Volkswagen von oben

Das Bild „Unreal“ von Jassen Todorov wurde nun von National Geographic mit dem „Grand Prize 2018“ ausgezeichnet. Todorov flog über der Mojave Wüste in Südkalifornien, als er die halbe Million zwischen 2009 und 2015 gebauten Volkswagen und Audis aufgereiht sah, die der Volkswagen Konzern zurückrufen musste. Und dort stehen sie nun und warten auf die Verschrottung. Foto: Jassen Todorov / National Geographic.

Es geht wieder los

Die nächste Präsidentschaftswahl in den USA findet zwar erst im November 2020 statt, aber schon jetzt wird das Vorwahlkampfgetöse lauter. Die große Frage ist, wer gegen Donald Trump antreten wird. Weit über 30 Kandidatinnen und Kandidaten auf der demokratischen Seite spielen derzeit mit dem Gedanken ins Rennen einzusteigen. Darunter etliche Senatoren und Kongressabgeordnete, einige Gouverneure, Geschäftsleute und ehemalige Regierungsmitglieder.

Nur einige der vielen potenziellen Kandidaten auf demokratischer Seite, wie sie nun die Washington Post vorgestellt hat.

Es wird ein volles Feld im Vorwahlkampf werden. Und das könnte Donald Trump helfen, denn die Demokraten sind alles andere als geeint. Im ewigen Rennen um die Nominierung der Partei wird so einiges ausgefochten, was dem Kandidaten oder der Kandidatin am Ende nur schaden kann. Eine geeinte demokratische Partei hätte eine gute Chance Donald Trump die Wiederwahl zu verbauen. Was jedoch passiert, wenn die Demokraten gespalten sind, das konnte man 2016  sehen, als ein großer Teil der Bernie Sanders Unterstützer ihre Stimme nicht für Hillary Clinton abgab. Viele stimmten für Drittkandidaten, noch mehr gingen erst gar nicht zur Wahl. Und das war ausschlaggebend am Wahlabend.

Was die Demokraten jetzt gar nicht brauchen können ist ein Richtungsstreit. Doch der wird kommen, sieht man sich die lange Liste der möglichen Kandidatinnen und Kandidaten an. Das einzige was sie alle eint ist ihre Ablehnung von Donald Trump. Sonst nicht viel mehr. Und das ist das große Problem, denn ein reiner Anti-Trump Wahlkampf ist genau das, was den USA weiter schaden wird . Vielmehr bräuchte das Land einen Präsidenten, der wirklich Gräben überwinden kann, der nicht noch mehr spaltet, der mit Visionen, die Stärken Amerikas heraushebt, unterstützt, fördert.

Ob das in diesen Zeiten noch möglich ist, ist mehr als fraglich. Gerade auch, wenn man sich vorstellt, dass ein Donald Trump, der nicht wiedergewählt wird, ganz sicher nicht einfach klein beigeben und friedlich das Feld räumen wird. Er wird den Wahlausgang anzweifeln, anfechten und somit seine Anhänger noch am Wahlabend gegen den neuen Präsidenten oder die neue Präsidentin aufhetzen. 2016 war nichts gegen das, was wir 2020 sehen werden.

 

Er will sich zur Wiederwahl lügen

Nur drei von zehn Amerikanern glauben das, was der Präsident behauptet. Eine Mehrheit der Amerikaner zweifelt daran, was Trump verkündet. Sie nehmen ihm nicht ab, dass neue Stahlwerke in den USA eröffnet werden, die Kohle wieder wichtig in der Energieversorgung wird, dass Mexiko für die von ihm propagierte Mauer bezahlen wird, dass die Demokraten für offene Grenzen sind oder, dass Millionen von illegalen Einwanderern rechtswidrig für Hillary Clinton gewählt haben.

Nur drei von zehn Amerikanern glauben diesem Mann. Foto: Reuters.

Die Washington Post fand in einer Umfrage heraus, dass nur die harte Basis von Trump Anhängern, zumeist ausschließliche FOXNews Zuschauer, das glauben, was der Präsident von sich gibt. Noch nicht mal eine Mehrheit der republikanischen Wählerinnen und Wähler nimmt Trump all seine Unwahrheiten ab. Doch fest steht auch, dass Donald Trump nach wie vor hoch im Kurs bei 85 Prozent seiner Anhänger steht, die 2016 für ihn gestimmt haben. Trump hat somit seine Basis gehalten und auf die baut er im kommenden Wahlkampf. Am Tag seiner Vereidigung, dem 20. Januar 2017, hat er bereits die Unterlagen für seine Wiederwahl eingereicht. Trump hat großes vor, das da ist: Wiederwahl.

Doch so rosig sehen die Zeichen für ihn nicht aus. Mit den jüngsten Kongresswahlen wurde klar, dass sich die Stimmung in gleich mehreren „Swing States“, also jenen Bundesstaaten, die mal so und mal so wählen, gewandelt hat. Konnte Trump mit gerade mal 80.000 mehr Stimmen Pennsylvania, Ohio, Michigan und Wisconsin gewinnen hat nun nur noch Ohio eine republikanische Mehrheit. Das ist ein Problem für Trump, denn US weit hatte er über zwei Millionen weniger Stimmen als Hillary Clinton, er hängt also davon ab, diese Swing Staaten wieder zu gewinnen, um überhaupt eine Chance auf die Wiederwahl zu haben. Woanders, das zeigen diese absoluten Zahlen der Wählerinnen und Wähler, könnte er den Verlust von Michigan und Wisconsin nicht wettmachen.

Trump, der seit Amtsantritt Tausende von Lügen, Halb- und Unwahrheiten verbreitet und nichts davon zurückgenommen oder relativiert hat wird also in den kommenden Monaten noch mehr lügen, um seine Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. Der kommende Wahlkampf wird brutal. Noch steht keine Kandidatin oder Kandidat aus dem demokratischen Lager fest. Viel wird gemunkelt, Namen verkündet, doch einzig klar ist, wer gegen Trump antritt, braucht neben einer dicken Haut vor allem auch die richtigen Bandagen,  um gegen den erprobten Medienfighter bestehen und austeilen zu können.

So klingt Amerika

Zehn Jahre lang produzierte und moderierte ich die Country, Folk und Americana Sendung auf allen Langstreckenflügen einer großen deutschen Airline. Diese Zweistundenshow war ein offener Raum, in dem ich frei entscheiden konnte, was ich in die Playlisten aufnahm. Dabei sollte ich mich nicht an den Country Charts orientieren, sondern vielmehr die Alternative Country Szene vorstellen. Ein paar wenige Auflagen gab es, keine Schimpfwörter und keine Songs, die bei Menschen mit Flugangst Panik auslösen könnten.

Aber sonst hatte ich alle Freiheiten, die dazu führten, dass ich von den Shiny Gnomes und ihr „Lazing at Desert Inn“, von den Berliner Infamis und ihrem Metropolen Country Sound, bis hin zu 16 Horsepower und ihrem für mich grandiosen Song „American Wheeze“ alles einsetzen konnte. Manchmal sah ich Bands in kleinen Clubs spielen, war begeistert und fragte nach dem Konzert einfach, ob sie mir eine CD geben könnten, ich würde sie gerne in meiner Show über den Wolken spielen. Das war wirklich handgemachtes Radio mit einem Fokus auf Independent Künstler.

Und eine der Bands, die ich über das Programm kennenlernte waren die Crooked Jades aus San Francisco. Eine Gruppe, die sich selbst als „old-time string band closer in spirit to Tom Waits and Nick Cave“ beschreibt. Doch das trifft es ganz gut. Die Wurzeln des Americana Sounds und dazu das Düstere von Nick Cave und das Verschrobene von Tom Waits, angereichert mit musikalischen Einflüssen aus Afrika und Europa. Beeindruckend, faszinierend, mitreissend.

Nun melden sich die Crooked Jades mit einem neuen Album zurück. „Empathy Moves The Water“ heißt es und ist erneut eine tolle Songsammlung, eine Mischung aus neu arrangierten „Traditionals“ und eigenen Liedern. Hinter den Crooked Jades steckt Jeff Kazor, der diese Vision eines musikalischen Brückenschlags zwischen Alt und Neu, zwischen Americana und der weiten Klangwelt da draußen verwirklicht. Einfach brillant.

„Empathy Moves The Water“ klingt nach Amerika, nach dem, was mich hier immer wieder anspricht, fasziniert, bewegt. Musik, die die Schönheit des Landes, die Offenheit dieser Gesellschaft, die Möglichkeit des Lebens hier in den USA beschreibt. Das klingt nach viel, aber in diesen Zeiten des Geplärres und der lauten Töne, sollte man nicht vergessen, was Amerika auch ausmacht, was das Schöne an diesem Land ist. Und die Crooked Jades schaffen es – bewußt oder unbewußt – all das einzufangen. Ein tolles Album zum Jahresende, sehr empfehlenswert für alle, die den wahren Americana Sound entdecken wollen.

Amerika ist voller Probleme

Reden wir mal nicht über Donald Trump und all das, was mit diesem Präsidenten einhergeht. Denn die USA haben noch weit größere Probleme, als nur im Weißen Haus. Die Amerikaner werden dicker. Das hat nun die „United Health Foundation“ veröffentlicht. 2018 waren demnach 31, 3 Prozent von ihnen übergewichtig. Zum ersten Mal überhaupt ist damit die 30 Prozent Marke geknackt worden.

Nahezu jedes fünfte Kind in den USA ist auf Essensprogramme angewiesen. Foto: Reuters.

Im vergangenen Jahr waren es noch 29,9 Prozent der Amerikaner, die zu viel Gewicht auf die Waage brachten. Nun kann man das auch Donald Trump ankreiden und sagen, in diesen Zeiten frisst man sich den Frust an, aber das lasse ich mal, denn schon seit Jahren, auch unter Obamas Fitness-White House, wurden die US Bürgerinnen und Bürger dicker.

Auch die Zahl der Selbstmorde sind gestiegen, seit 2012 um 16 Prozent. Das bedeutet von 12.0 auf 13.9 Suizide pro 100,000 Einwohner. Bei den Männern liegt die Rate bei 22,2, bei den Frauen bei 6,2 auf 100.000 Amerikaner. Zum Vergleich, in Deutschland liegt die Selbstmordrate bei 12,6 auf 100.000 Einwohner.

„Gute“ Nachrichten, so die „United Health Foundation“, seien, dass die Kinderarmut von 22.6 Prozent im Jahr 2013 auf 18.4 Prozent 2018 gefallen ist. Doch nach wie vor bedeutet das, dass nahezu jedes fünfte Kind in Armut aufwächst, was Folgen für die Gesundheitsversorgung und die Schulbildung haben. Und hier allerdings kommt Donald Trump doch wieder mit rein, denn seine Gesellschafts- und Steuerpolitik in den USA wird diese Zahl wieder nach oben treiben. Die soziale Schere in den USA geht unter ihm wieder nachweislich auseinander.

Farmer aller Länder vereinigt Euch

Über meine Webseite radiogoethe.org bekomme ich immer wieder so einige Anfragen. Mir werden dubiose Gäste für die Sendung angeboten, Schlager und Volksmusik Lieder landen im Postfach, Praktikanten und freie Journalisten möchten im Sender „Radio Goethe“ arbeiten, was mir nur zeigt, all jene haben noch nie in das Einstundenprogramm reingehört. Und nun kam auch mal wieder eine Mail von einer „Casting Agentur“.

Vor ein paar Jahren wurde ich schon kontaktiert, ob ich nicht Interesse daran hätte, in einer „Auswanderer Sendung“ mitzumachen. Als sie mir sagten, ein Kamerateam würde dann eine Woche lang quasi rund um die Uhr hier filmen, winkte ich dankend ab. Ich bin nicht gerade ein Morgenmensch und brauche weder nach dem Aufstehen die richtige Ausleuchtung, noch will ich dabei gefilmt werden, wie ich mit meinem Hund morgens um den Block laufe. Ganz zu schweigen davon, dass ich in meinem chaotischen Büro und Musikarchiv meine Ruhe und meine Freiheit als freier Journalist sehr genieße.

Jetzt aber kam zum zweiten Mal diese Anfrage hier: „Wir sind eine TV-Produktionsfirma mit Sitz im Herzen von Berlin und produzieren für einen großen Sender RTL die Sendung „Bauer sucht Frau“. Da es uns ein Anliegen ist, nicht nur den Bauern in Deutschland bei der Suche nach der Partnerin fürs Leben zu helfen, sondern auch deutschsprachigen Bauern aus dem Ausland – hier meine Frage: Haben Sie Kontakt zu alleinstehenden, deutschsprachigen Landwirten?“

Schon nach der ersten Kontaktaufnahme vor ein paar Monaten schrieb ich zurück, dass ich hier in Oakland keine Farmer kennen würde und mir im Wine Country bislang noch kein deutschsprechender Junggesellen-Winzer in die Quere kam. Damals, wie auch jetzt, verwies ich die Dame von der TV-Produktionsfirma auf den Mittleren Westen, nach Wisconsin, Iowa, Illinois. Die Chancen wären dort wohl deutlich besser, einen deutschsprechenden Bauern zu finden, denn das ist Farm Country und gerade dorthin zog es viele deutsche Immigranten. Und, dort werden die deutsche Sprache und deutsche Traditionen noch gepflegt.

In ihrer Mail verweist die Firma auch darauf, dass sie schon Partnerinnen für Farmer in Namibia und Kanada gefunden haben: „Bei unserem Teilnehmer Gerald aus Namibia hat es auch geklappt, er hat seine Anna, die er durch uns kennengelernt hat, dieses Jahr geheiratet. Auch bei Andreas aus Kanada und Jörn, der ebenfalls in Namibia lebt, sieht es momentan nach großer Liebe aus.“ Das freut mich natürlich sehr, dass das Konzept „Bauer sucht Frau“ auch international „gut“ ankommt….gesehen habe ich die Show leider noch nie, ich glaube, ich werde auch weiterhin passen. Aber gerne gebe ich hier für interessierte deutschsprachige Farmer, Bauern und Landwirte in den USA die Email Adresse der Produktionsfirma weiter – casting@bauer-sucht-frau.deund wünsche viel Glück.

Wieviele sind es wirklich?

Donald Trump hat auf Twitter 56,2 Millionen „Followers“, das bedeutet, all diese ihm Folgenden bekommen wie bei einem Abo seine täglichen Ergüsse auf ihre Bildschirme und ihre Smartphones geliefert. Das klingt nun viel, wenn man sich nur die Zahl ansieht. Ins Amt gewählt wurde er von 62, 9 Millionen Menschen. Also folgen ihm fast all seine Wählerinnen und Wähler?

Ganz im Gegenteil, würde ich mal behaupten. Donald Trump glaubt zwar selbst daran, dass er durch seine Tweets eine alternative Realität, einen direkten Weg zu seinen Anhängern geschaffen hat. Doch dem widersprechen die vielen Kommentare, die man unter seinen Verlautbarungen lesen kann. Hinzu kommt, dass jeder einmal selbst auf die Liste von Freunden schauen sollte, die Donald Trump folgen. Ich habe so gut wie niemanden in meinem Bekanntenkreis, der Trump gewählt hat oder ihn nun unterstützt. Und dennoch sind nahezu drei Dutzend meiner Bekannten mit Trump auf Twitter verbunden, darunter Kolleginnen und Kollegen, Organisationen, die ich schätze, und denen ich folge, sogar das Goethe-Institut Los Angeles und die deutsche Botschafterin in Washington, Emily Haber, sind Twitter „Followers“ des Präsidenten.

Trump selbst kann diese Zahlen seiner Anhänger drehen und wenden wie er will, die Mehrzahl der 56,2 Millionen „Followers“ sind keine Trumpianer. Das Problem bei allem ist, dass wir Medienschaffenden über Trumps Tweets berichten, dass Politiker in den USA und im Ausland diese zum Thema machen, diese als offizielle amerikanische Politik betrachten, auch wenn es von den 140/280 Zeichen bis zur Gesetzgebung ein langer Weg ist. Sicherlich, und das ist unumstritten, Trump macht Politik über Twitter. Aber er macht sie nicht direkt, er erreicht nicht direkt seine Anhänger über den Kurznachrichtendienst. Vielmehr hat er es geschafft, über Twitter die Medienberichterstattung über ihn zu beeinflussen. Egal was passiert, Trump dreht mit ein, zwei Tweets die Nachrichten und plötzlich wird wieder über ihn berichtet, gesprochen, diskutiert. Das ist der eigentliche Wahnsinn, der eigentliche Geniestreich dieses Twitter-Königs.

Bombenanschlag im Hafen von Oakland

Die Vancouver auf Fahrt.

Am 3. November 1938 explodierte eine Bombe am Rumpf des „Nazi-Steamers“ Vancouver im Hafen von Oakland und lief auf Grund. Das Schiff war mit einer Stunde Verspätung ausgelaufen und verhinderte somit eine Katastrophe auf offener See. Der damalige deutsche Generalkonsul, Baron Manfred von Killinger, ein Vertrauter Adolf Hitlers, erklärte, dass hinter dem Anschlag nur Kommunisten stecken könnten. Beweise dafür legte er nicht vor. Die Hintermänner der Explosion wurden nie gefunden. Taucher untersuchten das Loch im Rumpf und erkannten gleich, dass der Stahl nach innen gedrückt worden war, damit war klar, es war zweifellos ein Anschlag. Vier der Seeleute wurden verletzt, der Maschinenraum stand unter Wasser. Und die Vancouver war fahruntüchtig. Aus Deutschland mussten Ersatzteile geliefert werden.

Die Vancouver war am 17. Februar 1939 wieder seetüchtig, doch geriet in die Wirren des Zweiten Weltkrieges. Am 31. August wurde dem Schiff mit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges in Curacao die Ausfahrt verweigert. Im Mai 1940 beschlagnahmte die holländische Regierung die Vancouver und taufte sie in Curacao um. 1946 kam das Schiff schließlich zur Holland-Amerika-Linie und wurde in Duivendyk umbenannt. 13 Jahre später wurde das Schiff in Tokio abgewrackt.

Einer jedoch, der auf dem Versorgungsschiff für die Vancouver in Richtung San Francisco an Bord war, war Hans Bartsch. Ihn lernte ich vor fast 15 Jahren kennen, als ich an einem Sonntagmorgen in der „Peter Buhrmann Radioshow“ aushalf und das „Schlesier Lied“ spielte. Hans rief an und den Tränen nahe, dass er dieses Lied aus seiner alten Heimat noch einmal hören konnte. Ich erzählte ihm von meinem Vater, der in Glogau zur Schule ging. Hand lud mich zu sich ein und wir wurden trotz des Altersunterschieds enge Freunde. Hans erzählte gerne vom alten San Francisco, von den vielen deutschen Läden und Handwerkern, von den Festen in der „California Hall“ und auch von seiner eigenen Geschichte.

Auf dem Schiff, mit dem er nach San Francisco kam, geriet er mit einem Offizier aneinander. Der Satz, der Führer sollte das mit den Juden nicht machen, wurde Hans zum Verhängnis. Nach der Abfahrt aus der San Francisco Bay nahm ihn ein anderer Offizier zur Seite und erklärte, ihm drohe in Deutschland ein Gerichtsverfahren wegen Beleidigung Adolf Hitlers. Es sei besser, wenn er von Bord ginge. Und das tat Hans auch. Bei der Durchfahrt des Panama Kanals sprang er über Bord, blieb erst in Panama und ging dann nach Costa Rica, als mit dem Kriegsausbruch eine Rückkehr nach Deutschland unmöglich war.

Mit dem japanischen Angriff auf den Marine Stützpunkt Pearl Harbor auf Hawaii, änderte sich das Leben für ihn genauso wie Tausende Deutschen und Japaner in Mittel- und Südamerika. In einer Nacht- und Nebelaktion verhaftete das FBI mit Zustimmung der jeweiligen Regierungen viele der Staatsangehörigen der nun verfeindeten Nationen. Einer von ihnen war Hans Bartsch, der zuerst in ein Lager nach Pacifica, südlich von San Francisco, gebracht wurde. Dort schaffte er es, den Beamten glaubhaft klar zu machen, dass er eigentlich vor dem Zugriff der Nazis geflohen war. Hans wurde mit der Auflage freigelassen, dass er nach Kriegsende die USA verlassen würde.

Und genau so kam es. Nach der deutschen Kapitulation reiste er kurz nach Kanada, um dann erneut und legal in die USA einzuwandern. In San Francisco warteten sein Job als Mechaniker, seine Wohnung und seine Freunde auf ihn. Hans blieb Deutscher, bis zu seinem Tod 2008. Er war ein eigenwilliger Mann voller spannender, interessanter und witziger Geschichten, der bis zuletzt seinen schlesischen Kopf durchsetzen wollte.

Der Klimawandel kann kommen

Lange Zeit gab es im US Kongress zumindest eine grobe Übereinstimmung, dass sich das Klima ändert und man etwas dagegen unternehmen muss. Doch dann kam Donald Trump und die Fakten waren auf einmal nicht mehr Fakten. Nicht nur das, Trump unterstützte fortan all jene Kandidaten, die ebenfalls den „Climate Change“ als „hoax“, als Betrug ansehen. Damit, so Trump und seine Trumpianer, solle Amerika unter Druck gesetzt, ausgebremst und zur Kasse gebeten werden.

Dürre und wärmere Temperaturen waren Gründe für das Ausmaß des „Camp Fires“. Foto: Reuters.

Nach den jüngsten Wahlen ist klar, im Kongress sind nun deutlich mehr Republikaner vertreten, die auf Trumps klimatischer Linie eingeschwenkt sind. Die frischgewählte Senatorin Marsha Blackburn aus Tennessee beispielsweise erklärte im Wahlkampf fälschlicherweise, die Erde kühle sich ab und Wissenschaftler seien sich alles andere als einig darüber, welchen Anteil die Menschheit am Klimawandel habe. Dabei blieb sie auch, als sie von Reportern auf diese Fehler hingewiesen wurde.

Der Noch-Gouverneur von Florida und nun gewählte Senator des Bundesstaates, Rick Scott, erkennt zwar an, dass der ansteigende Meeresspiegel und wärmere Wassertemperaturen schlecht für Florida seien, aber die Verbindung zum Klimawandel, an dem der Mensch schuld hat, macht er nicht.

Das sind nur zwei von etlichen „Newcomern“ im US Kongress, dem Abgeordnetenhaus und dem Senat, die den Klimawandel anzweifeln. Das wird dazu führen, dass langfristig von den USA keine Initiativen für den Klimaschutz ausgehen werden. Noch schlimmer, hier stellt man sich die Frage, ob der Schaden, den Trump und seine Unterstützer anrichten, überhaupt noch rückgängig gemacht werden kann, denn die Zeit läuft aus. Die Zeichen sind deutlich und können nicht mehr übersehen werden. Die Zunahme von Tornados und Hurricanes im Osten und Mittleren Westen der USA, die langanhaltende Dürre und die immer schlimmer werdenen Feuer im Westen des Landes, all das sind deutliche Zeichen, dass der Klimawandel kein futuristischer Quatsch ist. Was fehlt ist der politische Willen in Washington deutliche Zeichen zu setzen, eine weltweite Führungsrolle zu übernehmen. Der Kampf gegen 30 Cent mehr an der Zapfsäule ist da wichtiger als überflutete, verbrannte und zerstörte Gemeinden im ganzen Land.

Irgendwie undemokratisch

Das amerikanische Abgeordnetenhaus ist nun in der Hand der Demokraten. Im Senat hingegen halten die Republikaner ihre Mehrheit, konnten sie sogar noch bei den jüngsten Wahlen auf 53 zu 47 ausbauen. Und hier liegt das Problem. Mit Demokratie hat das nicht viel zu tun.

Jeder US Bundesstaat schickt zwei Senatoren in die obere Kammer des Kongresses, unabhängig davon, wie viele Einwohner der jeweilige Bundesstaat hat. Damit wollte man ursprünglich die Bundesstaaten stärken und sie auf eine gleiche Stufe stellen. Die Idee kann ja gut sein, allerdings hakt es in der Praxis, was man nun ganz deutlich sieht. Der republikanische Senatsführer, Mitch McConnell, hat bereits angekündigt, dass er diese neue Mehrheit vor allem dafür nutzen will, um Bundesrichter auf allen Ebenen durchzusetzen. Quasi auf Jahrzehnte hinaus konservative Richterbänke zu etablieren, auch wenn es dafür keine Mehrheit im Land gibt. Und damit habe ich ein Problem, denn McConnell will nicht nur Richter in konservativen, republikanisch dominierten Bundesstaaten einsetzen. Nein, sein Ziel ist es, solche Richter verstärkt in liberalen, demokratisch geführten Bundesstaaten zu ernennen.

Die politische Landkarte der USA. Blau sind die demokratischen, rot die republikanischen und lila die „Swing States“.

Wenn man sich politische Karte der USA ansieht, dann erkennt man, dass im Landesinneren vor allem die Republikaner an der Macht sind, an den Küsten die Demokraten. Die Wahlen 2016 und auch 2018 haben gezeigt, dass es mehr demokratische Wähler in den USA gibt als republikanische. Doch das Wahlsystem in den USA – Präsident und Senat – repräsentiert das nicht. Im Weißen Haus sitzt ein Präsident, der weniger Stimmen als seine Kontrahentin erhielt. Und im Senat haben die Republikaner die Mehrheit, obwohl sie die im ganzen Land nicht mehr haben. Und mit ihrer Mehrheit werden sie nun Politik über die Richterbank durchdrücken, was mit dem Willen der Wählerinnen und Wähler wenig zu tun haben wird.

Die amerikanische Demokratie ist alles andere als perfekt, auch wenn einem das hier ständig vorgegaukelt wird. Ich lebe weder in „God’s country“, im „best place on earth“, noch im demokratischsten Land der Welt. Ändern wird sich an diesen Rahmenbedingungen nichts, denn dafür wäre eine Verfassungsänderung oder -reform notwendig, die nie kommen wird. Also werden auch in Zukunft Senatoren aus konservativen Farmstaaten Richter für liberale Küstenstaaten bestimmen. Die Minderheit regiert somit die Mehrheit im Land.