Einsatz in Afghanistan (Audio)

 

 

 

 

 

Polizeiausbildung in Kunduz (Audiobeitrag)      

 

 

 

 

 

Bundeswehreinsatz in Afghanistan (Audiobeitrag)     

Afghanistanreise – 14.12.2011

Aufstehen mit dicker Birne, denn als letzter im Container erhielt ich das obere Stockbett. Die Hitze steigt auf und mir brummt der Schädel. Frühstück und dann heißt es schon, der Flug verschiebt sich auf 9:10. Also, nochmal einen Kaffee gefasst. Man steht zusammen und unterhält sich. Auffallend viele Raucher sind hier dabei. Vielleicht fällt auch nur mir das auf, wenn man aus Kalifornien kommt rauchen sie überall viel. Aber man kann hier auch billig qualmen, die Packung Zigaretten kostet im Feldlager einen Euro.

Man kommt schnell ins Gespräch, lacht viel und ich höre mir die Geschichten der “erfahrenen” Afghanistanreisenden an. Einer erzählt von Kunduz und, dass das Lager mittlerweile auch ausgebaut wurde. Die Amerikaner, die Belgier, die Holländer, alle sind dort. Sowieso die Holländer hätten sich vor kurzem was geleistet. Da gab es anscheinend eine Zahlenverwechslung auf einem Bestellzettel und prompt wurden zwei Schnellboote im Container an den Hindukusch geliefert. Möglich ist hier alles, auch Boote für die Grachten in “Bad Kunduz”.

Warten. 12:10 Uhr es soll endlich losgehen. Wir hören schon die Transall über dem Flughafen, die gerade aus Mazar-e Sharif ankommt. Nach zwei Landeversuchen dreht sie wieder ab. Der Pilot sieht die Landebahn nicht und ohne gute Sicht keine Landung. Warten. Nach ein paar Stunden gibt es einen erneuten Versuch und diesmal klappt es. Um 16 Uhr sitze ich schließlich in der Transall, quer hinter einer Palette mit Erdinger Bier. Die Reihen mit Sitzen an den Seiten sind gefüllt. Einige lesen, andere hören über ihre mp3 Player Musik, die meisten dösen vor sich hin. Klar ist, wir kommen heute nicht mehr wie geplant nach Kunduz, das Wetter schlägt Kapriolen. Der Flug von Termez nach Mazar-e Sharif dauert nur 20 Minuten. Der Flugbegleiter meinte noch vor Abflug, dass die Maschine mit einem Selbstschutz ausgerüstet sei, d.h. hin und wieder werden Täuschungsgeschosse abgefeuert, wenn man meint angegriffen zu werden. Das ganze könne mit fliegerischen Ausweichmanövern einhergehen. “Aber das heißt nicht, dass die Maschine beschossen wird. In 99 Prozent ist das Fehlalarm. Also, guten Flug und frohe Weihnachten”. Beruhigend!

20 Minuten später landen wir sanft auf dem Rollfeld in Mazar-e Sharif. Mein Gepäck ist da und mit zwei weiteren Kunduzfliegern mache ich mich auf in ein Zelt neben der Landebahn. Ein paar leere Feldbetten, mehr gibt es nicht. Um 19.30 sollen wir wieder zur Abflughalle kommen, um zu sehen, auf welchem Weiterflug wir am kommenden Tag gebucht sind.

Ein kleiner Spaziergang, dann zur “Dining Hall” der Amerikaner. Bei den Deutschen essen zur Zeit deutlich weniger Soldaten, da erst vor kurzem rund 200 Soldaten nach einem Essen erkrankt sind. Der Vertrag mit dem Caterer wurde aufgelöst, nun wartet man auf 40 deutsche Köche. Die Amerikaner sind in Sachen Essenfassen perfekt organisiert. Es schmeckt, ist reichlich und man kann sich in aller Ruhe die Soldaten ansehen. Die Angehörigen der US Army erkennt man gleich an ihrem Gewehr, das sie nie ablegen. Man ist sicher in dieser Halle!

Nach dem Abendessen geht es wieder zum Flugplaner, natürlich steht mein Name nicht auf der Liste. “Wer sind sie?”, werde ich gefragt und “Wie kamen sie hierher?, als ob man einfach mal so ins Camp Marmal in Mazar-e Sharif reinfliegt. Wieder warten auf Abklärung durch einen Presseoffizier der Bundeswehr. Nach einer Stunde werde ich abgeholt. Ja, mit Ihnen haben wir gar nicht gerechnet, mit wem haben Sie das denn abgesprochen. Alles klärt sich auf, ich werde als “Stand by” auf die Maschine nach Kunduz gebucht. Das Gepäck wird im Zelt eingesammelt und in eine Stube gebracht. Sauber, richtiges Bett mit Bettwäsche, gleich gegenüber im Containergebäude der Naßbereich. Ich bin alleine im Zimmer, es könne aber sein, dass heute Nacht noch ein Kollege der ARD kommt, wenn sein Flug aus Kabul eintreffen sollte, heißt es. Ist aber nicht, die Nacht bin ich für mich, auch gut. Gute Nacht.

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Afghanistanreise – 13.12.2011

Flughafen Köln/Bonn, der Taxifahrer fragt erst einmal seine Kollegen, wie er zum militärischen Teil des Flughafens kommt. Beruhigend! Mit ein paar Umwegen schaffen wir es doch zum neugebauten Abflugterminal der Flugbereitschaft. Um 8:30 Uhr am Morgen, wie befohlen, bin ich da. Warten. Kurz nach 9 Uhr darf man einchecken. Und wieder Warten. Eines muß man lernen, wenn man mit der Bundeswehr unterwegs ist, man muß warten können. 11:30 Uhr sollte der Flieger gehen, steht zumindest in den Unterlagen, die ich vom Einsatzführungskommando in Potsdam erhalten habe, es wird 12:30 Uhr. Dann geht es los in einem grauen Airbus, Sitze etwas veraltet, meine Rückenlehne lehnt sich entspannt zurück.

Knapp sechs Stunden dauert der Flug von Köln nach Termez in Usbekistan. Mit vier Stunden Zeitverschiebung kommt man um halb elf dort an. Auf dem Flug merke ich zum ersten mal, dass die afghanische Botschaft in Washington ein falsches Einreisedatum in mein Visum gedruckt hat. Aber das stört die beiden usbekischen Grenzbeamten nicht, die vorne an der Tür stehen und sich die Pässe und Truppenausweise ansehen. Mitzählen heißt es für sie, denn für jeden, der hier durchkommt wird von Seiten der Bundesregierung ein Kopfgeld gezahlt. Usbekistan verdient sehr gut am Krieg im Nachbarland. Ein Angehöriger der Bundeswehr sammelt die Ausweise ein und mit einem kleinen Bus geht es zum Feldlager am Rande der Landebahn. Vor drei Jahren war ich schon mal hier, damals war alles sehr beengt. Wir schliefen in Zelten. Diesmal steht ein überhitzter Container zur Verfügung. Das Camp wurde großzügig erweitert und noch immer wird gebaut. In der Kantine kann ich mir zu später Stunde noch etwas zum Essen holen, noch eine Dusche, dann lege ich mich hin. Wetterlage neblig und nasskalt. Um 8:10 Uhr soll es für mich schon weitergehen, wobei klar ist eigentlich nichts. Gute Nacht.

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Auf zum Hindukusch

Ich sitze am Köln/Bonner Flughafen und warte auf meinen Flug. Es geht über Termez in Usbekistan nach Mazar-e Sharif in Afghanistan und dann weiter nach Kunduz. Und dort will ich ein Radioportrait für amerikanische Sender über den Einsatz der Bundeswehr produzieren, denn in den USA weiß so gut wie niemand, dass die Deutschen überhaupt am Hindukusch im Einsatz sind. Die Berichterstattung der amerikanischen Medien klingt meist so, als ob lediglich Amerikaner gegen die Taliban kämpfen.Von den internationalen ISAF Truppen erfährt man in den USA so gut wie nichts. Deshalb also meine Reise Richtung Osten.

Vor drei Jahren war ich schon einmal dort, ich bin gespannt, was sich verändert hat. Wenn es möglich ist, werde ich mich an dieser Stelle aus Kunduz melden.

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Besuch am Hindukusch – Reise in ein unbekanntes Land

Welcome to TermezEine für mich einmalige Reise! So kann ich zumindest den Versuch starten, das in Worte zu fassen, was ich in diesen paar Tagen erlebt habe. Mit einer Idee fing alles an, als im amerikanischen Wahlkampf immer wieder aufs Neue davon geredet wurde, die NATO Partner im Afghanistan Einsatz müssten mehr eingebunden werden. Amerika klotzt und die Verbündeten zögern, hiess es immer wieder. Klar wurde dabei, die amerikanische und auch kanadische Öffentlichkeit weiss so gut wie nichts davon, dass Deutschland in Afghanistan präsent ist, mit derzeit 3500 Soldaten und Soldatinnen, das drittstärkste Kontingent stellt und im Norden einen Weg geht, der durchaus empfehlens- und auch nachahmungswert ist – nämlich Partnerschaft und Kooperation.

Mit dieser Idee und meiner Möglichkeit durch Radio Goethe vor allem junge Hörer in Nordamerika zu erreichen, wollte ich mir den Einsatz der deutschen Soldaten mal selbst ansehen. Über das Auswärtige Amt kam ich mit dem Verteidigungsministerium in Verbindung und nach etwas hin und her stand der Termin. Eine Woche Afghanistan, zu den Einsatzorten Mazar-e Sharif und Kunduz. Und was ich in diesen paar Tagen sehen konnte, war vielfältig, war neu, war alles hoch interessant. Schon die Anreise über Termez in Usbekistan. Man kommt am Abend mit einem Airbus aus Köln auf einem Flugfeld an, bleibt dort über Nacht, untergebracht in Zelten, und fliegt am Tag darauf mit einer Transall weiter nach Mazar-e Sharif in Afghanistan. Zwanzig Minuten Flug, etwas steil geht es dann runter. Eine riesige Anlage haben sich die Deutschen da aufgebaut. Auch andere Truppen der ISAF sind im Lager zu sehen. Kroaten, Schweden, Norweger, Amerikaner, Engländer, Ungarn, Franzosen…

Für alles ist gesorgt, eine kleine Stadt neben der eigentlichen Stadt wurde aufgebaut, denn der Grossteil der Soldaten, darf im viermonatigen Einsatz, die Kaserne überhaupt nicht verlassen. Nur jene Kräfte, die dienstlich raus müssen, können raus. Die meisten der Deutschen werden von Afghanistan keine grossen Eindrücke mit nach Hause nehmen.

Am ersten Tag fuhr ich mit ein paar Journalisten Kollegen im Taxi in die Stadt Mazar-e Sharif, um die “Blaue Moschee” zu besuchen, DIE Sehenswürdigkeit in der Gegend. Das Glaubenshaus lag unter einer dicken Schneedecke. Noch kurz eine Einkaufsstrasse gesehen und schon ging es vor Einbruch der Dunkelheit zurück. Auf der verschneiten Strasse blockierten plötzlich mehrere Autos die Fahrbahn, sofort kamen einem alle Horrogeschichten hoch, die man in den letzten Wochen und Monaten gehört hatte. Doch es war nur ein liegengebliebenes Fahrzeug, nichts besonderes, etwas ganz normales bei den Strassenverhältnissen. Allerdings merkten wir, dass wir in Afghanistan angekommen waren, die innere Spannung hatte sich aufgebaut.

Im Lager ist man in Containerbarracken untergebracht. Nicht komfortabel, aber weitaus besser als in Zelten. Alle, bis auf die Ausnahme der Lagerleitung, aber auch höhere Dienstgrade, sind zu dritt auf den kleinen Zimmern untergebracht. Es besteht keine Privatsphäre, nicht beim Schlafen, nicht beim Duschen, nicht auf den Toiletten. Und auch die Büros sind gut besetzt. Gearbeitet wird sieben Tage die Woche, nur am Freitagmorgen hat man frei. Vier Monate lang ohne mal alleine zu sein zehrt. Klar, sagt jetzt der eine oder andere, die Soldaten haben gewusst, auf was sie sich da einlassen. Ich stimme Ihnen zu, allerdings sollte man die Diskussion über den Einsatz in Afghanistan nicht auf der Basis führen, ob ein finanzieller Zuschlag von derzeit 92 Euro pro Tag und Kopf gewährleistet sei und, ob zwei Dosen Bier für die Soldaten pro Tag gerechtfertigt ist. Ich habe in meiner Zeit dort keinen einzigen betrunkenen und/oder aggressiven Soldaten gesehen und habe vielmehr vollen Respekt davor bekommen, was die Angehörigen der Bundeswehr dort machen. Journalisten werden dort durchgeschleust, jeden Tag. Und dennoch waren alle freundlich, stets hilfsbereit und offen, von ihrer Arbeit und den Eindrücken zu berichten.

Am zweiten Tag in Mazar-e Sharif gingen wir auf eine Patrouille, die uns in ein kleines Dorf führen sollte. Mit drei “Dingos” ging es los, schwergewichtige und gepanzerte Fahrzeuge, die problemlos die Winterlandschaft durchquerten. Am Rande der kleinen Ansiedlung wurde angehalten, Splitterwesten angelegt und der Kommandoführer mit ein paar Soldaten (und drei Pressevertretern im Schlepptau) liefen auf eines der Häuser zu. Draussen positionierten sich mehrere Soldaten. Wir wurden ins Haus eingeladen, sassen auf dem Boden und hörten zu, was der “Malek”, der Bürgermeister des Dorfes, zu berichten hatte. Er sprach von Projekten, die bereits mit Hilfe der Deutschen angegangen wurden, was noch ansteht, aber auch, dass er nun ein “Hadschi” sei, ein Gläubiger, der gerade von seiner Reise nach Mekka zurück gekehrt war. Und auch meine Fragen beantworteten die Afghanen geduldig. Mich interessierte vor allem, wie sie es empfinden, dass die Deutschen hier im Raum mit Splitterwesten und zum Teil bewaffnet sitzen und gleichzeitig über Möglichkeiten der Winterhilfe sprechen, Kinderkleidung und Holz für das Dach der Moschee besorgen wollen. Ich weiss nicht, ob die Männer im Raum anders geantwortet hätten, wenn die Bundeswehrangehörigen nicht dabei gewesen wären, aber sie erklärten, dass Deutschland und Afghanistan schon sehr lange eine enge Beziehung verbinde. Und sie verständen gut, dass man sich in diesen Zeiten schützen müsse, also mache es ihnen nichts aus, dass bewaffnete Soldaten im Zimmer seien. Einer der Alten griff bei diesen Ausführungen des Bürgermeisters, die Splitterbrille des Truppführers und setzte sie auf. Alle mussten bei diesem Anblick lachen, eine sehr lockere und entspannte Atmosphäre herrschte im Zimmer. Tee und Brot, Plätzchen, Nüsse und Süsses wurde gereicht.

Nach einer halben Stunde ging es wieder los. Draussen warteten zahlreiche Kinder, die uns mit den Alten verabschiedeten. Die Kleinen trugen Jacken mit dem ISAF Logo, ein Zeichen dafür, dass einiges der Hilfe ankommt. Auch wenn mir im Laufe der Reise mehrere Gesprächspartner erklärten, dass in diese Region bereits mehr als 100 Milliarden Dollar geflossen seien, doch nach wie vor rund 1,2 Millionen Afghanen von direkter Nahrungsmittelhilfe abhängig sind. Der letzte kalte und schneereiche Winter hatte zu starken Ernteausfällen geführt, was zur Folge hat, dass in diesen Wochen die deutschen Patrouillen den Kontakt zu lokalen Bürgermeistern suchen, um herauszufinden, was gebraucht wird. Ganz direkt, ganz unkompliziert.