Wo warst Du am 11.9.2001?

9 Jahre nach dem 11. September 2001     

Man braucht nicht viel zu diesen Bildern sagen. Man erinnert sich an diesen Tag, weiss noch ganz genau wo man war, was man in diesen Stunden machte.

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Von der Sprachlosigkeit

Als Journalist erlebt man vieles, was man lange, sehr lange mit sich rumschleppt. Man sieht Dinge, die einen nicht mehr verlassen. Man spricht mit Menschen, hört ihre Geschichten, ihre Erlebnisse, versucht zu verstehen. Manchmal geht das, manchmal geht es nur zum Teil, manchmal geht es gar nicht. Man schreibt, berichtet, versucht das in Worte zu fassen, mitzuteilen, irgendwie verständlich zu machen, was Erich Kästner mal sehr treffend als so fürchterlich beschrieben hat, „daß man darüber nicht schweigen darf und nicht sprechen kann“. Man kommt in solche Situationen und weiss nicht, wie man da wieder heil raus kommt.

Als Journalist habe ich schon über viele „Stories“ berichtet. Ich habe über den „Job“ viele Menschen kennen gelernt, die zu Freunden wurden. Ich habe bei Interviews gelacht, bis ich nicht mehr konnte. Journalist sein ist ein wunderschöner Beruf. Doch es sind eben gerade diese intensiven Geschichten, die man mit sich rumträgt, die einen nicht mehr verlassen. Bernard Offen, Überlebender des Holocaust, den ich nach einem Interview in San Francisco wieder bei den Feierlichkeiten zur Befreiung des Konzentrationslagers Dachau traf. Er lud mich ein, mit ihm und der amerikanischen Reisegruppe zu Abend zu essen. Am Tisch unterhielten wir uns, sie berichteten und ich hörte einfach nur zu. Und dann rollte einer nach dem anderen den Ärmel nach oben und zeigte mir seine Tätowierung auf dem Unterarm. Ich habe mich noch nie so geschämt Deutscher zu sein.

Manche Besuche im Todestrakt von San Quentin gehören auch auf diese Liste des Unbeschreiblichen. Dort habe ich mehrmals mit Häftlingen gesprochen, deren Hinrichtung angesetzt war. Man ist um Worte verlegen, gerade am Ende eines solchen Gesprächs. Es gibt immer wieder Interviews und Gespräche mit Menschen, die einen nicht mehr loslassen. Ehemalige deutsche Internierte im Zweiten Weltkrieg in den USA, die noch immer auf ein Schuldeingeständnis jenes Landes warten, in das sie flüchteten. Alte Männer, die wissen, sie haben nicht mehr viel Zeit.

Da sind Dinge, die man sieht, die man versucht in Worte zu fassen. Die Bilder von den Terrorangriffen des 11. Septembers, als Menschen aus den brennenden World Trade Center Türmen in den sicheren Tod sprangen. Man sah sie, aber man berichtete nicht darüber. Die Toten in Juarez, Mexiko, mit Kugeln durchsiebt, geschändet und niedergemetzelt, die dort zum abendlichen Stadtbild gehören. Die Berichte und die Bilder des Genozids in Ruanda, ein „Thema“ in das ich irgendwie hinein stolperte. Ich saß Schwester Milgitha in Kaduha gegenüber und hörte ihr nur zu. Danach trat ich nach draussen, atmete ganz tief durch und merkte, was für eine Last Worte sein können.

Und Sie fragen sich nun, was das alles mit diesem Blogeintrag zu tun hat? Ja, eigentlich wollte ich hier „nur“ über den Film „Dark Water Rising“ berichten, den ich gerade auf DVD gesehen habe. Ein Film über die Rettungsversuche nach den Hurricanes Katrina und Rita, die New Orleans verwüsteten. Die Regierung rettete die Menschen, die Haustiere wurden zurück gelassen. Nur wenige tausend überlebten. Dieser Film zeigt die Organisationen und Freiwilligen, die nach New Orleans kamen, von Haus zu Haus gingen und die Tiere retteten, die man finden konnte und die noch am Leben waren. Diese Bilder brachten für mich die anderen Bilder hoch und ich war froh, dass ich 2005 nicht nach New Orleans ging, um über das Ausmass der Katastrophe, das Unvermögen der amerikanischen Regierung und der offiziellen Stellen zu berichten. Und vor allem nicht über das, was man hier sehen kann. Doch schauen Sie selbst, der gesamte Film liegt auch als youtube Video vor:

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