Die Retter der Orangen

„Florida Boy“ und „Capri Sonne“, „Sunkist“ und „Dittmayer’s“, „Hohes C“ und „Valensina“. Orangensäfte sind schon was besonderes. Meistens zumindest, auch wenn bei einigen dieser Marken nur eine Orange vorbeigeschwommen ist. Oft hat das, was in der Packung oder Flasche ist nicht viel mit Orangensaft zu tun. Aber darum soll es hier nicht gehen. Der Orangensaft ist „under attack“. Besser gesagt, Orangen werden von dem Erreger „Huanglongbing“ angegriffen. Die Folge ist eine Zitruskrankheit, die auch als „Citrus Greening Disease“ bekannt ist.

Die Auswirkungen sind dramatisch. In den letzten zehn bis zwölf Jahren zerstörte das Bakterium HLB nahezu 70 Prozent der Zitrusindustrie im US amerikanischen Bundesstaat Florida. Der Schaden geht in die Milliarden. Bislang konnte noch nichts zur Rettung der befallenen Bäume gefunden werden. Mit einem positiven PCR (polymerase chain reaction) Test kann lediglich der Befall der Bäume festgestellt werden, doch bis die Folgen an den Orangen sichtbar sind, können Monate, wenn nicht sogar Jahre vergehen. Und dann hat HLB bereits den gesamten Orangen Hain infiziert.

Mit Hundenasen soll die kalifornische Zitrusindustrie gerettet werden.

Nun sucht man neue Wege, um HLB frühzeitig zu entdecken. Gerade auch, um die Zitrusindustrie an der anderen US Küste in Kalifornien zu retten. Bislang ist der Erreger noch in keinem kommerziellen Orangenhain im Golden State entdeckt worden, nur in privaten Gärten in Orange, Riverside und Los Angeles. Aber Experten gehen davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, wann die erste Ranch davon betroffen ist. Um das zu verhindern greift man nun nach neuen Mitteln. Und die kommen in Form von Hundenasen. Das Landwirtschaftsministerium in Washington (USDA) hat ein Programm finanziert, bei dem Hunde auf das Auffinden des HLB Erregers trainiert wurden. Mit Erfolg, wie Tests in Florida zeigten. Die Hunde schnüffelten sich an den Bäumen vorbei und blieben direkt vor einem infizierten Baum sitzen und bellten. Spuren des Befalls waren an den Bäumen nicht zu sehen, die Orangen waren orange und voll, alles sah normal aus. Doch nachfolgende Tests ergaben, die Bäume waren von „Huanglongbing“ befallen. Um eine Ausbreitung zu verhindern, mussten die betroffenen Bäume gefällt und vernichtet werden.

Viele Farmer in Kalifornien hoffen nun darauf, dass mit den Hundenasen das Schlimmste verhindert werden kann. Auch wenn das Programm noch in den Anfangsstadien ist, die Ergebnisse sind vielversprechend, HLB im Frühstadium zu entdecken und zu stoppen. Per Landweg sollen demnächst einige der Hunde aus Florida in den Golden State gebracht werden, um schnüffelnd durch die ersten Orangenhaine zu laufen. Einsatzorte sollen Fillmore und Santa Paula sein.

„Tired of Trump“

Es gibt wohl sehr wenige politische Bereiche, in denen ich mit Donald Trump überein stimme. Seine Abkehr vom Umweltschutz, seine Immigrations-, seine Verteidigungs-, seine Wirtschaftspolitik, all das kann ich nicht gut finden. Aber egal, er ist der gewählte Präsident und damit muss man sich abfinden. Was man Trump zugute halten kann, er arbeitet seine Wahlkampfversprechen ab. Zumindest hält er sich an das, was er angekündigt hat. Niemand kann also sagen, er habe davon nichts gewusst.

Donald Trump will wiedergewählt werden. Foto: Reuters.

Aber neben der politischen Differenz stößt mich die Person Donald Trump einfach ab. Ich empfand ihn schon vor seinem Wahlkampf als unangenehm, seine Sendung „Apprentice“ habe ich nie angeschaut, die Art und Weise, wie er sich darstellt und produziert, wie er mit anderen umgeht fand ich immer schlimm. Und genau das ist es auch, warum ich vor allem hoffe, dass Donald Trump nicht wiedergewählt wird. Sein Ton, seine Art, seine Lügen, seine Selbstherrlichkeit, seine Selbstverliebtheit, seine Beschimpfungen und Beleidigungen, seine kindlichen Trotzreaktionen, sein kindisches Getue. Anfangs im Wahlkampf war es unterhaltsam, nun ist es nur noch nervig.

Trump ist kein Präsident der Amerikaner, er regiert nur für seine Basis. Und die will genau das hören, was er von sich gibt, jubelt ihm zu, wenn er die Medienvertreter als „Volksfeinde“ bezeichnet, politische Gegner beschimpft, Immigranten als Kriminelle abtut und es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt. Trump vollzieht bei seinen Massenveranstaltungen genauso wie im Oval Office eine dummdreiste  Bauchpinselei. Er beleidigt Andersdenkende und verhöhnt ganz offen die demokratischen Grundprinzipien und Grundfesten. Der Schaden, den er angerichtet hat und noch anrichten wird, ist immens. Trump ist sich sicher wiedergewählt zu werden. Das macht er deutlich, darauf baut seine Basis. Was jedoch, wenn er in einer demokratischen Wahl nicht mehr die Mehrheit der Wahlmänner gewinnen kann? In einigen der Swing States lag er 2016 gerade mal mit wenigen Tausend Stimmen vorne. Er müsste nur zwei dieser Staaten verlieren und schon hat er verloren. Würde Donald Trump die Niederlage eingestehen und sich still und leise zurück ziehen? Das muss stark bezweifelt werden. Auf die USA kommen noch schwierige Zeiten zu. Nach Trump wird nichts mehr so sein, wie es einmal war.

„The truth is out there“

Etwas über zwei Stunden fährt man von Las Vegas nach Rachel, Nevada, der nähesten Ansiedlung an die Area 51. Jenes geheimnisumwobene Areal, riesiges Militärsperrgebiet, Test Gelände für die US Air Force und, wie viele glauben, Versteck für außerirdische Technologie.

Allein die Landschaft in diesem Teil von Nevada ist einzigartig schön. Karg, aber eine unendliche Weite, die einen fesselt. Der Highway ist einfach geradeaus Richtung Norden gebaut, ein Endlosband. Es erinnerte mich an Somalia. Und hier traf ich Joerg Arnu, einen Deutschen, der seit einigen Jahren in dieser Gegend lebt. Er unterhält auch eine Webseite, die sich mit dem beschäftigt, was seit über 60 Jahren in der Area 51 vor sich geht. Wirklich vor sich geht.

Das Gelände ist ein streng geheimes Testgelände. Jahrzehntelang erklärte die US Regierung, Area 51 gebe es nicht. Erst die Klage von Arbeitern, die Aufgrund ihrer Tätigkeit dort erkrankten, führte zu einem zumindest Eingeständnis der Existenz dieser Militärbasis. Was dort passiert fällt dennoch auch weiterhin unter den Begriff „National Security“. Joerg Arnu hat es jedoch geschafft, über die verschiedensten Wege und Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung stehen all die Informationen zu sammeln, die es über die Area 51 legal zu bekommen gibt. Von Satellitenfotos bis hin zum Abhören des Flugverkehrs. Er kann einem alles erklären, das was man sehen kann und auch teilweise das, was der Besucher nicht zu sehen bekommt. Als wir auf der Staubstraße Richtung Basis fahren, piept es auf einmal im Funk Radio von Joerg. Das seien Bewegungsmelder, die im Sand vergraben sind, meint er. Somit sei bereits ein Alarm ausgelöst, man wisse nun, dass da ein Auto auf der verlassenen Straße Richtung Area 51 fährt. Immer wieder piept es im Radio.

Kein Schritt weiter! Der Haupteingang der Area 51.

Am „Back Gate“ und am „Front Gate“ beschreibt Joerg, was es zu sehen gibt. Eigentlich nicht viel, doch dann zeigt er auf die versteckten Kameras im Wüstensand, auf den weissen Jeep auf einem Hügel, auf die fest installierten Kameras, die uns auf Schritt und Tritt verfolgen, auf die russischen (!) Radaranlagen, die vom Eingang aus zu sehen sind. Genau, die US Air Force arbeitet mit russischen Anlagen, um die eigenen Neuentwicklungen zu testen. Joerg erzählt ausführlich, was hier alles entwickelt wurde, was man manchmal in der Nacht sehen kann, was auf dem riesigen Gelände passiert. Fast 40 Prozent von Nevada, das ist ungefähr die eineinhalbfache Landfläche von Bayern ist Militärsperrgebiet. Mittendrin die „Groom Lake Base“, auf der etwa 1500 Menschen arbeiten. Auch diese Zahl hat Joerg Arnu herausgefunden, in dem er über Satellitenfotos den Parkplatz am speziellen „Janet“ Terminal am Flughafen von Las Vegas analysierte. Denn von dort werden die Mitarbeiter täglich in unmarkierten Boeings 737 in die Area 51 geflogen. Vom Hausmeister bis zum sprichwörtlichen „Rocket Scientist“.

Die Area 51 ist ein Mythos, voller Geschichten, die faszinierend, spannend und auch unterhaltsam sind. Jeder kann dabei glauben, was er will. Auf dem Extraterrestrial Highway ist die Hölle los. Im „Little A’Le’Inn“ in Rachel, Nevada, kann man alles über das „große“ Geheimnis der Area 51 erfahren. Von den UFOs bis zu den Außerirdischen, die dort untergebracht sind. Und wem all das Alien Gequatsche und die Flugtechnologie nicht zusagt, der sollte dennoch diesen abgeschiedenen Bereich von Nevada besuchen. Allein der Nachthimmel ist spektakulär, keine Leuchtreklamen und Lichter stören den Blick und über dem riesigen Areal herrscht ein Flugverbot. Es sei denn neue Flugkörper werden getestet, Spionage Satelliten fliegen vorbei oder eben ein UFO macht seine Runde.

 

Ist Las Vegas noch zeitgemäß?

Hyper, Hyper in Downtown Las Vegas.

1987 war ich das erste Mal in Las Vegas. Danach noch mehrmals. Gerade bin ich mal wieder hier, für eine Nacht. Heute geht es für ein Interview weiter zur Area 51. Gestern Abend traf ich gute Freunde, danach lief ich noch etwas durch Downtown Las Vegas, schaute mir die Leute an, schlurfte durch die Casinos, aber irgendwie wollte diesmal der Funken nicht überspringen. Ist Las Vegas eigentlich noch zeitgemäß?

Eine sich immer weiter ausbreitende zwei Millionen Einwohner Stadt mitten in der Wüste. Hoher Wasser- und Energieverbrauch, unglaubliche Müllberge, Flugzeuge landen im Sekundentakt, bringen Jahr für Jahr weit über 40 Millionen Touristen hierher. Von den Süchtigen unter den Brücken, in den Kasinos und an den Buffets will ich gar nicht erst reden. Auch nicht davon, wie hier Frauen nahezu überall als reine Sexobjekte dargestellt werden. Da ist die Frage durchaus berechtigt, ob diese Glanz- und Glimmer Metropole in dieser Form und in dieser Zeit noch eine Berechtigung hat. All das, über was in den täglichen Nachrichtensendungen gesprochen wird, sei es der Klimawandel, die Wasserknappheit, die neue Armut, die Sucht, all das scheint hier unbeachtet zu sein und schlichtweg übergangen zu werden.

Ich will hier niemandem seinen Spass nehmen, seine Unterhaltung einschränken. Jeder soll das finden, was er möchte, und dennoch, an Las Vegas scheinen die Fragen der Zeit vorbei gegangen zu sein. Natürlich ist mein kurzer Blick keine tiefe Analyse auf die „Sin City“, es ist eine Momentbetrachtung. Es gibt hier sicherlich viel zu sehen, zu entdecken und zu finden. Aber „what happens in Vegas, stays in Vegas“, scheint nicht nur für bestimmte Handlungen zu gelten. Hier kann man die Sau mal für eine oder zwei Nächte rauslassen, die Welt da draußen, jenseits des Vegas Horizonts vergessen, hier braucht man kein schlechtes Gewissen zu bekommen. Kack auf Klima, Kultur, Kriegsspielereien. Ich glaube, ich muss hier wirklich mal länger herkommen und mehr über Las Vegas jenseits der grellen Kasinolichter und der überlauten Beschallung in Downtown und am Strip erfahren. Ich bin bei allen Fragen wirklich neugierig auf das geworden, was sich hier hinter den Kulissen abspielt.

Zu viel Macht für die Richter

Eigentlich sollten Richter überparteilich sein. Doch das ist schon lange nicht mehr so. Donald Trump beschuldigt bei jedem Urteil gegen ihn „Obama Richter“, die klar eine politische Absicht verfolgten. Deshalb, so erklärt er es immer wieder auf seinen Massenveranstaltungen, müsse er mehr „faire“ Richter in Amt und Würden bringen, sprich „Trump Richter“, die seinen Kurs verfolgen, denn alle anderen seien „politische Aktivisten“.

Derzeit ist die konservative Mehrheit am US Verfassungsgericht 5:4. Fünf Richter, die von republikanischen Präsidenten eingesetzt wurden, vier Richter von demokratischen Präsidenten. Jeder, der Präsidenten hat Richterinnen und Richter berufen, die aufgrund ihrer früheren Rechtssprechungen mehr auf ihrer Linie lagen. Von politischer Neutralität kann man da also nicht sprechen.

Kann das Verfassungsgericht objektiv entscheiden? Foto: Reuters.

Donald Trump hatte bereits die Möglichkeit zwei Richter zu bestimmen. Das feiert er bei seinen Auftritten und hofft darauf, dass er in seiner ersten Amtszeit noch einen weiteren Richterinnenposten neu besetzen und somit die Balance auf der höchsten Richterbank für Jahrzehnte hinaus kippen kann. Das ist auch das Horrorgespenst, das die Demokratinnen und Demokraten im Präsidentschaftswahlkampf umtreibt. Sie versuchen ihre Wähler damit zu gewinnen. Es ginge bei der Wahl um viel mehr als nur die Präsidentschaft. Doch nun stehen ersteinmal ein paar wichtige Entscheidungen an, die zeigen werden, ob der Oberste Richter, John Roberts, eine ausgleichende Stimme am Gericht ist oder eher ein republikanischer Parteisoldat.

Es geht konkret um zwei Fälle. Zum einen, ob beim Zensus 2020 die Frage nach der Staatsbürgerschaft gestellt werden darf. Eine Frage, die die Trump Administration drin haben will. Demokraten wehren sich dagegen, sie meinen, die Ergebnisse würden somit beeinflusst werden. Denn beim Zensus geht es auch um die Neuverteilung von staatlichen Geldern für Bildung, Infrastruktur, öffentliche Projekte und vieles mehr. Wessen Aufenthaltsstatus fragwürdig ist, der könnte, so der Vorwurf, das Ausfüllen der Befragung verweigern oder verfälschen. Das Ergebnis wären ungenaue Zahlen, die gerade in den Ballungsräumen für große Probleme sorgen könnten, also Großstädte, in denen es demokratische Mehrheiten gibt.

Zum anderen entscheidet das Verfassungsgericht über die Grenzziehung der Kongressdistrikte. Schon seit langem ist bekannt, dass vor allem republikanisch dominierte Parlamente in den Bundesstaaten die Wahldistrikte so bestimmt haben, dass sie bei Wahlen in den Bundesstaaten und für den US Kongress von vornherein die Mehrheiten sicher haben. Dafür gibt es sogar ein Wort „Gerrymendering“. Demokraten klagten dagegen, das sei undemokratisch. Republikaner verteidigten das und nun ist die hochpolitische Klage beim Verfassungsgericht angekommen. Ausgang ungewiss, denn die Mehrheit ist ja 5:4. Die große Frage bei beiden Entscheidungen ist derzeit, wie sich Richter John Roberts verhalten wird. Er erklärte immer wieder, dass das Gericht überparteilich sei und nur das Gesetz und die Verfassung auslege. Das wird sich nun zeigen müssen.

Eine Frage des Patriotismus?

Fahneneid und Nationalhymne sind ganz selbstverständlich in den USA.

Eine High School in Südkalifornien. Auf dem Football Platz wird die „Graduation“ der Abschlussklasse gefeiert. Doch bevor mit den Reden und den Feierlichkeiten begonnen wird, werden die Schüler und die Besucher aufgefordert, sich dem Fahnenmast zuzuwenden, die rechte Hand aufs Herz zu legen und die „Pledge of Allegiance“, den Fahneneid, zu sprechen und anschließend die Nationalhymne zu singen. Das ist ganz normal in den USA, einem Land, in dem der Patriotismus groß geschrieben wird. Für mich ist das noch immer befremdlich. In diesem Moment dachte ich an meine Abschlüsse in der Staatlichen Realschule Nürnberg und später dann in der Städtischen Fachoberschule Nürnberg. Einen Eid aufsagen, die Nationalhymne zu singen wären da unvorstellbar gewesen. Doch in Amerika weht die Fahne an allen Ecken, an öffentlichen Gebäuden, Schulen und Feuerwehren genauso wie an Privathäusern und in Vorgärten. „The Star Spangled Banner“ wird nicht nur am Nationalfeiertag, dem 4. Juli, gesungen, sondern auch vor professionellen Sportveranstaltungen und eben an High Schools. Die Symbole der Nation, Fahne und Hymne, sollen vereinen, doch in diesen Zeiten sind sie auch wie ein Schwert, das das Land weiter spaltet.

Zwei Tweets von Donald Trump machen das deutlich. Zweieinhalb Jahre liegen zwischen diesen zwei Kurznachrichten von Trump. Erst als Präsidentschaftskandidat, nun als Präsident fordert er den Schutz der Fahne. Wer sie verbrennt, dem soll eine Haftstrafe oder der Entzug der Staatsangehörigkeit drohen. Das soll, so Trump, in der Verfassung festgeschrieben werden. Und das, obwohl das Verfassungsgericht 1989 entschied, dass das Verbrennen der Flagge unter die Meinungsfreiheit fällt.

Donald Trump nimmt nun erneut den Vorschlag von Steve Daines, Senator aus Montana, nur zu gern auf. Es ist schließlich Wahlkampf. Trump präsentiert sich mit dieser Forderung als „Patriot“, jeder der sich gegen den Schutz der Fahne ausspricht ist demzufolge „unamerikanisch“, „unpatriotisch“, ein „enemy of the American people“. Das ist Schwarz-Weiß Denken, das ist Trumpsche Politik. Er, der Verteidiger von Amerikas Symbolen. Die anderen sind die Feinde der „greatest nation on earth“. Kritiker wehren sich, dass sowohl die Fahne, wie auch die Hymne mit dieser Vorschlag politisiert werden. Sie seien Symbole der Einheit. Erinnert wird an die Folgezeit der Terroranschläge des 11. Septembers 2001, als die Flagge überall zu sehen war, die Menschen zusammenbrachte, Einheit repräsentierte. Auch daran, wie die Kongressmitglieder gemeinsam auf den Stufen des Capitols standen und die Nationalhymne sangen. Geeint in dieser Stunde der Krise. Vergessen war der brutale und trennende Bush-Gore Wahlkampf nur wenige Monate zuvor. In diesem Moment verbanden Flagge und Hymne eine Nation, die verwundet war.

All das übersieht Donald Trump nur zu gerne und bewusst. Er umarmt die Fahne bei seinen Massenveranstaltungen, animiert seine Fans zu „USA, USA“ Rufen, beleidigt, beschimpft und verunglimpft Sportler, die beim Absingen der Nationalhyme niederknien. Trump vereinnahmt damit genau die Symbole der Nation, die Einheit schaffen sollen, in dem er das Land genau mit diesen Symbolen weiter spaltet. Das ist unverantwortlich, doch das ist Donald Trump.

 

Alabama. Oh, Alabama!

Oh, Alabama!

Im US Bundesstaat Alabama wurde vor wenigen Tagen ein neues Gesetz verabschiedet, dass Abtreibungen selbst nach Vergewaltigungen verbietet. Ärzte, die dennoch einen Schwangerschaftsabbruch durchführen, müssen mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen. Damit hat sich Alabama an die Spitze der „Pro Life“ Bewegung in den USA gesetzt. Doch die Washington Post berichtet nun, dass nicht nur der Schutz des Kindes nach einer Vergewaltigung in diesem Bundesstaat wichtig ist, sondern auch das Elternrecht des Vergewaltigers. Alabama ist einer von zwei Bundesstaaten in den USA, die nach wie vor einem „Rapist“ das Vaterrecht zugestehen.

Die Washington Post beschreibt in diesem Artikel den Fall einer jungen Frau, die zu einer Beratungsstelle kam und berichtete, sie sei im Alter von 15 Jahren von ihrem Stiefonkel vergewaltigt und schwanger geworden und habe das Kind entbunden. Der Vergewaltiger, der Vater des Kindes, komme nun nach einer mehrjährigen Haftstrafe wieder auf freiem Fuss und habe bereits Schritte eingeleitet, dass ihm sein Kontaktrecht als Vater eingeräumt wird. Selbst die Beratungsstelle in Alabama war von diesem Sachverhalt überrascht. Nach dem Gesetz in Alabama steht ihm das zu. Nur Minnesota hat ebenfalls solch ein Recht, oder anders ausgedrückt, solch ein Unrecht. In den meisten US Bundesstaaten kann das Recht eines Vaters entzogen werden, manchmal schon beim begründeten Verdacht auf Vergewaltigung, andernfalls nach einer Verurteilung wegen „Rape“.

Zwar hat das Abgeordnetenhaus in Alabama kürzlich einen Gesetzentwurf eingebracht, der dieses Elternrecht von Vergewaltigern beenden sollte, doch das Gesetz wurde nicht verabschiedet. Die besagte Textzeile wurde gestrichen, denn einige Parlamentarier meinten, damit würden Jungen, die vergewaltigt wurden, nicht geschützt, da sie ja nicht schwanger werden könnten. Also lebt man in Alabama lieber weiterhin mit dem Elternrecht des Vergewaltigers.

Fernab der großen Festivals

Ich höre Musik. Viel Musik. Seitdem ich 11 Jahre alt bin kaufe und sammele ich Platten. Da häufte sich über die Jahrzehnte einiges zusammen. Hinzu kam, dass ich seit nunmehr fast 23 Jahren Radio Goethe produziere, eine „syndicated“ Sendung auf rund 40 Stationen. Und auch für eine große deutsche Airline produzierte und moderierte ich zehn Jahre lang eine Country/Folk/Americana Show. Auch so landete viel Musik hier bei mir.

Einen Musiker, den ich schon sehr lange beobachte, begleite, verfolge ist Hugo Race, der einmal zu den Bad Seeds von Nick Cave gehörte. Es muss 1991 gewesen sein, da spielte Hugo Race in einem fast leeren Klüpfel. Begeistert war er davon nicht, das sah man ihm an. Race ist für mich einer der begnadesten Musiker, der unermüdlich seinen Weg weitergeht. Da sind Konzerte wie im Klüpfel einfach mal Stolpersteine, die man schnell vergisst.

Dirtmusic live, ein Klangerlebnis.

Der Australier veröffentlicht seine Songs unter eigenem Namen, mit den Fatalists, True Spirit und sucht auch immer wieder Kollaborationen mit anderen Musikerinnen und Musikern. Herausragend zuletzt sind da die Projekte „Long Distance Operators“ mit der belgischen Violinistin Catherine Graindorge und auch die Zusammenarbeit mit dem Italiener Michelangelo Russo. Aber das ist vor allem Dirtmusic, ein faszinierendes Weltmusik Projekt. Seit vielen Jahren arbeitet Hugo Race da mit Chris Eckman zusammen, der mit den Walkabouts aus Seattle bekannt wurde.

Dirtmusic waren anfangs noch mit Chris Brokaw von Codeine im Americana Sound unterwegs, bevor sie mit BKO eine Platte in Mali mit Tamikrest aufnahmen. Das eröffnete ihnen ganz neue Klanglandschaften. Für das jüngste Album zog es Race und Eckman nach Istanbul, um dort mit Murat Ertel von „Baba Zula“ „Bur Bir Ruya“ einzuspielen, ein unglaublich komplexes, tiefes und ergreifendes Album zwischen den Musikwelten und Genres. Nun legt die Band mit einer selbst veröffentlichten Live-Platte nach, einem Konzert, das auf dem Ostravia Festival in Tschechien aufgenommen wurde. Es gibt diese Bands, die ich unbedingt einmal live sehen möchte. Und Dirtmusic ist so eine dieser wenigen Gruppen. Gerade nach dem Hören dieser Live-Platte, die das hervorragende Zusammenspiel der drei Musiker beschreibt. Drei Stimmen, drei musikalische Schwerpunkte, drei unterschiedliche Musikergeschichten, die sich hier treffen, sich ergänzen, sich austauschen, sich gegenseitig antreiben. Dirtmusic schaffen es, diesen gewaltigen Studio Sound auf die Bühne zu bekommen. Es ist ein Rausch der Musik, der Töne, der Einflüsse. Ich habe selten so ein gutes und mitreißendes Live-Album gehört. Dirtmusic muss ich nach dieser Platte irgendwann einfach mal selbst im Konzert erleben.

 

Braumeister des Westens

Meine Wurzeln liegen in Nürnberg und Dortmund. Seit 23 Jahren lebe ich nun in Kalifornien und überall, wohin ich hier in den USA fahre, da schaue, lese und höre ich mich interessiert um, ob ich irgendwo Spuren von deutschen Einwanderern, ganz besonders von jenen aus Nürnberg, Dortmund und auch noch aus Schlesien finden kann.

„Westfalia“ und „Export“ von Fort Point Brewery.

Da ist es schon etwas besonderes, wenn es nun eine Brauerei in San Francisco gibt, die „Nuremberg inspired Red Ale“ und „Dortmunder Style Lager“ braut. Beides Biere, die dazu auch noch richtig gut schmecken. In den USA tut sich sowieso etwas beim guten Gerstensaft. Im ganzen Land kann man Microbreweries finden, die teils gewagt, teils klassische Biere brauen. Die Zeiten, der wässrigen Gerstensäfte der Großbrauereien sind vorbei. Wer hier dennoch weiterhin „The King of Beers“, „The Champagne of Beers“ oder „Banquet Beer“ trinkt, die damit Werbung machen, dass sie nun endlich ihre Inhaltsstoffe veröffentlichen, kaum Kalorien haben oder mit (vor allem) Wasser der Rocky Mountains gebraut werden, der ist selbst schuld.

Die neue Brauergeneration in den USA, so scheint es, schaut dabei auch ganz gezielt nach Bierdeutschland. Und da kann es passieren, wie bei diesem „Red Ale“ von Fort Point, dass der Brauer einfach mal zufällig in der Altstadthofbrauerei in Nürnberg ein Rotbier trank, es ihm schmeckte und er es hier dann nachbraute. Der große Unterschied zwischen deutschem und amerikanischem Bier ist allerdings der Preis. Ein Sixpack von Fort Point kostet selbst beim amerikanischen Aldi-Ableger, Trader Joe’s, zehn Dollar. In einer Kneipe in San Francisco kann dann solch ein Pint (0,47 l) schon mal acht Dollar kosten. Aber zumindest schmeckt das Bier.

Es ist zum Verzweifeln

Man muss schon sehr störrisch und verbohrt sein oder schlichtweg ignorant, wenn man die Zeichen der Zeit nicht erkennen will. Der „Commander in Chief“ in den USA ist wohl auch der Chefignorant vom Dienst, denn anders lassen sich die jüngsten Aussagen von Donald Trump nicht mehr lesen. Die USA hätten die sauberste Luft und das sauberste Wasser, das besagten, so Trump, alle Statistiken. Nicht nur das, seitdem er Präsident sei, habe sich die Luft- und Wasserqualität sogar noch verbessert. Was bleibt da noch zu sagen? „Thank you, Mister President!“

Die Washington Post hat schnell darauf reagiert und Trump mal wieder aufgezeigt, dass er lügt. Sowieso sprechen immer mehr Medien in den USA offen aus, was sie lange verweigert haben. Bislang berichteten sie von den Halbwahrheiten, Ungenauigkeiten, falschen Inhalten von Donald Trump. Doch nun schreiben Journalisten ganz offen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten ein Lügner ist.

In Europa wird über den Klimawandel diskutiert, über erneuerbare Energien, über die Plastikflut gesprochen. Das kommt auch an in der Politik. Zumindest wird es gehört. Eigentlich alle, ausser der AfD, scheinen sich einig zu sein, dass etwas getan werden muss. In den USA sitzt mit Donald Trump ein Klimawandelzweifler in Amt und Würden, der die Wissenschaft ablehnt, der Statistiken fälscht und für sich auslegt und offenkundige Belege mit weiteren Lügen umdeutet. Von jemandem wie Trump kann man keine Führungsrolle im Kampf gegen den Klimawandel erwarten. Doch die wäre in diesen Zeiten nötig. Man stelle sich nur einmal vor, was wäre, wenn der amerikanische Präsident erklärte, er wolle Vorreiter für den Umwelt- und Klimaschutz sein, auf erneuerbare Energien setzen, auf den Umbau der Gesellschaft drängen, neue und umweltschonende Verkehrskonzepte realisieren und auch international eine Führungsrolle im Kampf für den Erhalt des Planeten und damit für zukünftige Generationen einnehmen. Was wäre das für ein wichtiges Zeichen?! Doch davon sind wir weit entfernt. Aber man darf es sich ja mal vorstellen.