erklärte American Football Spezialist gegen Fußball. Limbaugh erklärte, Fußball führe zu erheblichen Kopfverletzungen bei Kindern, die anschließend „dumm wie Stroh“ seien. Frauenfußball ist für ihn eine Ausgeburt des liberal-feministischen Amerikas. Feministinnen bezeichnet er gerne als „Feminazis“. Sowieso hält er nicht viel von staatlich geförderter Gleichberechtigung, von Umweltschutz, von Sozialprogrammen. Die Todesstrafe sei nur dann „brutal, wenn sie in der letzten Minute verhindert wird“. Rush Limbaugh kann zu allem was sagen, zu allem seinen Kommentar dazugeben. Bei Millionen von täglichen Zuhörern, bewerten einige ihn sogar als den wahren Vorsitzenden der republikanischen Partei.

Kein Wunder, dass er Barack Obama von Anfang an bekämpfte, nein, er verhehlte seinen Hass gegen den Jungsenator aus Illinois zu keiner Zeit. Obama ist in Limbaughs Tiraden mal Sozialist, mal Nationalsozialist, dann wieder Marxist oder Islamist…man denke an Obamas Zweitnamen Hussein. Die Gesundheitsreform des Präsidenten ist laut Limbaugh direkt in Moskau geschrieben worden.

Und nun schießt sich der in vierter Ehe verheiratete Radiomann auf Papst Franziskus ein. Dessen jüngste Erklärungen seien „purer Marxismus“. Der Argentinier habe keine Ahnung von dem, was er da von sich gebe. Einer müsse es dem Oberkirchenmann ja sagen. Limbaugh vermutet, dass dem Papst dieses Sendschreiben von einflußreichen Kräften zugespielt wurde. Denn wie sonst könnte man sich ernsthaft gegen die Wohltaten des Kapitalismus wenden. Rush Limbaugh muß ja wissen, wovon er redet. 2008 unterschrieb er einen neuen, acht Jahre laufenden Vertrag für seine „syndicated“ Talkshow, der ihm 400 Millionen Dollar garantierte. Darauf kann man sich schon mal eine gute Zigarre anstecken.

Was fehlt ist der Mordaufruf

Die Rechte in den USA flippt aus. Barack Obama ist ein gutes Jahr im Amt, mit der Gesundheitsreform hat er endlich was vorzuweisen, nun kam der Abrüstungsbeschluss mit Russland. Darin wird festgelegt, dass beide Seiten ihre Nukleararsenale um 30 Prozent verringern. Etwas, was auch schon der von den Republikanern als Halbgott verehrte Ronald Reagan in den 80er Jahren anstrebte:

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Doch Obama wird die Forderung nach der Reduzierung der nuklearen Waffen als Schwäche ausgelegt, auch wenn das verbleibende Waffenarsenal die Welt um ein vielfaches zerstören könnte. 30 Prozent weniger, so die Quasselköpfe der rechten Talk Shows, machten Amerika zu einem Ziel von Terrorstaaten. Mit bewussten Falschmeldungen greifen konservative Medien, allen voran FOX News, den Präsidenten an. Sean Hannity beschimpft Barack Obama als „Sozialisten“. Der frühere Sprecher des  US Kongresses Newt Gingrich erklärt, Obama sei „der radikalste aller Präsidenten“. Der selbsternannte Moralapostel und heimliche Führer der Republikaner, Rush Limbaugh, predigt seiner Hörerschaft, Obama „fügt diesem grossartigem Land unsagbaren Schaden zu“. Die Hoffnungsträgerin der Grand Old Party, Sarah Palin, weiss ja eh immer alles besser. Jene Frau, die im Wahlkampf als Erfahrungen in der Aussenpolitik angab, von Alaska aus Russland sehen zu können, spricht dem Präsidenten schlichtweg seine Entscheidungsfähigkeit in Fragen der Nuklearabschreckung ab. Er habe die wohl als „Community Organzier“ gelernt. Die Tochter von Grummel-Grummel Dick Cheney, Liz Cheney, die derzeit hinter den Kulissen die republikanische Partei auf einen Rechtskurs bringen will, erklärte, Obama bringe Amerika auf einen „Weg des Verfalls“.

Getoppt wurden diese Äusserungen nur noch von den Hass-Predigern, den Talk Radio Moderatoren Mark Levin und Michael Savage. Der eine meinte in seiner Sendung, Barack Obama sei das „näheste an einem Diktator, was wir jemals hatten“. Der andere hetzte „Obama der Zerstörer“.

Das schlimme an allem ist, diese Leute erreichen über die Talk Sendungen im Fernsehen und Radio Millionen von Menschen. Die Situation in den USA ist aufgeheizt. Und die Moderatoren schüren mit ihren Falschmeldungen und ihren provokanten Sprüchen noch den Hass auf den ungeliebten demokratischen Präsidenten. Das einzige was fehlt ist die offene Aufforderung zum Abschuss.

Terrorlistenblödsinn

Schon beim Einchecken an amerikanischen Flughäfen wird jeder Name mit einer bestehenden „No-Fly Liste“ gegen gecheckt. Das ist eine Datei mit einer Unmenge an Passagiernamen, die in kein Flugzeug dürfen. Und wenn der Computer „bling bling“ macht, geht gar nichts mehr. So geschehen vor ein paar Jahren, als ich von einem befreundeten Korrespondenten angerufen wurde, ob ich nicht eine Notfallnummer beim Deutschen Generalkonsulat hätte. Dessen Kollegin durfte nämlich nicht mehr ausreisen. Sie war nun nicht nur eine Kollegin bei einem grossen deutschen Nachrichtenmagazin, sondern in der Vergangenheit auch Gründungsmitglied der RAF.

Nach ihrem Ausstieg und ihrer Haftzeit besuchte sie regelmässig problemlos San Francisco. Doch dann kam der 11. September 2001 und alles veränderte sich. Aus dringenden privaten Gründen musste sie nun wieder nach Kalifornien reisen, doch schon am Flughafen in Berlin gab es Probleme und der Flug wurde ihr verweigert. Ein bisschen hin und her hinter den Kulissen und sie durfte dann doch nach San Francisco fliegen. Zwei Wochen später war der Rückflug geplant, doch am SFO sagte man ihr, man könne sie nicht mitnehmen, denn ihr Name tauche auf der „No-Fly Liste“ auf. Offensichtlich hatte man sie einreisen lassen, doch dann wohl vergessen, ihren Namen auch von der Liste zu streichen.

Diese „No-Fly Liste“ ist eines der streng geheim gehaltenen Papiere in den USA. Keiner weiss, wer alles darauf steht. Keiner weiss, wie man darauf gelangen kann und keiner weiss, wie man seinen Namen wieder von der Liste bekommt. Und nein, dort sind nicht nur Terrorverdächtige aufgeführt, sondern auch Nonnen, die an Friedensdemonstrationen und -protesten teilnahmen und dafür verhaftet wurden und denen dann auch die Mitfliegerei verweigert wurde.

Doch wer glaubt, nur die USA hätten solche Namenslisten, der irrt. Das muss zur Zeit Michael Savage spüren, der in der letzten Woche auf die unerwünschte Besucherliste in England gesetzt wurde. Er würde „Hass“ und“ Aufruhr“ verbreiten, hiess es aus London. Doch Savage ist nicht einfach irgendjemand. Er ist ein Radiomoderator, der täglich auf rund 400 Stationen zu hören ist und rund 6-8 Millionen Hörer mit seiner Sendung erreicht. Ja, Michael Savage ist erzkonservativ, amerikanischer Patriot bis ins Mark, aufbrausend, wortgewaltig und klar in seinen Foderungen nach „Border, Language, Culture“. Aber eine Gefahr für die Öffentlichkeit? Na, das ist ein Witz. Auf alle Fälle, auch wenn man seine Wortergüsse nicht mag, hat er nichts auf dieser britischen Liste neben KKK-Mitgliedern, hasserfüllten Rassisten und Antisemiten zu suchen.

Seit rund einer Woche spricht er in seinen Sendungen nur noch über dieses Thema und auch andere Talk-Show Moderatoren eilen ihm zur Hilfe, denn sie könnten die nächsten sein. Auch welche, die ihm politisch gar nicht nahe stehen. Und nun fordert Michael Savage die amerikanische Aussenministerin Hillary Clinton auf, sich für ihn einzusetzen. Jene Hillary, die er seit Jahren brutalst und teils beleidigend von der Seite angegangen hat. Aber Talk Radio ist Entertainment….und das eigentlich immer auf Kosten anderer. Clinton hat noch nicht auf den Vorschlag Savages reagiert, aber durchaus vorstellbar wäre es, dass das State Department in London mal nachfragt, was das ganze soll. Denn es geht hier um „Freedom of Speech“, einem Grundrecht in der amerikanischen Gesellschaft. Savage labert vielleicht hin und wieder den totalen Stuss, aber eine öffentliche Gefahr für die Sicherheit Englands ist er wahrlich nicht.