Ist da wirklich eine Kluft?

Spiegel Online titelt: „Kluft zwischen Deutschen und US-Amerikanern wird größer“. Das zumindest habe eine „repräsentative Umfrage der Körber-Stiftung und des amerikanischen Pew Research Centers“ herausgefunden. 73 Prozent der befragten Deutschen würden demnach die Beziehungen zu den USA als „schlecht oder sehr schlecht“ einschätzen. Die Amerikaner hingegen sehen zu 70 Prozent die Beziehungen zu Deutschland als „eher gut oder sehr gut“.

Die deutsch-amerikanische Freundschaft existiert.

Irgendwie will ich dieses Ergebnis nicht so richtig glauben, denn es widerspricht allem, was ich hier erlebe, was mir Besucher von ihren Erfahrungen erzählen, was mir Freunde berichten, die in die USA reisen oder reisen wollen. Klar, ich bin kein Statistiker, keiner der eine „repräsentative Umfrage“ in Auftrag gibt, aber dennoch glaube ich nicht daran, dass jeder Dritte Deutsche die Beziehungen zu den USA als „schlecht oder sehr schlecht“ sieht.

Keine Frage, Donald Trump und seine rechtslastigen, patriotischen und „America First“-Kulturkämpfer haben Probleme im weltweiten Klima geschaffen. Das politische USA wird nicht mehr als verlässlicher Partner der Europäer und der Deutschen gesehen. Zumindest so lange, wie Donald Trump in Amt und Würden ist. Klar ist aber auch, dass hinter Donald Trump und seinen populistischen Vorstellungen und Verlautbarungen keine Mehrheit in den USA steht. Das Regieren wird Trump nicht leicht gemacht. Weder von den Demokraten noch von seiner eigenen Partei, den Republikanern. Ja, er richtet einen großen Schaden an, auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene. Dennoch, es gibt in den Vereinigten Staaten genügend Kräfte, die gegen diesen Präsidenten und seine veralteten und unamerikanischen Ziele und Ideale aufbegehren und kämpfen.

Vielleicht, wenn die Zahlen in dieser Umfrage wirklich so hoch sein sollten oder auch nur annähernd stimmen, vielleicht müssen wir Medienvertreter da mal überlegen, was wir aus den USA und über die USA in diesen Trump-Tagen berichten. Denn Amerika ist nicht Trump, das muss man ganz klar betonen. Das zeigt sich mir in meinem direkten Umfeld, das erfahre ich jeden Tag in meiner Arbeit, das erlebe ich in Gesprächen, in Interviews, bei Recherchen. Ich glaube nicht, dass 3/4 der Deutschen die USA kritisch sehen. Aber die Zahl ist dennoch zu hoch, denn sie beruht auf Vorurteilen, auf Unwissen, auf Schnellschüssen. Es gibt in diesen Trump-Zeiten eigentlich viel mehr was Deutschland und die USA verbindet. Darüber sollte man berichten, das sollte man lesen, hören, glauben.

 

Der Wahlkampf ist ein seltsames Geschäft

575 republikanische Wähler machen international Schlagzeilen. Nein, nicht mit ihrem Namen oder mit einer großartigen Protestaktion. Sie haben lediglich zu 26 Prozent in einer telefonischen Umfrage der New York Times und CBS News erklärt, sie würden für den Neurochirurgen Ben Carson stimmen. 22 Prozent von ihnen wollen für den Milliardär Donald Trump votieren. Die Fehlerquote bei dieser Umfrage liegt bei +/- sechs Prozent. Die anderen Kandidaten im Rennen lagen weit hinter diesem Duo mit einstelligen Ergebnissen.

Ben Carson hat gut lachen, er führt nun in einer der unzähligen Umfragen. Foto: AFP.

Ben Carson hat gut lachen, er führt nun in einer der unzähligen Umfragen. Foto: AFP.

Diese Umfrage wurde als Knüller behandelt, Trump fällt, Carson steigt, als überzeugter Republikaner kann man sich nur noch an den Kopf fassen. Denn die eigene Partei gleicht einem Spaßhaufen. Da liegen zwei Kandidaten vorne, die keinerlei Regierungserfahrung haben und schon gar keine Antworten auf drängende politische Fragen haben. Der eine ein arroganter, selbstüberschätzender Egomane, der andere ein stiller, erzkonservativer Chirurg, der mit solchen Sätzen wie „der Holocaust wäre wahrscheinlich nicht passiert, wenn die Juden bewaffnet gewesen wären“. Und weiter, „sie hätten sich selbst retten können, wenn sie Waffen gehabt und militärische Aktionen durchgeführt hätten.“ Die Waffenlobby, die National Rifle Association, jubelt über solche dummdreisten Sprüche.

Diese Kandidaten stehen also an vorderster Stelle in der republikanischen Partei. Eigentlich sollte man sich als Parteimitglied schämen, doch nichts dergleichen passiert. Auf dem konservativen Propagandasender FOXNews wird das breite Feld der Anwärter aufs Weiße Haus gefeiert. Man habe ja so viel Auswahl. Nur Hillary, Bernie und Obama bekommen auch weiterhin ihr Fett ab. Moderator Sean Hannity preist jeden der GOP-Kandidaten als „good American“ und als „Patrioten“. Wo soll das noch hinführen?

Egal, ob in den Umfragen nun 575 Wähler  für Carson und dann erst für Trump stimmten, keiner der beiden wird es am Ende schaffen. Das kann nicht sein, das darf nicht sein. Man stelle sich nur vor, wenn sich wirklich einer der beiden am Ende durchsetzen sollte. In deutschen Kommentaren wird immer wieder geschrieben, dass in Amerika alles möglich sei, sogar ein B-Klasse Schauspieler, wie Ronald Reagan, wurde schließlich zum Präsidenten gewählt. Übersehen wird dabei, dass Reagan Gouverneur des bevölkerungsreichsten Bundesstaates, Kalifornien, war. Und, dass der Iran ihn mit einem politischen Schachzug im Wahlkampf unterstützte, wenn nicht sogar ins Weiße Haus hievte. Denn die Geiselnahme von Teheran wurde erst nach dem Wahltag im November 1980 beendet. Präsident Jimmy Carter wurde Versagen vorgeworfen, Ronald Reagan hatte ein leichtes Spiel gewählt zu werden.

Reagan ist also kein gutes Beispiel für einen möglichen Präsidenten Trump oder Carson. Auch wenn Amerika das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist, alles ist dann doch nicht machbar. Ich hoffe es zumindest.

Wie schnell man doch vergisst!

Zwei Kriege, die die Weltordnung veränderten. Ein Überwachungsstaat. Abbau von Bürgerrechten. Geheimgefängnisse in aller Welt. Billionen von Dollar an Schulden. Eine bröckelnde Infrastruktur. Mit diesen und mehr, nicht gerade schönen, Umschreibungen könnte man die Amtszeit von George W. Bush zusammenfassen. Doch all das zählt wohl nicht mehr.

George W. Bush ist nun beliebter als Barack Obama

George W. Bush ist nun beliebter als Barack Obama

In einer jüngsten CNN Umfrage erklärten 52 Prozent, dass George W. Bush ein guter Präsident gewesen sei. Sie hätten eine positive Meinung über den Texaner. Nur 49 Prozent der Befragten hingegen erklärten, sie hätten eine „favorable opinion“ zu Amtsinhaber Barack Obama. Der liegt also nun hinter „W“, der ihm ein gewaltiges Erbe hinterlassen hatte. Bush Senior und Bill Clinton kommen gut weg, sie liegen in der Gunst der Befragten bei jeweils 64 Prozent.

Es scheint, im Rückblick sieht man alles besser, unkritischer, rosarot. Von Krieg, Überwachung, Bürgerrechtsverletzungen will keiner mehr etwas wissen. Ja, alle Maßnahmen der Bush Regierung haben dazu geführt, dass es in den USA keine größeren Terrorangriffe mehr gegeben hat. Aber um welchen Preis?