Der Donald ist los

In der Grand Old Party, der Partei von Lincoln und Reagan, wird man sichtlich nervös. Vieles sieht danach aus, dass Donald Trump der offizielle Kandidat der Republikaner wird. Eigentlich sollte man sich in den Reihen der GOP freuen, Trump hält Wahlkampfauftritte vor tausenden begeisterter „Fans“ ab, bringt Unmengen an neuen Wählern in die Partei, zieht viele erklärte „Independent“ Wähler an, die Fernsehdebatten und -auftritte von Trump bringen Spitzeneinschaltquoten. Alles paletti, oder was?

Nichts ist gut in den Reihen der Republikaner. Hier die Aussicht, endlich und für alle Zeiten die verhasste Hillary Clinton los zu werden. Doch dann ist da der Kandidat Donald Trump, den man sich in den kühnsten Träumen nicht auf dem Chefsessel im Oval Office vorstellen möchte. Für viele Republikaner hat sich diese Wahl zu einem Alptraum entwickelt. All die Kandidaten, auf die man hoffte und setzte, sind aus dem Rennen ausgeschieden. Scott Walker, Rick Perry, Chris Christie, Jeb Bush. Weg. Geblieben sind Ted Cruz und Donald Trump, die Wahl zwischen Pest und Cholera, wie es ein konservativer Kommentator umschrieb.

Donald Trump twitterte dieses Bild an seinen Kontrahenten Ted Cruz.

Donald Trump twitterte dieses Bild an seinen Kontrahenten Ted Cruz.

Doch nicht nur das, Donald Trump verprellt wichtige Wählergruppen. Latinos, Muslime, Homosexuelle, Behinderte und nun auch wieder und verstärkt Frauen. In dieser Woche tauschten Cruz und Trump Seitenhiebe auf die Frauen der beiden Kandidaten aus. Der Höhepunkt war ein Tweet von Trump, in dem er die beiden „First Ladies“ präsentierte. Heidi Cruz kam da erwartungsgemäß nicht gut weg.

In den republikanischen Reihen schlägt man nur noch die Hände über den Kopf. Was hat der Donald nun wieder gemacht? Aber diesmal hat nicht Trump zuerst losgeschlagen, sondern eine politische Gruppe, die sich zum Ziel gesetzt hat, Trump noch im Schlußsprint zu stoppen. Diese SuperPAC hatte ein Bild von Melania Trump aus ihren Modellzeiten veröffentlicht, darauf die langbeinige Schönheit sehr leicht bekleidet und darunter: „Melania Trump. Ihre nächste First Lady. Oder Sie können am Dienstag Ted Cruz unterstützen.“

Trump reagierte, wie man es erwartete und holte zum Tiefschlag aus. Und der saß. Ted Cruz meinte, er habe mit dem getwitterten Bild von Melania Trump nichts zu tun. Glauben kann man das nicht, denn Cruz hat sicherlich in seinem Wahlkampf alle Zügel in der Hand. So eskaliert derzeit erneut die Debatte. Nutznießerin könnte am Ende Hillary Clinton sein, die erste Präsidentschaftskandidatin in den USA. Auch wenn sie nicht direkt von republikanischen Wählerinnen unterstützt werden wird, doch eine Stimmabgabe für Trump werden die Republikanerinnen auch nicht einfach so machen. Wie war das noch mit der Wahl zwischen Pest und Cholera?

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht…

Es geht voran. In drei weiteren Bundesstaaten wurde am Dienstagabend gewählt. Arizona fiel an Hillary Clinton und Donald Trump. Utah an Bernie Sanders und Ted Cruz. Und in Idaho lag am Ende auch Bernie Sanders vorne. Die republikanischen Wähler waren dort noch nicht zur Stimmabgabe dran.

Die Wahl zwischen Ted Cruz und Donald Trump kommt einer Wahl zwischen Erschießen und Erhängen gleich, so bezeichnen es zahlreiche Republikaner. Foto: Reuters.

Die Wahl zwischen Ted Cruz und Donald Trump kommt einer Wahl zwischen Erschießen und Erhängen gleich, so bezeichnen es zahlreiche Republikaner. Foto: Reuters.

Der Ausgang der Wahlen war so erwartet worden. Keine Überraschungen. Auch die Klatsche von Trump in Utah war vorhersehbar. Im Mormonenstaat kam die große Klappe des Donald nicht an. Ted Cruz siegte dort, vor allem auch mit seiner Message nach religiöser, sprich christlicher Toleranz. Was jedoch unangenehm auffiel, waren die langen Schlangen für die Wähler. Zum Teil warteten sie bis zu fünf Stunden, um ihre Stimme abzugeben. Gerade Arizona fiel unangenehm auf. Zuvor hatte die republikanische Gouverneurin und Trump Unterstützerin, Jan Brewer, angeordnet, die Anzahl der Wahllokale drastisch zu verringern. Das ist auch eine klare (un)demokratische Ansage.

Unterdessen hat sich der einstige Hoffnungsträger der Partei, Jeb Bush, auf die Seite von Ted Cruz geschlagen. Nur Cruz könne noch die „Obszönität“ eines Donald Trump stoppen, so Bush. Die Unterstützung des ehemaligen Gouverneurs von Florida kommt genau im richtigen Moment für Cruz, den viele in der eigenen Partei ablehnen. Bush zeigt damit, dass es nur noch einen Weg gibt, um den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump zu stoppen: Die Reihen müssten sich hinter Cruz formieren. So hatte auch schon Mitt Romney argumentiert, der anfangs John Kasich und in Utah dann Ted Cruz unterstützte.

Die Frage bleibt jedoch, ob Cruz wirklich eine Mehrheit im republikanischen Lager bekommen kann. Er gilt als Querulant, als Fundamentalist, als Radikaler, als von der Tea-Party Fraktion unterstützter Kandidat. Sprüche, wie die jüngste Forderung Cruz‘ nach den Anschlägen in Brüssel, „muslimische Nachbarschaften (in US Städten) zu patroullieren und zu kontrollieren“ sind selbst in der Grand Old Party nicht mehrheitsfähig. Von daher kann die Unterstützung von Jeb Bush für den texanischen Senator auch als Griff nach dem letzten Strohhalm vor dem Untergang der GOP gewertet werden. Denn noch als Kandidat hatte Jeb Bush die Forderung Trumps nach einer Registrierung alles Muslime im Land als „abscheulich“ bezeichnet.

 

Obama ist mal wieder an allem schuld

Präsident Obama in Havanna. Foto Reuters.

Präsident Obama in Havanna. Foto Reuters.

Havanna, Brüssel, Obama. In Kuba der Schulterschluss mit den Kommunisten, in Brüssel die Attentate der Terroristen und an allem ist Barack Obama schuld. So zumindest die einhellige Meinung der republikanischen Präsidentschaftsanwärter. Na immerhin sind sie sich in einem einig. Donald Trump twittert, Raul Castro hätte keinen Respekt vor Obama, die Terroranschläge in Brüssel gingen auch auf Baracks Mütze, denn der amerikanische Präsident überzeuge nur durch eine lasche Haltung gegenüber radikalen Islamisten. Ted Cruz meinte, der Besuch sei ein Schlag ins Gesicht für alle Exil-Kubaner, die vor der Diktatur auf der Karibikinsel geflohen seien. Und John Kasich erklärte, er als Präsident hätte sofort seine Reise unterbrochen, um aus dem Oval Office die europäischen Partner und Freunde anzurufen.

Präsident Bush in Peking.

Präsident Bush in Peking.

Obama macht irgendwie alles falsch. Selbst ein Foto von ihm in Havanna vor einem Wandbild von Che Guevara sorgt für Aufregung. Konservative erbosten sich über den Präsidenten, der sich vor diesem Bildnis ablichten ließe, er stehe stramm, meinten einige auf twitter. Verschwiegen wird dabei gerne, dass auch republikanische Präsidenten gerne zum politischen Feind reisten und sich dabei vor Wandgemälden fotografieren ließen.

Egal, wie sich Obama dreht und wendet, was er sagt und nicht sagt, es wird ihm falsch ausgelegt. Im letzten Jahr seiner Amtszeit, in den Hochzeiten des Wahlkampfes wird jedoch deutlich, für was Obama wirklich steht; für die Diplomatie der Worte. Er sucht lieber den Dialog, als gleich locker und ohne was zu sagen aus der Hüfte zu schießen. Trump und Cruz umschreiben ihre Ideen für die amerikanische Außenpolitik gerne mit militärischen Mitteln. Flächenbombardements seien eine eindeutige Sprache, so Trump und Cruz. International ausgehandelte Verträge und Abkommen seien das Papier nicht wert, auf dem sie stehen. Von daher würde in einer Trump- oder Cruz-Administration so einiges am ersten Tag in den Schredder wandern.

In den letzten Monaten von Barack Obama als Präsident der USA wird einem bewußt, dass diese Amtszeit gar nicht mal so schlecht war, wie sie oftmals dargestellt wird. Und man erkennt in dem Gekreische der republikanischen Kandidaten, was Obama hätte erreichen können, wenn er die politische Unterstützung in Washington gehabt hätte. „Hope“ und „Change“ wären durchaus möglich gewesen, zumindest ein klein bißchen. Doch das „Yes, we can“ wurde dann doch nur zu einem „Yes, we could have“.

Ich lebe auf der Insel

Seit nun fast einem Jahr tobt der amerikanische Wahlkampf. Er ist laut, brutal, fies, dreckig und dennoch so unterhaltsam. So etwas hat selbst Amerika noch nicht gesehen. Jegliche Wahlkampfplanung steht Kopf. Das liegt sicherlich an Donald Trump, der republikanische Fernsehdebatten zu Live-Events gemacht hat. Politische Diskussionen erreichen derzeit höhere Einschaltquoten als Sportveranstaltungen. Die Networks lieben den Donald, bieten ihm bereitwillig eine Plattform. Trump bekommt die Sendezeit, die er will, ohne dafür auch nur einen Cent auszugeben. Belohnt werden die Nachrichtenkanäle mit deutlichen Worten, verbalen Tiefschlägen, Schockforderungen und am Ende steht: „We will make America great again“. Was soll man da noch zu sagen?

Die republikanischen Kandidaten bekriegen sich im Vorabendprogramm. In unbedeutenden Kleinststaaten, wie Iowa und New Hampshire, sind wichtige Entscheidungen getroffen worden, ernstzunehmende Kandidaten mit konservativen Visionen und Programmen schieden nach den dortigen Vorwahlen aus. Und das, obwohl nur ein paar tausend Wähler überhaupt ihre Stimme abgaben.

Wir hier in Kalifornien bekommen am Ende meist nur noch das Recht eingeräumt, den auserwählten Kandidaten abzunicken. Erst im Juni in einer der letzten Vorwahlen wird im bevölkerungsreichsten Bundesstaat gewählt. Doch dann steht meist schon eine Entscheidung auf einen Kandidaten fest. Ein Scott Walker, ein Rick Perry, ein Chris Christie, ein Jeb Bush und zahlreiche andere sind dann schon lange nicht mehr auf den Wahlzetteln zu finden. Eigentlich wären die Vorwahlen bis zum Urnengang im Juni gelaufen, doch auch das scheint diesmal anders zu sein. Bei den Republikanern droht ein Fiasko, denn keiner der Kandidaten, auch selbst ein Donald Trump nicht, werden die notwendigen Delegiertenstimmen bis zum Parteikonvent im Juli erhalten. 1237 Stimmen müssen es sein. Trump wird wohl die Mehrheit der Stimmen bekommen, aber eben nicht die Marke überspringen, um so die Nominierung abzusichern. Was droht, ist ein Parteitag, auf dem sich offen gefetzt wird. Die Fernsehnation wird live dabei sein.

Bernie Sanders Schilder im Vorgarten.

Bernie Sanders Schilder im Vorgarten.

Diese Aussicht macht Kalifornien für die Kandidaten interessant, denn hier werden 172 Delegiertenstimmen vergeben. Das wäre kurz vor dem Parteitag noch ein deutliches Signal an das Establishment der Partei, keine Hinterzimmerdeals zu schließen und einen Drittkandidaten zu nominieren.

Bei den Demokraten sieht ebenfalls alles nach einem langen Wahlkampf aus. Bernie Sanders will im Rennen bleiben, seine „Message“ bis zum Parteitag nach Philadelphia tragen. Und hier in Kalifornien kann der Senator aus Vermont noch einmal so richtig punkten. In der San Francisco Bay Area trifft Sanders auf große Unterstützung. An vielen Autos sieht man Autoaufkleber „Feel the Bern“, in den Vorgärten die Schilder „Bernie 2016“. In den progressiven Medien-Outlets der Region, wie KPFA und KALW, hofft man auf den Erfolg von Sanders und darauf, dass die demokratische Partei auch unter einer Kandidatin Hillary Clinton einen deutlichen Linksrutsch durchführt.

In meiner Nachbarschaft, in Oakland-Montclair, scheint ein Cluster von Bernie Sanders Unterstützern zu leben. Straßenschilder, Aufkleber und selbst in den Cafés und bei Spaziergängen mit meinem Hund im Wald höre ich, wie über Bernie Sanders gesprochen wird. Am letzten Wahltag war ich nachmittags mit Käthe draußen und gleich mehrere Vorbeikommende fragten, ob ich schon wüßte, wie Bernie abgeschnitten habe.

Die Bay Area ist eine politische Insel, die sicherlich nicht den Rest Kaliforniens und der USA spiegelt. Aber mal ehrlich, gerade das macht diese Region auch so attraktiv, spannend, interessant. Wer will schon in Kansas wohnen, neben einem Nachbarn, der ein Ted Cruz Rasenschild im Vorgarten stehen hat?

Marco bleibt in Florida

Florida, Ohio, Illinois, North Carolina, Missouri. Fünf Wahlen, zwei Sieger und die heißen wieder Donald Trump und Hillary Clinton. Auf zwei Wahlgänge wurde am Dienstag besonders geachtet, Florida und Ohio. Aus dem einen Bundesstaat kommt Senator Marco Rubio, aus dem zweiten Gouverneur John Kasich. Und für beide waren Siege lebenswichtig, um überhaupt noch eine Berechtigung zum Weitermachen zu haben. Kasich siegte in Ohio, Rubio ging unter. So deutlich, dass der Senator schon kurz nach den ersten Hochrechnungen das Ende seines Wahlkampfes verkündete. Marco bleibt also gleich in Florida.

Marco Rubio kann am Mittwoch in seinem Bett in Miami ausschlafen. Foto: Reuters.

Marco Rubio kann nun in seinem Bett in Miami ausschlafen. Foto: Reuters.

Der strahlende Sieger – mal wieder – Donald Trump. Dem konnten weder Kloppereien auf seinen Veranstaltungen, Tausende von Gegendemonstranten noch Dutzende von Anti-Trump Werbeclips und eine immer größer werdende politische Gegenfront etwas anhaben. Vier der fünf Wahlen gingen an ihn. Die Republikaner sollten sich langsam aber sicher mit dem Supgergau in ihren Reihen abfinden. Donald Trump wird 2016 entweder der Kandidat der Lincoln- und Reagan-Partei oder es kommt zu einem Hinterzimmerdeal, der am Ende die Republikaner spalten wird. Beides wäre politischer Selbstmord.

Trump wird es wahrscheinlich nicht schaffen, die 1237 notwendigen Delegiertenstimmen noch vor dem Parteikonvent im Juli einzusammeln. Aber er wird mit einer deutlichen Führung nach Cleveland reisen. Das würde dann zu einem Parteitag führen, auf dem eine Entscheidung gefällt werden muß, und die ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen.

Bei den Demokraten sieht nun alles nach Hillary Clinton als Kandidatin aus. Sie hat am heutigen Dienstag ihren Vorsprung deutlich ausbauen können. Mit den erklärten Superdelegierten hat sie nun mehr als doppelt so viele Stimmen wie ihr Herausforderer Bernie Sanders. Doch Clinton, das muß man offen und ehrlich sagen, hat sich in diesem Wahlkampf bewegt. Politisch ist sie auf Sanders zugegangen, hat viele seiner Themen aufgegriffen. Sie ist zur Kämpferin geworden, die das Ziel, das Oval Office, fest im Blick hat. Ein Bernie Sanders und schon gar nicht ein Donald Trump werden sie noch aufhalten. Dennoch liegt viel Arbeit vor ihr. In einigen Bundesstaaten konnte Sanders fast 90 Prozent der Erstwähler und jungen Wähler auf sich vereinen. Hillary braucht jedoch die massive Unterstützung aus dem Sanders Lager, um am Ende die erste amerikanische Präsidentin zu werden.

„What a circus!“

Carly Fiorina unterstützt nun Ted Cruz, denn er sei der einzige verbliebene Kandidat, der Donald Trump stoppen kann. Ben Carson hingegen will nun Teil des „Küchen-Kabinettes“ von Donald Trump sein, ihn im Wahlkampf beraten und eventuell sogar in einer möglichen Trump-Administration eine Rolle übernehmen.

Carly Fiorina unterstützt nun Ted Cruz. Foto: Reuters.

Carly Fiorina unterstützt nun Ted Cruz. Foto: Reuters.

Der Milliardär selbst hat die Nase gestrichen voll von den Fernsehdebatten. Er will keine weiteren mehr, es sei genug auf die immer selben Fragen geantwortet worden. Damit will sich Trump auch schützen, denn immer deutlicher wird, dass er keine Antworten auf wichtige politische Fragen hat. „America will be great again“, „We will build a wall, a great wall, and the Mexicans pay it“, „I will rip up the Iran Deal“, „We will defeat the Islamic State“, Aussagen, die auf den Trump-Veranstaltungen bejubelt werden. Aber mal ehrlich, ein klarer Plan ist da nicht zu erkennen. Trump ist viel Getöne und wenig Substanz.

Das wurde auch gestern wieder in der Debatte deutlich, die letzte vor der großen Stimmabgabe am Dienstag. Da könnte sich einiges entscheiden. Es geht um Marco Rubio und John Kasich. Beide müssen ihre Bundesstaaten Florida und Ohio gewinnen, um überhaupt noch im Rennen zu bleiben. Wenn sich Trump auch dort durchsetzen sollte, wäre das das Ende für den Jung-Senator und den Gouverneur. Dann würde die Grand Old Party den Supergau erleben. Schon jetzt sprechen einige in den republikanischen Reihen ganz offen von einer Präsidentin Hillary Clinton. Nicht, weil sie die verhasste Hillary im Amt sehen möchten, sondern vielmehr um einen Neuaufbau und eine Neuausrichtung der Republikaner anzugehen. Vier Jahre Präsidentin Hillary Clinton sollten genug sein, so die Meinung der GOP-Insider, um die Partei wieder auf einen geeinten Kurs zu bringen.

Trump marschiert weiter

Nur der Texaner Ted Cruz kann Donald Trum noch stoppen. Foto: Reuters.

Nur der Texaner Ted Cruz kann Donald Trum noch stoppen. Foto: Reuters.

„Ted Cruz hat in Maine gewonnen, denn das liegt ja gleich neben Kanada“. Ein typischer Trump-Satz in diesem wahnwitzigen Wahlkampf. So was hat Amerika und die Welt noch nicht gesehen. Am Abend stand es bei den Republikanern 2:2. Zwei Siege für Donald Trump (Louisiana und Kentucky, zwei Siege für Ted Cruz (Kansas und Maine). Marco Rubio und John Kasich lagen unter ferner liefen und müssen sich nun ernsthaft die Frage gefallen lassen, was sie eigentlich noch in diesem Wahlkampf wollen. Rubio tönt nach wie vor, er ist der einzige Kandidat, der die Partei gegen Trump einen kann. Das klingt ungefähr so überzeugend, wie wenn ich meinen fast 16jährigen Neffen, ein Leichtathletik-Ass, zum 1000 Meter Lauf herausfordere und ihm erkläre, ich war 1984 auf dieser Distanz Schulmeister an der Staatlichen Realschule Nürnberg. Einfach lächerlich! Kasich hingegen zielt wohl auf den Vize-Präsidentenposten ab, das will er mit einem Sieg im wichtigen „Swing-State“ Ohio beweisen.

Ab Ende März Ende werden zwei Kandidaten bis zum Wahlkonvent im Juli marschieren: Donald Trump und Ted Cruz. Zwei Persönlichkeiten, die keiner im republikanischen Establishment auch nur annähernd gut finden kann. Trump der Egomane, Cruz der christliche Fundamentalist. Beide vertreten nicht die Mehrheit der Partei. Zu lange hat man in der GOP zugeschaut, was da passiert. Das Ergebnis: auf dem Highway ist die Hölle los, doch in der Zentrale der Partei kam das nicht an. Dort hieß es nur, das richtet sich schon, das wird schon, kein Grund zur Sorge. Doch mit jeder Umfrage, mit jedem Wahlsieg von Trump und auch Cruz wurden die Sorgenfalten der alten Herren in der Grand Old Party tiefer. Und nun ist es zu spät. Die verbliebenen Rubio und Kasich, die in den Parteireihen als gemäßigt gelten, sind hoffnungslos abgeschlagen. Mit der zwangsläufigen Nominierung von Trump oder Cruz schwinden die Aussichten auf einen Erfolg in der Novemberwahl. Selbst dann, wenn die Kandidatin der Demokraten die verhasste Hillary Clinton sein wird. Amerika ist derzeit wahrlich „out of its mind“, doch trotz allem nicht bereit, einen Präsidenten Donald Trump oder Ted Cruz ins Oval Office zu schicken.

Republikaner gegen Trump

Das waren wirklich 24 fette Stunden. Ben Carson steigt aus, Mitt Romney und John McCain warnen das amerikanische Wahlvolk in sehr direkter Art und Weise vor Donald Trump und dann schießen sich die Moderatoren von FOXNews in der elften Debatte der republikanischen Kandidaten auf den Außenseiter und Milliardär ein. Nach dem Super-Tuesday wird Trump nun offen bekämpft. Er gilt als die größte Gefahr für die Republikaner in Washington DC.

"Ich habe keine kleinen Hände und auch nichts anderes, was klein ist", erklärte Donald Trump. Foto: Reuters.

„Ich habe keine kleinen Hände und auch nichts anderes, was klein ist“, erklärte Donald Trump. Foto: Reuters.

Vergessen ist die Tea Party Fraktion, die seit Jahren politische Entscheidungen blockiert. Ihr Grund, sie hassen ganz offen und ehrlich Präsident Barack Obama. Der wird mal als Sozialist, als Nazi, als unamerikanisch, als Nigger, als schwul, bisexuell, als Verräter, Callboy und Leichtgewicht bezeichnet, all das zählt nicht in den republikanischen Reihen. Große Aufregung darüber gibt es weder vom Establishment der Partei, nicht von den Verfassungsfetischisten in der GOP und auch nicht von den erzkonservativen Christen in den Reihen der Republikaner. Alles halb so wild, denn es geht ja gegen den ersten afro-amerikanischen Präsidenten, der noch nicht mal so richtig schwarz ist.

Nun also Trump, und ich will ihn wirklich nicht in Schutz nehmen. Aber was die Republikaner derzeit liefern, ist ein einziges Tohuvabohu. Man verweist bei der GOP immer auf die Partei von Lincoln und Reagan, doch seien wir mal ehrlich, die beiden Präsidenten würden sich im Grab umdrehen, um diesen Wahlkrampf nicht sehen zu müssen. Es ist ein kindisches Scharmützel, in dem der eine vom „kleinen Mario“ redet, der andere von Trumps „kleinen Händen“ und einem bei den Ausführungen des Texaners im Bund angst und bang‘ wird. Nur Ohios Gouverneur John Kasich macht da Sinn, doch der hat keine Chance.

Die Wahl in den republikanischen Reihen scheint zwischen Luzifer, Beelzebub und Mephisto zu sein. Am Ende wird einer der drei in den Wahlkampf ums Weiße Haus ziehen, der da wirklich nicht hingehört. Das klingt hart, aber Rubio, Trump und Cruz lassen all das vermissen, für was Amerika im Laufe der Geschichte steht. Der heutige Tag und die heutige Debatte haben das erneut ganz deutlich gemacht. Die Republikaner sind nur noch ein Verbund aus Splittergruppen, unfähig zu regieren, unfähig Kompromisse zu schließen, unfähig tiefe Gräben zu überwinden, unfähig dieses Land wieder zu einen und unfähig, eine Führungsrolle in der Welt zu übernehmen.

„Mal ganz logga bleim!“

Donald Trump hier, Donald Trump da. Doch Donald Trump ist noch lange nicht der Kandidat der republikanischen Partei. Auch, wenn das viele in Deutschland gerne sehen würden, denn das würde ihr Bild von den bekloppten Amerikanern bestätigen. Nach wie vor heißt es ja von Flensburg bis Garmisch, in den USA könnte auch Ronald McDonald oder Mickey Mouse gewählt werden.

Donald Trump sieht sich als "number one" in der Partei. Foto: AFP.

Donald Trump sieht sich als „number one“ in der Partei. Foto: AFP.

Klar, Trump hat am gestrigen Abend sieben von 11 Wahlen gewonnen. Die Liste sieht gut aus: Alabama, Georgia, Massachusetts, Tennessee, Virginia, Vermont und Arkansas. In New England genauso wie in den Südstaaten. Damit punktete der Milliardär bislang in zehn Bundesstaaten. Beachtlich, vor allem auch deshalb, weil niemand Trump das zutraute. Lange Zeit wurde er belächelt, nicht ernstgenommen, als Reality-TV Clown im seriösen Politgeschäft abgetan.

Der Donald hat in den letzten Monaten und Wochen den Republikanern vorgeführt, was für eine kaputte Partei aus der Lincoln- und Reagan-Partei geworden ist. Der „Grand Old Party“ laufen die Wähler weg. Sie setzen auf einen Außenseiter, der mit kräftigen Parolen als Heilsbringer gefeiert wird. Und das Establishment der Partei hat keine Antworten, wartete zu lange ab, in der Hoffnung, alles wird sich schon richten.

Donald Trump ist noch nicht der Kandidat der Republikaner. Er hat zwar siegen, aber sich nicht deutlich mit den erkämpften Delegiertenstimmen vom Feld absetzen können. Nach dem „Super-Tuesday“ hat er lediglich 316 Wahlstimmen für den Parteitag. Ted Cruz auf Platz zwei liegt mit 226 Stimmen durchaus in Reichweite dahinter. Doch aus der Parteizentrale kann man hören, dass die Wahl zwischen Trump und Cruz einer Entscheidung zwischen Erschießen und der Giftspritze gleichkomme. Danach kommen Marco Rubio mit 106, John Kasich mit 25 und Ben Carson mit 8 Stimmen. Bislang waren die Vorwahlen nicht nach dem Motto „the winner takes it all“, also der Sieger im Bundesstaat bekommt alle Wahlmänner gutgeschrieben. Das wird sich nun ändern und darauf bauen Trumps Kontrahenten und Parteigegner. Jetzt wird der Wahlkampf erst richtig dreckig, fies, brutal, eine Ansammlung von Anfeindungen, Unwahrheiten, Tiefschlägen, persönlichen Diffamierungen.

Trump ist also noch einholbar. Am Samstag geht es in Kansas, Kentucky, Louisiana und Maine an die Wahlurnen. Am kommenden Dienstag steht der dicke Brocken Michigan an und am 15. März die alles wohl entscheidenen Bundesstaaten Florida, Illinois, Missouri, North Carolina und Ohio. Alles entscheidend könnte dann aber auch heißen, dass keiner der Kandidaten, auch nicht Trump, die notwendigen 1237 Delegiertenstimmen für den Parteikonvent vom 18. – 21. Juli in Cleveland erhält. Ohne Mehrheit eines Kandidaten würde dann erst auf dem Parteikongress eine Entscheidung fallen. Das wäre eine fatale Situation für die Republikaner, denn bis dahin flösse Blut. Von einer Einigung, einer gemeinsamen Front gegen die verhasste Hillary Clinton wäre man dann Welten entfernt.

Donald Trump hat die Partei nicht gespalten. Schon in den letzten Jahren waren die tiefen Gräben zwischen dem Establishment der GOP und dem Tea-Party-Flügel nicht mehr zu überbrücken. Trump hat lediglich weitere Schützengräben im Minenfeld der Reagan-Partei gebuddelt.

 

Der „Hochstapler“ räumt ab

Donald Trump und Hillary Clinton denken nach dem heutigen Abend schon an November. In ihren Reden hielten sie sich nicht mehr lange mit dem Vorwahlkampf auf, für sie geht es jetzt ums Oval Office. Zwar sind beide noch nicht ganz am Ziel ihrer Träume, doch der „Super Tuesday“ hat die Weichen in den Parteien gestellt. Trump hat mindestens sieben Bundesstaaten gewonnen (Alaska steht noch aus), Clinton konnte sich in sieben Wahlen durchsetzen. Ted Cruz gewann in seinem Heimatstaat Texas und in Oklahoma, Marco Rubio lag in Minnesota vorne und Bernie Sanders war Sieger in Vermont, Oklahoma, Colorado und Minnesota.

Hillary Clinton blickt nach dem erfolgreichen "Super Tuesday" auf die Wahl im November. Foto: Reuters.

Hillary Clinton blickt nach dem „Super Tuesday“ auf die Wahl im November. Foto: Reuters.

Clinton und Trump sind damit so gut wie durch. In zwei Wochen wird in Florida, Illinois, Missouri, North Carolina und Ohio gewählt, dann steht das endgültige Ergebnis fest. Bei den Demokraten ist der Ton in den letzten Wochen nicht ausgeufert, beide Kandidaten zeigen Respekt voreinander und werden sicherlich gemeinsam am eigentlichen Wahlziel, dem Einzug ins Weiße Haus, arbeiten können. Bei den Republikaner sieht das schon anders aus. Donald Trump wird geliebt oder gehasst. Auch wenn sich der Sieger am heutigen Abend ganz präsidial gab, Ted Cruz und Marco Rubio hielten sich in ihren Reden nicht zurück. Cruz beschrieb sich als den einzigen Kandidaten, der Trump schlagen kann. Doch das sagte auch Rubio. Beide beschrieben Trump als einen Lügner und Betrüger, als jemanden, der die republikanische Partei spalten wird, wenn man ihn nicht noch stoppe. Die kommenden Wochen werden noch blutig.

Donald Trump gab sich am Abend ganz gelassen, er machte deutlich, dass ohne ihn nichts mehr geht. In seiner Rede schoß er sich schon auf Hillary Clinton ein, wiederholte seine aberwitzigen Wahlkampfversprechungen von der Grenzmauer zum südlichen Nachbarn, die von Mexiko selbst bezahlt werden wird.

Und auch Hillary Clinton sah den Vorwahlkampf für beendet an. Bei den notwendigen Delegierten liegt sie uneinholbar vor Bernie Sanders. Was jedoch beeindruckend ist, Clinton bewegte sich in den letzten Wochen immer mehr auf Sanders zu, auf dessen politische Aussagen, Forderungen, Absichten. Clinton will die Partei geeint in die Novemberwahl führen, das machte sie immer wieder deutlich, das erklärte sie auch am Dienstagabend. Der politische Gegner heißt für sie Donald Trump, darauf konzentriert sie sich nun.