Besser nicht arm sein und krank werden

Die Republikaner im US Senat haben heute ihre Fassung der Reform von der Gesundheitsreform, auch als Obamacare bekannt, vorgelegt. Weniges bleibt, vieles wird verändert oder ganz abgeschafft. Verpflichtend soll die Krankenversicherung nicht mehr sein, damit wird das Grundprinzip einer allgemeinen und für alle gültigen Krankenversicherung ausgehebelt. Amerika krankt und kränkelt sich in die Zukunft.

Ein Krankenhausaufenthalt wird bald nicht mehr für jeden in den USA bezahlbar sein. Foto: Reuters.

Was Donald Trump im Wahlkampf vorgeschlagen hat, wird somit weitgehend umgesetzt, so zumindest sieht es nach dem Entwurf des Abgeordnetenhauses auch in dem Vorschlag der konservativen Senatoren aus. Steuererleichterungen für Reiche, die bislang ACA, „Affordable Care Act“, mitfinanziert haben. Kein Geld mehr für „Planned Parenthood“, in denen u.a. auch Abtreibungen durchgeführt werden, doch die wurden selbst unter Obamacare nicht finanziert. Streichungen von Leistungen, von finanziellen Hilfen, aus muss wird kann im Gesetz und jeder weiß, was das am Ende für Patienten bedeuten wird. All das geht einigen in der „Grand Old Party“ noch nicht weit genug, darunter Ted Cruz und Rand Paul. Sie verlangen eine grundsätzliche Streichung des ACA, jeder Amerikaner und jede Amerikanerin ist danach für die Gesundheit verantwortlich. Nun müssen die Verhandlungen zwischen den republikanischen Flügeln laufen, damit der Senat die Gesetzesvorlage ans Weiße Haus schicken kann. Der Sprecher des Senats, der Republikaner Mitch McConnell, will bereits in der kommenden Woche darüber abstimmen lassen. Die Zeit läuft also aus.

Die Reform der Reform ist alles andere als ein Gewinn für Amerika. Obamacare wurde gleich nach derin Einführung von den Konservativen als „sozialistisch“ und „unamerikanisch“ abgestempelt, eben weil die Gesundheit aller als nationales Ziel erkannt und ausgewiesen wurde. Nun geht die Schere wieder auseinander und wird vor allem die treffen, die ohne oder in schlecht bezahlten Jobs sind, die auf Trump und sein „America First“ bauten. „America First“ also für nur wenige in den USA. Alle sind gleich, nur manche sind gleicher. Wer Geld hat, wird sich auch weiterhin eine Krankenversicherung leisten können. Wer kein Geld hat, muss ganz ohne auskommen, hoffen, dass ihm oder ihr und seiner und ihrer Familie nichts passiert. Oder man wird eine reine Notfallversicherung abschließen, die auch nur einen Teil der anfallenden Kosten übernimmt. Jeder Arztbesuch, jedes Medikament, jede Behandlung muss dann erst einmal selbst bezahlt werden. Denn auch die finanzielle Unterstützung durch den Staat für das Gesundheitssystem Medicaid, mit dem sozial Schwächere, Kinder, Behinderte und Senioren unterstützt werden, soll auf Wunsch der Republikaner zurück gefahren werden.

Die Aktienkurse der Versicherungsunternehmen werden nun steigen, denn in Zukunft muss weniger bezahlt werden. Die Aktionäre wird es freuen. Die Reichen, wie die Trump Familie, jubeln, denn für sie entfällt auch jene Steuer, mit der Obamacare mitfinanziert wurde. Ein Trump im Weißen Haus lohnt sich also. Unterm Strich kommt – zumindest für ein paar Amerikaner – einiges mehr heraus.

Donald Trump, der König der „Fake News“

Donald Trump ist „pissed“, so sagt man hier, wenn jemand ziemlich sauer ist über das was er über sich selbst liest und hört. Trump hat allen Grund dafür, denn ein Geheimbericht macht die Runde, in dem es heißt, die Russen hätten Trump mit hochpeinlichen persönlichen Videos unter Druck gesetzt und somit in der Hand. Der „President elect“ reagiert wutschnaubend, „alles Lüge“, „nicht nachweisbar“, außerdem würde er sowas nie machen, meint er.

Doch Donald Trump selbst war und ist der König der Verschwörungstheorien, der „Fake News“, der Beschuldigungen ohne jeglichen Grund und Boden. Ein paar der markantesten Beispiele führe ich hier auf:

Donald Trump steckte hinter der sogenannten „Birther“-Szene, jenen Verschwörungstheoretikern, die Barack Obama vorwarfen nicht in den USA geboren zu sein. Beweise hatte er keine!

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Donald Trump erklärte, der Vater seines innerparteilichen Kontrahenten Ted Cruz, sei mit dem Kennedy Mörder, Lee Harvey Oswald, gesehen worden, das zumindest würden ihm Vertraute erzählen. Rafael Cruz, in Kuba geboren, sei demnach wohl in das Attentat auf JFK verwickelt gewesen, so Trump, der damit eine riesige kubanische Verschwörungstheorie aufbaute. Beweise hatte er keine!

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Donald Trump meinte, ganz im Trump Stil, er sage ja nichts, aber andere reden darüber, dass Hillary Clinton in den Tod des einstigen Mitarbeiters Vince Foster verwickelt gewesen sei. Hillary also auch noch eine Mörderin? Beweise hatte er keine!

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Donald Trump nahm es bislang nie so genau mit dem, was er verbreitete. Klar, Trump würde nie zugeben, dass das „Fake News“ seien, denn er habe es ja nur gehört, andere reden darüber. Aber Trump ist der König dieser Meldungen, er bringt es so überzeugend rüber, dass viele seiner Anhänger den Schmarrn glauben, den er da vom Stapel läßt. Das ist wohl nicht ganz so präsidial.

 

 

Der Cowboy ohne Rückgrat

Ted Cruz präsentierte sich im Wahlkampf als Erzkonservativer. Anfangs kam er noch gut mit Donald Trump aus. Die beiden waren höflich zueinander, lobten sich gegenseitig, ergänzten sich auf der Vorwahlkampfbühne. Doch damit war Schluß, als Donald Trump direkt Ted Cruz angriff. So, wie er es zuvor bei anderen Kandidaten gemacht hatte, darunter Jeb Bush und Marco Rubio. Trump verbreitete Hohn, Spott und Lügen über Ted Cruz. Er fragte, ob dieser überhaupt Amerikaner sei, denn Cruz wurde in Calgary, Kanada, geboren. Dessen Vater, kubanischer Einwanderer, sei in das Attentat von John F. Kennendy verwickelt gewesen. Typisch Trump sagte er, „die Leute reden, ich weiß das nicht, aber die Leute reden“. Das saß, damit waren die Bandagen abgelegt, es kam zu einem offenen Schlagabtausch zwischen dem texanischen Senator und dem New Yorker Milliardär. Letzterer hielt sich nicht zurück und griff auch die Ehefrau von Cruz an. Trump kannte und kennt kein Erbarmen im Wahlkampf.

Ted Cruz schwört Donald Trump die Treue. Foto: Reuters.

Ted Cruz schwört Donald Trump die Treue. Foto: Reuters.

Ted Cruz brandmarkte Trump als „pathologischen Lügner“, als „Scheinkonservativen“, als „charakterlos“. Doch all die Lügen, die verbalen Tiefschläge, die Kraftausdrücke und Beleidigungen des Donald schienen die republikanischen Wähler nicht zu stören. Trump wurde auf dem Parteitag der „Grand Old Party“ als ihr Kandidat gewählt. Doch Ted Cruz verweigerte sich auf diesem Jubelfest einer direkten Unterstützung des selbstverliebten Trump. Der blaffte zurück, das sei ihm egal, er wolle und brauche die Unterstützung des Texaners gar nicht. Ted Cruz hingegen spaltete mit seiner Entscheidung die Partei. Einige meinten, der Vorwahlkampf sei vorbei, nun müsse man Gräben zuschütten und gemeinsam nach vorne blicken. Andere hingegen, darunter namhafte Politiker und Talk-Show Moderatoren, priesen den Senator für seine Standhaftigkeit. Immerhin habe sich Donald Trump nie für seine Verbalattacken gegen Cruz und dessen Familie entschuldigt.

Und nun ist Ted Cruz eingeknickt. Er unterstütze jetzt doch Donald Trumps Kandidatur fürs Weiße Haus und hoffe, der New Yorker werde im Januar ins Weiße Haus einziehen können. Dieser Entschluß scheint nicht aus Überzeugung zu kommen, eher aus politischem Kalkül, denn Cruz muß sich in zwei Jahren einer Wiederwahl als Senator stellen und in den letzten Wochen pfiff ihm der Gegenwind um die Ohren. Von Wählern aus Texas, von politischen Wegbegleitern, doch vor allem von wichtigen Geldgebern, die er für eine erfolgreiche Kandidatur und Wiederwahl braucht. Cruz knickt ein, zeigt damit, dass er überhaupt kein Rückgrat hat und sich von Donald Trump vorführen, beleidigen und erniedrigen lässt. Und das ohne Konsequenzen. „Goodbye Ted“, Du hast es nicht besser verdient.

America will be great again…really?

Er ist nicht mehr zu stoppen. Zumindest nicht bis zum Wahltag im November. Foto: Reuters.

Er ist nicht mehr zu stoppen. Zumindest nicht bis zum Wahltag im November. Foto: Reuters.

Erst Ted Cruz am Wahlabend, nun auch John Kasich am Tag danach. Donald Trump ist der letzte im Rennen um die Nominierung der Republikaner. Sein Sieg in Indiana untermauerte noch einmal, dass ohne ihn in der republikanischen Partei nichts mehr geht. Zumindest bis zum Wahltag im November. Denn das hausgemachte Problem namens Trump spaltet nicht nur die Partei, sondern stellt sie auch vor eine ungewisse Zukunft. Mit dem grandiosen Sieg des New Yorker Milliardärs ist er damit auch zum quasi Sprecher und Vorsitzenden geworden. Sein Wort zählt, die Kritiker werden zum Stillschweigen verdonnert.

Trump hat viele in den eigenen Parteireihen und darüberhinaus auf dem Weg zu seiner Nominierung verprellt. Zahlreiche Republikaner haben bereits angekündigt ihn nicht zu behindern oder innerparteilich zu bekämpfen, aber ihn eben auch nicht im Wahlkampf zu unterstützen. Wichtige Geldgeber, wie die Koch-Brothers, hatten auch schon angedeutet, dem Donald keine Schecks zu schreiben. Und das heißt viel, denn das rote Tuch der Koch-Brothers und vieler andere war, ist und bleibt Hillary Clinton.

Viele in der republikanischen Partei gehen davon aus und hoffen innerlich, dass Hillary Clinton die Wahl im November gewinnen wird. Trump wäre dann von einem Tag auf den anderen eine Nullnummer, abgeschrieben, vergessen. Vier Jahre Hillary sollten genügen, um die eigene Partei wieder zu stärken, zu einen, aufzubauen, so der Plan B. Und schon jetzt geht das Gerangel im Hintergrund los. Marco Rubio und auch Ted Cruz, beide Mitte 40, werden als Hoffnungsträger ihrer Partei gesehen. Sie hätten Zeit, ihre neuen Versuch auf das Präsidentenamt vorzubereiten. Ganz strategisch, akribisch, durchdacht, genau so, wie das auch die verhasste Hillary Clinton getan hat. Der Wahlkampf 2016 ist noch lange nicht vorbei, da werden schon jetzt die ersten Gehversuche für 2020 unternommen.

Niemand mag Ted Cruz

Der eine beschreibt ihn als „leibhaftigen Luzifer“ (John Boehner), die andere als unappetitliche „Leber mit Zwiebeln“ (Ana Navarro). Das übertrifft sogar noch die Schmährufe von Donald Trump, der Ted Cruz nur als „Lying Ted“ betitelt. Und Trump scheint wohl richtig zu liegen, denn die großspurige Allianz zwischen Cruz und Kasich, um den New Yorker Milliardär noch zu stoppen, scheint null und nichtig zu sein.

Kann dieses Gesicht lügen? Foto: Reuters.

Kann dieses Gesicht lügen? Foto: Reuters.

Vor ein paar Tagen hieß es noch, die beiden Kandidaten hätten sich darauf geeinigt, dass Ted Cruz sich auf Indiana konzentriert, John Kasich auf Oregon und New Mexico. Beide wollten sich dabei nicht in die Quere kommen, um so die Wählerstimmen bündeln zu können. Kasich zog sich daraufhin aus Indiana zurück. Doch am Donnerstagmorgen erklärte Cruz gegenüber überraschten Reportern: „Es gibt keine Allianz“. Nur wenige Minuten später kam die Antwort des Kasich-Lagers per Twitter: „Ich kann Lügner nicht ausstehen“. Lachender Dritter ist Donald Trump, der nur sagt: „I told you so“.

Auch die Strategie von Ted Cruz mit Carly Fiorina bereits eine Vize-Präsidentschaftskandidatin zu präsentieren war ein Schuß in den Ofen. Die Kommentatoren und Late-Night-Comedy Shows hatten einen wahren „Field Day“. Sie machten sich über Cruz lustig, dass der, obwohl er eigentlich keine Chance hat Kandidat seiner Partei zu werden, eine Stellvertreterin präsentiert. Und das mit den Worten, dass Fiorina für den Job als „Commander in Chief“ mehr als geeignet wäre, wenn ihm etwas im Weißen Haus passierte. Eine Steilvorlage für bitteren Humor. Und selbst erzkonservative Kommentatoren und Aktivisten, wie Ann Coulter, twitterten, sie warte nur darauf, dass Cruz nun auch noch seinen Kandidaten fürs Innen- und Verteidigungsministerium vorstellt.

Ted Cruz‘ Zeit läuft ab. Am Dienstag wird in Indiana gewählt, in dieser Wahl muß er liefern. Doch in den Umfragen sieht alles nach einer weiteren Niederlage für ihn und nach einem weiteren Sieg für Donald Trump aus. Wenn das eintrifft, dann war es das für den Texaner. Und mal ehrlich, darüber wird kaum jemand im Land so richtig traurig sein.

 

Gratulation, Madame President!

The 45th president of the United States of America - Hillary Clinton. Foto: AFP

The 45th president of the United States of America. Foto: AFP

Hillary Clinton ist durch. Sie wird die erste Präsidentin der USA werden, falls sie sich nicht noch den totalen Fehltritt im Wahlkampf erlaubt. Nach 44 Männern kommt mit der Nummer 45 endlich eine Frau ins Weiße Haus. Das ist wohl das Ergebnis des heutigen Wahlabends. Denn mal ehrlich, Donald Trump wird nicht die volle Unterstützung seiner Partei bekommen. Und ein Ted Cruz gewinnt keine „Swing-States“, das hat er heute Abend erneut in Pennsylvania gezeigt. Mehr als eine Klatsche war für ihn nicht drin.

Bei den Demokraten selbst hat Bernie Sanders zwar einen hervorragenden Wahlkampf geführt, Hillary Clinton politisch weit nach links gezogen, doch eine Chance gegen die Über-Demokratin und Kandidatin des Partei-Establishments hatte er nie. Und sehen wir mal die Dinge, wie sie wirklich sind, die Vorwahlen der beiden großen Parteien sind eine einzige Farce. Sie sind undemokratisch, undurchschaubar und, ja, unamerikanisch.

Welche Rolle Iowa und New Hampshire in jedem Wahlkampf spielen ist schlichtweg verrückt. Diese Kleinststaaten mit ihren paar Stimmchen haben ein Übergewicht im Wahlkampf, das mehr als unangemessen ist. Dann die Superdelegierten der Parteien, die frei entscheiden, für wen sie stimmen können. Hillary Clinton hat nur deshalb eine so deutliche Führung gegen Bernie Sanders, weil viele dieser gehorsamen Parteisoldaten für Clinton stimmen wollen. Demokratisch ist was anderes.

Bei den Republikanern sieht es nicht viel anders aus, wenn ein Kandidat wie John Kasich, der bislang gerade mal 153 Delegiertenstimmen und einen einzigen, seinen Bundesstaat, gewonnen hat, sich noch ersthafte Chancen ausrechnen darf, dem Frontrunner Donald Trump durch Schiebereien auf dem Parteitag die Krone zu entreißen. Ich bin wahrlich kein Trump-Fan, aber Ergebnisse von Wahlen sollten anerkannt werden.

Die Sieger am Dienstagabend sind also Donald Trump und Hillary Clinton. Alle anderen im Rennen und auch die amerikanische Öffentlichkeit sollte sich damit nun abfinden. Was nun vor uns liegt in den kommenden sechs Monaten, wird der wohl brutalste, schmierigste und fieseste Wahlkampf aller Zeiten werden.

Die Allianz, die zu spät kommt

Ted Cruz und John Kasich meinen ernsthaft, sie haben noch eine Chance Donald Trump zu stoppen. Mit ihrer Allianz in den letzten Vorwahlen soll der Milliardär ins Stolpern geraten, um so nicht noch über die notwendige 1237 Delegiertenstimmenhürde zu kommen. Dann, so die Hoffnung, entscheidet sich alles auf dem Parteitag in Cleveland.

Donald Trump verbindet die Kontrahenten Cruz und Kasich. Foto: Reuters

Donald Trump verbindet die Kontrahenten Cruz und Kasich. Foto: Reuters

Die Blutsbrüderschaft zwischen Kasich und Cruz sieht vor, dass der Gouverneur von Ohio freies Feld in New Mexico und Oregon bekommt, dem texanischen Gouverneur hingegen wird freie Fahrt in Indiana ermöglicht. Damit sollen die Wahlstimmen gebündelt und zumindest ein paar Schlachten gegen Trump gewonnen werden. Der Krieg scheint nämlich schon längst verloren zu sein.

Donald Trump, das wird langsam einigen in der Grand Old Party bewußt, wird wohl der Kandidat der Partei werden. Ob man das nun will oder nicht. Trump spaltet die Reihen, eine gemeinsame Linie wird es nicht geben. Und die Partei wird nach diesem Wahlkampf nicht mehr die selbe sein. Schon jetzt muss man bei den Republikanern in einer Zeitrechnung vor und nach Donald Trump denken.

Die Allianz zwischen Ted Cruz und John Kasich ist ein letzter Versuch, nach außen die Dinge nochmal gerade zu rücken. Doch was die beiden übersehen ist, dass Trump eigentlich nur das offenlegt, was schon seit langem unter der Oberfläche brodelt.Die Republikaner sind tief gespalten, man denke nur an die lautstarke Tea-Party-Fraktion. Von einer Einheit ist man weit entfernt. Die Parteibasis ist frustriert mit der Parteiführung und ihren Repräsentanten im Kongress und Senat. Donald Trump ist eigentlich nur die lang angekündigte Antwort auf den Chaosverein, zu dem die Republikaner in den letzten Jahren geworden sind.

Die unwählbare Hillary wird gewinnen

Hillary Clinton ist eigentlich unwählbar. In jedem anderen Wahlkampf hätte sie keine Chance. Noch Anfang letzten Jahres war ich fest davon überzeugt, dass die einstige First Lady nicht kandidieren wird. Sie hatte zu viel „baggage“, politische Leichen im Keller. Doch dann verkündete sie ihre Kandidatur und ich dachte, „boah, Hillary hat echt ein großes Ego“. Dass sie sich in der eigenen Partei durchsetzen würde war klar, aber in einem Wahlgang gegen einen republikanischen Kandidaten sah ich für sie ein Waterloo heraufziehen.

Die Schwäche der anderen ist Hillarys Stärke. Foto: Reuters.

Die Schwäche der anderen ist Hillarys Stärke. Foto: Reuters.

Damals dachte ich an einen Gegenkandidaten wie Scott Walker oder Jeb Bush oder Chris Christie. Damals….doch das ist lange her. Alles kam anders, mit Donald Trump wurde alles anders. Solch einen Wahlkampf hat Amerika noch nicht gesehen. Das republikanische Schlachtfeld wurde zum abendlichen Unterhaltungsprogramm, Opfer links und rechts. Walker, Perry, Bush, Christie, Carson, ein Name nach dem anderen mußte von der Liste der potentiellen Hillary-Drachentöter gestrichen werden.

Im Rennen um die GOP-Krone blickt man nun auf Donald Trump und Ted Cruz. Zwei Kandidaten, die Amerika weder will noch gebrauchen kann. Trump der Egomae, Cruz der Radikalkonservative. Schlimmer könnte es nicht kommen. Egal wer sich von ihnen in den eigenen Parteireihen durchsetzen wird, gegen die Über-Demokratin Hillary Clinton haben sie keine Chance. Doch genau einer der beiden wird Hillary Clinton zurück ins Weiße Haus bringen, egal ob die in den Wählerumfragen nicht überzeugen kann oder bei den Republikanern wie das berühmte rote Tuch ist. Ihre Stärke ist die Schwäche der anderen. Damit liegen schon jetzt schwierige Jahre vor Amerika.

Ted Cruz und die New Yorker Werte

Ted Cruz hat nun ein Problem. Monatelang hat er gegen Donald Trump gewettert, ihn beschimpft, ihn niedergemacht, immer und immer wieder ihn als den Kandidaten abgetan, der für die „New York Values“ stehe. Also für Liberalismus, für Abrtreibung, Homo-Ehe, Multikulti, demokratischen Sozialismus. Doch seine Worte beißen Ted Cruz nun in seinen eigenen Allerwertesten. Denn der Wahlkampf kommt nun nach New York, einem der bevölkerungsreichsten Bundesstaaten in den USA. Und das bedeutet, hier gibt es viele Delegiertenstimmen zu gewinnen, die Cruz unbedingt braucht, um den aus New York kommenden Milliardär zu schlagen.

Donald Trump und auch John Kasich haben die Worte von Cruz aber nicht vergessen. Trump erinnerte sein Publikum auf einer Wahlkampfveranstaltung in Queens daran, dass der Texaner so gar nicht gut auf New York und seine Menschen zu sprechen ist. Und auch John Kasich buhlt im „Empire State“ um Wählerstimmen mit einem Werbespot, in dem die Freiheitsstatue und das World Trade Center gezeigt werden und spielt dabei auch die abschätzigen Kommentare von Ted Cruz ein.

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Ted Cruz wollte am Freitag ungestört in New York City Wahlkampf betreiben, doch daraus wurde nichts. Demonstranten warteten schon auf ihn, erkärten, er habe nichts in dieser Stadt zu suchen. Auf seine Anti-NYC-Worte angesprochen, meinte Cruz, er stehe nach wie vor dazu. Trump stehe für Werte, die nichts mit der konservativen Bewegung in der republikanischen Partei zu tun haben. Kein bißchen bereue er seine Aussagen. „Wenn man wissen will, was liberale Werte der Demokraten sind, dann muß man nur dem Scheckbuch von Donald Trump folgen“, erklärte der von sich überzeugte Texaner in Anspielung auf die Spenden Trumps. Cruz macht also weiter in New York, weiter mit seinen Verbalangriffen gegen den führenden Donald. Vor allem bei orthodoxen Juden und fundamentalistischen Krichengruppen will er Stimmen gewinnen.

Der Wahlkampf in New York City wird zum „Ultimate Fighting“-Ring der Republikaner. Donald Trump mit einem Heimvorteil, John Kasich als quasi ebenfalls attackierter Nachbar und ein Ted Cruz, der im Big Apple kaum punkten und vielmehr so richtig einen auf die Mütze bekommen wird. Von der Seitenlinie betrachtet, kann man da nur sagen, der amerikanische Wahlkampf bleibt unterhaltsam spannend!

Es bleibt spannend

Ted Cruz schlägt Donald Trump, Bernie Sanders gewinnt gegen Hillary Clinton. Wisconsin macht die Rennen um die Nominierungen der Republikaner und Demokraten wieder spannend. Trumps Niederlage kann er sich größtenteils selbst zuschreiben, doch da ist auch eine Partei, die ihn nicht haben will. Das wurde in Wisconsin ganz deutlich, wo Gouverneur Scott Walker, selbst anfangs der Hoffnungsträger im Präsidentschaftswahlkampf, sich hinter Ted Cruz positionierte und diesen massiv unterstützte. Hinzu kamen viele konservative Talk-Show-Moderatoren, die auch offen gegen Trump und für Cruz Stellung bezogen. Ted Cruz bezeichnete am Dienstagabend seinen Sieg als einen Wendepunkt im Wahlkampf, als Anfang vom Ende des Trump-Kaptitels. Soweit ist es noch nicht, gerade auch, weil man davon ausgehen kann, dass Ted Cruz in zwei Wochen eine krachende Niederlage in New York erleben wird. Mit den „New York Values“ hat es Cruz nicht so sehr. Darauf baut Donald Trump, der nun auf seinen Heimatstaat und Kalifornien setzt. Zwei der noch wichtigen offenen und an Delegierten reichen Staaten.

Bernie Sanders will es noch schaffen. Foto: Reuters.

Bernie Sanders will es noch schaffen. Foto: Reuters.

Bei den Demokraten konnte sich in Wisconsin Bernie Sanders mit seinem Ruf nach einer „politischen Revolution“ durchsetzen und verpasste Hillary Clinton eine deutliche Schlappe. Sanders ist obenauf, sechs der letzten sieben Wahlgänge konnte er für sich entscheiden und damit deutlich machen, dass er noch lange nicht am Ende ist. Nun blickt man auch bei den Demokraten auf den großen Delegiertenkuchen in New York. Hillary will dort endlich dem Bernie-Spuk ein Ende setzen. Zu lange schon dauert dieses Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den beiden. Es zehrt an Clinton, die zwar mithilfe der Superdelegierten weit vor Sanders liegt, aber ohne die Stimmen der gesetzten Parteimitglieder ist der Vorstand deutlich geschrumpft. Auch konnte Hillary Clinton bislang nicht die vielen jungen Wähler von Bernie Sanders für sich gewinnen. Doch auf New York und Kalifornien baut auch Bernie Sanders, der mit seinem engagierten Wahlkampf gerade in den Uni-Städten und liberalen Hochburgen im Land ankommt.

In beiden Rennen bleibt es nach Wisconsin also spannend. In beiden Lagern beginnt die Rechnerei. Bei den Republikanern wird es wohl bis zum Parteikonvent keinen klaren Sieger geben, keinen, der die notwendige Mehrheit der Delegiertenstimmen auf sich vereinen kann. Bei den Demokraten sieht es trotz des jüngsten Durchmarsches von Bernie Sanders nach einem Wahlsieg von Hillary Clinton aus. Doch Hillary, das wird immer deutlicher, wird angeschlagen aus dem Vorwahlkampf kommen, denn viele in der eigenen Partei sehen sie nicht als die ideale Kandidatin der Demokraten. Was die Partei dann nur einige könnte, wäre der Gegner, sei es ein Egomane wie Donald Trump oder ein Erzkonservativer wie Ted Cruz.