Tiefschnee wird zum Fremdwort in Kalifornien

Eigentlich müßten zum ersten April rund 160 Zentimeter Schnee in den Bergen der Sierra Nevada gemessen werden. Das ist normal, so war es schon immer, daran konnte man auch absehen, wie viel Wasser in den kalifornischen Reservoirs landen wird. Doch derzeit ist alles anders. 60-70 Prozent der Messstellen weisen überhaupt keinen Schnee auf. Insgesamt liegt die Schneedichte gerade mal bei ein paar Inches, 6 Prozent von dem, was eigentlich da sein sollte. Also kaum der Rede Wert.

Ein ausgetrockneter See in Kalifornien, ein normales Bild im Sonnenstaat.

Ein ausgetrockneter See in Kalifornien, ein normales Bild im Sonnenstaat.

Nun will Kalifornien Wasser einsparen, denn die Lage wird immer dramatischer. Die Trockenperiode hält an, Seen, Flüsse und Reservoirs sind leer oder fast ausgetrocknet. Und noch liegt ein langes, trockenes Jahr vor uns bis zur nächsten „eigentlichen“ Regenzeit. Schon seit langem wird in Kalifornien vom Wassereinsparen geredet, doch bislang alles mit gut Zureden und auf freiwilliger Basis. Das half nichts, zumindest wurde nicht genug Wasser eingespart, um auch nur ein bisschen Entlastung zu schaffen.

Jetzt greift der kalifornische Gouverneur Jerry Brown durch. 25 Prozent sollen die Städte und Gemeinden einsparen. Öffentliche Grünflächen werden fortan nicht länger bewässert, 4,6 Millionen Quadratmeter öffentliche Rasenflächen sollen durch wasserarme Anpflanzungen ersetzt werden. Golfplätze, Uni-Campuse und Friedhöfe müssen wassersparende Bewässerungsanlagen einbauen. Für eine begrenzte Zeit bekommen die Kalifornier nun eine finanzielle Unterstützung, um in ihren Häusern neue wasserkonservierende Systeme einzubauen. Das alles sind nur ein paar der nun vorgegebenen Maßnahmen, die jedoch zeigen, es wird ernst in Kalifornien.

Ein mir bekannter Manager eines exklusiven Golfclubs in San Francisco meinte, in Kalifornien müsse man sich endlich daran gewöhnen, dass man eben nicht mehr nur auf dem Grün spielt. Es gehe um das Spiel und nicht um den grünen Rasen. Ein Umdenken beginnt, ein langsamer Prozess in einem Bundesstaat, in dem viel Wert auf Show und Schein gelegt wird. Dass etwas passieren muß ist allen klar, nur wie schnell und wie intensiv ist vielen noch nicht bewußt. Die anstehende Feuersaison wird zeigen, dass Kalifornien ein ausgetrockneter Staat ist. Die Frage für viele ist derzeit nicht, ob es zu gewaltigen Bränden aufgrund der Trockenheit kommen wird, sondern nur, wie katastrophal die Brände sein werden.

Wann regnet es mal wieder?

In Deutschland wartet man auf den Frühling. Wann wird es wärmer, wann scheint die Sonne, wann öffnen die Straßencafes? Und in Kalifornien wird schon seit langem in den Wetterberichten der allabendlichen Nachrichtensendungen erklärt: „Well, it was a beautiful day, but Spencer, when is the rain coming?“ Und Wettermann Spencer deutet auf das Satellitenbild, irgendwo da draußen über dem Pazifik sieht man ein paar Wolken, und dann meint Spencer: „There is a slight chance, that we will get some rain. Maybe next week.“ Aber in der nächsten Woche wird klar, aus der kleinen Chance wurde wieder mal nichts. Der aubleibende Regen bleibt das bestimmende Thema an der Pazifikküste.

Kalifornische Autofahrer werden an einer Autobahn zum Wassersparen aufgefordert.

Kalifornische Autofahrer werden zum Wassersparen aufgefordert.

Kalifornien hat den trockensten Januar aller Zeiten erlebt. Es gab nur ein kleines Gewitter im Februar, ein Tropfen auf dem heißen Stein. Anfang März machten die meisten Ski-Resorts in Nordkalifornien dicht. Man kann noch nicht mal von einem Mangel an Schnee reden, es gab einfach gar keinen. Die Krise im Sonnenstaat wird immer größer, seit fast drei Jahre herrscht eine Dürre. Die Sonne lacht vom blauen Himmel und der Wasserpegel sinkt immer weiter ab.

Etliche Fachgremien im Bundesstaat fordern bereits massive Ein- und Beschränkungen im Wasserverbrauch der Bürger. Vor einem Jahr forderte Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown, dass die Bürger 20 Prozent ihres Wasserverbrauchs einsparen sollten, Ende 2014 waren es nur 10 Prozent. Seit letzten August gingen 2831 Anzeigen wegen Wasserverschwendung bei den Behörden ein, doch man setzte vor allem auf gutes Zureden. Das wird jedoch nicht mehr reichen. Mittlerweile bewässern zahlreiche Gemeinden entweder gar nicht mehr oder nur noch zweimal in der Woche öffentliche Grünflächen. Viele Farmer im Central Valley lassen weite Teile ihrer Anbauflächen brach liegen. Die Situation wird immer schlimmer. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Und noch ist die ganze Dimension der Wasserknappheit bei den Bürgern nicht angekommen. Das wird sich jedoch bald ändern. Die kalifornischen Feuerwehren bereiten sich auf eine der extremsten Feuersaisons in diesem Jahr vor. Kalifornien ist ausgetrocknet, die Frage ist nicht mehr ob es brennen wird, sondern nur noch wie verheerend die Waldbrände sein werden.

„Raindrops keep falling on my head“

Sturmfronten vor der amerikanischen Westküste bringen endlich Regen.

Sturmfronten vor der amerikanischen Westküste bringen endlich Regen.

Es regnet und alle freuen sich. Es regnet stark und alle freuen sich noch mehr. Seit drei Jahren erlebt Kalifornien eine Trockenperiode. Kein Regen, kein Schnee, die Seen, Flüsse und Reservoirs sind ausgetrocknet. Einige Städte haben massive Versorgungsprobleme, viele Gemeinden haben die Wassernutzung reglementiert. Und nun regnet es seit ein paar Tagen in Kalifornien. Erst waren es leichte Schauer, nun treffen in diesen Tagen zwei Sturmfronten vor der Küste aufeinander, die einen Dauerregen versprechen.

Vor meiner Tür fließt ein kleiner Fluß die Straße runter, weiter oben sind die Abflußkanäle verstopft. Ein seltenes Bild in der Gegend. Keiner schimpft über den Regen, überall wohin man auch kommt und wen man auch trifft, es heißt nur „we needed that rain“.

Die Krise ist damit noch lange nicht vorbei. Alles hängt davon ab, ob im Dezember und Januar noch weitere Stürme vom Pazifik her dicke Regenwolken nach Kalifornien blasen und der Wasserpegel endlich mal wieder steigt. In den Bergen und der Sierra hofft man auf Schneefall, das letzte Jahr war für die Skiresorts eine einzige Katastrophe. Nun also endlich Niederschlag. Ein schöner Tag, und ich muß sowieso daheim bleiben, um zu arbeiten. Alles passt!

Kalifornien steht im Saft neben dieser Trockenheit

Kalifornien trocknet aus. Die Reservoirs, Flüsse und Seen sind auf dem niedrigsten Pegelstand seit Jahren. Im Winter schneite es nicht, Regen will auch nicht fallen. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown spricht von einer Notlage und will das Wasser rationieren. Darüber habe ich schon mehrmals berichtet. Kalifornische und amerikanische Themen kommen an, die Leserinnen, Leser, Hörerinnen und Hörer werden gerne darüber informiert, was sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten so tut.

Die Dürre hier ist anders als in Kalifornien.

Die Dürre hier ist anders als in Kalifornien.

Nun sitze ich im Tschad, einem sehr armen Land. Ein Großteil ist Wüste, die sich immer weiter Richtung Süden ausbreitet. Da ist der Tschadsee, vier Länder drumherum. Niger, Nigeria, Kamerun und Tschad. In den letzten 30 Jahren verlor der See nahezu 90 Prozent seiner Wasseroberfläche. In der Geschichte gab es zwar immer mal wieder Trockenperioden und auch der Tschadsee versickerte. Doch dieses mal ist es anders. Das Wasser fehlt, der Tschad ist trocken, Ernten und damit die Versorgung der Bevölkerung gefährdet. Eine Dürre macht sich breit. Hier ist die Trockenheit eine Gratwanderung, ob man gerade noch so an einer größeren humanitären Krise vorbeischlittert oder Zeit gewinnt. Mehr als Zweidrittel der Bevölkerung verwenden 80 Prozent ihres Einkommens auf die Grundversorgung. Preisanstiege für Grundnahrungsmittel können da nicht aufgefangen werden.

Der Tschad leidet unter einer Dürre. Anders als in Kalifornien ist das hier jedoch lebensbedrohlich. Kinder leiden aufgrund der Ernteausfälle an Mangelerscheinungen, internationale Hilfsorganisationen versorgen Hunderttausende mit Nahrungsmitteln. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Es wird höchstens noch schlimmer. Es wird mit zweierlei Maß gemessen. Hier Kalifornien, dort der Tschad. Und dabei ist der Tschad ganz weit weg. Die Krisen, das Elend und die Not in Afrika sind kaum noch Themen. Man weiß ja schon davon, hat die Bilder schon oft genug gesehen. Bitte umblättern, bitte umschalten.

Rain drops keep falling on my head

Seltener Anblick in diesen Tagen. Die Golden Gate Bridge im Regen.

Seltener Anblick. Die Golden Gate Bridge im Regen.

Man freut sich wie Bolle. Der US Wetterdienst hat angekündigt, dass die Chancen für Regen in der kommenden Woche gut stehen. Regen, Gottessegen für Nordkalifornien! Bei 50 % liegt die Wahrscheinlichkeit für Niederschlag am Mittwochabend in San Francisco. Nun heißt es warten und hoffen, denn auf Regen warten sie alle. Die Pegel von Flüssen, Seen und Reservoirs sind so niedrig wie noch nie, die Wälder ausgetrocknet, die Brandgefahr erheblich. Sogar Bären, Pumas und Kojoten ziehen in von Menschen besiedelte Gebiete auf der Suche nach Wasser. Und nun soll es regnen, Yippieh!

Wahrscheinlich wird es genau zum Berufsverkehr am Mittwochabend regnen, und dann mit Sicherheit ein Verkehrschaos in der San Francisco Bay Area hervorrufen, Kalifornier können nämlich bei Regen nicht fahren…aber das ist dieses mal dann ganz egal. Hauptsache Petrus öffnet die Schleusentore.

So trocken wie seit 100 Jahren nicht mehr

Kalifornien dürstet. An der Ostküste Stürme, Schnee und Eis, und hier ist es so regenlos wie seit 100 Jahren nicht mehr. Dies ist der trockenste Januar seit Ewigkeiten. Nun hat der kalifornische Gouverneur, Jerry Brown, den Wassernotstand ausgerufen und fordert Bürger, Farmer, Unternehmen auf, 20 Prozent ihres Wasserverbrauchs einzusparen. Erstmal freiwillig. Wenn das nichts hilft und der Regen auch weiterhin ausbleibt, wird es wohl zu gezielten und verpflichtenden Auflagen kommen.

Eigentlich müsste es zur Zeit regnen, eigentlich müssten die Wasserstände in den Flüssen, Seen und Reservoirs ansteigen. Doch dem trockenen Januar ging ein trockenes 2013 voraus. Die Schneedecke der Sierra Nevada, lebenswichtig für die Wasserversorgung Kaliforniens, liegt gerade mal zu diesem Zeitpunkt bei 17 Prozent. Zu wenig, um die Wasserlust eines boomenden und bevölkerungsreichen Staates zu befriedigen.

Nun gibt es auch konkrete Vorgaben, wie man 20 Prozent des Wasserhaushalts einsparen soll….etwas lächerlich, aber hier sind sie:

– die Waschmaschine nur mit einer vollen Ladung laufen lassen

– die Spülmaschine nutzen, anstelle mit der Hand zu spülen.

– beim Händewaschen, das laufende Wasser abstellen, während man sich die Hände einseift.

– das laufende Wasser beim Zähneputzen und Rasieren abstellen.

– sparsame Duschköpfe einbauen.

– eventuell Toilettenspülbecken einbauen, die auch Nutzwasser verbrauchen.

– Gartenpflanzen früh am Morgen oder spätabends bewässern.

– Neubepflanzung nur von dürreresistenten Bäumen und Pflanzen.

– Fegen der Einfahrt und der Terrasse anstelle von nassem Abspritzen mit dem Gartenschlauch.

Na, das sind doch machbare Vorschläge. An die grünen Golfplätze im Wüstensand, an die vielen Pools hinterm Haus, an die unzähligen Autowaschanlagen und, und, und braucht man erstmal nicht zu denken. Mit den offiziellen Hinweisen kriegt man den Wasserhaushalt in Kalifornien schon wieder unter Kontrolle.