Lange Schlangen am Plattenladentag

Schlangestehen vor dem Plattenladen.

„Record Store Day“, seit zehn Jahren ist das ein Feiertag für alle Plattensammler. Viele Labels und Bands veröffentlichen an diesem Tag besondere Scheiben, um die lokalen Plattenläden zu unterstützen. Ich war heute gleich in drei Läden unterwegs, „1-2-3-4 Go! Records“ in Oakland, „Econo Jam Records“ in Oakland und „Amoeba Records“ in Berkeley. Und das dauerte Stunden, denn beim ersten Laden stand ich erst einmal eineinhalb Stunden vor der Tür in der Schlange. Doch das war gar nicht so schlimm, denn die Leute unterhielten sich über Platten, über bestimmte Deals, nach was sie suchten. Und ich bekam einige nette Kommentare zu meinem Kraftwerk/Autobahn T-Shirt.

Endlich drinnen im Record Store suchte ich nach den deutschen Sonderauflagen für diesen Tag, darunter Faust/Ulan Bator, Camera/Richard Pinhas und Peter Baumann/Conrad Schnitzler & Pyrolator/Schneider TM, dann noch Caspar Brötzmann/T.Raumschmiere, Klaus Dinger und schließlich noch die 45er von Peter Schillings „Major Tom“. Einges konnte ich finden, dazu noch Townes van Zandt, Art of Noise und die Compilation „Close to the noise floor“. Zumeist schräges Zeug, aber hey, ich werde eben alt, da ändern sich die musikalischen Vorlieben. Und nein, mit Klassik, Oper und Musicals kann ich noch immer nichts anfangen.

Völlig losgelöst…volle Plattentasche aus Jute.

„Record Store Day“ ist ein Erlebnis. In den Läden legen DJs auf oder spielen Bands live (letztes Jahr rockten Metallica bei Rasputin Records in Berkeley), es gibt Getränke, Geschenke und besondere Deals, gefeiert wird die gute alte Langspielplatte und die 45er Single. Das hätten sich vor einigen Jahren auch so einige nicht gedacht, dass Vinyl wieder so einen Durchstart hinlegt. Und die Leute, die sich in die Schlangen einreihen, erst vor den Läden und dann vor den Kassen, kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten, sind jung, sind alt, 80 Prozent Männer, 20 Prozent Frauen, lieben von Rap bis Industrial, von Noise bis Classic Rock, von Jazz bis Soul einfach alles. Das spiegelt sich auch im umfangreichen Angebote an diesem Tag wieder. Es sind Sammler, die die besonderen Pressungen wollen, es sind Musikbegeisterte, die einfach den Klang einer Platte lieben und an diesem Samstag in ihrem Element sind. Man ist nicht alleine mit seiner Sammelleidenschaft und die Suche nach den Juwelen des Tages, den persönlichen Perlen, macht es aus. Die Platten sind limitiert, von einigen Veröffentlichungen kommen nur ein paar wenige Exemplare in die Läden und dann auch nicht in alle. Und am Ende hat man dann die Scheiben, die man haben will, oder auch nicht, vielleicht noch ein paar mehr…und Vinyl klingt einfach anders!

Geisterjagd bei Techno Mukke

Sitze hier mit Zahnschmerzen nach einer langen, schlaflosen Nacht. Gestern bekam ich eine Wurzelbehandlung, puh….gerade lief die WDR Live-Konferenz des letzten Bundesligaspieltages…Dortmund hat den Sprung in die Europaliga nicht geschafft…Mist…da kriege ich noch mehr Zahnschmerzen.

Draussen hängt noch dick der Nebel, ich brenne hier die neueste Radio Goethe Sendung auf CD, einige Stationen bekommen nämlich noch auf diesem Weg das Programm zugeschickt. In der aktuellen Ausgabe geht es um die elektronische Musikszene aus Deutschland mit einem halbstündigen Spezial über T.Raumschmiere.

Radio Goethe     

Passend, denn an diesem Wochenende gibt es gleich mehrere Festivals in den USA, bei denen deutsche DJs und Elektro-Musiker teilnehmen. Hier in San Francisco findet das 12. etd.Pop Festival statt, Headliner der Berliner Paul van Dyk. Und in Detroit läuft  das „Detroit Music Festival“ über die Bühne….einige deutsche Acts, wie Ellen Allien und Tiefschwarz, sind auch mit dabei.

Für mich steht heute am Mittag ein Interview mit der Schweizer Musikerin Charlotte Hug an. Experimentelle Avantgarde Musik…Hug ist auf Einladung in San Francisco, um hier ihre jüngste CD live zu präsentieren. Ich bin mal gespannt, auf sie als Interviewpartnerin und als Live-Musikerin. Leichte Kost ist es sicherlich nicht, aber ich werde gerne mal musikalisch heraus gefordert.

Und am Nachmittag geht es hoch nach Sacramento und von dort östlich zu einem Hotel in der Pampa. Geisterjagd steht heute Nacht an. Für den SWR mache ich ein Feature über Geisterjäger und eine Organisation trifft sich heute Nacht in diesem Hotel, in dem es spuken soll. Mal sehen, was ich erlebe und vor allem, was ich aufnehmen kann. Hoffe nur, dass mir kein böser Geist meine Aufnahmen vemasselt.