Die California Hall in San Francisco

1910 wurde es geplant und 1912 die Eröffnung gefeiert. Das deutsche Haus, oder auch California Hall an der Ecke Polk und Turk Street, unweit des Rathauses von San Francisco. Ein gewaltiger Prachtbau, in dem für Jahrzehnte die deutsche Community am Golden Gate zusammen kam, feierte, Kulturveranstaltungen durchführte. Es war das Zentrum der Deutschen in der Stadt, in der Polk „Straße“, auf der damals viele „Germans“ ihre Läden und Werkstätten hatten.

Viele ältere Deutsche, die ich hier kennenlernte, schwärmten von ihrer California Hall. „Oh, die Feiern dort waren einmalig und gingen bis in die frühen Morgenstunden“, erzählte mir vor über zehn Jahren der damals 92jährige Hans Bartsch. In den alten Protokollbüchern des Arbeiterbildungsvereines wurde der volle Saal in den späten 1920er Jahren beschrieben, als sozialdemokratische Gastredner aus Deutschland ans Golden Gate gereist waren. Doch das ist alles lange her.

Das Haus steht noch immer und hat einige Wandel erlebt. In den 1960er Jahren war die Polk Street das Zentrum der Gay Bewegung. Und die California Hall wurde Teil der Geschichte für Gleichberechtigung in der Stadt. Am Silvestertag 1964 löste die Polizei eine Veranstaltung mehrerer Schwulenorganisationen auf, die genau dort feiern wollten. Die Polizei fotografierte die Teilnehmer auf offener Straße, um sie bloßzustellen. Das war der Beginn einer breiten Kampagne für die Rechte von Homosexuellen in San Francisco.

Die California Hall wurde in den 1960ern auch eine Konzerthalle, in der u.a. Jefferson Airplane, Greatful Dead und Ike and Tina Turner auftraten. Am 15. Mai 1967 erlebte die California Hall sogar eine Party der Hells Angels. Auch U2 spielten 1981 im Festsaal der California Hall, damals um ihr zweites Studioalbum „October“ zu promoten. Das markante Gebäude ist auch in etlichen Hollywoodstreifen zu sehen, darunter eine Szene im Dirty Harry Film mit Clint Eastwood. In den 1980er und 90er Jahren war das Haus im Besitz der „California Culinary Academy“, von den Deutschen war da auf der Polk Street schon lange nichts mehr zu sehen.

Heute ist das Haus 625 Polk Street ein „San Francisco Landmark“, ein Gebäude, das geschützt werden muss. Nicht nur wegen seiner architektonischen Schönheit, sondern auch weil sich hier ein wichtiger Teil der Geschichte der deutschen Immigranten am Golden Gate abspielte, weil hier viele der legendären San Francisco Bands auftraten, weil hier auch ein wichtiges Kapitel der San Francisco Gay Szene geschrieben wurde. In diesen Mauern lebt Geschichte.

Grönemeyer goes USA

      Grönemeyer auf NPR

Herbert Grönemeyer will es nochmal wissen. In Deutschland gibt es für ihn wohl keine Herausforderung mehr, deshalb blickt er über den Atlantik und setzt zum großen Sprung in die USA an. Das erste englischsprachige Album wurde veröffentlicht, als Bonus  Song ein Duett mit U2s Bono, damit den Amerikanern gleich mal klar gemacht wird, dass der Musiker mit dem schwierigen Namen Herbert Grönemeyer in der Superliga der Pop- und Rockstars mitspielt. Und erste Kritiken belegen, der Mann aus Bochum kommt an.

Selten hat ein deutscher Musiker so viel Presse wie jüngst Herbert Grönemeyer bekommen. Nun wurde er sogar von National Public Radio interviewt, eine Seltenheit und gleichzeitig eine deutliche Anerkennung für einen deutschen Künstler. Das Interview ist oben im Audioplayer zu hören.

Herbert will es wissen

„Hast du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für Dich…“ trällert Nena noch immer durch den amerikanischen Äther. Und das hat sich wohl auch Herbert Grönemeyer gedacht, wenn Nena das kann…. Der Großvater des Deutschrock will es nun auch in Amerika wissen. Sein Konzert mit Gaststar Bono von U2 wurde für das US Fernsehen PBS aufgezeichnet und wird im Dezember als „Fundraiser“ für zwei Stationen ausgestrahlt. Wer spendet kann Tickets für zwei Konzerte von Grönemeyer in New York und Chicago bekommen.

Im Februar soll dann auch ein Album in den USA erscheinen. Falls die Platte gut läuft, soll es auch eine Tour im Herbst 2013 geben. Grönemeyer ist bekannt in Amerika…zumindest sein Gesicht aus dem Film „Das Boot“. Den deutschen Filmklassiker kennt eigentlich jeder. Doch Herbert Grönemeyer als Sänger in Amerika, man kann gespannt sein. Schon jetzt wird von Seiten der deutschen Botschaft und der Konsulate die Werbetrommel für die CD und Tour geschlagen, wobei ich mich wundere, ob Grönemeyer wirklich auf dem amerikanischen Markt eine Chance haben wird. Er ist gut – keine Frage. Er hat deutsche Musikgeschichte geschrieben – ohne Zweifel. Sein Genuschel ist einzigartig und zeigt, dass man nicht unbeding klar und deutlich singen mus, um erfolgreich zu sein – mit absoluter Sicherheit. Aber Herbert Grönemeyer ist weder Kraftwerk noch Rammstein noch Max Raabe.

„I walk“ heißt das Album, das im Februar erscheinen soll. Grönemeyer singt da auf Englisch, seine erste CD, die nicht in der Muttersprache aufgenommen wurde. Auch das nun auf PBS ausgestrahlte Konzertspezial heißt „I walk“ und umfasst neben eigenen Songs auch Klassiker, die Herbert klasse findet, darunter „Always on My Mind“ von Willie Nelson, „Marie“ von Randy Newman und „I’m On Fire“ von Bruce Springsteen.. Als Schmankerl schaut Bono für zwei Songs auf der Bühne vorbei….wo ist der eigentlich nicht zu finden? Weißes Haus, Afrika und bei Herrn Grönemeyer. Alles für den guten Zweck.

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Grammy für die Tonne

Eigentlich ist die Grammy Veranstaltung so überflüssig wie eine neue U2 Platte. Und doch, die würde wahrscheinlich auch wieder mit einem Grammy ausgezeichnet werden. Wer da in der Jury dieser hohen amerikanischen Musikauszeichnung sitzt, hat entweder nicht viel Ahnung von Musik oder läßt sich von Verkaufszahlen, Werbung, Radio Charts und sündhaft teuren Videoproduktionen blenden. Krasses Urteil, aber so sehe ich das. Denn in der Regel werden immer wieder die gleichen Verdächtigen geehrt, die entweder schon lange nichts mehr mit Innovation und Einfluß auf die Musikszene zu tun haben oder einfach eine geklonte Version eines anderen „Stars“ sind.

Einzige Ausnahme waren bislang so Randkategorien wie „historisches“ Album. Da wurden hervorragende Platten und CDs ausgezeichnet, deren geschichtlichen Wert man erkannte. In diesem Jahr war eine CD Box des deutschen Labels „Bear Family Records“ nominiert, die für mich als der sichere Sieger ins Rennen ging: The Bristol Sessions, 1927-1928: The Big Bang Of Country Music (die NZ berichtete). Ein einmaliges, mit viel Aufwand und Herzblut zusammengestelltes Meisterwerk, dass den Ursprung der Country Musik dokumentierte. Johnny Cash bezeichnete einst diese Sessions als „wichtigsten Moment in der Geschichte der Country Music“. Und dieses Album zeigt nicht nur die Wurzeln der Country Musik, sondern eigentlich den gesamten Beginn der populären Musik. Ohne die Pionierarbeit von Musikern wie der Carter Family oder Jimmy Rodgers wäre wohl vieles anders verlaufen.

Bear Family Records hatte im letzten Jahr nach jahrelanger Archivarbeit mit einigen Partnern in den USA diese „Bristol Sessions“ veröffentlicht, die als Urknall der Country Musik gelten. Eine wichtige Dokumentation, eine einzigartige Box, eine Sammlung zeitlos guter Musik. Und die fiel durch. Stattdessen wurde Paul McCartney mit der Neuauflage und der Deluxe Version von „Band On The Run“ ausgezeichnet. Klar, auch das ein tolles Album, aber….

Na ja, Paul McCartney war ja auch in LA zur Verleihung und spielte live auf, da mußte er ja auch einen Grammy bekommen. Abgekartetes Spielchen, anders kann man das doch nicht sehen. Ist doch wahr!!!

Grammy Blödelei

Gerade habe ich die Liste der Grammy Nominierungen für die 52. Preisverleihung durchgeschaut. Boah, wer nominiert hier eigentlich wen? Ich dachte immer, es geht bei dieser Auszeichung um aussergewöhnliche Leistungen in der Recording Industrie. Aber diese Liste…so was geht ja gar nicht. Klar, kann man sich über Geschmack streiten und den Mund fusselig reden, aber dass da immer die gleichen Verdächtigen auftauchen, die entweder wirklich keinerlei Innovation zeigen oder schon seit Jahren jenseits von Gut und Böse rumwandeln, das ist der Hammer. Green Day sind genauso dabei wie dieser nervige Dave Matthews und natürlich Bonos U2. Der hat sowieso das Abo bei solchen Bauchpinselveranstaltungen gebucht.

Und wenn ich Britney Spears schon wieder nominiert sehe, oder Bob Dylan in der Kategorie „Best Rock Solo Vocal Performance“, also, da hört der Spass ja wohl auf. Dylan ist ohne Zweifel eine Legende, ein brillanter Songschreiber, aber singen kann der nicht, konnte er noch nie und das wurde über die Jahre nur noch schlimmer mit der unverständlichen Näselei. Und was sollen die ganzen alten Recken im Hard Rock und Metal Bereich? Schauen sich die Juroren nur Bands aus ihrer Altersgruppe an oder wie kommen AC/DC und Judas Priest auf die Liste. Irre!

Also von Innovation, von Massstäbe setzen, von neuen Ideen und Wegen keine Spur. Sicherlich werden die Nominierungen immer auf Unverständnis und ohne Zweifel auch auf die verschiedenen Geschmäcker stossen. Aber den mittlerweile riesigen Independent Markt so aussen vor zu lassen, nicht zu beachten, dass ein gutes Album heute eben nicht mehr über die Major Labels herauskommen muss (und auch wird), das ist schon bedrückend. Kein Wunder, dass die herkömmliche Musikindustrie im Eimer ist. Denn wer so sehr auf Show und Schulterklopfen steht, der braucht sich nicht wundern, wenn keiner mehr den Mist kauft, der ihm da vorgesetzt wird.

Ich kann hier nur auf Collegesender wie KUSF verweisen, die ein alternatives Musikprogramm zum Kommerzgedudel bieten. Oder man schaut sich auf myspace um oder bei solchen Mailordern wie CDBaby. Die gute Musik ist nicht verloren gegangen, nur die Wege zwischen Musikern und Hörern haben sich verändert.