#FreePress

Irgendwas stimmt nicht im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, nannte Rassisten, Antisemiten, Neo-Nazis, gewaltbereite Schläger nach den Ausschreitungen im August 2017 in Charlottesville „very fine people“. Und seit seinem Wahlkampf und erst recht seit seiner Wahl zum „Commander in Chief“ erklärt er die freie Presse in den USA als „enemy of the people“, als Volksfeind.

Trumps Handeln, seine fast tagtägliche Hetze gegen die Medien, einzelne Reporter, die unabhängige Berichterstattung erinnert an Despoten und Diktatoren aus der Geschichte und aus anderen Ländern in diesen stürmischen Zeiten. Der amerikanische Präsident verunglimpft, lügt, schafft „alternative Fakten“, schürt Zweifel gegen Journalisten und ihre Arbeit, die eine wichtige Instanz in einer funktionierenden Demokratie sind. Er tut kritische Berichte über ihn, seine Politik und seine Adminstration als „Fake News“ ab. Nur jene Medienvertreter, allen voran FoxNews, die ihn, seine Arbeit, seine Pläne und Ziele huldigen werden von Trump positiv gesehen.

Von Istanbul über Budapest nach Washington, die freie Presse ist unter Beschuss. Foto: Reuters.

Trump hat mit seiner Medienhetze tiefe, unüberwindbare Gräben im eigenen Land weiter ausgehoben, die Folgen sind dramatisch. Seine regelmäßigen Twitterattacken haben eine alternative Realität geschaffen, in der er und seine Anhänger leben. Der „Deep State“, die Verschwörung der Medien gegen ihn und das amerikanische Volk, die sozialistischen Demokraten, die Umkehrung von Tatsachen. Trump macht sich und seine Wählerschaft zu Opfern, in diesem Weltbild regiert und agiert er und wird dafür von seiner Basis stürmisch gefeiert. Endlich spricht einer mal aus, was sie schon lange denken und wissen. Kritische Journalisten sind für ihn Volksfeinde.

Das ist eine gefährliche Entwicklung nicht nur für die Medien, die Berichterstattung, die Arbeit von Journalisten in kleinen Gemeinden auf dem Land oder auf der nationalen Ebene in Washington DC gleichermaßen. Trump unterminiert ganz bewusst und voller Absicht eine der Grundfesten der amerikanischen Demokratie und wird damit zu einem Vorbild für andere, wie Erdogan, Orban oder die „Lügenpresse“ schreienden Pegida- und AfD-Funktionäre in Deutschland. Trump schafft sich sein eigenes Bild von der Realität, der Blick von außen auf ihn und die Folgen seiner Politik ist nicht erwünscht. Faire Berichterstattung ist für ihn Hofberichterstattung. Kritik, Nachfragen, investigative Beiträge werden als „Fake News“, als „parteiisch“, als „voreingenommen“ abgetan. Nur Trumps Wort und Sichtweise zählen. Er ist unfehlbar, mehrmals hat er betont, dass er sich nie für Fehler und Falschaussagen entschuldigen würde.

Die Medien sind nicht unschuldig am Aufstieg dieses Mannes, der die Welt in Atem hält. Schon als „Reality TV Star“ wurde er gefeiert. Als Präsidentschaftskandidat wurde über jede Provokation, jedes Tweet, jede noch so kontroverse Aussage breit berichtet. Trump bestimmte den Wahlkampf, machte Politik zum Schauspiel, langweilige Kandidatendebatten zum unterhaltsamen TV-Ereignis. Und die Medien berichteten oftmals zu unkritisch darüber, schufen das, was nun bittere Realität geworden ist. Nun ist der Geist aus der Flasche, Donald Trump sitzt im Weißen Haus, Kritiker reagieren nur noch auf ihn, denn er bestimmt die täglichen Debatten in den USA und weltweit.

Die Tageszeitung Boston Globe hatte als Antwort auf die gefährliche Propaganda dieses Präsidenten andere Tageszeitungen und „News Outlets“ im Land dazu aufgerufen, an diesem Donnerstag gemeinsam über den Wert einer freien Presse zu berichten. Mehr als 300 Zeitungen im ganzen Land sind der Aufforderung gefolgt. Liberale genauso wie konservative Blätter, denn sie alle verbindet die Freiheit der Medien, die nun unter einem Dauerangriff sind und um ihre Existenz und Glaubwürdigkeit kämpfen. Amerika im Trump-Zeitalter ist nicht mehr das Land, für was es einmal stand. Denn wenn ein Präsident sich die Macht herausnimmt zu bestimmen, was „amerikanisch“, was „patriotisch“ und demzufolge was „unamerikanisch“, was „unpatriotisch“ ist, wenn er Amerikaner zu „Volksfeinden“ abstempelt, wenn er Verschwörungstheorien ungehindert verbreitet, dann werden die Grenzen der Demokratie aufgeweicht. Bewußt und mit voller Absicht. Donald Trump ist zu einer großen Gefahr für das friedliche Zusammenleben in den Vereinigten Staaten von Amerika geworden. Die Aktion #FreePress ist daher eine wichtige Reaktion, ein Warnsignal in stürmischen Zeiten.

Einmal quer durchs Land und zurück

Vier Wochen in Michigan liegen hinter mir. Montagmorgen Ortszeit ging es los, nach 42 Stunden im Auto war ich wieder in Oakland. Am Rande der langen Highways konnte ich etwas schlafen, während Käthe beide Augen und Ohren offen hielt und aufpasste, dass niemand dem Wagen zu nah kam. Sie ist die perfekte Wegbegleiterin.

Endlos geradeaus.

In Minnesota lief ein Bär vor mir über den Highway und verschwand im dichten Unterholz des Waldes. Auch ein Wolf, Rehe, ein paar Koyoten kreuzten meinen Weg…it’s a zoo out there! 3500 Kilometer quer durchs Land, über Highways und Freeways, durch endlose Wälder und Felder, vorbei an verschlafenen Ansiedlungen, Dörfern, Kleinstädten. Die wenigen größeren Städte auf dem Weg wie Duluth, St. Paul, Fargo, Bismarck und Reno ließ ich links oder rechts liegen. Einfach weiter, immer weiter. Hin und wieder eine halbe oder eine Stunde Schlaf. Tank- und Pinkelpausen für den Hund, kurz die Beine vertreten und weiter ging es. Tagsüber kletterte das Thermometer über 30 Grad, was längere Pausen mit einer haarig-pelzigen Vierbeinerin schwierig machte.

„Are we there yet?“

Amerika ist ein schönes, ein beeindruckendes, ein vielgesichtiges und vielseitiges Land. Die Weite des Landes, der Endlosblick beeindrucken mich noch immer nach all den Jahren. Ich kann mich daran nicht satt sehen, während ich Meile um Meile abfahre. Irgendwann einmal will ich vom Westen in den Osten fahren, mit viel Zeit und nur Highways benutzen, Landstraßen, die Freeways meiden, der Weg als Ziel. Wer weiß, vielleicht wäre das auch einmal ein schöner, klangvoller und eindrucksreicher Roadtrip.

Letzte Nacht, gerade als ich an Sacramento vorbeifuhr rief ein Radiosender an und fragte, ob ich etwas zum Mißbrauchsskandal in Pennsylvania machen könnte. An dem Punkt war das Ziel so nah, ich freute mich nur noch auf mein Bett und verneinte, was nicht oft vorkommt. Eine kurze Nacht liegt nun hinter mir, Käthe war fit und rastlos, sie hatte ja auf der Fahrt viel geschlafen. Nun geht der Blick voraus auf die kommenden Wochen, viele interessante Themen warten auf mich und im September geht es wieder nach Somalia. Das Leben bleibt spannend und schön.

Aldi haut in den USA auf den Putz

Der amerikanische Einzelhandelsriese Walmart scheiterte in Deutschland kläglich mit dem Versuch auf dem heiß umkämpften Supermarktschlachtfeld Boden zu gewinnen. Nach einer nur kurzen Zeit zogen sich die Amerikaner zurück, sie hatten den deutschen Einzelhandel und vor allem den deutschen Konsumenten komplett falsch eingeschätzt.

Aldi investiert weit über fünf Milliarden Dollar in seine USA Läden. Foto: AFP.

Schon seit mehreren Jahren arbeitet dagegen Aldi durchaus erfolgreich an einer Ausweitung seiner US Marktanteile und bläst nun zum Großangriff im Walmart Country. 5,3 Milliarden Dollar investiert das Albrecht-Unternehmen in seine bereits bestehenden 1800 Läden, erweitert und renoviert diese, genau so, wie ich es vor kurzem im Aldi an der Ecke Konstanzen- und Geisseestraße im Nürnberger Süden gesehen habe. Aldi sieht hier wie dort gleich aus. Dazu will der Konzern noch weitere 800 Läden in den kommenden fünf Jahren eröffnen und danach die Nummer drei des Supermarkt Einzelhandels in den USA sein.

In den USA operieren Aldi Nord und Aldi Süd zusammen, gemeinsam will man die Konkurrenten aus dem Weg schieben. Hinzu kommen die Aktivitäten von Aldi Süd unter dem Namen Trader Joe’s, einer beliebten Supermarktkette mit etwa 500 Läden vor allem in den westlichen Bundesstaaten der USA. Die nun angekündigte Expansion von Aldi USA soll vor allem mit der eigenen Produktlinie vorangetrieben, neue Läden schwerpunktmäßig in Vorstädten und wohlhabenderen Gegenden eröffnet werden. Das Schmuddelladenimage aus vergangenen Tagen hat dabei keinen Platz mehr. Helle, breitere und aufgeräumte Läden, dazu Bio-Obst und -Gemüse, vegetarische und vegane Produkte, Aldi will eine junge und auf gesundes Essen bedachte neue Mittelschicht erreichen.

Die Knarre muss leider draußen bleiben

In der San Francisco Bay Area tut man sich schwer einen Laden zu finden, in dem man eine Knarre kaufen kann. Den einzigen, den ich kannte, „Bullseye“ in San Rafael, hat schon vor einiger Zeit dicht gemacht. Dort konnte man sich ausführlich beraten lassen und auch auf dem hauseigenen Schießstand auf Zielscheiben oder angedeutete Terroristenbilder ballern. Doch der Druck in der liberalen Gegend wurde zu groß, „Bullseye“ machte dicht und verlagerte alle Geschäfte in den benachbarten und waffenfreundlicheren Bundesstaat Nevada.

Bierausschank nur für knarrenlose Trinker.

Hier oben in Michigan sieht das ganz anders aus. Knarren gehören hier im Land der Bären, Wölfe und Hirsche dazu. Aufkleber mit einem Wolf Konterfei, darunter „Smoke a pack a day“ sind zu sehen, Schußwaffen können auch beim lokalen Walmart erworben werden, auf großflächigen Billboards werben lokale „Gun Stores“ für ihre Produkte. Und an Kneipen (!) wird darauf hingewiesen, dass man sein Schießeisen nicht mit hinein bringen darf. Alkohol und die Wumme im Holster passen dann wohl doch nicht so gut zusammen.

Auch das ist Amerika, leben mit Waffen. Es gehört in den USA einfach dazu, das wird einem an einem Ort wie der Upper Peninsula von Michigan ganz deutlich. Wer, wie ich, in Oakland und der San Francisco Bay Area lebt, lebt auf einer Insel, wo Waffenbesitz die Ausnahme oder zumindest nicht öffentlich ist. Doch auf diese Gegenden wie die UP mit ihren Menschen zielt Donald Trump mit seinen Tweets ab, wenn er sich derzeit in den Vorwahlkampf der Bundesstaaten einmischt und die verschiedensten republikanischen Kandidaten unterstützt. Immer wieder erklärt der Präsident die Demokraten wollten das „Second Amendment“, das vermeintliche Grundrecht eines jeden Amerikaners auf Waffenbesitz, abschaffen. Deshalb sollte man den Kandidaten oder die Kandidatin seines Vertrauens wählen, nur so werde auch weiterhin garantiert, dass Amerikaner bewaffnet sein dürfen.

Das ist natürlich totaler Humbug dieses Präsidenten, allerdings auch nicht neu von republikanischer Seite. So gut wie niemand bei den Demokraten fordert ein Totalverbot von Waffen in privater Hand. Es war, ist und wird politisch überhaupt nicht durchsetzbar sein. Das wissen die Demokraten, das wissen die Republikaner, das weiß auch Donald Trump. Aber er spielt mit der Angst davor, dass Polizisten in Nacht- und Nebelaktionen an den Häusern „ehrlicher Amerikaner“ klopfen, um ihre Schießeisen einzusammeln. Das wird in den USA nie passieren. Außerdem gibt es genügend Demokraten in Bundesstaaten wie Michigan, Wisconin, Minnesota, Oregon, Pennsylvania und anderen, die selbst Waffenbesitzer, Jäger, Hobbyschützen sind. Was manche auf der liberalen Insel SF Bay Area in Bezug auf Waffenbesitz denken und fordern, wird dahier nie „law of the land“ werden. Auch das ist eine Tatsache in Amerika.

Die Rechte marschiert wieder

„Unite the Right“ marschiert wieder, diesmal direkt vor dem Weißen Haus.

Vor einem Jahr kam es in Charlottesville zu einem Aufmarsch der alt.right Bewegung. Unter dem Schlachtruf „Unite the Right“ kam die Rechte in den USA zusammen, Online-Aktivisten, Blogger, aber eben auch Neo-Nazi Organisationen, der Ku Klux Klan, bewaffnete Milizen. Es sollte im Trump Jahr Eins ein deutliches Zeichen an politische Gegner, an Andersdenkende, an Juden, an Schwarze, an Immigranten sein. Doch die Veranstaltung endete im Chaos, in offenen Straßenschlachten, damit, dass ein Teilnehmer mit seinem Auto in eine Gruppe von Protestierenden raste, eine Frau tötete und mehrere Personen verletzte.

Ein Jahr später will die Rechte wieder marschieren, doch diesmal unter anderen Vorzeichen. „Unite the Right 2“ soll direkt gegenüber des Weißen Hauses abgehalten werden, da die Organisatoren keine zweite Genehmigung für Charlottesville erhielten. Doch fraglich ist, wie viele Teilnehmer überhaupt nach DC kommen werden, denn der Aufmarsch vor einem Jahr hat nicht zur Stärkung und Einigung der Bewegung geführt, sondern genau das Gegenteil erreicht. Die Rechte in den USA ist tief gespalten, erneut tief gespalten.

Sah es mit dem Wahlkampf und dem Wahlsieg von Donald Trump nach einer breiten Front am rechten Rand aus, hat sich der Auftritt vom August 2017 als Debakel für die Rechtsextremen und -radikalen herausgestellt. Nach Charlottesville wurde deutlich, von einer rechten Einheitsfront kann keine Rede sein. Doch das ist keine Entwarnung. Die Bewegung hat sich gespalten und radikalisiert, aber eben erneut hinter den Kulissen. Die Anschläge auf jüdische Einrichtungen und Personen und rassistisch motivierte Gewalt haben zugenommen. Doch vor allem die Sprache hat sich, wie in Deutschland auch, extrem verändert. Und dafür steht der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der immer wieder offen und unter dem Jubel seiner Anhänger gegen Ausländer, Muslime, politische Gegner hetzt. Die Rechte in den USA hat zwar bislang nicht ihr Ziel einer breiten Bewegung erreicht, aber sie bestimmt weiter, wie auch in Deutschland, die öffentliche Diskussion.

Wo Geister und Erinnerungen wohnen.

Eines von vielen verlassenen Häusern in Winona.

Hier im hohen Norden von Michigan, auf der Keweenaw Peninsula, die vom „Lake Superior“ umgeben ist, braucht man nicht weit zu fahren, um auf „Ghost Towns“ zu treffen. Ehemalige Ansiedlungen, die sich die Natur über Jahrzehnte Stück um Stück zurückgeholt hat. Namen wie Winona, Donken, Gay stehen für vergessene Dörfer und Kleinstädte, die immer mehr vom Wald überwachsen werden.

Ein paar Leute leben noch dort, mähen und schneiden, hacken und holzen sich ihren Lebensraum frei. Jahr für Jahr ist es ein Kampf. Nach dem harten Winter, der hier im September beginnt und bis Mai andauern kann, werden Häuser hergerichtet und ausgebessert, um schließlich ein paar kurze Monate mit der schnell wachsenden und wuchernden Natur zu kämpfen.

Nichts weist in Winona noch darauf hin, dass hier einmal 2000 Menschen lebten, ein Kupferbergwerk Arbeitsplätze bot, es Läden, eine Tanzhalle, eine Post, einen Bahnhof gab. Heute leben noch 13 Menschen dort. Wie belebt Winona einmal war, kann man an den vielen Apfelbäumen ablesen, die hier zwischen all den Birken, Espen und Ahorn zu finden sind. Wo Apfelbäume wachsen, standen einst Häuser, wohnten Familien, gab es eine Gemeinschaft.

Viel ist davon nicht mehr übrig geblieben. Es wirkt verlassen, alte Herde stehen herum, Überreste von Hausrat verkommt, geparkte Autos aus der Vorkriegszeit rosten vor sich hin, auch diese teils wild überwuchert. Es ist faszinierend und bewegend durch diese vergessenen Gemeinden zu laufen, daran denkend, was hier einmal war, was sich hier ereignet hat, welche Geschichten hier zu erzählen wären. Michael Loukinen hat in seiner Dokumentation „Winona“ versucht die „history“ dieser Kleinstadt zu erzählen. Und das wirklich im letzten Augenblick. Der Großteil seiner Gesprächspartner ist nämlich mittlerweile gestorben, mit ihnen der Reichtum an Erinnerungen, Geschichten und Geschichte.

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Wieviel kostet das Klopapier?

1850 Dollar und 42 Cent sollte der Flug mit Swiss von Kalifornien über Zürich nach Nürnberg und zurück kosten. Wohlgemerkt Economy oder auch Holzklasse genannt. Dazu muss man natürlich noch einen Sitzplatz reservieren, sonst wird man auf einen Mittelplatz gesetzt, nicht ideal für jemanden der mehr als 120 Pfund wiegt und größer als 1,60 Meter ist. Kurz vor dem Buchen fiel mir dann noch auf, dass da „no baggage allowance“ stand, also kein Koffer erlaubt. Nun bin ich Vielflieger, was mich dann doch etwas wunderte. Also rief ich bei Swiss an.

Über den Wolken muss für die Freiheit bezahlt werden. Foto: Reuters.

Nach etwa 20 Minuten in der Warteschleife meldete sich eine nette Frau mit asiatischem Akzent. Ich schilderte ihr mein Anliegen und fragte, ob da was nicht stimme, denn bei dem Preis müsste doch ein Koffer aufzugeben sein. Nein, meinte die Dame, ich habe ja Klasse S, also den „Spartarif“ gewählt, von daher müsste ich für einen Koffer 60 Dollar extra zahlen. Pro Flug, also insgesamt 120 Dollar. Ich machte die Frau vom Swiss Kundentelefon darauf aufmerksam, dass ich ja seit rund 20 Jahren Kunde der Lufthansa Gruppe sei, dazu gehört auch Swiss, und seit vielen Jahren als „Frequent Flyer“ zwischen den Kontinenten hin und her jette. Eigentlich darf ich ja sogar zwei Koffer mitnehmen. Nein, meinte die Dame erneut, mit dieser Sparpreiskategorie ($1850,42) dürfe ich auch als „Frequent Flyer“ keinen Koffer mitnehmen und müsse für mein aufgegebenes Gepäck zahlen. Auf die Frage, was nun als nächstes kommt, ob ich dann demnächst auch fürs Klopapier zahlen müsse, falls ich über den Wolken mal ein menschliches Bedürfnis hätte, konnte oder wollte sie nichts sagen.

Ich blieb ruhig, sagte der Frau, ich wisse ja, sie könne nichts für die Preisgestaltung, aber es sei doch ein Unding, dass ein so teurer Flug als Spartarif ausgeschildert wird. Und das eben vor dem Hintergrund, dass die Lufthansa Gruppe im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn eingefahren hat, 12 Prozent mehr als im vorausgegangenen Jahr. Ich verstehe auch durchaus die Preisstaffelung, für Geschäftsreisende auf nationalen Flügen oder auch internationalen macht es oftmals keinen Sinn ein Gepäckstück aufzugeben, von daher sollte diese Möglichkeit durchaus bestehen. Aber für jeden normalen Reisenden, der international unterwegs ist, gehört ein Koffer doch dazu. Früher durfte man zwei Koffer a 32 Kg mit sich führen, dann wurde das auf 2 Koffer a 23 Kg verringert. Heute ist es nur noch ein Koffer a 23 Kg und man muss für die Platzreservierung zahlen. Die Frage ist also, was kommt als nächstes? Öh Ha, die Antwort ist also, man muss für jedes Gepäckstück zahlen. Kundenservice sieht dennoch anders aus….schade, schade Ihr Lufthanseaten…

Rassistische Idioten aller Länder…

Am Unfallort eines syrischen Jungen im mecklenburg-vorpommerischen Schönberg tauchten mehrfach Hakenkreuze auf. Es scheint fast so, als ob tumbe Rassisten und Neo-Nazis den Tod des Jungen feiern würden. Der Neunjährige war mit seinem Fahrrad vom Bürgersteig auf die Straße geraten und von einem vorbeifahrenden Traktor erfasst worden.

Emmett Tills durchsiebte Gedenktafel im Mississippi Delta. Foto: Emmett Till Interpretive Center.

Doch dieses Verhalten ist wohl nicht einmalig und nicht nur auf Deutschland beschränkt. Am Tallahatchie River in Mississippi, dort wo im August 1955, der schwer mißhandelte Körper des 14jährigen Afro-Amerikaners Emmett Till aus dem Wasser gezogen wurde, steht heute eine Gedenktafel. Und die wurde nun schon zum zweiten Mal von Kugeln durchsiebt. Die erste Tafel wurde einfach glattweg gestohlen.

Carolyn Bryant, eine Weiße, hatte im Sommer ’55 behauptet, der 14jährige Till hätte nach ihr gepfiffen und sexuell eindeutige Gesten gemacht (sie erklärte später – zu spät – dass sie gelogen hatte). Daraufhin nahmen zwei weiße Männer das Gesetz des Südens in ihre Hand. Roy Bryant und sein Schwager J.W. Milam, entführten und folterten den Jugendlichen über mehrere Stunden, bis sie ihn schließlich mit einem schweren Ventilator ertränkten, der mit Stacheldraht um seinen Hals festgezurrt war. Die beiden Männer wurden von einer rein weißen Geschworenenbank innerhalb von weniger als einer Stunde freigesprochen. Der Mord an Emmett Till mobilisierte die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA.

52 Jahre später (!) wurde endlich eine Gedenktafel an der Stelle aufgestellt, an der der gelynchte Junge gefunden wurde. Und diese Erinnerung passt wohl so einigen nicht im Mississippi Delta, das drücken sie mit ihren Kugeln aus. Der Rassismus von damals ist noch lange nicht ausgemerzt. Nicht anders scheint es in Schönberg zu sein, wo blinder Hass oder der totale Hohlraum im Kopf sich in Hakenkreuzen an einem Unfallort ausdrückt.

Industriefriedhöfe

„Copper Country“ wird dieser Teil der Upper Peninsula von Michigan auch genannt. Hier findet man nämlich noch immer den reinsten Kupfer der Welt und das in Brocken die Kleinwagen groß sind. Doch gehoben wird dieser Schatz schon lange nicht mehr. Es lohnt sich nicht mehr, der Bergbau hat hier ausgedient, die Kumpel sind weitergezogen, haben umgeschult oder ganz mit der Maloche aufgehört.

Zurückgeblieben sind, wie auch im Ruhrgebiet, ausgediente Industrieanlagen. Doch anders als in Dortmund, Essen, Duisburg und Gelsenkirchen wurden aus den Zechen und Industrieanlagen keine Kulturzentren, Gallerien oder Auftrittsorte geschaffen. Hier wurde nach dem Ende der Fördermaßnahmen einfach „Schicht im Schacht“ ausgerufen, abgesperrt, mit weißer Farbe „Do Not Enter“ auf die Fassade gepinselt. Licht aus, das wars!

Obwohl hier schon seit 50 und mehr Jahren kein Kupfer mehr gefördert wird, stehen viele der alten Türme noch immer in der Landschaft herum. Sie sind Zeuge einer anderen Zeit, als diese Gegend wohlhabend und reich an Arbeitsplätzen war. Die Natur hat sich einiges zurück geholt, was eben ging. Aufräumarbeiten, eine umweltgerechte Sanierung und einen Abbau der Anlagen hat es nie gegeben. Das Geld fehlte am Ende. So waren lange Zeit viele der kleineren Ortschaften nach dem Aus mit den ungesicherten Anlagen und den Umweltschäden alleine gelassen. Heute findet man in dieser Region viele „Ghost Towns“, meist nur noch Fundamente in überwucherten Ortschaften, deren Namen man einzig auf alten Landkarten finden kann. Die Wälder hier sind voller Geschichten.

Auf deutscher Spurensuche

Der „deutsche Friedhof“ außerhalb von Calumet.

In einem Antiquariat in Calumet fragte mich ein Mann, der mitbekommen hatte, dass ich nach Büchern über die deutsche Geschichte suchte, ob ich schon den „German cemetery“ besucht hätte. Einen deutschen Friedhof hier oben in der Upper Peninsula von Michigan? Ja, meinte er, nur ein paar Meilen nördlich auf dem Highway 41 und dort auf der linken Seite, der Friedhof sei total überwachsen.

Das wollte ich sehen, denn ich bin ja immer, egal wo ich bin, auf der Suche nach Spuren deutscher Einwanderer. Ich wusste davon, dass zahlreiche deutsche Emigranten in die Region kamen, um im Kupfer Bergbau zu arbeiten oder in den damals boomenden Gemeinden der Region Arbeit zu finden. Natürlich brachten die Deutschen auch ihre Kultur mit, deutsche Vereine und Brauereien, wie die „Bosch Brewing Company“ von Joseph Bosch wurden gegründet. Doch das ist alles lang her. Die UP von Michigan liegt seit nahezu 100 Jahren im Dornröschenschlaf. Seit der Schließung der Minen, dem Abzug der Industrie ziehen die meisten der jungen Leute irgendwann weg. Es bleiben die Alten und die Erinnerungen an eine Zeit, als Calumet eine „Boom Town“ mit Straßenbahn, Theatern und einem Nachtleben war. Beinahe wäre Calumet sogar Hauptstadt von Michigan geworden, aber nur eben beinahe. Wenn man heute durch die Straßen dieser Stadt läuft, kann man noch etwas vom einstigen Glanz Calumets an den Fassaden der Gebäude ablesen.

Gleich mehrmals fuhr ich an dem Friedhof vorbei, der auch auf keiner Karte verzeichnet ist. Schließlich fand ich ihn hinter einem weißen Zaun. Auf einem Schild stand „Schoolcraft Cemetery“, kein Wort davon, dass das hier ein „deutscher Friedhof“ sei. Und es war wirklich alles wild überwachsen, mannshohe Sträucher, Farne, Birken und Nadelbäume. Dazwischen Grabsteine, teils umgefallen. Und tatsächlich, auf etlichen standen deutsche Namen und Schriftzüge, wie auf dem von Katharina Messner, geboren 1850, gestorben 1890. „Hier ruht in Gott – Ruhe sanft in Frieden“.

Ein kleiner Friedhof am Rande einer einstigen Bergmannsgemeinde, vergessen von den Menschen und von der Natur zurückgeholt. Hinter jedem Namen steckt eine Geschichte, die man wohl nie wieder hören wird, die aber vielleicht von den harten Zeiten jener Immigranten erzählen würde, die ihre eigene Heimat verlassen haben, um im fernen Amerika Arbeit, ein neues Zuhause und eine bessere Zukunft zu finden. Einwanderer wie Katharina Messner haben dieses Land groß gemacht.