Der amerikanische Witzwahlkampf

Trump gewinnt South Carolina, Bush steigt erwartungsgemäß aus und ist um 96 Millionen Dollar leichter. Gerade mal 80.000 Wählerinnen und Wähler nehmen an der Vorwahl der Demokraten in Nevada teil. Und wenn im Juni endlich im bevölkerungsreichsten Bundesstaat Kalifornien abgestimmt wird, ist alles gelaufen.

Da waren es nur noch fünf. Foto: Reuters.

Da waren es nur noch fünf. Foto: Reuters.

Es ist schon ein seltsames Demokratieverständnis in den USA, dass in Iowa und New Hampshire der nächste Präsident vorbestimmt wird. Beide Bundesstaaten sind alles andere als repräsentativ, doch die Wahlentscheidung dort hat einige Kandidaten zu Fall gebracht. Am Ende bleiben jene übrig, die die größte Klappe oder das meiste Geld haben. Wir hier drüben in Kalifornien werden erst am 7. Juni abstimmen, dann stehen die Kandidaten der jeweiligen Partei schon fest.

In diesem Jahr ist vor allem auffällig, was sich da auf der republikanischen Seite tut. Donald Trump, der Besserwisser mit goldener Haartolle, dominiert mit Nichtaussagen den Wahlkampf. Auch in South Carolina gewinnt er deutlich und das sogar mit den Stimmen der Christlich-Konservativen im Land. Darauf hatte Ted Cruz gehofft, der nur dritter wurde. Marco Rubio, der immerhin die Unterstützung der Gouverneurin Nikki Haley hatte, kommt gerade so auf den zweiten Rang, dennoch zehn Prozentpunkte hinter Trump. Jeb Bush, abgeschlagen auf dem vierten Platz, erklärt daraufhin das Ende seiner Kandidatur.

Im Rennen geblieben ist noch John Kasich und Ben Carson. Bei letzterem fragt man sich, was er noch erreichen will. Seine Tage sind lang vorbei. Kasich hingegen ist der letzte verbliebene gemäßigte Republikaner. Er setzt alles auf Michigan und seinen Bundesstaat Ohio, wo am 8. und 15. März gewählt wird. Wenn er da nicht punkten kann, ist für ihn die Wahl gelaufen. Dann sind die Republikaner fest in der Hand von radikalen Stimmen. Denn sowohl Trump, wie auch Cruz, Rubio und Carson haben bereits angekündigt, im Falle eines Wahlsieges alle politischen Entscheidungen von Barack Obama rückgängig zu machen.

Am Super-Tuesday, am 1. März, wird in 14 Bundesstaaten gewählt. Danach wird das Feld noch einmal kleiner werden oder sich schon eine Entscheidung absehen lassen. Zumindest bei den Republikanern. Bei den Demokraten hingegen wird es so schnell nicht gehen. Bernie Sanders hat genügend Unterstützung und Geld in der Kasse, um seine Ideen und Forderungen bis zum Parteikonvent am 25. Juli in Philadelphia zu bringen. Er will eine politische Revolution, das heißt auch im Falle einer Niederlage, die Politik der Demokraten und damit Hillary Clintons zu beeinflussen. Gute Chancen hat er, denn Hillary Clinton wird auf Sanders‘ Hilfe bei der eigentlichen Wahl ums Weiße Haus angewiesen sein.

Trump the Trumpeter

Ich hoffe, ich beleidige nun niemanden, der Trompete spielt. Aber so gut ins eigene Horn blasen, wie Donald Trump, kann wohl niemand. Das hat er gestern Abend mal wieder in einem „Town Hall Meeting“ mit Wählern in South Carolina gezeigt. Anderson Cooper von CNN moderierte und man merkte dem Moderator an, dass er nur allzu gerne nachfragen würde. Doch darum ging es nicht, das war gar nicht nötig. Trump lieferte, wie er in diesem Wahlkampf immer liefert.

Am Donnerstag war die Aufrgegung groß. Das Ted-Cruz-Lager hatte ein Bild veröffentlicht, auf dem der lächelnde Konkurrent Marco Rubio zu sehen ist, wie er die Hand von Barack Obama schüttelt. Es ist kein wirkliches Foto, es ist eine eindeutige Fotomontage. Die Aussage ist klar, Rubio steht dem verhassten Präsidenten nahe. Rubio wehrte sich gegen den „schmutzigen Wahlkampf“, Cruz lachte das ganze nur weg.

Die Fotomontage, die für viel Aufregung sorgte.

Die Fotomontage, die für viel Aufregung sorgte.

Und Donald Trump? Der setzte eine ganz gekonnte Spitze an. Wenn man sich das Bild ansehe, so Trump, „haben sie Marco sogar kleiner abgebildet. Und das hat ihn wohl am meisten geärgert. Er ist darauf sehr klein. Ich meine, er ist nicht so klein, aber eben auch nicht gerade groß“. Die Lacher waren auf seiner Seite.

Donald Trump ist ein Entertainer im wahrlich verstaubten Politzirkus. Seine Antworten auf die Fragen der Wähler waren null und nichtig, eigentlich gab er keine Antworten, erzählte vielmehr nur, was für ein toller und klurger Kerl er sei. Trump ist Trump und das macht den Wahlkampf zu einer Unterhaltungsshow.

In den Umfragen liegt er weiter vorne. Ich verstehe es auch nicht, wie man ihm sein „Nicht-Konzept“ abnehmen kann, aber viele Wähler wollen einen politischen Außenseiter in Washington DC sehen. Wenn ich mir die Berichterstattung in Deutschland über Trump durchlese, anhöre, ansehe, dann scheint es so, als ob Trump der gefährlichste Kandidat im Rennen sei. Sicherlich, die USA unter einem Präsidenten Donald Trump wären eine, nennen wir es milde gesagt, Herausforderung. Doch wen ich für eine wirkliche Gefahr halte, das ist Ted Cruz. Er beschreibt sich zwar selbst als Reagan-Republikaner, davon ist er jedoch weit weg. Gerade auch, weil er mit ganz fiesen Mitteln Wahlkampf führt. Das beschriebene Bild ist dabei nur ein kleines Versatzstück. Cruz verfälscht vielmehr Zitate seiner Mitstreiter, arbeitet mit Falschinformationen, führt einen Wahlkampf mit rassistischen Untertönen, das alles in ein christlich-erzkonservatives Gewand gehüllt. Und immer dieses Lächeln um die Lippen.

Ted Cruz, die derzeitige Nummer zwei im republikanischen Feld, ist eine Gefahr für die USA und die Weltgemeinschaft. Ein radikaler Fundamentalist, der vor Flächenbombardierungen nicht zurückschrecken, die religiösen Freiheiten in den USA einschränken, die Bürgerrechte massiv beschneiden würde. Er ist ein begnadeter Redner, man könnte ihn auch als Blender bezeichnen, denn seine eigentliche Message verkauft er in gezuckerten Worten. Mit ihm im Oval Office würden andere Zeiten anbrechen. Und ganz ehrlich, bei einer Wahl zwischen Trump und Cruz, würde ich für Trump stimmen, und das heißt schon einiges.

 

Ein seltsamer Wahlkampf

Sieben Kandidaten standen heute Abend auf der Bühne in Manchester, New Hampshire. Drei Gouverneure, zwei Senatoren, ein Immobilieninvestor und ein Neurochirurg. Ein paar von ihnen machen Sinn, ein paar überhaupt keinen und dann sind da noch diejenigen, vor denen man sich nur fürchten kann.

Es läuft auf einen Dreikampf zwischen Cruz, Trump und Rubio hinaus. Foto: AFP.

Es läuft bei den Republikanern auf einen Dreikampf zwischen Ted Cruz, Donald Trump und Marco Rubio hinaus. Foto: AFP.

Die Wahl in New Hampshire wird ein Wendepunkt sein. Einige der Kandidaten haben bereits angekündigt, wenn sie hier nicht besser abschneiden, werden sie sich zurückziehen. Und das sind gerade jene, die am meisten Sinn machen. John Kasich, Gouverneur von Ohio und Chris Christie, Gouverneur von New Jersey. Und auch Jeb Bush, ehemaliger Gouverneur von Florida, wird bei einem Scheitern in New Hampshire sehr genau überlegen müssen, ob er noch weitermachen will und kann. Alle drei überzeugen immer mehr in den Debatten, verweisen auf ihre Bundesstaaten, auf ihre Politik und Erfolge dort. Sie bauen auf das, was sie erreicht haben. Doch irgendwie kommt das beim Wähler nicht an.

In dem Umfragen hat bislang keiner der drei einen großen Sprung nach vorne machen können, und das, obwohl gerade Kasich und Christie viel Zeit und Geld in New Hampshire investiert haben. Wenn sie am Dienstag nicht deutlich aus dem Mitläuferfeld ausbrechen können, ist für sie das Rennen gelaufen. Allein John Kasich hat in New Hampshire 100 „Town Hall Meetings“ abgehalten. Das ist nur hier möglich, woanders im weiten Land ist sowas undenkbar. Und nach der Stimmabgabe in New Hampshire geht es Schlag auf Schlag weiter.

Nach diesem Urnengang werden weitere Kandidaten ausscheiden, das steht fest. Und wie es jetzt aussieht, könnte das ganze auf einen Dreikampf zwischen Ted Cruz, Marco Rubio und Donald Trump hinauslaufen. Damit stände wohl endgültig fest, dass die republikanische Partei nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Von Einheit, Geschlossenheit und der Bereitschaft dieses tief gespaltene Land wieder zusammen zu führen ist man dann Jahre entfernt. Auf Amerika kämen harte Zeiten zu.

Nur einer ist gegen die Todesstrafe

In all den Jahren als Korrespondent in den USA, habe ich ein Thema immer wieder aufgegriffen; die Todesstrafe. Vielleicht liegt es daran, dass das kalifornische Staatsgefängnis von San Quentin mit seiner „Death Row“ fast vor meiner Haustür liegt und ich Häftlinge im dortigen Todestrakt persönlich kenne. Doch vor allem liegt es wohl daran, dass im amerikanischen Strafvollzug all die Ungerechtigkeiten, all die Probleme, all die Fehler der amerikanischen Gesellschaft zu finden sind. Rassismus, soziale Ungleichheit, eine verschrobene Justiz, ein kaputtes Wahlsystem, fehlende soziale Einrichtungen, ein hohes Gewaltpotenzial…. ich könnte weiter ausholen. Und dann sind da genügend Fälle, die deutlich machen, dass im Namen des Volkes Unschuldige in den USA hingerichtet wurden.

Hillary Clinton und Bernie Sanders am Abend in New Hampshire. Foto: AFP.

Hillary Clinton und Bernie Sanders am Abend in New Hampshire. Foto: AFP.

Aus all diesen Gründen und noch vielen mehr lehne ich die Todesstrafe ab. Sie kann nicht gerecht sein. Für mich, der seit 20 Jahren hier drüben lebt, und nun seit ein paar Jahren auch in den USA als Bürger wählen darf, ist es immer wieder erstaunlich, wie weit verbreitet die „Rübe ab“-Mentalität, das Eintreten für die Höchststrafe bei Politikern verbreitet ist. Und ich rede hier nicht nur von Republikanern, sondern auch von Demokraten.

Im derzeitigen Wahlkampf sind auf republikanischer Seite alle Kandidaten für die Todesstrafe. Bei den Demokraten erklärte heute Abend Hillary Clinton in einer Fernsehdebatte auf MSNBC, dass sie bei bestimmten Fällen die Todesstrafe unterstütze. Also, ein Ja mit Einschränkungen. Aber eben ein Ja. Genau so ein Ja, wie es auch Barack Obama im Wahlkampf vertrat. Auch Bill Clinton war für die Todesstrafe.

Nur Bernie Sanders, der Senator aus Vermont, ist da anderer Meinung, er sagte: die Todesstrafe sei falsch, eben weil sie nicht gerecht sein kann und weil Unschuldige in den USA hingerichtet wurden. Da ist jemand, der Klartext redet, ohne Rücksicht auf Verluste. Der keinen Negativwahlkampf führen will, der komplizierte Sachverhalte anspricht, sie erklärt, seinen Standpunkt vertritt. Doch vor allem ist da einer, der ehrlich ist. Er redet für niemanden, nur für sich selbst.

Gestern im „Town Hall Meeting“ wurde Sanders gefragt, ob er religiös im Sinne von organisierter Religion sei. Sanders überlegte kurz und meinte dann, seine Religion sei hinzuschauen, wenn Kinder in den USA in Armut leben, wenn heimkehrende Veteranen obdachlos seien, wenn die Einkommensschere in diesem Land immer weiter auseinander geht. Das zu Erkennen treibe ihn an. Was daran „populistisch“ sein soll, kann ich nicht sagen. Vor allem nicht in einem Land wie den USA. Doch als „Populisten“ bezeichnete DIE ZEIT-Herausgeber Josef Joffe Bernie Sanders in der aktuellen Ausgabe auf der Titelseite und nannte ihn in einem Satz mit Donald Trump und Ted Cruz. Auch eine Meinung, Herr Joffe, die ich mit einem leichten Kopfschütteln einfach mal so stehen lassen möchte.

Wo führt das noch hin?

Der amerikanische Wahlkampf ist in vollem Gange. Donald Trump beschuldigt Ted Cruz, dass dieser in Iowa geschummelt hat, sich mit unrechten Dingen nach vorne mogelte. Jetzt beginnt der harte Faustkampf. Donald Trump ist das Verlieren nicht gewöhnt, er wird jetzt zum Beisser. Unterdessen haben zwei weitere Kandidaten ihr Ausscheiden aus dem Rennen verkündet. Senator Rand Paul und der letztmalige Gewinner von Iowa, Rick Santorum, haben das Ende ihre Kandidatur bekannt gegeben. Paul will sich nun um seine Wiederwahl als Senator von Kentucky kümmern. Das Feld lichtet sich immer mehr. Nach den Vorwahlen in New Hampshire nächste Woche, werden wohl weitere Namen von der ellenlangen Liste der Republikaner gestrichen werden.

Ted Cruz hat Donald Trump die Tour versaut. Foto: AFP.

Ted Cruz hat Donald Trump die Tour versaut. Foto: AFP.

Interessant auch, was die Kandidaten in Iowa für jede ihrer Wahlstimmen investiert haben. Es war ein langer Wahlkampf in diesem eigentlich unbedeutenden Bundesstaat. Umso mehr Zeit und Geld wurde in die Kampagnen gesteckt. Allen voran Jeb Bush, der von April bis zum Wahltag in Iowa 27,4 Millionen Dollar im „Hawkeye State“ gelassen hat. Damit zahlte Bush pro erhaltener Stimme $ 5200. Dahinter kommen Ben Carson ($ 3100), Carly Fiorina ($ 2200), Chris Christie ($ 1800), Rand Paul, Mike Huckabee und John Kasich (jeweils $ 1500), Rick Santorum ($ 900), Ted Cruz ($ 700), Marco Rubio ($ 600) und Donald Trump ($ 300).

Insgesamt gingen in Iowa 186,874 registrierte Republikaner zurAbstimmung, 171,109 Wähler waren auf der demokratischen Seite dabei. Das sind insgesamt 357,983 Iowarer, oder anders ausgedrückt 15,7 Prozent der möglichen Wähler im Bundesstaat. Und diesmal wurde sogar noch ein Rekord von 2012 gebrochen. Von einer aktiven Demoktratie kann man da wohl nicht mehr sprechen. Und wenn man sich dann noch überlegt, dass der Iowa Caucus auf ein weltweites Interesse gestoßen ist, dann fragt man sich schon, warum der umfallende Sack an der Ecke im Hafen von Shanghai nicht genausoviel Aufmerksamkeit erzielt.

 

Trump ist „nur“ Zweiter

Das war es dann wohl mit Donald Trump. Klar, Iowa ist nicht die USA, aber so eine Niederlage dürfte den Donald schon wurmen. Großmäulig ging er in die Abstimmung und versagte kläglich. Ja, er wurde Zweiter, aber das passt so gar nicht zu einem, der meinte, er kann das Feld von hinten problemlos aufrollen. Iowa war der Anfang vom Ende der Trump-Show. Der Egomane aus New York City kam auf dem Land ins Straucheln.

Natürlich wird Donald Trump jetzt (noch) nicht in den Sack hauen, aber sein Image des erfolgreichen Milliardärs, der im Wahlkampf alles unbeschadet sagen kann und dennoch in den Umfragen steigt, ist dahin. Umfragen sind nicht Wahlergebnisse, das ist die Lektion des Abends. Und sein Widersacher Ted Cruz setzte sich mit seiner erzkonservativen Weltanschauung durch. Kurz hinter Trump Marco Rubio, es läuft also in den kommenden Wochen auf einen Dreikampf hinaus. Alle anderen Kandidaten lagen in Iowa weit abgeschlagen.

Gleich zwei Namen haben bereits kurz nach Bekanntwerden der ersten Ergebnisse die Segel gestrichen. Mike Huckabee bei den Republikanern und Martin O’Malley bei den Demokraten. Huckabee hatte 2008 noch die Wahlen in Iowa gewonnen.

"Talking about a revolution, sounds (not anymore) like a a whisper". Bernie Sanders ist die wirkliche Überraschung dieses Wahlkampfes. Foto: Reuters.

„Talking about a revolution, sounds (not anymore) like a a whisper“. Bernie Sanders ist die wirkliche Überraschung dieses Wahlkampfes. Foto: Reuters.

Spannend am Abend der Zweikampf zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders, der auf ein Patt hinausläuft und eigentlich eine Niederlage für Clinton ist. Denn sie hatte alles generalstabsmäßig vorbereitet und dann kam der erklärte „demokratische Sozialist“ Sanders auf die Bühne und machte alles kaputt. Anfangs lag er in Iowa fast 50 Prozent hinter Hillary und nun gleichauf. Es ist ein bisschen so wie vor acht Jahren, auch Obama gewann überraschend mit „Hope“ und „Change“ und „Yes, we can“ Iowa. Oder man erinnere sich an den Grünen Ralph Nader im Jahr 2000. Beide mobilisierten vor allem viele junge Wähler, die von der Message begeistert waren. Und Sanders ist ja eher auf der Linie eines europäischen Sozialdemokraten und steht nicht für die Politik eines Fidel Castro, Erich Honeckers oder eines Hugo Chavez, auch wenn er hier in den USA so dargestellt wird. Sanders kommt an bei den Jungen, beim linken Flügel der Partei, gerade sein anderer Ton, gegen das politische Establishment.

Man sollte auch mal ein Jahr zurückblicken. Damals sah alles nach einem Zweikampf Jeb Bush gegen Hillary Clinton aus. Die Kommentatoren stöhnten, das könne nur ein gähnend langweiliger Wahlkampf zweier Politik-Dynastien geben. Und nun ist alles anders. Politik wurde zum Entertainment, Elefantenrunden im Fernsehen erzielen Einschaltquoten wie American Football Spiele. Deutlich wird auch, dass die beiden Parteien ein ziemlich großes Problem haben, denn ihnen laufen die Wähler weg. Die wollen vielmehr einen Washington-Außenseiter wählen, als jemanden, der von den Parteibossen in die vorderste Reihe geschoben wurde. Alles in allem, es bleibt spannend…und unterhaltsam.

 

Die Republikaner können auch anders

Eine richtige Debatte ohne Donald Trump. Foto: Reuters.

Eine richtige Debatte ohne Donald Trump. Foto: Reuters.

Ich dachte schon; „Oh, Graus“. Eine republikanische Debatte ohne den Unterhaltungskönig Donald Trump. Das ist ja wie Stromberg ohne Stromberg. Aber so schlimm wurde es dann doch nicht. Die sieben verbliebenen Kandidaten – Ted Cruz, Marco Rubio, Jeb Bush, Ben Carson, Rand Paul, Chris Christie und John Kasich – lieferten doch tatsächlich so etwas wie eine politische Debatte. Es gab manchmal ein Hin und ein Her, es wurden Standpunkte verteidigt, erklärt, darum gestritten. Und sicherlich gab es auch Angriffe der Kandidaten, aber eben keine Verbaltiefschläge a lá Trump. Die Republikaner können also debattieren, wenn sie denn wollen und gelassen werden.

Der Donald, der eigentlich nicht auf der Bühne sein wollte, war dennoch da. Sein Name wurde mehrmals genannt, es drehte sich auch öfters mal um seine Sicht der Dinge. Und dann hatte Trump ja auch noch kurzerhand eine Konkurrenzveranstaltung aus dem Boden gestampft. Zeitgleich lief eine Benefiz-Veranstaltung für US Veteranen, auf der die Donald-Show so richtig ins Laufen kam. Trump als Gönner, der für die „Wounded Warriors“-Stiftung fünf Millionen Dollar einsammelte.

Schon vor der Debatte am Donnerstagabend und nach seiner Ankündigung nicht mit den anderen auf der Bühne stehen zu wollen, hatte er das Rampenlicht gesucht. Interview folgte auf Interview, zuletzt wenige Minuten vor seinem eigenen Auftritt für die Veteranen im Privatjet mit CNN. Der Nachrichtensender übertrug dann pikanterweise auch zeitgleich zur FOXNews Debatte die One-Man-Show des Multimilliardärs. Ich bin so langsam wirklich gespannt, wie die ersten Wahlen in Iowa und dann New Hampshire ausgehen werden. Danach wird sich das Feld deutlich verkleinern. Dann wird sich zeigen, ob sich eine vielleicht geeinte republikanische Partei noch gegen den Egozentriker Trump wehren kann.

Es kann immer noch schlimmer kommen

Da spielt man im Kopf durch, was wäre, wenn Donald Trump nun doch Präsident werden würde. Das Ergebnis wäre von meiner Perspektive als Korrespondent sehr unterhaltsam. Denn da gäbe es immer etwas zu berichten. Trump ist ein Entertainer. Vom Standpunkt eines amerikanischen Bürgers jedoch wird mir da angst und bang.

Sarah Palin ist wieder da. Foto: Reuters.

Sarah Palin ist wieder da. Foto: Reuters.

Und falls King Donald noch nicht schlimm genug ist, bekommt er nun auch noch Unterstützung von der Seitenlinie. Sarah Palin hat sich heute als Cheerleader für Trump geoutet. Noch im Dezember erklärte die einstige Gouverneurin von Alaska, dass sie sich noch nicht zwischen Ted Cruz und Donald Trump entschieden habe. Aber sie sei froh, dass solche tollen Kandidaten im Rennen seien. Cruz hatte auf das Ja-Wort von Palin gewartet, hatte sie ihn doch 2012 in seinem Senatsrennen unterstützt.

Doch diesmal geht Sarah mit Donald fremd. Der freut sich wie Bolle über Palins Entscheidung, denn das gibt ihm nur zwei Wochen vor dem Wahlgang in Iowa noch einmal Auftrieb. Er sei schon lange mit ihr gut befreundet und habe großen Respekt vor ihr, meinte Trump. Palin ist noch immer das Darling der Tea-Party. Man hätte es eigentlich ahnen können, was da auf uns alle zukommt, denn Donald Trump meinte schon vor ein paar Monaten, er würde sich freuen, wenn Sarah Palin einen Ministerposten in seiner Administration annehmen würde. Na, mit ihren internationalen Erfahrungen wäre der Job der Außenministerin doch genau die richtige Aufgabe.

Donald Trump liegt wohl richtig

Man will es ja nicht glauben, aber Donald Trump hat wohl recht. Ted Cruz kann überhaupt nicht Präsident werden. Viele haben sich das über die letzten Monate gefragt, wie jemand, der in Kanada geboren wurde, überhaupt ins Weiße Haus einziehen könnte, der Donald hat es dann als Wahlkampfwaffe eingesetzt.

Ted Cruz kann wohl nicht Präsident werden. Foto: AFP.

Ted Cruz kann wohl nicht Präsident werden. Foto: AFP.

Nun legt die Washington Post nach. In einem Gastbeitrag für die Zeitung, erklärt die Staatsrechtlerin Mary Brigid McManamon, die an der „Law School“ der „Widener University“ in Delaware lehrt, dass Ted Cruz kein „natural-born citizen“ sei. Und das ist Bedingung für den Job des „Commander in Chief“. In der amerikanischen Verfassung heißt es, „No person except a natural born Citizen . . . shall be eligible to the Office of President.“ Ted Cruz hat bislang immer wieder erklärt, da er der Sohn einer Amerikanerin sei, sei er von Geburt an ein „natural-born citizen“ und damit wählbar.

Dem widerspricht McManamon ganz klar. Sie führt den englischen Juristen William Blackstone an, dessen Ausführungen im 18. Jahrhundert auch als Maßstab für die US Verfassung hergehalten hat. Blackstone schrieb: „natural-born citizens“ wären nur „such as are born within the dominions of the crown of England“. Also nur jemand, der unter dem Einflussbereich der englischen Krone geboren wurde, sei von Geburt an ein Staatsbürger. Und auch James Madison, der als „Vater der amerikanischen Verfassung“ gewertet wird, schrieb: „It is an established maxim that birth is a criterion of allegiance. . . . [And] place is the most certain criterion; it is what applies in the United States.“ Danach kann Ted Cruz nicht Präsident werden, auch wenn er von Geburt an einen US Pass hatte, allerdings „nur“ als Sohn einer amerikanischen Mutter. Egal wie man es auch betrachten will, das kanadische Calgary war einfach nie eine amerikanische Enklave. „Sorry Ted, you’re fired!“

„Natural-Born Candidate“

Donald Trump nervte jahrelang mit einer Debatte über den Geburtsort von Präsident Barack Obama. Trump und viele in der sogenannten „Birther“-Szene wollten nicht wahrhaben, dass Obama auf Hawaii geboren wurde. Sie warfen dem damaligen Präsidentschaftskandidaten und dann „Commander in Chief“ vor, dessen Geburtsurkunde sei gefälscht, Barack Obama sei eigentlich in Kenia zur Welt gekommen und damit nicht wählbar. Auch der republikanische Senator John McCain, der 2008 gegen Obama antrat, mußte nachweisen, dass er ein „natural-born“ Amerikaner sei. McCain war zwar 1936 in Coco Solo in Panama geboren, doch das Gebiet des Panamakanals stand damals unter US amerikanischer Flagge und somit war der Senator aus Arizona wählbar. So die Auslegung des „Natural-Born Citizens.

"Isch bin kein Kanadier". Ted Cruz will ein "richtiger" Amerikaner sein. Foto: Reuters.

„Isch bin kein Kanadier“. Ted Cruz ist davon überzeugt, ein „richtiger“ Amerikaner zu sein. Foto: Reuters.

Diesmal ist alles anders. Ted Cruz, der Erzkonservative im Rennen, der sich durchaus Chancen auf die Kandidatur machen kann, wurde 1970 in Calgary, Kanada, geboren. Seine Mutter eine US Amerikanerin, der Vater ein Kubaner. Der Senator aus Texas hatte also von Geburt an auch einen amerikanischen Pass. Cruz behielt seine doppelte Staatsbürgerschaft bis zur Verkündigung seiner Kandidatur.

Trump, der nicht gerade einen sauberen Wahlkampf führt und in Iowa in den Umfragen hinter Cruz liegt, brachte nun die alte Frage wieder an. Was ist ein „natural-born citizen“, die Voraussetzung für den Job des US Präsidenten? Langt es, wie bei Ted Cruz, ein Elternteil mit amerikanischem Pass zu haben und somit von Beginn an amerikanischer Staatsbürger zu sein. Oder, wie das die „Birther“-Gemeinde um Donald Trump sieht, muß ein Präsident in den 50 Bundesstaaten oder auf amerikanischem Territorium, z.B. in einer Botschaft, geboren sein. Kanada fiele da zweifellos nicht darunter.

Donald Trump meinte am Mittwoch in einem Interview, die Wähler sollten das für sich entscheiden, ob sie jemanden wählen möchten, der dann erst einmal vor Gericht seine eigentliche Berechtigung für den Job abklären lassen muß. Das sei für das Land eine große Hürde. Er werde sicherlich nicht wieder eine Initiative wie bei Obama starten, finanzieren und unterstützen, ABER man solle sich darüber schon mal Gedanken machen.

Ted Cruz selbst wischte den Kommentar von Trump mit einem Lächeln vom Tisch. Seine Anwälte hätten alles genau geprüft, er sei US Amerikaner, „natural-born“, und somit „ready for the job in the White House“. Das Schlammcatchen, auch US Wahlkampf genannt, hat jetzt erst so richtig begonnen.