Trump und Erdogan reden über Bomben

Am 2. Februar 2016 explodierte an Bord des Daallo Airlines Flug 159 von Mogadischu nach Dschibuti eine Bombe und riss ein Loch in die Außenwand. Glücklicherweise wurde nur ein Mensch getötet, der Bombenleger. Die Maschine konnte sicher landen. Was allerdings die Alarmglocken der Geheimdienste aufschrillen ließ, waren die Umstände dieses Attentats. Eigentlich waren 69 der 73 Passagiere auf der Turkish Airlines Maschine Richtung Istanbul gebucht. Doch schlechtes Wetter verhinderte die Landung der TK687. Die Passagiere wurden kurzerhand auf die Daallo Airlines umgebucht, um dann in Dschibuti ihren Weiterflug nach Istanbul zu erreichen.

Eine Bombe in einem Laptop riss ein Loch in die Außenwand von Flug Daalo Airlines 159 von Mogadischu nach Dschibuti. Foto: Reuters.

Als Bombenleger wurde der 55jährige Abdullahi Abdisalam Borleh ausgemacht. Ein Lehrer in einer islamischen Schule in Hargeisa, Somaliland, der bislang nicht auffällig war. Borleh hatte ein Visum für die Türkei. Somaliland gilt als sichere und terrorfreie Gegend am Horn von Afrika. Auf Sicherheitskameras im abgesicherten Flughafenbereich von Mogadischu sind allerdings zwei Männer zu sehen, die Borleh einen Laptop überreichen. Und darin, so die Ermittler, war der Sprengstoff versteckt. Die Al-Shabaab Miliz übernahm später die Verantwortung für den Anschlag, der eigentlich der Turkish Airlines Maschine gegolten haben sollte. Die Türkei als NATO-Mitgliedssstaat war das Ziel des Terrorplans.

Diese Tatsache erschütterte die Nachrichtendienste weltweit, denn anscheinend war der Laptop problemlos und unerkannt durch die Sicherheitskontrollen des Flughafens gelangt. Von meinen Reisen nach Somaliland und Puntland/Somalia weiß ich, dass an den Flughäfen mehrmals verlangt wird, dass mitgeführte technische Geräte angeschaltet werden müssen. Der Laptop auf dem Flug 159 der Daallo Airlines war also keine Attrappe.

Die amerikanischen, britischen und türkischen Nachrichtendienste vor Ort erkannten die Zeichen der Zeit. Ein einschaltbarer Laptop konnte zu einer Bombe umfunktioniert und der Sprengstoff nicht bei den herkömmlichen Flughafenkontrollen erkannt werden. Aus diesem Grund erließen die USA im März das Verbot von Laptops an Bord auf Flügen aus der Türkei, dem Nahen Osten und Nordafrika. Und nun soll das Verbot erweitert werden. Auch Flüge aus Europa in die USA könnten sehr bald von dem Laptopbann an Bord betroffen sein.

Donald Trump hatte mit dem russischen Außenminister Sergei Lavrov und dem russischen Botschafter Sergey Kislyak über genau dieses Thema gesprochen und dabei wohl Quellen der Ermittlungen genannt. Denkbar ist aufgrund der genauen Untersuchungen nach dem Anschlag in Mogadischu, dass die Türkei die Quelle der Information ist, die Trump nun ausgeplaudert hat. Die Türkei ist sehr gut am Horn von Afrika vernetzt, unterstützt die Regierungen in Mogadischu und auch im somaliländischen Hargeisa. Die massive und umfangreiche Präsenz der Türken in der Region ist schon seit langem nicht mehr zu übersehen. Wenn nun also der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Donald Trump im Oval Office besucht, könnte das Gespräch auch um den Zwischenfall in Mogadischu gehen. „Sorry, Recep“. „No problem, Donald, just give me Gülen“.

 

Wann ist Liechtenstein dran?

Nun also die Schweden. Ein Land im Chaos. Horden von muslimischen Flüchtlingen überrennen die friedlichen Landschaften von Astrid Lindgren. Sie rauben, vergewaltigen, verprügeln, brandschatzen und terrorisieren die arme schwedische Bevölkerung. Wer das sagt? Donald Trump, seines Zeichens amerikanischer Präsident. Und der muß es ja wissen, immerhin kann er sich auf die besten Geheimdienste verlassen: CIA, NSA, FBI.

Aber gerade das tut Trump nicht. Wie es heißt, weigert er sich, die täglichen Sicherheits-Briefings seiner Nachrichtendienste zu besuchen. Die hätten ihm vielleicht gesagt, dass zwischen Malmö und Övre Soppero die Welt eigentlich in Ordnung ist. Trump schaut lieber Fernsehen, vor allem FOXNews, einen Sender, den er immer wieder in seinen Tweets „great“ nennt. Dort lief am Freitag ein Interview von Moderator Tucker Carlson mit dem „Dokumentarfilmer“ Ami Horowitz. Horowitz beschrieb darin, wie auch in seinem Film, die gewaltigen Probleme, mit denen Schweden zu kämpfen habe, nachdem das Land sehr viele Flüchtlinge aufgenommen hat.

Donald Trump hat sich also bei seinen jüngsten „Fake News“ auf ein Interview mit einem Filmemacher bezogen, der einen sehr fragwürdigen Film produziert hat. Denn selbst interviewte Polizisten in dem „Dokumentarstreifen“ erklärten der Washington Post, dass ihre Antworten falsch wiedergegeben wurden.

Aber Trump wäre nicht Trump, wenn er zugeben würde, dass ihm da ein peinlicher Fehler unterlaufen sei. Er twittert vielmehr allwissend, dass die „Fake News Medien“ die Situation in Schweden nun schön reden wollten. Er kennt sich ja schließlich aus, im vergangen Jahr meinte Trump, die Menschen in Oakland lebten in einer der gefährlichsten Städte der Welt, Oakland sei noch gefährlicher als Baghdad. Trump erklärt die Welt, wie sie ihm gefällt. Wann endlich schaut er nach Liechtenstein und warnt vor der „LMAA“….der Liechtensteiner Muslim Anti-Amerika Gruppe!

Ein großer Staatsmann geht

In diesen Tagen wird viel über Barack Obama berichtet. Was hat er erreicht, was nicht? Welche politischen Erfolge und Misserfolge gab es in seiner Amtszeit? Wie hat er Washington, die USA, die Welt geprägt? Sein Nachfolger ist so ganz anders. Donald Trump tritt selbstherrlich und selbstverliebt auf, „Me Me Me“ ist seine Aussage, so ganz anders als das „You You You“ von Barack Obama. Es gibt viele Kritikpunkte an dem scheidenden Präsidenten. Es gibt viele Kritiker, die froh sind, dass die Obama Ära endlich vorbei ist. Doch was ihn ausgemacht hat, sind Momente, wie dieser hier, als Barack Obama nach dem Blutbad in einer Kirche in Charleston, South Carolina, zur Gedenkfeier kommt, die Rede hält und dann „Amazing Grace“ anstimmt. Ein Lied, das heute eng mit der Bürgerrechtsbewegung in den USA verbunden ist. Es ist kein Kitsch und keine Show, vielmehr drückt diese Symbolik all das aus, für was Barack Obama angetreten ist und gewählt wurde:

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„Sie hätte es aber sagen können“

Es ist schon eine komische Zeit in der wir leben. In den USA macht ein Kandidat Schmalspur-Wahlkampf und auch als gewählter Präsident äußert er sich am liebsten in Form von 140 Zeichen. Twitter ist sein Sprachrohr, darüber erklärt er und kommentiert komplizierteste tagespolitische Themen. Auf Facebook werden problem- und kritiklos erfundene Nachrichten und Kommentare verbreitet und diese bejubelt. Selbst wenn man diejenigen darauf hinweist, wie im Falle eines falschen Zitats, das der Grünen Politikerin Claudia Roth untergeschoben wurde, dass Roth so etwas nie gesagt habe, kommt zur Antwort: „Sie hätte es aber sagen können„. Der entsprechende Post auf Facebook wurde deshalb nicht gelöscht.

Nun habe ich vor ein paar Tagen ein Bild mit einem Text auf meiner Facebook Seite veröffentlicht: „Wir haben nicht Terror wegen der vielen Flüchtlinge, sondern wir haben so viele Flüchtlinge wegen Terror“. Ein Textbildchen, darunter steht als Absender Caritas. Ich habe dieses Bild geteilt, einfach so, als einen kleinen Denkanstoss in einer schwierigen Zeit.

Doch das war ein Fehler. Zwar stimmten sehr viele „Facebook Freunde“ diesen Zeilen zu, etliche teilten dieses Bild auch weiter, aber es gab auch einige, die daraufhin eine unsägliche Diskussion begannen. Es wurde auf Flüchtinge geschimpft, sie als „potentiellen Schläger„, als „Grabbscher und Gangreserve“ bezeichnet. Von der „Leitpresse“ ist da die Rede und „Wer Auslandspresse liest ist besser informiert„. Fragwürdige Propagandalinks wurden da gesetzt. Ein erfahrener Journalist und von mir sehr geschätzter Kollege bekommt zur Antwort: „Ok ich verstehe schon, wer im Mediengeschäft ist muß sich heute so verhalten, das ist die offizielle Sprachregelung, sonst ist man leider schnell erledigt.“ Einer Bekannten, die Promoterin im Musikbereich ist und einen Einwand liefert, wird gesagt: „„öffentlichkeits“arbeiter“Innen müssen sowat sagen. dafür werden sie bezahlt“.

Natürlich werden auch wieder die USA beschuldigt, Verschwörungstheorien über Hintermänner und -frauen der jüngsten Terrorattacke von Berlin geliefert, Zitat: „Die EU und D, sind koloniale Erfüllungsgehilfen„. Auch werden für die Meinungsbildung zahlreiche Quellen benutzt, manchmal durchaus fragwürdig: „Meine Friseurin in der Heimatstadt erzählte mir entsetzt, alle 4 Moscheen würden Radikalisierung betreiben.“ Pauschal werden Muslime verurteilt: „Ihre Sozialisation ist eben so, dass Frauen minderwertig sind.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird als „obermuddi“ bezeichnet, die mit ihrer „bande ihre grenzflutung erreicht„. Und die Caritasschelte darf natürlich auch nicht fehlen, immerhin ist der katholische Wohlfahrtsverband für das am Anfang stehende Zitat verantwortlich: „caritas & co verdienen sich dumm und dämlich dran. auf kosten des steuerzahlers.“

Mir wurde vorgeworfen, ich sei „naiv„, ich verbreite „ein sehr oberflächlich populistisches Bild„. Eigentlich waren es doch nur diese wenigen Worte: Wir haben nicht Terror wegen der vielen Flüchtlinge, sondern wir haben so viele Flüchtlinge wegen Terror. Und dann so eine heftige Reaktion, die mich nachdenklich und auch betroffen macht über die Art und Weise des Umgangs miteinander, der Diskussionsebene, der Problembewältigung. Klar, ich könnte einige dieser „Facebook Freunde“ sperren oder einfach alles unkommentiert lassen. Aber das ändert ja nichts daran, dass es in diesen „sozialen Medien“ viele gibt, die sich ihr eigenes Bild der Welt und seiner Abläufe gebastelt haben. Nach dem Wahlausgang in den USA, der auf Lügen, Verschwörungstheorien und Hasstiraden aufgebaut war, schaue ich mehr als besorgt auf das, was da im kommenden Jahr in Deutschland passieren könnte. Die Zeichen lassen sich nicht mehr übersehen.

Leben mit dem Terror

Berlin, Breitscheidplatz. Der Terror trifft die deutsche Hauptstadt. Kein militärisches, kein politisches Ziel, vielmehr das alltägliche Leben. Viele fragen, wo kann man noch sicher sein, wenn nicht unbekümmert und feiernd, einen Glühwein trinkend auf einem Weihnachtsmarkt?

Wir alle leben schon sehr lange mit der Angst vor der Gewalt. Nicht erst seit dem 19. Dezember 2016, nicht erst seit dem 11. September 2001. Auch wenn es so scheint, der Terror ist nicht neu in unserem Leben. Die „University of Maryland“ sammelt seit Jahren in ihrer „Global Terrorism Database (GTD)“ die Daten und Fakten von Terroranschlägen rund um den Globus. Mehr als 150.000 Vorfälle zwischen Januar 1970 und Dezember 2015 wurden darin aufgelistet. In Europa waren es in diesem Zeitraum 18.803 Terroranschläge bei denen 10.537 Menschen ums Leben kamen. Die Zahl der Anschläge nahm nicht zu, allerdings stieg 2014 und 2015 die Zahl der Todesopfer auf einen Höchststand seit 2004.

Wir leben schon lange mit dem Terror: Foto: Reuters.

Zwischen den 70er und 90er Jahren war der Terror für Europa eher ein nationales Problem. Die IRA bombte in England und Irland, die ETA in Spanien, die RAF in Deutschland, die Roten Brigaden in Italien, die Action Directe in Frankreich. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs verrutschte auch der Schwerpunkt der Angriffe auf der Landkarte des Terrors Richtung Osten. Plötzlich gab es Anschläge in Russland, der Ukraine, im Kaukasus. Der Terror hat dann mit den Anschlägen vom 11. September 2001 auch noch einen anderen, einen neuen und nicht weniger brutalen Anstrich bekommen. Statt Bomben und Blut für vermeintliche politische Ziele, wurden nun auch noch die Menschen im Namen Allahs terrorisiert.

Es sind bedrückende Zahlen, die man in diesen trockenen Statistiken lesen kann. Auch jene, die beschreibt, dass im Zeitraum zwischen Januar 2015 und Juni 2016 in Europa und Amerika 658 Menschen bei 46 Terroranschlägen ihr Leben verloren. Im Nahen Osten, Afrika und Asien gab es im gleichen Zeitraum 50mal mehr Todesopfer. 20.031 Menschen starben bei 2.063 Angriffen. Das Blutbad reicht um den Globus.

Wir leben mit der Terrorgefahr und das schon lange. Der gewaltsame Versuch einiger weniger, das Leben der Mehrheit zu verändern ist Teil des Alltags geworden. In den USA, im Irak, in Somalia und auch in Deutschland. Die Art und Weise, die Intensität der Anschläge und die Zahl der Todesopfer hat zugenommen. Mit dem Anschlag von Berlin werden wir wachgerüttelt, dass es hier „auch“ passieren kann. Obwohl wir das schon lange wissen und damit leben, damit zu leben gelernt haben.

Berlin, Trump und der Islamische Staat

Mir wird schwindelig bei all diesen Nachrichten am Morgen. Das Newsrad dreht sich und alles mögliche wird veröffentlicht und verbreitet. Donald Trump twittert zu Ankara, Zürich und Berlin, die Jewish Press schreibt, zu dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt habe sich der Islamische Staat bekannt. Auch das Rechtsaußen Newsportal Breitbart zieht nach und behauptet, IS Unterstützer feierten bereits die Anschläge in Berlin und Ankara.

Die Welt dreht am Rad. Nachrichten und solche, die es sein sollen, werden in diesen Stunden massig verbreitet. Einen Überblick hat niemand, aber jeder hat eine Meinung. Die konservative Tageszeitung „Washington Examiner“ titelt: „Trump after Berlin: The Islamic State must be ‚eradicated'“. Donald Trump werde sich einmischen, so die Zeitung, nach acht Jahren Barack Obama nun endlich jemand, der den Terroristen und ihren Hintermännern und Netzwerken die Stirn zeige. Der Examiner ist eines der Sprachrohre der konservativen Bewegung in den USA. Trump ist nun fast in Amt und Würden, die Hardliner feiern schon jetzt und zeigen auf Obama, der am Tag der Anschläge lieber Golf im Weihnachtsurlaub auf Hawaii spielte.

Die Rechtsaußen Kommentatorin, Michelle Malkin, beliebter Gast auf FOXNews, twittert polemisch: „Open borders + welfare state + dhimmitude = suicide“. „New Republic“ schreibt: „The Berlin Christmas market attack is a gift to Europe’s far right.“ Das Attentat von Berlin sei ein Geschenk für die Rechten in Europa. Angela Merkel müsse sich im kommenden Jahr einer Wiederwahl stellen, der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt würde sie jedoch in die Enge treiben, die Rechtsaußen Parteien stärken. Und es scheint genau so zu kommen. Der NRW-Landesvorsitzende der AfD, Marcus Pretzell, twitterte schon kurz nach dem Anschlag: „Wann schlägt der deutsche Rechtsstaat zurück? Wann hört diese verfluchte Heuchelei endlich auf? Es sind Merkels Tote!“ Auch die Konkurrenzpartei der AfD, die NPD, macht mobil. Auf ihrer facebook Seite unterlegt sie ihren Kommentar zu dem Anschlag mit den Hashtags: „Leistet Widerstand“, „GrenzenSichern“, „DeutschlandSchützen“, „IslamisierungStoppen“ und „KriminelleAusländerRaus“. Klare Ansagen, wie sich der Ton in den kommenden Wochen und Monaten anhören wird.

 

Nächster Stopp Niamey

Es geht wieder los. Niamey, die Hauptstadt des Niger ist das Ziel. Angela Merkel war erst dort, nein, ich folge nicht auf ihren Spuren, diese Reise stand schon lange fest. Der Niger ist eines der ärmsten Länder der Welt. 2013 nahm das Land den letzten Platz im „Bericht für humane Entwicklung“ des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) ein. Allein die Nachbarstaaten machen schon deutlich, in welcher Krisenregion der Niger liegt. Im Norden Libyen und Algerien, im Westen Mali und Burkina Faso, im Osten der Tschad, im Süden Nigeria und Benin.

Der Niger liegt mitten im umkämpften Gebiet von al-Qaida im Maghreb, unterschiedlichsten Rebellengruppen und kriminellen Banden in der Sahel-Zone und den Boko Haram Terroristen, die im Norden Nigerias, gleich an der südlichen Grenze des Nigers, ihren Terrorstaat errichten wollen und auch in den Nachbarländern Unruhe stiften. Und diese Sicherheitslage macht eine Reise in den Niger zu einem schwierigen Unterfangen. Eigentlich sollten wir zahlreiche Entwicklungshilfe-, Notfall- und Flüchtlingsprojekte in verschiedenen Teilen des Landes besuchen. Doch daraus wird wohl nichts. Der Südosten des Landes grenzt an den Nordosten Nigerias, dem Machtbereich der Boko Haram Terroristen. Und dort herrscht derzeit eine Hungerkatastrophe, die unbeachtet von der Weltgemeinschaft ein riesiges Ausmaß angenommen hat. Nicht nur das, die umliegenden Länder werden immer mehr in diese Krise hineingezogen. Doch dorthin können wir nicht reisen, der Zugang wurde uns aus Sicherheitsgründen im Vorfeld schon verwehrt.

Es war angedacht, ein Flüchtlingslager für „Refugees“ aus Mali im Westen des Niger zu besuchen. Am vergangenen Freitag wurde jedoch ein amerikanischer Entwicklungshelfer entführt, nachdem zwei seiner Sicherheitsleute erschossen wurden. Der Amerikaner wurde von einer Gruppe nach Mali gebracht, wer genau dahinter steckt ist unklar. Doch damit wurden in der Region zahlreiche Projekte von Hilfsorganisationen vorerst gestoppt. Besuche sind daher nicht mehr möglich.

Ein Land in der Dauerkrise. Neben Armut, Hunger, Umweltproblemen, fehlender wirtschaftlicher Entwicklung nun auch noch die katastrophale Sicherheitslage. Ich bin gespannt auf diese Reise in das Nachbarland des Tschad, eine Reise mit Hindernissen und Einschränkungen, aber das ist dann ja auch wieder normal.

Terror-Trump greift an

"Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der "greatest" im ganzen Land. Foto: AFP.

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der „greatest“ im ganzen Land. Foto: AFP.

Er baut auf die Angst. Donald Trump nutzt das jüngste Terrorattentat in New York sofort und gnadenlos aus. Als die selbstgebaute Bombe im Stadtteil Chelsea hochging, noch keinerlei Informationen über Täter oder Hintergrund bekannt waren, erklärte Trump in einer Wahlveranstaltung, dass es ein Terrorangriff gewesen sei. Die Menge buhte und der Donald erklärte, nur er allein könne Amerika retten.

In gleich mehreren Tweets griff er seitdem seine demokratische Kontrahentin an, so, als ob unter einer Trump-Administration der Terror ein Ende finden würde:

„Unter der Führung von Obama & Clinton haben die Amerikaner mehr Angriffe daheim erlebt, als Siege im Ausland. Zeit, den Spielplan zu ändern!“

„Mehr als 10.000 Flüchtlinge aus Syrien kommen. Viele junge Männer, kaum geprüft.“

„Wiedereinmal war jemand, der uns als ok dargestellt wurde, ein Terrorist, der unser Land & seine Bewohner zerstören will – wie kam er durch das System?“

„Hillary Clintons Schwäche als Außenministerin hat Terroristen überall auf der Welt ermutigt.“

Donald Trump ist von sich als Retter, als Heilsbringer überzeugt. Es fehlt nur noch, dass er sich selbst als von Gott gesandt darstellt. Er werde Amerika wieder „great“ machen, das heißt, aufräumen, das Militär stärken, Verhandlungen auf internationaler Ebene bedeuten für ihn Schwäche zeigen. Amerika müsse wieder die führende Nation sein, bedeutet, alle anderen müssen nach der Nase Amerikas, in dem Fall Donald Trumps Zinken tanzen.

Der Mann ist von sich überzeugt, ist selbstverliebt. Eigentlich täglich sitze ich da, schaue mir die Interviews mit ihm auf FOXNews an, lese die Artikel über ihn in diversen Zeitungen und auf Nachrichtenplattformen und frage mich, wie man nur so ein Riesenego haben kann? Klar, jeder, der auf dieser politischen Bühne spielt, muß von sich überzeugt sein. Doch einen wie Trump hat selbst Amerika noch nicht gesehen. Ganz sicher schütteln sie in Hollywood den Kopf, denn in Tinseltown wäre eine Story wie diese noch nicht einmal als Comedy umgesetzt worden. Unglaublich, was derzeit in den USA passiert.

 

 

 

 

„Wo warst Du an 9/11?“

9/11 - Der Tag, an dem sich alles änderte. Foto: Reuters.

9/11 – Der Tag, an dem sich alles änderte. Foto: Reuters.

Diese Frage hat jeder schon gehört: Wo warst Du am 11. September 2001? Klar, niemand hat das vergessen, wo er zum ersten Mal die Bilder von den brennenden Türmen des World Trade Centers gesehen hat. Ich war daheim und wurde von Antenne Thüringen geweckt: „Sag mal, was ist denn da los bei Euch?“ Zu dem Zeitpunkt war erst einer der Flieger in die Türme geknallt. Als ich dann den Fernseher anmachte, flog gerade das zweite Flugzeug ins WTC. Damit war klar, alles wird sich ändern.

Amerika stand auf einmal im Krieg, wurde angegriffen und vorgeführt von einer Handvoll Terroristen. Die stärkste Armee der Welt hilflos, das große Ego gekränkt, der Glaube an die Unverwundbarkeit Amerikas fand ein jähes Ende. Seitdem ist alles anders. Die USA haben nicht nur Billionen an Dollar im Krieg gegen den Terror verpulvert, sie haben auch ihre Leichtigkeit verloren. Von den Folgen der militärischen Einsätze in Afghanistan und im Irak brauche ich nicht reden, darüber wurden viele Bücher und Artikel geschrieben und in den sozialen Medien hat jeder eine Meinung über deren Sinn und Unsinn.

Was ich mit 9/11 verbinde, sind vor allem die Veränderungen, die diese Attacken mit sich brachten. Seit diesem Tag im September 2001 bestimmt die Angst die amerikanische Politik und das Leben in diesem Land. Überall, so scheint es, lauern die Bösen, nur darauf wartend, endlich loszuschlagen. Im derzeitigen Wahlkampf sieht man ganz deutlich, was 9/11 mit den USA gemacht hat. Der republikanische Kandidat, Donald Trump, baut seine gesamte Kampagne auf die Angst vor den anderen auf. Er will Amerika abschotten, sichern, das Militär stärken, Muslime nicht ins Land lassen. Er schürt die Angst vor den Fremden, den Ausländern, redet davon, Amerika wieder „great“ zu machen. Was er damit meint ist unklar. Zumindest ist es nicht das, für was Amerika einmal stand, einmal vor 9/11: Jene Leichtigkeit, Lockerheit, leben und leben lassen, die den „American Way of Life“ ausmachten

Die Angst vor den Terroristen ist sicherlich real und dann doch auch so abstrakt. Es lähmt das Leben hier, es bestimmt den Alltag. Eigentlich überall. Wohin man auch geht und fährt und reist wird man an die Terrorgefahr erinnert. Nicht nur auf den Flughäfen der Metropolen, sondern selbst in abgelegenen Kleinstädtchen, die kein Terrorist je auf einer Landkarte finden würde wird vor der Terrorgefahr gewarnt. Sogar in entlegenen Nationalparks habe ich Warnschilder gesehen. Macht das Sinn? Nein, macht es nicht. Aber das ist nun das Leben im Post-9/11 Alltag der USA.

Amerika nach dem Blutbad von Orlando

Die Ermittlungen laufen nach dem Blutbad von Orlando auf Hochtouren. Foto: Reuters.

Die Ermittlungen laufen nach dem Blutbad von Orlando auf Hochtouren. Foto: Reuters.

Gibt es neue Erkenntnisse über den 29jährigen Täter Omar Mateen?

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand scheint es sich um die Tat eines Einzelkämpfers zu handeln, der, wie Präsident Barack Obama am Montag erklärte, über das Internet radikalisiert wurde. Die Ermittlungsbehörden gehen zur Zeit weit über 100 Spuren nach, die von Florida bis in die afghanische Hauptstadt Kabul reichen. Von dort stammt die Familie des 29jährigen Täters Omar Mateen. Derzeit liegen keine Hinweise darauf vor, dass eine ausländische Terrororganisation den Anschlag geplant hatte oder, dass es direkte oder indirekte Verbindungen zwischen Mateen und dem Islamischen Staat gab. Mateen hatte ja während des Anrufs bei der Notrufnummer 911 davon gesprochen, dass er für den IS kämpfe. Und die Terrororganisation erklärte über twitter, dass Omar Mateen ein “Soldat des Kalifats” sei.

Und das Motiv? Weiss man da mehr?

Das FBI und weitere Ermittlungsbehörden suchen derzeit fieberhaft nach ergänzenden Spuren. Auch, ob es doch noch irgendwo Hintermänner, ob es Helfer gab. Zum Beispiel weiß man, dass die Schußwaffen, die Omar Mateen bei sich hatte vor wenigen Tagen gekauft wurden. Im Wagen des Attentäters fanden die Polizisten jedoch eine weitere Schußwaffe, woher die stammt ist noch unklar. Es gibt derzeit wohl etliche Durchsuchungsbefehle, aber es ist wohl noch zu früh genauere Ermittlungsergebnisse bekannt zu geben.

Wie beeinflusst der Anschlag die Stimmung in den USA?

Der Anschlag war ja nicht einfach ein Terrorangriff auf ein symbolisches Ziel, wie das Pentagon oder die Golden Gate Bridge. In Orlando wurde Amerika im Herzen getroffen. An einem Abend, an dem in einem Tanzclub eine “Latin Night” gefeiert wurde, griff ein bewaffneter Extremist an, tötete 49 Menschen und verletzte Dutzende weitere, davon schweben einige noch in Lebensgefahr. Und der Attentäter wurde nicht in einem Terrorcamp im Irak oder Afghanistan ausgebildet, er war Amerikaner, wurde hier geboren, ging hier zur Schule, wuchs hier auf. Dieser Anschlag führt den Amerikanern ganz deutlich vor Augen, dass es überall und zu jeder Zeit passieren kann. Am Sonntag gab es überall in den USA Solidaritätsveranstaltungen, wo Tausende von Menschen zusammen kamen. Und dennoch, die Spaltung Amerikas wird durch diesen Anschlag auch deutlich.

Donald Trump instrumentalisiert die Bluttat für seinen Wahlkampf. Schafft er es mit seiner Hass-Stimmung zu punkten?

Das Lachhafte ist derzeit, dass sich Donald Trump als Beschützer der Gay-Szene hinstellt. Am Montag erklärte er in einer Rede, dass mit ihm als Präsident so etwas wie in Orlando nicht passieren würde. Er beschuldigte Präsident Obama sogar erneut, ein Muslim zu sein, der deshalb, nach Trumps Aussagen, nichts gegen radikale Islamisten unternehme. Also Obama verfolge bewusst die Absicht Amerika zu schaden. Trump polarisiert in diesem Wahlkampf, das ist nichts neues. Seine Fans, nennen wir seine Wähler ruhig so, finden das gut. Sie finden, endlich ist da einer, der Volkes Stimme spricht. Aber, das muß man ganz deutlich sagen, Donald Trump spricht nicht für das amerikanische Volk. In der eigenen Partei rücken immer mehr Leute von ihm ab, gerade auch durch solche erneuten Forderungen nach einem Einreiseverbot für Muslime. Am Ende könnte das Hillary Clinton nützen, sie wird nicht geliebt, aber sie ist für viele die bessere Alternative als zu dem Egomanen Donald Trump.