Es weihnachtet sehr

Es geht auf das Jahresende zu. Das merke ich daran, dass es bei Trader Joe’s wieder Schmidt Lebkuchen gibt und im Briefkasten die neueste Strassenkreuzer Compilation liegt, alljährlich ein Einklang auf die Weihnachtszeit. Nummer 16 ist das nun schon, erneut eine passende Hommage an die Musikszene aus dem Großraum Nürnberg. Es sind nicht die großen, bekannten Namen, die hier auftauchen. Vielmehr gehen die Strassenkreuzer Produzenten in die Breite. Und das ist gut so. Wieder wurde ein bekanntes Plattencover gecovert, diesmal das Rockdisco Album „Dynasty“ von Kiss. Sogar der größte Hit von dieser Platte „I was made for lovin‘ you“, eigenwillig eingespielt von der Thilo Wolf Big Band, ist auf „Strassenkreuzer – Dynasty“ zu finden.

Alljährlich stellt ein Team des Sozialmagazins Strassenkreuzer dieses Benefizalbum zusammen. Die Bands und Musiker darauf stiften ihre Songs für den guten Zweck. Vertrieben wird die CD ganz direkt von den Verkäufern des Strassenkreuzers auf der Straße und kostet etwas mehr als einen Kreuzer, aber das ist gut angelegtes Geld. Zum einen unterstützt man direkt die Verkäufer und das Projekt Strassenkreuzer. Zum anderen erhält man ein wunderbares Klangbild der vielseitigen und vielschichtigen Musikszene aus dem Großraum.

Und es lohnt sich wie immer. #16 hat wunderschöne Musikperlen zu bieten, das reicht von Peggy Reeder über Vincent von Flieger, bis hin zu Oropa und Lena Dobler. Diesmal fallen mir vor allem eher die ruhigeren Töne auf, vielleicht liegt es am Herbst Blues und der kommenden ruhigeren Jahreszeit. Diese Compilation liefert einen Genre übergreifenden Eindruck wie Nürnberg und das Umland klingt. Musik spielt sich nicht nur in den deutschen Weltmetropolen Berlin, Hamburg und München ab, ganz im Gegenteil. Die Strassenkreuzer CD belegt, dass Nürnberg und sein Einzugsbereich musikalisch viel zu bieten hat, es lohnt sich auf Entdeckungsreise zu gehen. Allein die Liste der Unterstützer dieses Songprojektes spricht für sich: Doppelpunkt, Radio Z, Curt Magazin, MUZ, Micropal Records. Nürnberg hat in Sachen Sound was zu bieten, das kann man wieder und wieder auf der Strassenkreuzer CD #16 hören.

 

Die Erde bebt in Kalifornien

Aldi Läden sehen weltweit gleich aus.

Aldi Läden sehen weltweit gleich aus.

Diesmal allerdings ist es nicht die San Andreas Spalte, die sich bemerkbar macht. Diesmal ist es der deutsche Discounter Aldi, der so einige in Kalifornien nervös macht. Hier spricht man bereits von einem Erdbeben, das sich in der Supermarktlandschaft einstellen wird. Vor allem der Einzelhandelsriese WalMart blickt nervös auf das, was da kommt. In Deutschland musste WalMart eine demütigende Niederlage einstecken, ungewohnt für das erfolgsverwöhnte Unternehmen. Nach nur wenigen Jahren zog sich WalMart mit einem drei Milliarden Euro Verlust aus dem deutschen Markt zurück. Man hatte die Bedingungen einfach falsch eingeschätzt und vor allem die Konkurrenz, allen voran Aldi, unterschätzt.

Kein Wunder also, dass die Ankündigung von Aldi, 45 Supermärkte im „Southland“, dem Süden des Bundesstaates zu eröffnen, wie eine Schockwelle aufgenommen wurde. Insgesamt unterhält Aldi bereits 1400 Läden in 32 Bundesstaaten. Das Billigkonzept scheint auch in den USA aufzugehen. Man setzt auf die eigenen Produktmarken und zieht im Vergleich zu den großen Supermärkten Safeway oder Vons in kleinere Ladenflächen. Anstelle der 10-15 verschiedenen Peanut Butter Gläser, gibt es bei Aldi eben nur zwei zur Auswahl.

Neben der Expansion von Aldi breitet sich auch die eigene Supermarkttocher „Trader Joe’s“ weiter aus. Derzeit erlebt der amerikanische Lebensmittelhandel einen dramatischen Wandel. Immer mehr Kunden verlangen nach billigeren, doch qualitativ hochwertigen Produkten. Und genau darauf zielen Aldi und auch Trader Joe’s ab. Das deutsche Albrecht Unternehmen macht sich breit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ein Ende der Expansionsgedanken oder ein Rückzug aus dem Markt kommt überhaupt nicht in Frage. Der Zuspruch der Kunden ist eine deutliche Sprache für Aldi und die Konkurrenz.

Pack die Jutetasche ein

Jute statt Plastik, das war schon in den 80er Jahren gang und gäbe. In den Supermärkten mußte man 10 oder 20 Pfennig für eine Plastiktüte hinlegen, die einem die meist muffelige Kassiererin dann aufs Laufband schmiß. Schnell, schnell alles einpacken, sonst stapelte sich am Ende alles oder fiel sogar noch runter.

Ein neues Gesetz soll den Plastikabfall an den kalifornischen Stränden verringern.

Plastiktüte an einem kalifornischen Strand.

Ganz anders in den USA. Hier stand am Ende jemand am Laufband und fragte „Paper or Plastic“? Eine Papier- oder eine Plastiktüte, alles wurde eingetütet, eine Gallone Milch gleich in eine Doppelplastiktüte. Daheim packte man alles aus und hatte dann einen Haufen Plastikabfall, denn die Tüten waren so dünn, dass sie nicht noch einmal verwendet werden konnten. Ich schreibe bewußt in der Vergangenheit, denn schon seit einiger Zeit haben Städte wie San Francisco oder Oakland lokale Gesetze verabschiedet, die vorschreiben, dass man für Tüten zahlen muß. Der Verbrauch sank drastisch. In meinem Trader Joe’s Laden in Oakland-Rockridge, Trader Joe’s ist ein Tochterunternehmen von Aldi Deutschland, zahlt man mittlerweile auch für die Papiertüte. Die Kunden haben sich umgestellt und bringen ihre Tragetaschen mit, kein Problem, man will ja die Umwelt schonen.

Nun geht Kalifornien noch einen Schritt weiter. Bislang waren es die Kommunen, die testeten, ob die Bürger diese Änderung beim Einkauf mitmachen. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown hat einen Gesetzesantrag auf seinem Schreibtisch liegen, der beinhaltet, dass die Einmalplastiktüten in Kalifornien ganz abgeschafft werden. Ab 2015 in Supermärkten und Drogeriemärkten, ein Jahr später dann auch in den „Corner Stores“ und an der Schnapsbude. Mit SB270 soll die Wegwerfgesellschaft etwas auf den richtigen Weg gebracht werden. Es ist zu wünschen, denn Millionen von Plastiktüten enden in Parks, an Stränden, in Seen, Flüssen, im Meer.

Sicherlich ist das nur ein weiterer Tropfen auf dem noch immer heißen Stein, doch es hat Symbolkraft. Das weiß auch die Industrie. Die Plastiktütenhersteller laufen bereits Sturm gegen diese „no plastic“ Pläne. Sie wissen, Kalifornien ist der bevölkerungsreichste Bundesstaat und was hier umgesetzt wird, hat Folgen für den Rest des Landes. Andere Bundesstaaten könnten und werden wohl nachziehen.

 

Das Ende des Supermarktes

Ein Regal voller Chipstüten. Dahinter eines mit den verschiedensten Colas. Im nächsten Gang übervolle Regale mit Müslis und Frühstücksflocken. So kennt man amerikanische Supermärkte aus Film und Fernsehen. Wer selbst schon einmal durch die USA gereist ist, weiß, wie überwältigend das Angebot in den Supermärkten sein kann.

Doch das wird sich bald ändern. Der klassische amerikanische Supermarkt stirbt aus. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass die Supermarktkette „Safeway“ vor dem Verkauf steht. „Safeway“ ist die Nummer 2 im amerikanischen Lebensmittelhandel mit jährlich rund 36 Milliarden Dollar Umsatz. Der Firma geht es gut, doch man hat einen vorbeirauschenden Zug verpaßt. Die Amerikaner wollen nicht mehr in einem „Supermarkt“ vom Angebot erschlagen werden. Der Aldi Ableger „Trader Joe’s“ zieht seine Erfolgsbahnen durch die Staaten. Überall wo ein neuer Laden eröffnet wird, stehen die Kunden Schlange. „Whole Foods“ macht Riesengewinne mit Naturprodukten aus biologisch-ökologisch-politisch-korrektem Anbau und Fertigung. Selbst „WalMart“ ist von den Riesensupermärkten abgekommen und fokussiert mehr auf die kleinen Nachbarschaftsläden mit regionalen Angeboten.

All diese Supermärkte orientieren sich an lokalen und regionalen Gegebenheiten und Produkten. „Trader Joe’s“ bietet vor allem eigene, doch hochwertige Produkte an, die es nur in diesen Läden gibt. Der Service ist gut, die Beratung ausgezeichnet. Auch das fehlt bei „Safeway“, immer wieder wurde die Supermarktkette als warnendes Beispiel dafür angeführt, wie es in Fragen des Kundenservice nicht sein sollte. Das Angebot war verwirrend im Laden verteilt, die Regale zu hoch, die Mitarbeiter meist eher mundfaul. Vor einiger Zeit wollte man das ändern, führte grüne Produkte ein, senkte die Regale, machte Mitarbeiterschulungen….doch all das half nichts.

„Safeway“ wird schon bald Geschichte sein. Cerberus, eine Investitionsfirma aus New York, die zuvor schon die konkurrierende Supermarktkette „Albertsons“ übernommen hatte, will „Safeway“ kaufen. Auch der Marktführer „Kroger“ plant einige der „Safeway“ Märkte zu übernehmen. Zahlreiche der etwa 300 Läden werden geschlossen werden, vor allem in Texas, Colorado und Arizona. Hinzu kommen etliche Standorte in Kalifornien, an denen „Cerberus“ bereits Supermärkte unterhält, also genau bei mir um die Ecke, wo ein „Albertsons“ direkter Konkurrent des „Safeway“ Ladens ist. Auch schön…wobei, ich kaufe sowieso schon seit langem vor allem bei Trader Joe’s und Farmer Joe’s ein.