Back in the U-S-AIH

Da ist man mal ein paar Wochen weg und schon geht es hier rund wie bei Hempels unterm Sofa. Der Wahlkampf ist mehr als erhitzt, ein Thema ist das geplante Islamzentrum in der Nähe von „Ground Zero“ in New York. Die einen sehen es als Symbol für ein offenes Amerika, die anderen als Provokation auf heiligem Grund. Der frühere Sprecher des US Kongresses Newt Gingrich verstieg sich gar in die Aussage, der Bau einer Moschee in der Nähe von Ground Zero käme Nazi Plakaten vor dem Holocaust Museum in Washington DC gleich. Noch Fragen!? Und Obama? Na, der ist sowieso ein verkappter Muslim, der Amerika den Terroristen ausliefern will, so die weit verbreitete Meinung in diesen Tagen. Was soll man da noch sagen? Die sogenannten „Tea Party“ Kandidaten im konservativen und rechten Lager der Republikaner werden immer erfolgreicher und machen es der Partei und den erfahrenen Politikern auch nicht leichter. Da stehen uns noch ein paar sehr schöne, unterhaltsame und äußerst schmutzige Wahlkampfwochen bevor.

In San Francisco kamen gleich zwei deutsche Touristen innerhalb einer Woche ums Leben. Doch vor allem der Tod des 21jährigen Radfahrers Nils Linke schlägt hier hohe Wellen. Der Täter, ein 37jähriger, stieg nach dem Zusammenprall aus dem Auto, räumte Teile des Fahrrads zur Seite, tauschte den Fahrersitz mit seiner Freundin und floh. Der deutsche Tourist lag unterdessen sterbend auf der Straße. Nur kurze Zeit später wurde der Fahrer gestellt und aufgrund von Zeugenaussagen auch verhaftet. Vor Gericht kam nur das lapidare „Not guilty“.

Oben ohne in SFAber auch die ganz seltsamen, typisch amerikanischen Stories dürfen in diesen Tagen nicht fehlen. Gestern gab es den dritten „Go Topless Day“ in den USA. Also nackte Brust zeigen. Eine Handvoll zumeist männlicher Aktivisten stellte sich dafür in Downtown San Francisco oben ohne hin und verlangte auch für Frauen das Recht in der Öffentlichkeit obenrum nackig sein zu dürfen. Das sei nur eine Form der Gleichberechtigung, meinten die männlichen Protestierer. Denn in den USA dürfen Frauen nirgendwo „topless“ sein. Der Haken an dieser Geschichte ist, dass hinter dieser Aktivistengruppe eine eher skurile Organisation steckt, die „Raelian Movement“. Das ist so eine Art freie Sex Scientology Kommune, die wie die Jünger von L. Ron Hubbard glaubt, dass vor langer Zeit Außerirdische mit Ufos kamen und die Menschen geformt haben. Was das nun mit nackigen Brüsten zu tun hat, weiß ich auch nicht, aber egal….Ich bin zurück in den USA, welcome back!

Die Seehunde sind aufgetaucht

Seehunde in FlorenceEs war die Frage aller Fragen in San Francisco. Fast über Nacht verschwand die riesige Seehundpopulation, die sich seit Jahren am Pier 39 breit gemacht hatte. Keiner wusste, wohin die mehrere tausend Seehund starke Gruppe geschwommen war. Doch nun tauchten sie wieder auf. Rund 2000 der Meeressäuger steckten nun vor der Küste Oregons ihre Köpfe aus dem Wasser. Einige Hundert nisteten sich gleich in Höhlen unweit der Stadt Florence ein.

Der Grund für die Abwanderung der Seehunde aus der San Francisco Bay Area scheint nun auch geklärt zu sein. Vor der Küste Oregons ist das Wasser kälter, die Strömung kommt direkt von Alaska und dort sind Heringe und andere Köstlichkeiten für die Seehunde zu finden. Das El Nino Phänomen in diesem Jahr hat nämlich die Fische nach Norden verdrängt, nun sind die Seehunde einfach hinterher geschwommen. Ob sie wieder zurück in de Bay Area kommen ist fraglich. Erst nach dem grossen Loma Prieta Erdbeben 1989 verlegten die Seehunde ihren Ruheplatz von vor dem Cliff House nach Pier 39.

Seehunde tauchen ab

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Nach dem Loma Prieta Erdbeben von 1989 siedelten sich die Seehunde in der San Francisco Bay Area am Pier 39 an. Niemand konnte erklären, was die Tiere dazu brachte ihren Felsen vor dem Cliff House zu verlassen und sich auf den Holzstegen am Pier 39 breit zu machen. Und nichts half die lautstarken Seehunde wieder zu vertreiben, über die sich zwar die Touristen freuten aber die Fischer und Händler in der Gegend beschwerten. Über die Jahre akzeptierte man allerdings diese Touristenattraktion. Die Seehund Rettungsstation „Marin Mammal Centre“ in Sausalito eröffnete sogar einen Informations- und Geschenkestand.

Pier 39Am 23. Oktober wurden am Pier 39 sage und schreibe 1701 Seehunde gezählt, die teils in Schichten übereinander und kreuz und quer lagen. Man kam sich vor wie in der Strassenbahn nach einem mal siegreichen Clubspiel, so laut und so voll war es. Doch dann passierte etwas völlig unerwartetes. Am Montagabend schlummerten gerade mal vier Seehunde auf dem Pier. Keiner weiss, was geschehen war, niemand kann sagen, wo der Rest der Herde abgeblieben ist. Alles ist mausestill, ruhig, nix mehr los am Pier und die Touristen ziehen enttäuscht von dannen.