Eine Stimme der Hoffnung

Emel Mathlouthi lebt in New York. Ich erreiche sie telefonisch in Paris. Sie ist für ein paar Konzerte in Europa, Kopenhagen, Stockholm, Barcelona. Die in Tunesien geborene und aufgewachsene Emel legt nun mit „The Tunis Diaries“ ein ganz besonderes Album vor. Es ist ein Doppelalbum, das ersteinmal nur als Download erscheinen wird.

Sie selbst bezeichnet die beiden Seiten als Tag und Nacht. Der Tag sind ihre eigenen Lieder, die sie neu und „unplugged“ einspielte. Auf die Idee für dieses Album kam sie, als sie nach einem Konzert in Jena Anfang März kurz ihre Familie in Tunis besuchen wollte. Aus ein paar Tagen wurden Monate. Emel war gestrandet, nichts ging mehr. Sie nahm es anfangs gelassen, half ihrem Vater, räumte auf, spielte mit ihrer Tochter und mistete alte Kartons mit Tapes und Schulbüchern aus. Doch dann kam der Punkt, wo sie merkte, die Musik ruft. Sie begann zum ersten Mal vor der Kamera zu spielen und zu singen, alles wurde im Internet gestreamt. „Ich nahm mich auch selbst auf, um zu sehen, was ich falsch mache. Aber mir gefielen einige der Songs richtig gut und ich dachte, ich habe noch nie Lieder akustisch eingespielt und aufgenommen, alles war bislang produziert und arrangiert. Ich dachte mir, das ist vielleicht gute Möglichkeit, produktiv zu bleiben, aber auch mich zum ersten Mal ganz allein aufzunehmen, wie es eben kommt.“

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Die Sängerin und Musikerin, die 2006 von Tunis nach Paris zog, nachdem die tunesische Regierung ihre Lieder im Radio und Fernsehen verboten hatte, genoss die Zeit in ihrer Heimat. Sie ist eine bedeutende Stimme in Tunesien, die immer wieder zurückkam und sich mit ihren Liedern in den arabischen Frühling in Tunesien einmischte. Ihre Lieder wurden zu Hymnen. Im März 2011 sang sie während der Proteste im Herzen von Tunis “Kelmti Horra”, My Word is free. Und dann nahm sie den Joan Baez Song „Here’s to you“ auf Arabisch auf und widmete ihn Mohamed Bouazizi, dem Straßenhänder, der sich nach der willkürlichen Beschlagnahmung seiner Waren im Dezember 2010 in Brand setzte und so die breiten Proteste in Tunesien lostrat, die zum „Arabischen Frühling“ in der Region führten. Musik als Zeichen der Hoffnung.

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Emel ist eine wichtige Stimme zwischen den Kulturen, zwischen den Sprachen. Sie singt auf Arabisch, auf Französisch, auf Englisch und auf der neuen Platte auch auf Deutsch, ein Lied von Rammstein (Frühling in Paris). Nicht nur, dass sie ihre eigenen Songs auf „The Tunis Diaries“ neu betrachtete und aufnahm, sie hörte sich durch alte Platten und kam auf die „Nacht“ Idee, den zweiten Teil dieses Albums: „Ich habe bewußt mal die Songs rausgesucht, die für mich wichtig waren, die mich als Sängerin und Musikerin beeinflusst haben. Für mich war diese Covid-Zeit genau das, ein Wiedersehen mit all den wichtigen Gefühlen und menschlichen Emotionen. Ich wollte dabei kreativ bleiben, aber auch den Grund der Songs finden. Nach drei veröffentlichten Alben, war ich da, wo ich nicht wusste, was mit der Welt passiert. Ich glaube, ich habe da für mich eine sehr gesunde Plattform gefunden.“ Sie nahm neben dem Rammstein Song auch Lieder von David Bowie, Nirvana, Placebo, Leonard Cohen, Jeff Buckley, The Cranberries, System of a Down und Black Sabbath auf. Gerade „Sabbath Bloody Sabbath“ ist ein unglaublicher Hörgenuss.

Es ist ein bewegendes und sehr nahegehendes Album. Emel schafft es aus diesen bekannten Songs etwas ganz neues zu machen. Ihre Art der Herangehensweise, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, erinnerte mich an Johnny Cash und seine „American Recordings“. „Stripped down versions“, die ganz neue Seiten eines Liedes offebaren. „The Tunis Diaries“ ist ein mehr als hörenswertes Ergebnis einer gestrandeten Musikerin. Es zeigt vielmehr eine bedeutende, kraftvolle Stimme, die in diesen verrückten Zeiten Hoffnung gibt.

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Mann mit Durchblick

John Bolton nervt. Er ist der frühere UN Botschafter der Vereinigten Staaten unter Präsident Bush. Jener Bolton, der der Welt Horrorszenarien aus dem Irak unterschob. Er quasselte von Aufrüstung, Massenvernichtungswaffen und geheimdienstlichen Informationen. Am Ende, das wissen wir nun alle, war alles Lug und Trug was dieser Diplomat und seine Regierung der Welt auftischten.

Und dieser John Bolton ist gern gesehener Gast beim konservativen Fernsehnetwork FOXNews. Dort lässt er sich mit „Mr. Ambassador“ ansprechen und faselt von Außenpolitik und innerer Sicherheit, weil er ja soooo viel Erfahrung in dem Bereich hat. Und nun setzt er noch eins drauf. In einer Kolumne für NYDailyNews.com wettert er gegen Präsident Obama, dass der überhaupt keinen aussenpolitschen Plan bei den Massenprotesten in Tunesien, Ägypten und Lybien habe. „Hatten wir adäquate geheimdienstliche Informationen über das, was passieren wird? Die offensichtliche Antwort ist „Nein“, und das grundsätzlich.“ Hallo! Ich glaub‘ es hackt…. Obama und Amerika waren zweifellos etwas überrascht von den Ereignissen in Nordafrika. Aber jemand, der die Weltöffentlichkeit mit Schwachsinnsinformationen in einen Krieg getrieben hat, sollte mal lieber schön ruhig sein.

„Waren wir darauf vorbereitet amerikanische Bürger zu beschützen, in dem Land oder durch notwendige Evakuierung?“ Auch da sollte sich Herr Bolton mal lieber durch den mächtigen Schnauzer kraulen, denn seine Regierung hatte auf sowas überhaupt keinen Wert gelegt und lieber so einigen Nationen Feuer unterm Allerwertesten gemacht und damit Amerikaner weltweit gefährdet.

Dann holt John Bolton noch weiter aus. Präsident Obama habe überhaupt keine Ahnung, erklärt der frühere UN Botschafter. Was macht der da eigentlich im Weißen Haus? Und auch andere Republikaner und denen nahestehende Medien schlagen einfach mal drauf auf Klein-Barack. Mitt Romney, schon jetzt heißblütiger Anwärter auf die republikanische Präsidentschaftskandidatur, meint denn auch, Obama habe keinen blassen Schimmer von der Wirtschaft. Er, ja, er und nur er könne Amerika wieder voran bringen. Gleichzeitig wird berichtet, dass Barack Obama süchtig nach Golfspielen sei und in seiner Amtszeit schon 60 mal auf dem Golfplatz stand. Pro Spiel müssten vier Stunden veranschlagt werden + An- und Abreise, heißt, während amerikanische GIs im Irak und Afghanistan für ihr Land sterben, ballert der „Commander in Chief“ den Ball übers Grün. Vergessen wird auch hier, dass sein Vorgänger Präsident George W. Bush lieber auf seiner Ranch in Texas das Unkraut jäten und die Büsche stutzen war, als sich in Washington um das Tagesgeschehen zu kümmern. Und dessen Vorgänger Bill Clinton, tja, man denke nur an Zigarre und an ein blaues Cocktailkleid.

Wenn ich so drüber nachdenke…John Bolton sollte wahrlich ruhig sein. Doch auch für viele andere im amerikanischen Politzirkus wäre es wohl besser, wenn sie nicht mit dem Finger in der Gegend rumzappeln würden.

 

 

 

 

Wahlkampf in Uganda

Uganda steht vor der Präsidentenwahl.  Am 18. Februar ist es soweit, die Bürger werden zu den Urnen gebeten. Wie es aussieht, ist der Wahlausgang schon klar. Amtsinhaber Präsident Yoweri Museveni steht vor der Wiederwahl, und das klar und deutlich. Unterdessen rüstet sich die Polizei für etwaige Ausschreitungen vor, während und nach der Wahl. Vor allem der Ablauf der Wahl ist fragwürdig. Beide vorhergehenden Präsidentschaftswahlen wurden angefochten und letztendlich vom Verfassungsgericht zugunsten von Museveni entschieden. Nun beten die Ugander für einen fairen und vor allem friedlichen Ausgang der Wahlen. Genauestens wird beobachtet was sich in Tunesien und in Ägypten ereignet.

Das Bild zeigt ugandische Wahlplakate, die einfach über Straßenschilder geklebt sind. Man sollte also in diesen Wochen genau wissen, wohin der Weg geht, ansonsten geht man in diesem wunderschönen Land verloren.