An einem Tag im Jahr Danke sagen

Amerika rückt an diesem einen Tag zusammen. Es ist Thanksgiving, Highways, Flughäfen, Bus- und Bahnstationen sind überfüllt. Viele wollen nach Hause, zu ihren Eltern, ihren Familien. Am Abend wird gemeinsam gegessen, getrunken, gefeiert. Und auch Danke gesagt. Für was, das ist ganz unterschiedlich.

Aber Thanksgiving ist in diesen Tagen auch politisiert worden. Natürlich von Donald Trump, der erst bei der alljährlichen Begnadigung eines Truthahns im Rose Garden des Weißen Hauses ein paar Breitseiten gegen die Demokraten abfeuerte, um dann auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida zu erklären, es gebe in diesem Land Leute, die „Thanksgiving“ umbenennen wollten. Aber nicht mit ihm. Wer diese Leute sein sollen, sagte er nicht. Klar, auch dieser Schuss ging Richtung Demokraten.

Truthahnfreies Thanksgiving Dinner.

Thanksgiving ist eigentlich ein schöner Feiertag. Man kommt zusammen, isst gemeinsam, unterhält sich, denkt auch mal darüber nach, für was man eigentlich dankbar sein sollte. Die Läden haben geschlossen, eine Kommerzialisierung dieses Festtages gibt es nicht. Familie, Freunde stehen im Mittelpunkt. Aber es ist auch ein Tag, an dem es oftmals zu Gewalt kommt. Häusliche Gewalt, Streitereien und die haben wohl zugenommen, in einem Land, das politisch mehr als gespalten ist. In einigen Häusern wurden deshalb vorweg klare Regeln gesetzt. Keine Diskussionen über Religion und Politik. Gerade letzteres führt im Trump-Zeitalter zu mehr als hitzigen Debatten.

Es ist nicht leicht in diesen Tagen überhaupt das Gespräch mit Trump Anhängern, Trump Begeisterten, Trump Jüngern zu führen. Ich hatte in den letzten Jahren mehrmals die Erfahrungen gemacht, dass mir Leute klipp und klar gesagt haben, über Politik und Trump wollen sie nicht sprechen, das führe zu nichts. Manche konnte ich überzeugen, dass ich gerne mit ihnen diskutieren würde, einfach um zu erfahren, wie sie ticken. Ich sage dann meistens, dass ich in der San Francisco Bay Area auf einer politischen Insel lebe, in der Donald Trump bei der Wahl 2016 in Städten wie Oakland oder Berkeley gerade mal ein paar Prozentpunkte erhalten hat. Deshalb würde ich gerne einfach die andere Seite hören und für mich zählt am Ende sowieso „I can agree to disagree“.

Solche Gespräche gehen mit Fremden. Man kommt, sitzt zusammen, geht wieder. Schwierig ist das, wenn solche politischen Gräben durch Familien und Freundschaften gehen. Hier in den USA habe ich das bislang noch nicht erleben müssen, wie gesagt, ich lebe auf einer politischen Insel. In Deutschland hingegen kenne ich Leute, die die AfD unterstützen, keine engen Freunde, aber langjährige Bekannte. Wie soll man damit umgehen? Kontakte abbrechen, ignorieren oder die Auseinandersetzung suchen?

Doch zurück zu Thanksgiving, ein Tag, dessen Bedeutung ich als Zugezogener und Neu-Amerikaner erst einmal über die Jahre kennenlernen musste, doch den ich mittlerweile gerne auch zum Nachdenken, zum Reflektieren nutze. Es ist ruhig draußen. Dankbar bin ich für viele Menschen in meinem Leben, für vieles was ich gesehen, erlebt, erfahren durfte. Und ich bin gespannt, wie ich am nächsten Thanksgiving auf das zurück blicken werde, was 2020 alles passiert ist.

Der Tag, an dem man Danke sagt

Eigentlich ist Thanksgiving ein schöner Feiertag. Die Läden schliessen, es wird ruhig auf den Straßen, man sitzt zusammen, isst, trinkt, teilt, geht ein bisschen in sich, blickt zurück und sagt Danke. Danke für das, was einen im ergangenen Jahr bewegt hat, was man richtig gemacht, was man überstanden hat, Danke an die, die bei einem waren, die zu einem gestanden haben. Und Thanksgiving an sich wurde nie kommerzialisiert, auch wenn gleich am nächsten Tag der größte Shopping Tag des Jahres ansteht – der Black Friday.

Ich schreibe eigentlich, denn nichts ist mehr so, wie es einmal war. Im Weißen Haus sitzt ein Präsident, der es sogar schafft, diesen Tag zu politisieren. Seine Tweets und seine Videobotschaft an diesem Donnerstag belegen dies. Trump kann nicht einfach mal ruhig sein oder eine Nachricht in die Welt schicken, die alle Amerikaner betrifft. Er muss immer etwas sagen, was ihn miteinbezieht, was polarisiert. Die klassische Weltsicht eines Egozentrikers.

In diesem Jahr ist viel passiert, vor allem auch hinterm Trump’schen Horizont. Aber das wird kaum wahrgenommen. Die Hungerkrise in Somalia, Südsudan, Nordnigeria und Jemen. Die verstörenden Bilder aus diesen Ländern, die Hoffnungslosigkeit der Menschen, das schiere Elend. Krieg, Hunger, Not. Die gewaltigen Naturkatastrophen rund um den Globus, die Flüchtlingskrisen auf allen Kontinenten. Und das alles vor diesem politischen Schmierentheater in Washington, in dem die Gesellschaft tief gespalten wird, Diktatoren hofiert und Hilfsgelder gekürzt werden, die politische Weitsicht zu einer sehr beschränkten Kurzsichtigkeit verkommt. Eine Nabelschau, die nur noch peinlich berührt.

Thanksgiving ist und bleibt einfach mehr, das sollte man an diesem Tag in den USA nicht vergessen. In diesem Sinne, ein „schönes Erntedankfest“ 2017!

Alle Jahre wieder

Amerika bereitet sich auf die heiße Einkaufszeit in der Vorweihnachtszeit vor. Der Tag nach Thanksgiving ist mit dem „Black Friday“ der alles entscheidende Tag, die Preise purzeln in den Keller, die Konsumenten stehen schon Stunden vor den Öffnungszeiten Schlange, um die begehrten Supersonderangebote zu bekommen. Mein Tipp für die Tage nach Thanksgiving, Einkaufen unbedingt vermeiden, denn es ist ein Alptraum irgendwo in die Nähe eines Shopping Centers oder nach Downtown San Francisco zu fahren. Von der friedlichen Vorweihnachtszeit keine Spur. Stau, keine Parkplätze, nervige Zeitgenossen, lange, lange Warteschlangen, wohin man auch geht.

Was die mittlerweile einflussreiche LGBT – Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender – Szene vorgemacht hat, wird nun von einer starken christlichen Gruppe nachgemacht. Die „Faith Driven Consumer“ Organisation hat zu einem „buycott“ und nicht zu einem Boykott aufgerufen. Heißt, die christliche Konsumentengruppe hat, wie auch die LGBT Gemeinde, eine Liste von Geschäften veröffentlicht, die ihren Grund- und Wertvorstellungen entsprechen. 300 Unternehmen haben es bislang auf die Liste geschafft, die von 0 -100 bewertet werden. Je höher die Note, je christlicher das Unternehmen, unter 50 ist also mangelhaft. An führender Position die Hähnchenbrateri Chick-fil-A mit 63 Punkten, gefolgt von Hobby Lobby mit 62 Punkten. Dahinter Interstate Batteries (61), Tyson Foods (60), Cracker Barrel (53), Walmart (51) und Thrivent Financial mit gerade noch 50 Punkten.

„Faith Driven Consumers“ erklärte, mit dieser Liste möchte man Anhaltspunkte für Käufer liefern. Man sehe aber auch, dass viele Unternehmen noch einiges für eine willkommene Atmosphäre für christliche Konsumenten ändern müssten. Wenn eine Firma, so die Gruppe, einen „Gay Pride Day“ erlaube, dann sollte sie auch einen „Bibelstudien“ Tag für Mitarbeiter und Kunden erlauben.

Ade Thanksgiving

Thanksgiving ist der wohl wichtigste Feiertag in den USA. Ein Tag, den man mit Familie und Freunden verbringt. Und wohl auch der einzigste, der bislang nicht kommerzialisiert wurde. Klar, man ißt und trinkt an dem Tag viel, aber es gibt weder Geschenke noch Verkleidungen. Es gibt kein großes Tam-Tam und keine großen Thanksgivingwerbekampagnen. Sogar die meisten Läden und Restaurants haben bislang ihre Türen an diesem vierten Donnerstag im November geschlossen.

Doch nun hat man wohl auch diesem friedlichen Feiertag ein Ende gesetzt. Etliche der großen Warenhäuser und Spezialgeschäfte, von WalMart bis Best Buy haben bereits am Donnerstag den „Black Friday“ eingeläutet. Begeisterte Shopper standen schon tagelang vorher in den Schlangen vor den Läden. Ja, sie campten vor der Tür, um die besten „Deals“ zu bekommen. „Black Friday“ ist der Freitag nach Thanksgiving, der wichtigste Verkaufstag des Einzelhandels im Jahr. Dann gibt es Supersonderangebote und die heiße Zeit des Weihnachtsshoppings wird eröffnet. Läden locken mit Preisangeboten wie 49 Dollar Computer Tablets. Oder Flachbildschirmen für ein Zehntel des normalen Verkaufspreises.

Das ist die eine Seite des „Black Friday“, und dann ist da auch die, dass man sich gegenseitig in den Läden umrennt, sich auf den Parkplätzen um Parkplätze prügelt, mit viel Schmackes und Ellbogen sich nach vorne drängelt. Das gibt es nun eben auch an Thanksgiving, dem Tag im Jahr, an dem man mal reflektieren, in sich gehen sollte. An dem man Danke sagt. Danke wohl nun dafür, dass man lebendig aus dem Konsumrausch heraus gekommen ist.

YouTube Preview Image

Happy Thanksgiving

First ThanksgivingHeute ist Thanksgiving, wie immer am letzten Donnerstag im November. Ein amerikanischer Feiertag, der so nur noch in Kanada gefeiert wird. Und dieser Tag ist für die Amerikaner wichtiger als Weihnachten. Irgendwie können da alle feiern, egal welcher Religion, Herkunft, sexuellen und politischen Orientierung sie angehören. Es ist das Familienfest schlechthin und sogar die Läden machen früh dicht, damit sich die Mitarbeiter in den Schoss der „heilen“ Familie begeben können. Irgendwie hat diesen Tag noch keiner richtig kommerzialisieren können. Das ist total unamerikanisch.

Na ja, nur ein paar Stunden später beginnt der Kaufrausch wieder. Viele Geschäfte und Warenhäuser öffnen schon um Mitternacht ihre Türe für den „Black Friday“, den wichtigsten Verkaufstag in den USA mit unglaublichen Angeboten. Aber an dem Tag braucht man Schuhe mit Stahlkappen, sonst latscht einem jeder auf die Füsse. Der „Black Friday“ wird in diesem Jahr auch als Barometer für die Wirtschaft gesehen, wenn der Rubel rollt ist alles wieder im Lot. Wenn aber mit den Dollars geknausert wird, beginnt das Grummeln, über die langanhaltende wirtschaftliche Talsohle.

Das Wetter ist heute schön hier in Kalifornien, rund 20 Grad, angenehm warm. Werde mal etwas laufen gehen, Thanksgiving ist ja nicht unbedingt ein Fest für mich…aber beim Laufen kriegt man den Kopf frei und kann sich mal überlegen, für was man in diesem Jahr dankbar ist…

Hier noch ein nettes Video vom letzten Jahr, als Sarah Palin noch Gouverneurin von Alaska war. In ihrer Funktion begnadigte sie auch einen Truthahn vor dem Abschlachten und sprach von den schönen Traditionen und dem bedeutenden, friedlichen Familienfest. Danach gab sie ein Interview und merkte nicht, was da hinter ihr passierte. Also mal genau auf die Aktivitäten im Hintergrund achten!

YouTube Preview Image

A time to say thanks

20081126_3_p112608jb_0093_515h.jpgHeute ist Thanksgiving, immer am letzten Donnerstag im November wird dieser wichtigste amerikanische Feiertag begangen. Das schöne an Thanksgiving ist, es ist kein kommerzielles Ereignis. Es gibt keine Geschenke, sogar die Läden machen für ein paar Stunden zu. Es scheint so, als ob man mal tief durch atmet, aus atmet und einfach mal sein kann.

Präsident Bush beschrieb diesen Tag in seiner letzten wöchentlichen Radioansprache:

President Bush      

Und gestern begnadigte er die Truthähne „Pumpkin“ und „Pecan“, die damit vor der Bratenröhre gerettet wurden. Die ganze Zeremonie kann man hier hören:

Pardon     

Und der neue Präsident Barack Obama half mit seiner Familie am Tag vor Thanksgiving in einer Obdachlosenküche aus. Das ist auch Tradition in Amerika und an diesem Feiertag. Die Not steigt in den USA, das wird deutlich. Alleine in der Glide Memorial Church in San Francisco werden heute mehr als 7000 Thanksgiving Dinners ausgegeben. 2000 mehr als noch im Vorjahr.

YouTube Preview Image