„I know it best“

Wer in diesen Wochen ins Weiße Haus möchte, der muß sich einem rigiden Prozedere unterwerfen. Die Körpertemperatur wird gemessen, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist vorgeschrieben, Pressevertreter, das sieht man auf den regelmäßigen Pressekonferenzen, müssen Abstand halten. Doch all das gilt nicht für die Mitarbeiter von Donald Trump. Seine Pressesprecherin und ihre Entourage tragen ganz bewußt keine Maske, denn, wie Präsident Donald Trump es klar gemacht hat, die Maske sei mittlerweile ein politisches Statement. Wer MNS trägt ist gegen Trump.

Da ist es auch egal, dass sich ein White House Reporter in dieser Woche angesteckt hat, obwohl er eine Maske trug. Da ist es egal, dass Secret Service Beamten und selbst die Freundin von Donald Trump Jr. infiziert wurden. Wichtig ist, dass Donald Trump es besser weiß als alle anderen und sich sogar bewußt gegen die Vorschläge zur Bekämpfung der Corona Krise seiner Wissenschaftler des „Center for Disease Control“(CDC) stellt. Die müssen nun ihre Berichte umschreiben, damit sie vom allwissenden Präsidenten abgesegnet werden können.

Das Virus kommt Trump im Wahlkampf gar nicht recht. Die Wirtschaft und das öffentliche Leben leidet. Er kann noch so viel davon faseln, dass er alles richtig gemacht hat, dass die Welt neidisch ist auf die vielen Tests, die hier in den USA durchgeführt wurden, dass andere Länder lange nicht so viel testen würden, wie Amerika, deshalb sehe die Situation auf dem Papier und nur dort so schlimm aus. „America First“ bekommt in diesen Tagen eine ganz andere Bedeutung und das sehen auch die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner.

Trump will Normalität, deshalb fordert er die Öffnung der Wirtschaft und die Rückkehr zum amerikanischen Alltag, ohne Rücksicht auf Verluste, sprich, weiteren Infektionen sind einkalkuliert. Er glaubt es anscheinend selbst, dass die hohen Zahlen nur daran liegen, dass in den USA mehr getestet wird als in anderen Ländern. So kann man auch seine Forderung nach Öffnung von Schulen und Universitäten im Sommer und Herbst lesen. Er droht ganz offen, dass Gelder gekürzt werden, wenn die Bildungseinrichtungen weiterhin auf ausschließlich Online-Klassen setzen. Da ist es egal, dass die Bundesstaaten und der CDC dagegen sind, vorsichtig sein wollen, einen Coronaplan erstellen möchten, Trump will einfach die Türen öffnen und los gehts. Und klar, er wirft auch noch eine Rauchbombe, dass die Universitäten und Schulen sowieso politisch links seien und die Kinder indoktrinieren würden.

Da passt auch die Anordnung, dass fortan ausländische Studierende in den USA in den Klassenzimmern sein müssen, ansonsten wird ihnen ihr Visum entzogen. Das trifft viele Universitäten hart, denn gerade diese erhöhten Studiengebühren finanzieren den Einrichtungen. Oftmals sind an den Hochschulen ein Viertel und mehr der Studierenden aus dem Ausland.

Normalität heißt für diesen Präsidenten, dass die Schutzregeln für ihn und seine näheres Umfeld zwar gelten, aber nicht für alle anderen im Land. Trump lebt einfach in einer Parallelwelt mit alternativen Fakten. Das war von Anfang an klar und wird so kurz vor dem Wahltag noch deutlicher. Er und auch sein Umfeld erklären ja immer und immer wieder, dass der Präsident alles besser wisse, „I’m the only one“, „no one knows it better“. So kann man auch verstehen, warum Trump sich in Fragen der Öffnung von Schulen, Universitäten und dem öffentlichen Leben gegen die Aussagen der Experten und Wissenschaftler stellt. Trumps Wort, so hätte er es gerne, ist Gesetz. Hoffentlich nur noch bis zum 3. November.

 

Deutschland Studienland

Es muß nicht immer Berkeley sein. US Studenten zieht es an deutsche Unis.

Es muß nicht immer Berkeley sein. Amerikanische Studenten zieht es mehr und mehr zum Studieren nach Deutschland.

Stanford, UC Berkeley, UCSF, UCLA, USC. Topuniversitäten in Kalifornien, die alle äußerst attraktiv für deutsche Studierende sind. Doch es gibt auch den Blick von hier über den Großen Teich. Etwa 10.000 US Amerikaner sind an Universitäten in Deutschland eingeschrieben. Ganz legal und ganz kostenfrei. Das liegt zum einen an der Tatsache, dass seit 1985 die Studiengebühren in den USA um mehr als 500 Prozent gestiegen sind. Absolventen sind nach ihrem Abschluß hoch verschuldet. Sogar der Präsidentschaftswahlkampf hat dieses Thema aufgegriffen. Die radikalste Forderung ist die des demokratischen Kandidaten, Bernie Sanders, der ein kostenloses Studium für alle an öffentlichen Unis und Colleges fordert. Sanders blickte für diese Forderung auch nach Deutschland.

Zum anderen liegen die gestiegenen Einschreibungszahlen amerikanischer Studierender an deutschen Unis auch an der Attraktivität der Bildungseinrichtungen selbst. Die Kurse für ausländische Studenten werden in Englisch angeboten, die Forschung ist attraktiv und gerade in den technischen Bereichen hat Deutschland weltweit einen hervorragenden Ruf. Und schließlich sind Städte wie Berlin, Hamburg, München und Heidelberg mehr als bekannt in den USA. Deutschland wird hier drüben durchaus als interessante Alternative zu einem Studium im eigenen Land gesehen.

Hinter den kostenlosen Angeboten für Studierende aus den USA, aber auch aus China und Großbritannien, steckt die Hoffnung der deutschen Wirtschaft, dass damit eine Lücke im Bereich der Fachkräfte geschlossen werden kann. Auch andere EU-Länder bieten gezielte Kurse für US-Studierende an, doch Deutschland ist mit das einzige Land, in dem Amerikaner umsonst die Bildungsmöglichkeiten nutzen können. Damit werden auch ganz besondere und nachhaltige kulturelle Brücken zwischen beiden Ländern aufgebaut.

„Liken“ in Somaliland

Am Nachmittag gab es das Sicherheitsbriefing vor Ort. Auch wenn schon lange nichts mehr in Somaliland passiert ist, man sei auch weiterhin wachsam. Demonstrationen vor den bevorstehenden Wahlen werden vermieden und umgangen, Überlandfahrten genau geplant, „Curfew“, Ausgangsverbot für alle CARE Mitarbeiter liegt bei 22:30 Uhr. Somaliland sei aber sicher. Der Sicherheitsexperte der NGO erklärte uns, dass man hier von Somaliland und nicht von Somalia sprechen solle, darauf lege man Wert. Und Männer geben Frauen nicht die Hand. Punkt. Damit kann man leben.

Ein Gruppe von Studentinnen schaute auf die Kamera der CARE Mitarbeiterin. "Die kommen auf meine facebook Seite", hieß es.

Ein Gruppe von Studentinnen schaute auf die Kamera der CARE Mitarbeiterin. „Die kommen auf meine facebook Seite“, hieß es.

Danach ging es zur Universität von Hargeisa. Ein großes Areal, Männer und Frauen studieren gemeinsam, die Frauen im Niqab und auch zum Teil voll verschleiert. Aber alle sind offen, begrüßen die Besucher von weit her, „Hi, how are you?“. Als die Medienreferentin von CARE mit ihrer Kamera etwas auf dem Gelände herumfotografiert, spricht eine Gruppe von jungen Frauen sie an, alle traditionell gekleidet und mit Kopftuch. Ob Johanna denn von ihnen auch ein Bild machen könne, das würden sie gerne als neues auf ihre facebook Seite stellen. Die Welt macht nicht Halt vor dieser Region.

Abends treffen wir in einem sehr netten und guten Restaurant somalische Rückkehrer, zumeist aus England. Dort lebten und arbeiteten sie, wuchsen auf und gingen zur Schule und zur Universität. Doch irgendwann kam der Wunsch zurück zu gehen, mitanzufassen, etwas mit aufzubauen in der alten Heimat. Und dann kamen sie und stehen heute zwischen den Stühlen. Sie sind hier und dort gleichermaßen daheim, genau dieses Gefühl kenne ich auch, obwohl meine Erfahrungen zwischen Oakland und Nürnberg nicht vergleichbar sind mit denen zwischen London und Hargeisa. Eine interessante Runde sitzt am Tisch und berichtet von ihren Erlebnissen, Erfahrungen, ihren Motivationen und Wünschen. Bereitwillig geben sie Auskunft, es wird teils hitzig diskutiert, doch nie böswillig. Ganz im Gegenteil, wir alle lachen immer wieder laut auf. Auch das ist das normale Leben in Somaliland, entspannt, fröhlich, in lockerer Atmosphäre, so als ob es in Nürnberg oder Oakland wäre.

Morgen früh haben wir einen Termin mit einem Minister von Somaliland, es geht um Wasserprojekte, die von CARE gefördert werden. Danach geht es raus, Richtung Norden, ans Meer und dort weiter zu verschiedenen Außenstellen der Hilfsorganisation, die Ende November 70 Jahre alt wird. Auf der Fahrt sollen wir durch eine wunderschöne Landschaft kommen, mal sehen, was ich mit meinem Taschenapparat so einfangen kann.

Geht nicht gibts nicht

Die Dinger heißen Chukudu und rollen überall durch Goma. Besser gesagt, sie werden durch die Straßen geschoben. Von einem, zwei oder auch drei zumeist jungen Leuten und Kindern. Damit wird eigentlich alles in der Stadt transportiert. Latten, Rohre, Mehl- und Zementsäcke, Autoreifen, Ersatzteile, Bierkästen im Dutzend, Schreibtische, Betten und Matratzen. Bis zu einer Tonne können die Chukudus tragen, die es in verschiedenen Größen gibt.

Es ist eine Knochenarbeit, die Dinger durch Goma zu schieben. Denn nicht nur das Gewicht als solches ist schon schwer genug, die Straßen sind alles andere als eben für diese Riesenroller. Aber die Chukudus sind aus dem Stadtbild gar nicht mehr wegzudenken, es ist der einfachste und praktischste Weg, Güter von A nach B zu transportieren. Am Rande des Stadtzentrums wurde sogar eine goldene Statue für die Chukudu Fahrer errichtet.

Heute war ich an einer anderen Universität, die zum Teil von der evangelischen Kirche in Deutschland finanziert wird. Dort traf ich einen deutschen Informatiker, der seit eineinhalb Jahren hier ist. Es sei eine Herausforderung, mit den Mitteln und den Möglichkeiten, die hier existieren, das zu verwirklichen, für was er hier sei. Die Universität zahle allein 1000 Dollar im Monat für den Internetzugang, habe damit aber nur eine Bandbreite, die einem Zehntel von dem entspreche, was in Deutschland einem normalen Haushalt zur Verfügung stehe.

Doch auch damit ließe sich leben, man versuche eben das beste mit dem zu machen, was man habe. Sowieso sind alle, die man hier trifft voller Energie, Motivation und Ausdauer. Der Job in der humanitären und der Entwicklungshilfe ist alles andere als leicht. Es ist kein 40 Stunden Job, die Abschaltmöglichkeiten nach Dienstschluß sind so gut wie nicht existent, die Sicherheitslage nach wie vor prekär. Schüsse haben hier schon alle gehört. Man sollte vorher wissen, auf was man sich in Goma und im Ost-Kongo einläßt. Und dennoch, all jene, die ich in den letzten Tagen getroffen und gesprochen habe, würden diesen Schritt hierher wieder gehen. Der Kongo hat eine tiefe und bewegende Faszination…und irgendwie läßt einen dieses Land nicht mehr los.

Holzlatrinen mit Symbolkraft

Ein weiterer Tag in Goma, ein weiterer Besuch in einem Flüchtlingslager. Fast eine Stunde dauert die 15 Kilometer lange Fahrt von der Innenstadt an die Stadtgrenze. Die Straßenbedingungen sind unsäglich, man wird im Toyota Geländewagen so richtig durchgeschüttelt. Meist nur im ersten Gang geht die Fahrt voran.

Dieses Lager hat über 50.000 Bewohner. Alles kongolesische Flüchtlinge, die vor dem ständigen Bürgerkrieg in die vermeintliche Sicherheit nach Goma geflüchtet sind. Die internationale Gemeinschaft hilft, wo sie kann in diesem Flüchtlingslager, das anfangs nur für eine kurze Zeit angelegt wurde. Doch die Situation verbessert sich nicht in den Heimatregionen der Menschen.

Ich bin mit den Johannitern unterwegs, die hier etliche Latrinen und Duschbereiche aus Holz gebaut, die Apotheken eingerichet und Gesundheitszentren aufgebaut haben. Finanziert wird der Einsatz der Johanniter durch das Auswärtige Amt. Das Geld kommt an, man arbeitet eng mit dem AA zusammen und hebt sich durch den qualitativen Ansatz auch von anderen Hilfsorganisationen ab. Qualitativ heißt, die Latrinen und Duschbereiche der Johanniter sind aus Holz gezimmert, erhöht und nach internationalem Standard gebaut. Im Vergleich dazu die nur mit Planen errichteten Toiletten anderer NGOs. Sogar an Behindertentoiletten wurde von den deutschen Johannitern gedacht. Die Menschen hier wissen den Unterschied zu schätzen.

Der Weg durchs Lager ist erschütternd. Tausende von Menschen, viele Kleinkinder wuseln um einen herum. Spärlich bekleidet, die Latschen durchgelaufen, Rotznasen in welches Gesicht man auch schaut und zum Teil dicke Bäuche, die die schlimme Situation der Kinder noch einmal unterstreicht. Immer wieder der Ruf nach den Wazungu, den Weißen, die hier durch die Gegend laufen.

Das Gesundheitszentrum ist ein aus Planen errichtetes Gebäude, das in wenigen Wochen einem aus Holz erbauten weichen wird. Man hat erkannt, dass hier von einer kurzfristigen Hilfsoperation in eine mittelfristige übergegangen werden muß. Die Menschen sind hier und werden erst einmal hier bleiben. Trotz aller Einfach- und Schlichtheit ist dieses Gesundheitszentrum vorbildlich. Man darf keine deutschen Standards anwenden, es geht um den Aufbau von Gesundheitshilfe in einem korrupten Land ohne Infrastruktur, das sich in einem Krieg befindet.

Nach diesem „Ausflug“ machte ich mich noch einmal auf mit dem Mopedtaxi durch die Stadt. Mein Ziel war die Universität. Ein heruntergekommenes Gebäude, die Scheiben zerschlagen oder zerschossen, in engen, dunklen Zimmern drängen sich Dutzende von Studenten auf Holzbänken.

Ein langer Spaziergang durch die Stadt zurück zum Hotel. Man fällt auf als einziger Weißer. Normalerweise fahren die nur in ihren Geländewagen durch die Gegend. Ein Sprung in den See zum Abkühlen, danach ein kühles „Mützig“ Bier….die Erfahrungen in Goma erden einen. Jedes meiner Probleme ist dagegen nichtig.

Deutsche Welle…bitte Abschalten!

Wer bitte schön braucht noch die Deutsche Welle? Oder anders gefragt, wer bitte schön hört noch die Deutsche Welle? Eines ist mir in den letzten Tagen beim Ab- und Zuhören des deutschen Auslandssenders klar geworden. Die Parlamentarier in Berlin, die über den Haushalt der Rundfunkanstalt entscheiden, hören jedenfalls die Programme der Deutschen Welle nicht. Anders kann ich es mir nicht erklären, was da über den Äther läuft!

Das deutsche Programm wurde aus Kostengründen abgeschaltet. Ist logisch und macht auch Sinn, wenn man bedenkt, dass die Bundesregierung massiv versucht, die Deutschprogramme an ausländischen High Schools und an Universitäten aufrecht zu erhalten. Da werden teure Konzerttourneen, wie jüngst mit Madsen, durch die USA organisiert und DW zieht einfach den Stecker zur deutschsprachigen Berichterstattung. Deutsch ist eben nicht wichtig, olle Sprache, das ist das klare Zeichen, was im Ausland ankommt. Auf der Antenne hört man mittlerweile mehr englische Muttersprachler, den deutschen Steuerzahler wird es freuen, dass man nun diese Art  europäischer Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen fördert.

Ich will gar nicht groß etwas zum Programm der Deutschen Welle sagen. Letztes Jahr habe ich schon über die bescheuerte Unterbrechung der Fussball Liveberichterstatttung am Samstagnachmittag geschrieben, als um 17 Uhr (!) Nachrichten in Kisuaheli eingespielt wurden, eine Viertelstunde vor Schluß. Im Meisterschaftskampf. Und danach fing um 17:08 Uhr auch noch die Sendung auf Kisuaheli an, die Endergebnisse erfuhr man als Hörer nicht. Unfassbar!!!

Die Morgensendung moderieren zwei junge Frauen, die eher wie „Girlies“ rüberkommen. Ist Geschmackssache, aber ich persönlich mag es nicht so, wenn ich das Gefühl habe, ein Moderator hockt mir fast auf dem Schoß. Vor allem morgens nicht, da würde ich als im Ausland sitzender Hörer gerne Informationen bekommen, Schwerpunkt Deutschland, warum sonst sollte ich DW einschalten. Nach drei Tagen intensivstem Hören habe ich viel über Frankreich, England, Rumänien, Zimbabwe, Indien, Italien und andere Länder erfahren. Ach ja, ein in die Länge gedehnter Beitrag über eine Ausstellung in Berlin war auch dabei. Aber ist das die Aufgabe der Deutschen Welle? Wollen die Radiomacher in Bonn mit der BBC konkurrieren? Wenn ja, sollte man am Rhein mal ganz langsam einen Schritt zurück gehen, überlegen und sich neu orientieren. So jedenfalls macht die Deutsche Welle keinen Sinn und sollte abgeschaltet werden. Den deutschen Steuerzahler wird es freuen, denn DW wird nicht aus den GEZ Gebühren finanziert.