Wir brauchen einen trumplosen Tag

Ich glaube langsam wirklich, man sollte Donald Trump ignorieren. Zwar kann man ihn nicht ganz ignorieren, denn immerhin ist er der amerikanische Präsident. Sein Wort hat Gewicht, national und international. Seine Entscheidungen haben Auswirkungen auf lange Zeit hinaus. So ist die Wahl seiner Bundesrichter mehr als kritisch zu beobachten, denn die werden auf Lebenszeit bestimmt, heisst, Donald Trump könnte den USA und der Welt damit ein folgenreiches, jahrzehntelanges Erbe hinterlassen.

Aber man sollte Donald Trump einfach mal reden lassen, ohne alles zu kommentieren, was er da tagtäglich in seinen Auftritten, auf Pressekonferenzen, am Rande von Veranstaltungen und vor allem auf Twitter von sich gibt. Man sollte – und ich schließe mich dabei ein – nicht alles auf die Goldwaage legen, was dieser Mann, der nur von einem Drittel der Amerikaner gewählt wurde, von sich gibt. Und das ist schwer einzuhalten, denn Tweets des 45. Präsidenten rufen gewaltige Gewitter in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hervor. Was Trump in seinen Kurznachrichten verlauten lässt, wird international gelesen und bewertet. 51,3 Millionen „Followers“ hat Trump, darunter wohl jeden Journalisten mit einem Twitter Account, der auch nur am Rand über Politik berichtet.

Und doch, es würde gut tun, wenn nicht alles kommentiert wird, was Donald Trump vom Stapel lässt. Denn Trump braucht die Reaktion wie die Luft zum Atmen. Das sieht man auch an dem jüngsten Tweet, Trump liebt Umfrageergebnisse, wenn er sie denn auf sich beziehen und für sich hinbiegen kann. Für ihn wäre es eine Katastrophe mal an einem Tag auf die Webseiten der verhassten New York Times und Washington Post zu klicken und keinen Artikel über ihn zu finden, CNN und MSNBC einzuschalten und nicht seinen Namen zu hören. Den Hofsender FOXNews möchte ich gar nicht erwähnen, Trump würde einen Infarkt erleiden, wenn er morgens „Fox & Friends“ einschaltete und in einer Sendung nicht über ihn gesprochen werden würde. Für den Egozentriker Donald Trump wäre die Welt nicht mehr in Ordnung, sein Weltbild würde aus den Fugen geraten.

Aber das ist ein Wunschdenken, denn nicht nur die verhassten Journalisten berichten über Trump, auch die Leser, Hörer und Zuschauer verlangen nach ihrer regelmäßigen „Trump Dosis“. Wie sonst lässt es sich erklären, das Klickzahlen auf Trump-Berichte weitaus höher liegen, dass Rückmeldungen gerade nach Trump Artikeln und Radiobeiträgen kommen? Wir alle sollten also etwas entspannter werden und unseren Trump Konsum runterschrauben.