Test #2

Morgen geht mein Flieger nach Deutschland, am Mittwoch lande ich dann in München. Als Vorgabe gilt, ich muß bei meiner Einreise einen Covid-19 Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Deshalb ließ ich mir heute nocheinmal einen Abstrich nehmen, der war aber deutlich unangenehmer als der erste in der vergangenen Woche.

Einmal schnell einen Abstrich in der Garage.

Diesmal hatte ich bei meiner Versicherung und meinem Provider „Kaiser“ einen Testtermin in Oakland ausgemacht. In einer der Parkgaragen am Broadway fand es diesmal statt. Der „Security Guard“ an der Einfahrt kommunizierte per Schild, Ausweis und Versicherungskarte sollten sichtbar vor die Windschutzscheibe gelegt werden, das Fenster geschlossen bleiben. Vor mir etwa acht Autos. Eine Mitarbeiterin von Kaiser lief dann zu meinem Wagen und hakte meinen Namen auf einer Liste ab, danach kam sie, befestigte „mein“ Testkit am Scheibenwischer.

Nach etwa zehn Minuten war ich dran, erneut wurde mein Name auf der Versicherungskarte mit meinem Ausweis durch die Scheibe abgeglichen, dann durfte ich das Fahrerfenster öffnen. Eine Ärztin begrüßte mich und erklärte, was sie machen wird. Erst einen Abstrich aus meinem Rachen, dann jeweils einen Abstrich aus meinen Nasenlöchern. Und dann meinte sie noch: „Please don’t touch me, if it’s too much, just take a break“.

Der Wattestab wurde mir tief in den Mund geschoben, der Rachenabstrich war grenzwertig, ich begann zu würgen. Danach schob sie mir das Stäbchen tief ins linke Nasenloch, zehn Sekunden später ins rechte. „Thank you and goodbye“. Das wars, unangenehm, aber eben notwendig. Kaiser war professionell und effizient, alles genau geplant. Nun hoffe ich darauf, dass auch dieser Test negativ ist und ich keine böse Überraschung nach dem Landen in München erlebe. Wenn morgen dann noch der Flieger wie geplant abhebt, dann ist klar, Nürnberg ich komme.

„An der Ostküste ist der Atlantik“

Heute hatte ich meinen Einbürgerungstest. Downtown San Francisco, 10:45 am Morgen. Erstmal ging es durch einen Metalldetektor, dann zur Anmeldung. Dort wurden gleich mal wieder Fingerabdrücke abgenommen und ein nettes Foto von mir gemacht. Die Dame am Auslöser meinte „it’s a good one“. Na, da bin ich beruhigt.

Anschließend ging es in den zweiten Stock. Kurz warten, dann holte mich eine junge Beamtin im Warteraum ab. Wir plauschten kurz. Auf Englisch. In ihrem Büro wurde ich zuerst vereidigt, ja, ich werde hier die Wahrheit sagen, danach zeigte ich ihr meinen kalifornischen Führerschein, um mich auszuweisen, meinen deutschen Pass, den sie interessiert durchblätterte. Visa von Afghanistan, Kongo, Burundi und allerhand Stempel…ich dachte, da müsste doch eine Frage kommen, aber nichts. Nun ging es an meine Englischkenntnisse, die zuallererst getestet wurden. Ich mußte einen Satz vorlesen „What color is the American flag?“. Und dann die Antwort aufschreiben, die mir die nette Beamtin vorsagte: „The American flag ist red, white and blue“. Das schaffte ich. Ohne Probleme. Sprachtest bestanden.

Danach ging es zum Wissenstest. Vor ein paar Wochen wurde ich zum Fingerabdrucknehmen und Fotografieren vorgeladen, da erhielt ich auch ein Heft „Learn about the Unitet States“. 100 Fragen aus Geschichte, Geographie und Politik. Dazu die Antworten. Und aus diesem Fragenkatalog wählte die Beamtin 10 Fragen aus. Sieben mußten richtig beantwortet werden.

– „What is freedom of religion?“ – You can practic any religion, or not practice ?

– „What ocean is on the East Coast of the United States?“ – The Atlantic ?

– „Name one state that borders Canada?“ – North Dakota ?

– „How many U.S. Senators are there?“ – 100 ?

– „When must all men register for the Selective Service?“ – Age 18 ?

– „When was the Constitution written?“ – 1787 ?

– „What is the capital of the United States?“ – Washington, D.C. ?

Sieben richtige Antworten. Das war es. „Congratulations, you passed the test“.

Nun gingen wir nochmals alle Papiere durch. Nochmal mußte ich beantworten, dass ich weder hier bin, um den Präsidenten zu stürzen, noch dass ich jemals Terroristen unterstützt habe.

„That’s all“….in ein paar Wochen muß ich nun noch in einer Veranstaltung mit rund 1300 Neubürgern einen Schwur ablegen, dann bin ich amtlich Amerikaner.

Und ich bleibe Deutscher. Eine Frage stellte ich mir allerdings immer wieder während dieses ganzen Prozedere, warum ist sowas nicht in Deutschland möglich? Warum erlaubt mir der deutsche Staat meine Staatsbürgerschaft zu behalten und eine andere anzunehmen , wenn ich glaubwürdig nachweisen kann, dass ich noch enge Kontakte und Verbindungen nach Deutschland habe? Die doppelte Staatsbürgerschaft ist in meinem Fall möglich. Warum wird dieses Recht nicht den vielen „ausländischen Mitbürgern“ in Deutschland zuerkannt, die noch enge Kontakte und Verbindungen in ihr Herkunftsland oder das Land ihrer Eltern haben? Muss ich das verstehen, kann ich das verstehen? Nein, das verstehe ich nicht!