Sonntagmorgen in San Quentin

7:45 Uhr am Sonntagmorgen. Über der San Francisco Bay strahlt die Sonne. Überpünktlich reihe ich mich in die Schlange ein. Vor mir mehrere Frauen, die „loved ones“ im Staatsgefängnis von San Quentin besuchen wollen. Darunter auch eine Engländerin, die viermal im Jahr nach Kalifornien reist, um ihren Mann zu sehen. Das ist keine Ausnahme, der Zellennachbar von Reno ist mit einer Frau aus Nürnberg verheiratet. Sie hatten sich per Brieffreundschaft kennengelernt. Nun ruft er zweimal am Tag vom Golden Gate in Franken an, sie besucht ihn mehrmals im Jahr.

„San Quentin, you’ve been living hell to me“ (Johnny Cash).

Als ich endlich zur Kontrolle dran bin, meint der Officer, meine Hose sei grün, das sei nicht erlaubt. Ich versuche ihm klar zu machen, dass meine Hose grau ist und ich sie schon mehrmals in San Quentin an hatte. Hier herrscht eine strenge Kleiderordnung. Keine blauen Jeans, kein Orange, kein Grün. Alles Farben, die von Häftlingen oder Wärtern getragen werden. Im Falle eines Falles will man so schnell Besucher von den „Inmates“ unterscheiden können. Der Fall der Fälle ist nicht ganz klar, aber Regel ist Regel. Schließlich lässt man mich mit meiner grauen Hose durch, mit dem Versprechen diese beim nächsten Besuch nicht mehr zu tragen. Langsam habe ich ein Problem in meinem Schrank, es sieht so aus, als ob ich mir eine offizielle Anstaltshose besorgen muss.

Der Weg vom Eingang zum „East Block“, in dem die zum Tode Verurteilten einsitzen ist immer wieder faszinierend. Gerade an einem frühen Morgen. Entlang der Bay, mit Blick auf Tiburon und Angel Island, dahinter die Skylines von San Francisco und Oakland. Nach der zweiten Sicherheitskontrolle bin ich endlich mit 45 Minuten Verspätung im Besucherraum. Schnell ein paar Dosen Cola, ein paar Burger und Popcorn aus den Automaten gezogen, in der Mikrowelle warm gemacht und dann werde ich mit Reno in einem ein Meter mal zwei Meter grossen/kleinen Stahlkäfig eingesperrt. Eine kurze Umarmung und dann reden wir.

Er erzählt etwas von seinem Fall, von seiner Gesundheit, davon, dass am Freitag im Außenbereich des Todestraktes ein anderer Häftling erstochen wurde und noch im Hof starb. Ein Warnschuss sei abgegeben worden, doch das half wohl nichts. Ein Streit führte zu den tödlichen Stichen, wie das „Shank“ auf den Hof kam sei noch unklar. Alltag in San Quentin.

Nach zwei Stunden ist der Besuch zu Ende. Der 73jährige wird mit Handschellen abgeführt, erst dann wird die Käftigtür auf meiner Seite geöffnet. Bevor er geht sagt Reno noch, dass er Ende Oktober ein Jubiläum habe. Seit 40 Jahren sei er nun hinter Gittern. Ein Grund zum Feiern gibt es da wohl nicht. Doch, trink einen auf mich, meint er und lacht. Bis zum nächsten Mal.

Zum Tod von Robin Williams

      Robin Williams
Robin Williams

Robin Williams

Er war einer von vielen Stars, die in der San Francisco Bay Area leben. Doch Robin Williams war anders, man sah ihn beim Joggen, im Comedy Club, im Restaurant. Er war zugänglich, es schien, er genoss es richtiggehend ins tägliche „normale“ Leben einzutauchen. Sein Tod kam überraschend, auch wenn man von Williams‘ Alkoholproblemen und seinen Depressionen wußte. Er verheimlichte es nicht, sprach offen in Interviews darüber. In den USA und besonders in der San Francsico Bay Area war man geschockt von dieser Nachricht. Viele Kollegen sprachen von ihm als Freund, als großartigen Schauspieler, als begnadeten Komiker. Doch am Ende, war er mit seiner Entscheidung alleine.

Dazu der aktuelle Audiobericht.

I lost my heart in San Francisco

…zumindest von gegenüber. Denn dort im Reichenviertel von Belvedere lebt, oder besser lebte Tony Bennett. Wenn man mit der Fähre von San Francisco nach Tiburon fährt, sieht man links die Landzunge Belvedere mit ihren Mansions, Villen und Wahnsinnsausblicken. Hier wohnen die Superreichen, bis vor ein paar Jahren auch das Ehepaar Agassi/Graf. Und eben Tony Bennett, der vom einen Schlafzimmerfenster aus einen Blick auf die Stadt hatte, die ihm mit einem Song Millionen Dollar einbrachte, vom anderen aus beim Aufwachen direkt die Golden Gate Bridge im Blick hatte.

Doch Tony Bennett hat sich anscheinend satt gesehen. Das Konto ist voll, er muß nicht mehr nach drüben schauen, um sich an die Songzeilen zu erinnern. Nun will er seine kleine Behausung verkaufen, für schlappe 27 Millionen 500.000 Dollar ist das Anwesen zu haben. 6 Schlafzimmer, 8 Badezimmer, Ausblicke auf die Bay und auf Mount Tamalpais und Parkmöglichkeiten für einen ganzen Fuhrpark inklusive. Aufgrund des bekannten Eigentümers gehen Immobilienmakler davon aus, dass man schnell zugreifen sollte, falls man tiefe Taschen hat. Innerhalb von nur 30 Tagen soll das Haus einen neuen Besitzer gefunden haben.