Die offene Wunde Amerikas

Schwarze in Amerika     
Unruhen in Ferguson, Missouri.

Unruhen in Ferguson, Missouri.

Die Unruhen in Ferguson sind kein Einzelfall in den USA. Ganz im Gegenteil, sie werfen ein Licht auf ein großes Problem, das allzu gerne in Amerika übersehen wird. Die Benachteiligung und die Ungleichheit von Afro-Amerikanern. 50 Jahre nach der Bürgerrechtsbewegung hat sich für einige Teile der amerikanischen Bevölkerung nicht viel geändert. Interessanterweise ist Amerika selbst über das Offensichtliche im Land gespalten. Nahezu 65 Prozent der Republikaner sehen in den Ereignissen in Ferguson kein „Rassenproblem“. Demokraten hingegen meinen mit einer Zweidrittelmehrheit, dass die Unruhen in der Kleinstadt durchaus etwas mit einer Ungleichbehandlung von jungen Schwarzen zu tun habe. Und nicht nur das, wie Professor Howard Pinderhughes von der „University of California“ in San Francisco (UCSF) erklärt, wer eine schwarze Hautfarbe in den USA hat, ist von vornherein verdächtig.

Dazu der aktuelle Audiobericht.

Leiden für die Medizin

Die University of California San Francisco, UCSF, ist weltweit für ihre medizinische Forschung bekannt. Nobelpreisträger forschen und lehren hier, wer an Krebs oder AIDS erkrankt ist versucht hier betreut zu werden, denn die Spezialisten der UCSF haben den Ruf ein gutes Händchen in der Behandlung von Patienten zu haben. Das Krankenhaus wird jedes Jahr als eines der besten in den USA eingestuft.

Und doch, wenn es um den Tierschutz geht, da scheinen die Götter in Weiß es nicht so genau zu nehmen. Einem Bericht des US Landwirtschaftsministeriums zufolge, der nun als Grundlage für einen investigativen Artikel des San Francisco Chronicles geführt hat, fallen die Forschungslabors der UCSF immer wieder durch dramatische Verletzungen des Tierschutzes und durch Tierquälerei auf. Hier am Golden Gate versuchen Wissenschaftler im Namen der Forschung und des medizinischen Fortschritts in etlichen Bereichen durch den Tierversuch Erfolge zu erzielen. Dafür wurden allein im vergangenen Jahr rund 800.000 Nagetiere, Fische, Amphibien und Reptilien an der UCSF „genutzt“. Das sind 85 Prozent der „verbrauchten“ Tiere. Hinzu kamen 98 Affen, 162 Vögel und 467 Hasen.

Doch bei all dem Grauen dieser Tierversuche, haben es die UCSF Wissenschaftler noch nicht einmal geschafft, die Versorgung der Tiere zu garantieren. Mäuse verdursteten, ein Affe verhungerte fast, zahlreichen Tieren wurden nach Operationen im Namen der Wissenschaft keinerlei Schmerzmittel verabreicht, die Qualen etlicher Wühlmäuse wurden nach der Behandlung nicht einmal von den Laboranten notiert. Sie starben für nichts. Einem Rhesusaffen wurde ein Implantat zur Erforschung der Parkinson Erkrankung in die Schädeldecke eingepflanzt. Nach sieben Monaten wurde es entfernt, einige Schrauben blieben allerdings, wie es anscheinend üblich ist, im Kopf zurück. Doch der Affe wurde lethargisch, die Wunde wollte nicht heilen, auch weil „Petra“, wie Tierschützer den Rhesusaffen nach Bekanntwerden des Falles nannten, immer wieder an der gleichen Stelle kratzte. Schließlich wurde sie erneut operiert, die Schrauben entfernt, doch die Wunde heilte nicht. Erst nach zwei Jahren stellte man fest, dass ein Stück Acryl vom Implantat im Kopf zurück gelassen worden war, was die Schmerzen und die offene Wunde auf dem Kopf von Petra verursachte. Sie wurde schließlich eingeschläfert, doch die sichtlich gestresste und unter Schmerzen leidende Affendame blieb bis zu ihrem Tod Teil des 2,1 Millionen Dollar teuren Forschungsprojektes, das vom „National Institute of Health“ finanziert worden war.

Bereits 2005 mußte UCSF 92,500 Dollar Strafe für Verstöße gegen die Tierhaltung in den Jahren 2001 – 2003 bezahlen.  Tierschützer bewerten solche Strafen als lächerlich, gerade dann, wenn es um Forschungsaufträge in Millionenhöhe geht. UCSF muß sich derzeit erklären, wie es dazu kommen konnte, dass die für den Tierversuch ausgewählten Tiere in den Käfigen der Labors „nicht artgerecht versorgt werden“ (!).

 

 

 

 

Die Droge Zucker

Alkohol, Nikotin und nun der Zucker. Wissenschaftler der Universität San Francisco (UCSF) haben ihre Ergebnisse einer längeren Untersuchung veröffentlicht. In dem Bericht, erschienen am Mittwoch in der Fachzeitschrift „Nature“, fordern sie, dass Zucker als Suchtstoff eingestuft wird, daher durch Steuern und Gesetze reguliert, offene Werbung kontrolliert und letztendlich ein Mindestalter für den Konsum von Zucker festgelegt werden sollte.

Der weltweite Anstieg des Zuckerkonsums, so die Wissenschaftler aus Kalifornien, sei für etliche chronische Krankheiten verantwortlich zu machen. Zum Teil erreichen diese epidemische Ausmaße.

Das Problem ist allerdings, so Dr. Robert Lustig, einer der Forscher, dass Zucker vielfach und weitverbreitet in der modernen Nahrungsmittelindustrie anzufinden ist. Um das Verhalten der Leute zu ändern benötige es allerdings eine umfassende Neuorientierung bei Erziehung und Gesetzgebung. „Die einzige Möglichkeit damit umzugehen ist eine gesundheitspolitische Intervention“, so Lustig in einem Interview. „Jeder redet von der persönlichen Verantwortung, aber das funktioniert hier nicht, genausowenig wie bei anderen Suchtstoffen. Das muß vom Gesetzgeber geregelt werden“.

In einer ersten Reaktion auf diese Forschungsergebnisse heißt es von Seiten der Nahrungsmittelindustrie, dass man Zucker sicherlich nicht für chronische Krankheiten in den USA und anderswo verantwortlich machen kann. Zucker mit Alkohl und Tabak zu vergleichen sei „ohne jegliche wissenschaftliche Grundlagen“, so die amerikanische Getränkeindustrie (American Beverage Association). „Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass die Reduzierung von Zuckerkonsum irgendeine bedeutende Auswirkung auf die öffentliche Gesundheit hat“.

Die Cola- und Limoindustrie in den USA verhält sich hier genauso wie vor etlichen Jahren noch die Tabakindustrie. Ersteinmal alles vom Tisch wischen. Zucker ist gut. Punkt. Wer was anderes sagt ist ein Spinner. Doch die Wissenschaftler haben recht, in dem sie sagen, Zucker und Süßstoffe sind in vielen Produkten zu finden, in denen man sie nicht erwartet und vor allem in denen sie nicht notwendig sind. Allein ein Gang durch einen normalen amerikanischen Supermarkt wie „Safeway“, „Albertsons“, „Lucky“ oder „Vons“ und das Lesen der Inhaltsstoffe der Produkte sollte einem zu denken geben. Vielleicht ist ja doch was dran an dem, was die UCSF Forscher da herausgefunden haben.

 

 

 

 

 

 

 

Reiselust der Parlamentarier

Gerade lese ich auf nz-online über die Reiselust der deutschen Parlamentarier. Und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass in diesem Artikel ganz bewußt unterstellt wird, die Trips der Abgeordneten seien vor allem Spass- und Lustreisen. Als jemand, der im Ausland lebt und hier in San Francisco sehr viel mit deutschen Abgeordneten zu tun hat, kann ich dem nur widersprechen.

Klar, es gibt Reisegruppen von Bundestags- und Landtagsmitgliedern, da fragt man sich schon, warum die eigentlich hier an die amerikanische Westküste gekommen sind. Der Einkaufstrip einiger Parlamentarier schlug Ende 2008 hohe Wellen. Doch ehrlicherweise muß man erklären, dass der Großteil der Delegationen und Reisen mehr als sinnvoll sind. Vor Ort bekommt man ein besseres Gefühl und einen Eindruck von dem, was Amerika ist.

Hier in San Francisco geht es um High Tech und Social Networks, um BioTech und Startup Companies, um Solarenergie und Zukunftsprojekte. Nordkalifornien ist nach wie vor eine Region, die Menschen aus aller Welt anzieht, hier werden Weichen gestellt. Mit Stanford, UC Berkeley, UCSF, UC Davis sind gleich vier Eliteschmieden in der unmittelbaren Gegend San Franciscos. Und das muss man sehen, man muss sich einen Eindruck darüber machen, wie das Zusammenspiel von Unis und Wirtschaft läuft, wie die gesamte Atmosphäre der Umgebung in diesen Austausch mit hinein spielt.

Es gibt einen Grund, warum der Freistaat Bayern seit Jahren hier mit einem eigenen Büro vor Ort ist. Viele der Firmenansiedlungen im Freistaat, auch in Nürnberg und dem Großraum gehen darauf zurück. Viele bayerische Minister kamen bereits nach San Francisco und ins Silicon Valley zum Klinkenputzen.

rotary_ojaiUnd genauso ist es meistens mit den Bundestagsabgeordneten. Durch meine langjährige journalistische Arbeit in Nordkalifornien und meine enge Zusammenarbeit mit MdB Dagmar Freitag habe ich einen Einblick bekommen. Die Reisen sind eng gefaßt, Termine stehen direkt nach der Landung und dem Langstreckenflug an. Dagmar Freitag ist regelmäßig für die Austauschprogramme des Bundestages in den USA. In den verschiedenen Regionen des Landes werden Bewerber für die Programme interviewt. Am Rande dieser offiziellen Reisen konnten auch die Schulpartnerschaften Hemer – Ojai und Letmathe – Indianapolis aufgebaut werden. Auf Eigeninitiative von Frau Freitag. Das alles wäre ohne die persönlichen Besuche der Abgeordneten an den Schulen gar nicht möglich gewesen. Viele Parlamentarier stehen darüberhinaus für Interviews, Gespräche und Vorträge zur Verfügung. In meiner „syndicated“ Radioshow hatte ich schon viele deutsche Politiker zu Gast, die den deutschen Standpunkt, die deutsche Sichtweise, die deutsche Haltung in bestimmten politischen Entscheidungen und Situationen erklärten.

Auf meinen eigenen Reisen nach Afghanistan und Ruanda wurde mir erneut bewußt, wie wichtig der persönliche Einblick ist. Auch Politiker brauchen diese Eindrücke, müssen selber sehen, was vor Ort passiert, um Entscheidungen treffen zu können, verantwortungsbewußt treffen zu können.

Von Reiselust kann also nicht immer die Rede sein. Man sollte nicht pauschal erklären, Abgeordnete reisen zu viel. Ein Großteil der Trips sind absolut notwendig, um Eindrücke zu gewinnen und Kontakte aufzubauen und zu vertiefen.

Toter ohne Totenschein

Es ist schon makaber, aber darüber muss man einfach schreiben. An dieser Stelle hatte ich im Oktober berichtet, dass mein Bekannter im Alter von fast 94 Jahren verstorben ist. Er lag im Krankenhausbett und schlief einfach ein, nachdem sein Herzschrittmacher ausgeschaltet wurde.

Nun bin ich für seinen Nachlass zuständig, muss alles auflösen, mich mit Erben und Mietern seines Hauses auseinandersetzen. Und plötzlich auch mit einem leiblichen Sohn, der nun aus der Versenkung aufgetaucht ist und schlichtweg alles verlangt. Er sei der alleinige Erbe, auch wenn Hans ihn bewusst in seinem Testament nicht erwähnte…egal, das muss nun ein Gericht klären.

Gestern hatte ich auch mal wieder ein schönes Telefonat wegen Hans. Seit Monaten schon bekommt er Rechnungen des Krankenhauses zugeschickt, die von seinem letzten, und ich meine wirklich den allerletzten, Aufenthalt stammen. Also habe ich mal angerufen, denen freundlich gesagt, dass Hans tot sei und sie sich doch an die Versicherung wenden sollten:

KH: „Wir brauchen dafür aber eine Totenbescheinigung“.

AP: „Aber er verstarb doch bei Ihnen im Krankenhaus?“

KH: „Trotzdem“.

AP: „Ein Arzt von Ihnen hat ihn für tot erklärt und sogar den Totenschein unterschrieben…“.

KH: „Trotzdem“.

AP: Stille, Fassungslosigkeit

Man kann sich also gut vorstellen, dass ich hier mit rollenden Augen sass und den Telefonhörer anstarrte…so viel Logik tut manchmal richtig weh.

Was mach ich hier nur?

Eigentlich wollte ich über meinen jüngsten Flug von Indianapolis nach Oakland schreiben und die Logik, mit der man von manchen Stewardessen oder Flugbegleiterinnen geschlagen wird….aber nun ist alles mal wieder anders.

Sitze hier in der Notaufnahme von UCSF, dem Uni-Krankenhaus in San Francisco. Hans, mein 94jähriger Freund aus Schlesien, musste eingeliefert werden. Und da sitzen wir nun – er liegt, ich sitze – und warten auf…ja, auf was warten wir eigentlich? Nicht auf den Weihnachtsmann oder das Christkind…ein Arzt war auch schon da…Wir warten schlichtweg darauf, dass endlich jemand kommt, der das Bett auf eine Station schiebt. Und das kann dauern. Wenigstens haben sie hier Wireless und ich nutze die Minuten, während Hans schläft, um ein bisschen zu schreiben.

Ich weiss nun nicht, ob jemanden in Nürnberg interessiert, was ich hier in San Francisco mache…wahrscheinlich ist das so egal wie der berühmte Sack Reis, der in China umfällt, aber ich schreibe trotzdem, denn mir ist langweilig. Was soll man auch machen, wenn man hier in der Notaufnahme rumsitzt…Dem schreienden Kind im Nebenzimmer zuhören, das etwas im Ohr stecken hat und keinen Arzt und keine Krankenschwester an sich ran lässt. Eine meinte, „sieht aus wie eine Küchenschabe. Schon die dritte in dieser Woche“. Was das Kind nicht wirklich beruhigte.

Vielleicht sollte ich doch von der ollen Flugbegleiterin sprechen, die mich auf meinem Gang zur Toilette mit den Worten stoppte „Sie können hier nicht nach vorne kommen, gehen Sie nach hinten“. „Aber die Toilette ist doch frei“. „Gehen Sie nach hinten“. „Aber ist doch frei“. „Gehen Sie nach hinten“, das war dann schon ein scharfer Ton, bei dem ich dachte, sie alarmiert gleich die Federal Marshalls, die an Bord sind, um mich zu verhaften. Also ging ich nach hinten und reihte mich in die Schlange der Bedürftigen ein.

Was die Flugtante nicht sagen wollte war eigentlich klar. Der Pilot musste auch mal  und deshalb darf man als normaler Fluggast und potenzieller Sohn Osamas nicht mehr aufs selbe Klo. So ist das nun in den Weiten des Himmels, von der grenzenlosen Freiheit über den Wolken ist nichts mehr zu spüren. Und vom Sicherheitsbeamten in Indianapolis, der die Zahnpasta schon als wichtigen Part in meinem mobilen Bombenbaukasten sah, ganz zu schweigen. Habe ich ja immer dabei, unterm Arm sozusagen…wenn der wüsste, dass Chemie nie so mein Fach war. Aber macht richtig Spass, endlich auch einmal als „Bad Boy“ gesehen zu werden….Kleiner Scherz, aber mal ehrlich, fliegen nervt nur noch. Da kommt man sich vor wie bei Aldi an der Kasse, wenn die „nette“ Frau im Kittel einen anraunzt die Tasche zu öffnen, man ist ersteinmal ein potenzieller Dieb. Rasterfahndung pur, bei Aldi und über den Wolken….verdächtig ist jeder.

Zurück zum Krankenhaus in San Francisco, hier kommen sie auch nicht richtig in die Pötte, aber Hans wacht gerade auf, von daher hör ich mal auf…