Die Supernasen gegen Krebs

Schäferhund Charlie soll schon bald Krebs erschnüffeln. Foto: UC Davis.

Der vier Monate alte Schäferhund Charlie soll schon bald Krebs erschnüffeln. Foto: UC Davis.

Vor ein paar Jahren berichtete ich über die „Pine Street Foundation“ im kalifornischen San Anselmo. Dort glaubte man, Hunde für die Krebserkennung ausbilden zu können. Man war überzeugt, die feine Nase der Vierbeiner könnte, bei richtiger Ausbildung, frühzeitig Krebszellen im menschlichen Körper erriechen.

Damals lachten einige über diesen Ansatz. Damit würde man wohl auch den besten Spürhund überfordern, hieß es. Einige Jahre später ist dieser experimentelle Ansatz nun auch bei „seriösen“ Wissenschaftlern angekommen. Die „University of California“ in Davis kündigte an, in nun mit zwei Hunden zu arbeiten. Alfie ist ein Labradoodle, Charlie ein deutscher Schäferhund, beide sind etwa vier Monate alt. In den kommenden zwölf Monaten werden die beiden dazu ausgebildet, im Speichel, im Urin und im Atem von Patienten Krebszellen zu entdecken. Damit soll erreicht werden, dass die Gefahr frühzeitig erkannt und somit behandelt werden kann.

In Davis wartet auf die beiden Hunde ein Team aus Experten. Ärzte, Veterinäre und Verhaltensforscher wollen nun herausfinden, ob es eine neue, natürliche Form der Krebserkennung gibt. Man setzt dabei auf den Spieltrieb der Vierbeiner. Schon 2016 will man die ersten klinischen Tests mit den Supernasen von Alfie und Charlie durchführen.

 

 

Pfefferspray am „Black Friday“

Da hat wohl eine Frau zu viel youtube Videos geschaut und sich ein paar Tipps vom Polizeieinsatz an der UC Davis geholt. Am „Black Friday“, dem wichtigsten Verkaufstag des amerikanischen Einzelhandels, der nun schon in den späten Stunden des Thanksgiving Donnerstags beginnt, hat eine noch Unbekannte einen Wühltisch mal etwas anders verteidigt. Geschrei ja. Geschiebe ja. Gespritze….das ist was neues.

Um 22.20 Uhr Ortszeit zog sie ein Pfefferspray aus der Tasche und sprühte um sich. 20 fanatische Shopper mußten daraufhin ärztlich behandelt werden, doch das hielt niemanden vom Kaufrausch auf. Der WalMart Laden im Großraum Los Angeles, in dem sich der Zwischenfall ereignete, sah keinen Einlaß den Auftrieb zu beenden. Die Polizei hatte sogar Schwierigkeiten bei all dem Getrampel und Geschiebe überhaupt Ermittlungen vor Ort aufzunehmen.

Seitdem ich in den USA lebe, habe ich es mir einmal angetan, am „Black Friday“ in die Stadt zu fahren. Ich dachte echt, als Nürnberger mit Christkindlsmarkterfahrung und als ehemaliger Rolltreppenwärter zur Weihnachtszeit im Karstadt (was man nicht alles während der Studienzeit macht!), bei dem reihenweise die Dinger stehenblieben und die Käufer dann über mich drüben stiegen, als ich den Schlüssel wieder sinnigerweise in Fußhöhe drehen wollte….da dachte ich echt, ich habe das Zeug für so einen richtigen „Black Friday“. Aber nichts da…einmal und nie wieder. Das ist kein Spaß, das ist ein Rinderauftrieb und wer nicht aus dem Weg geht, wird platt gewalzt.

Polizeibrutalität an der UC Davis

Davis liegt zwischen San Francisco und Sacramento. Dort gibt es eine  Universität, an der es nun auch Proteste in Solidarität mit der Occupy Wall Street Bewegung gibt. Und nicht nur das, an der staatlichen Universität wird auch gegen die erneute drastische Anhebung der Studiengebühren an öffentlichen Universitäten in Kalifornien demonstriert. Macht Sinn, beide Bereiche miteinander zu verbinden.

Die Aktionen waren bislang friedlich. Am Freitag jedoch eskalierte die Situation auf dem Campus. Polizeibeamte fühlten sich von Studenten umzingelt, die auf dem Boden saßen, so die Sprecherin der Polizei am Samstag. Einer der Beamten hatte anscheinend die Faxen dicke mit der friedlichen Demo und wollte die ganze Sache etwas aufwürzen. Ganz ruhig marschierte er zu der Reihe sitzender Studenten, hielt kurz die Flasche Pfefferspray hoch und dann drückte er den Abzug, die Gruppe ablaufend, damit auch jeder was davon abbekommt. Das ist Polizeibrutalität, wie sie deutlicher nicht sein könnte. Der Übergriff wurde „glücklicherweise“ gefilmt, auf youtube gestellt und nun ist das Video auf allen Fernsehstationen zu sehen. Die Leitung der Universität wurde bereits zum Rücktritt aufgefordert. So kann man auch auf friedliche Proteste reagieren.

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Reiselust der Parlamentarier

Gerade lese ich auf nz-online über die Reiselust der deutschen Parlamentarier. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass in diesem Artikel ganz bewußt unterstellt wird, die Trips der Abgeordneten seien vor allem Spass- und Lustreisen. Als jemand, der im Ausland lebt und hier in San Francisco sehr viel mit deutschen Abgeordneten zu tun hat, kann ich dem nur widersprechen.

Klar, es gibt Reisegruppen von Bundestags- und Landtagsmitgliedern, da fragt man sich schon, warum die eigentlich hier an die amerikanische Westküste gekommen sind. Der Einkaufstrip einiger Parlamentarier schlug Ende 2008 hohe Wellen. Doch ehrlicherweise muß man erklären, dass der Großteil der Delegationen und Reisen mehr als sinnvoll sind. Vor Ort bekommt man ein besseres Gefühl und einen Eindruck von dem, was Amerika ist.

Hier in San Francisco geht es um High Tech und Social Networks, um BioTech und Startup Companies, um Solarenergie und Zukunftsprojekte. Nordkalifornien ist nach wie vor eine Region, die Menschen aus aller Welt anzieht, hier werden Weichen gestellt. Mit Stanford, UC Berkeley, UCSF, UC Davis sind gleich vier Eliteschmieden in der unmittelbaren Gegend San Franciscos. Und das muss man sehen, man muss sich einen Eindruck darüber machen, wie das Zusammenspiel von Unis und Wirtschaft läuft, wie die gesamte Atmosphäre der Umgebung in diesen Austausch mit hinein spielt.

Es gibt einen Grund, warum der Freistaat Bayern seit Jahren hier mit einem eigenen Büro vor Ort ist. Viele der Firmenansiedlungen im Freistaat, auch in Nürnberg und dem Großraum gehen darauf zurück. Viele bayerische Minister kamen bereits nach San Francisco und ins Silicon Valley zum Klinkenputzen.

rotary_ojaiUnd genauso ist es meistens mit den Bundestagsabgeordneten. Durch meine langjährige journalistische Arbeit in Nordkalifornien und meine enge Zusammenarbeit mit MdB Dagmar Freitag habe ich einen Einblick bekommen. Die Reisen sind eng gefaßt, Termine stehen direkt nach der Landung und dem Langstreckenflug an. Dagmar Freitag ist regelmäßig für die Austauschprogramme des Bundestages in den USA. In den verschiedenen Regionen des Landes werden Bewerber für die Programme interviewt. Am Rande dieser offiziellen Reisen konnten auch die Schulpartnerschaften Hemer – Ojai und Letmathe – Indianapolis aufgebaut werden. Auf Eigeninitiative von Frau Freitag. Das alles wäre ohne die persönlichen Besuche der Abgeordneten an den Schulen gar nicht möglich gewesen. Viele Parlamentarier stehen darüberhinaus für Interviews, Gespräche und Vorträge zur Verfügung. In meiner „syndicated“ Radioshow hatte ich schon viele deutsche Politiker zu Gast, die den deutschen Standpunkt, die deutsche Sichtweise, die deutsche Haltung in bestimmten politischen Entscheidungen und Situationen erklärten.

Auf meinen eigenen Reisen nach Afghanistan und Ruanda wurde mir erneut bewußt, wie wichtig der persönliche Einblick ist. Auch Politiker brauchen diese Eindrücke, müssen selber sehen, was vor Ort passiert, um Entscheidungen treffen zu können, verantwortungsbewußt treffen zu können.

Von Reiselust kann also nicht immer die Rede sein. Man sollte nicht pauschal erklären, Abgeordnete reisen zu viel. Ein Großteil der Trips sind absolut notwendig, um Eindrücke zu gewinnen und Kontakte aufzubauen und zu vertiefen.