„I know it best“

Wer in diesen Wochen ins Weiße Haus möchte, der muß sich einem rigiden Prozedere unterwerfen. Die Körpertemperatur wird gemessen, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist vorgeschrieben, Pressevertreter, das sieht man auf den regelmäßigen Pressekonferenzen, müssen Abstand halten. Doch all das gilt nicht für die Mitarbeiter von Donald Trump. Seine Pressesprecherin und ihre Entourage tragen ganz bewußt keine Maske, denn, wie Präsident Donald Trump es klar gemacht hat, die Maske sei mittlerweile ein politisches Statement. Wer MNS trägt ist gegen Trump.

Da ist es auch egal, dass sich ein White House Reporter in dieser Woche angesteckt hat, obwohl er eine Maske trug. Da ist es egal, dass Secret Service Beamten und selbst die Freundin von Donald Trump Jr. infiziert wurden. Wichtig ist, dass Donald Trump es besser weiß als alle anderen und sich sogar bewußt gegen die Vorschläge zur Bekämpfung der Corona Krise seiner Wissenschaftler des „Center for Disease Control“(CDC) stellt. Die müssen nun ihre Berichte umschreiben, damit sie vom allwissenden Präsidenten abgesegnet werden können.

Das Virus kommt Trump im Wahlkampf gar nicht recht. Die Wirtschaft und das öffentliche Leben leidet. Er kann noch so viel davon faseln, dass er alles richtig gemacht hat, dass die Welt neidisch ist auf die vielen Tests, die hier in den USA durchgeführt wurden, dass andere Länder lange nicht so viel testen würden, wie Amerika, deshalb sehe die Situation auf dem Papier und nur dort so schlimm aus. „America First“ bekommt in diesen Tagen eine ganz andere Bedeutung und das sehen auch die meisten Amerikanerinnen und Amerikaner.

Trump will Normalität, deshalb fordert er die Öffnung der Wirtschaft und die Rückkehr zum amerikanischen Alltag, ohne Rücksicht auf Verluste, sprich, weiteren Infektionen sind einkalkuliert. Er glaubt es anscheinend selbst, dass die hohen Zahlen nur daran liegen, dass in den USA mehr getestet wird als in anderen Ländern. So kann man auch seine Forderung nach Öffnung von Schulen und Universitäten im Sommer und Herbst lesen. Er droht ganz offen, dass Gelder gekürzt werden, wenn die Bildungseinrichtungen weiterhin auf ausschließlich Online-Klassen setzen. Da ist es egal, dass die Bundesstaaten und der CDC dagegen sind, vorsichtig sein wollen, einen Coronaplan erstellen möchten, Trump will einfach die Türen öffnen und los gehts. Und klar, er wirft auch noch eine Rauchbombe, dass die Universitäten und Schulen sowieso politisch links seien und die Kinder indoktrinieren würden.

Da passt auch die Anordnung, dass fortan ausländische Studierende in den USA in den Klassenzimmern sein müssen, ansonsten wird ihnen ihr Visum entzogen. Das trifft viele Universitäten hart, denn gerade diese erhöhten Studiengebühren finanzieren den Einrichtungen. Oftmals sind an den Hochschulen ein Viertel und mehr der Studierenden aus dem Ausland.

Normalität heißt für diesen Präsidenten, dass die Schutzregeln für ihn und seine näheres Umfeld zwar gelten, aber nicht für alle anderen im Land. Trump lebt einfach in einer Parallelwelt mit alternativen Fakten. Das war von Anfang an klar und wird so kurz vor dem Wahltag noch deutlicher. Er und auch sein Umfeld erklären ja immer und immer wieder, dass der Präsident alles besser wisse, „I’m the only one“, „no one knows it better“. So kann man auch verstehen, warum Trump sich in Fragen der Öffnung von Schulen, Universitäten und dem öffentlichen Leben gegen die Aussagen der Experten und Wissenschaftler stellt. Trumps Wort, so hätte er es gerne, ist Gesetz. Hoffentlich nur noch bis zum 3. November.

 

OMG – OH MEIN GOTT!

Jeden Morgen frage ich mich, ob Donald Trump es mal wieder schafft, seine Äußerungen und Tweets vom Vortag noch zu toppen. Heute war es mal wieder so weit. Trump macht einen auf Kulturkrieger, wohlgemerkt, er verteidigt die Kultur eines weißen, rassistischen Amerikas, in dem die Ureinwohner problemlos „Redskins“, Rothäute genannt werden dürfen. So kann man den obigen Tweet lesen, denn der Präsident möchte ja, dass das Football Team in Washington seinen Namen beibehält.

Er übergeht da einfach den jahrelangen Protest der „Native Americans“, die immer wieder und immer wieder lautstark die Namensänderung von professionellen Sportsteams, genauso wie von High School und College Teams fordern. Trump scheint in seiner Blase in Washington DC nicht mitzubekommen, dass eine breite Diskussion auch darüber im ganzen Land vorangetrieben wird. Er denkt nur an seine kleine Wählerbasis, die mit der Umbenennung von Mannschaften, Kasernen und dem Abbruch von Statuen konförderierter Generäle größte Probleme hat. Trump meint, das sei eine Um- und Neuschreibung der amerikanischen Geschichte.

Doch damit hat das nichts zu tun. Niemand schreibt die Gechichte um, vielmehr geht es darum, wie man mit der Geschichte umgeht. Amerika war und ist ein von einer weißen Sichtweise bestimmtes Land. Weiße haben die Geschichte geschrieben, doch Amerika ist kein weißes Land (mehr). Das sollte nun auch endlich im Weißen Haus und in Washington ankommen. In manchen Bundesstaaten, wie Kalifornien und Texas, sind „Caucasians“ nicht mehr in der Mehrzahl. Doch wer kennt in diesem als „Melting Pot“ gefeierten Land die Geschichte und die Sichtweisen von afroamerikanischen Communities, von den Hispanics, den „Native Americans“, den Asian-Americans? #45 maßt sich in seiner selbstverliebten Arroganz an, genau zu wissen, was jemand mit einer anderen Hautfarbe fühlt und denkt. Trump vertritt ein von Weißen dominiertes, doch längst vergangenes Amerika, das nie fair, offen und gerecht war. Das Festhalten daran, eben auch durch solche unsäglichen, ja, rassistischen Tweets, darf nicht aus dem Weißen Haus kommen. Denn der Präsisdent der Vereinigten Staaten ist eben nicht nur der Präsident seiner Wähler, sondern aller Amerikaner. Auch wenn das in diesen Tagen nur sehr schwer vorstellbar ist.

Wo ist ein George W. Bush?

Es ist schon verrückt, wenn man sich in diesen Tagen einen George W. Bush im Weißen Haus wünscht. Mir braucht jetzt keiner damit kommen, dass Bush Junior ein Kriegstreiber, ein Erzkonservativer, ein erklärter Gegner der LGBTQ Bewegung war. Amerika steckt in einer tiefen Krise und im Oval Office sitzt ein Präsident, der alles nur schlimmer macht, der noch nicht einmal ansatzweise versucht, die Menschen in den 50 Bundesstaaten zu vereinen.

George W. Bushs Präsidentschaft war geprägt durch den Terroranschlag vom 11. September 2001. Die Welt blickte entsetzt nach New York. Jeder, der damals alt genug war, weiß, wo er war und was er tat, als die Meldung rausging, dass Amerika angegriffen wurde. Ich wurde damals aus dem Bett geklingelt, jemand von Antenne Thüringen war an der Leitung und fragte, was da bei uns los sei. Ich antwortete, keine Ahnung, ich sei gerade erst wach geworden. „Na, dann mach mal den Fernseher an.“ Ich schaltete auf CNN, als der zweite Flieger in den Süd Tower des World Trade Centers flog.

Die Welt rückte in diesen Stunden zusammen. Von überallher erhielt ich Mails, in denen mir gesagt wurde, man stehe zu den USA. Selbst von Freunden und Bekannten, die immer kritisch gegenüber den USA waren, kamen gefühlvolle Zeilen voller Anteilnahme. Es war klar, Amerika wird nach 9/11 nicht mehr so sein wie vorher. Und was würde kommen, auch das war unklar.

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In diesen Stunden der tiefen Krise schaffte es George W. Bush allerdings das Land zu einen. Überall in den USA wehte die amerikanische Fahne, die Nation rückte ganz eng zusammen, „we are all Americans“, hieß es zwischen Hollywood und Manhattan. Sicherlich war da auch die Anspannung auf das, was kommt, denn jeder wußte, es würde eine deutliche militärische Reaktion geben. Dennoch, Bush zeigte Führungsqualitäten, er erkannte, dass Amerika nur geeint die Stärke hat, die es in solchen Stunden braucht. Da war kein „America First“, da war der Versuch, die internationale Gemeinschaft zu einen im Kampf gegen den Terrorismus. Und das glückte.

Was Bush dann anschließend daraus machte, ist eine ganz andere Frage. Er hörte auf die Hardliner seiner Administration, verprellte Bündnispartner und setze den Nahen Osten in Brand. Und doch, in diesen Corona Tagen, in dieser tiefen nationalen Debatte um „Black Lives Matter“ wünscht man sich einen Präsidenten, der wie Bush auf den symbolischen Ruinen der Gesellschaft steht und an die Einheit, an das Gemeinsame der Nation appelliert. Trump macht genau das Gegenteil, inmitten einer weltweiten Krise, die die USA besonders hart trifft, spaltet er weiter, zerlegt das, woran zumindest viele in den USA nach wie vor glaubten, dass Amerika in der Not zusammenrücken kann. Im Jahr 2020 erinnere ich mich an George W. Bush, der in dieser historischen Krise einmal wirkliche Größe zeigte und es schaffte, das auch schon damals tief gespaltene Land zu einen. Zumindest für eine kurze Zeit. Und das tat gut.

Das Ende ist in Sicht

Es sollte eine monumentale Rede vor einem nationalen Monument werden. Die Bilder passten, die Menge jubelte und doch, Donald Trump ist am Ende seiner Präsidentschaft angekommen. Erst flog Air Force One über Mount Rushmore, dann kam die Trump Familie mit Marine One zum Veranstaltungsort. Jubelreden verschiedener Politiker, die Blue Angels donnerten über den Nationalpark und Trump war sichtlich mit seinem Auftritt vor 7500 Fans zufrieden.

Er sprach von seinen Amerikanern, die er vor diesen anderen Amerikanern schützen wird, die da an der Geschichte Amerikas kratzen, die einen Kulturkrieg über Denkmäler, über die Erinnerung an die Gründungsväter angefangen haben. Trump hat ganz bewusst keine Rede an die Nation gehalten, auch wenn diese Veranstaltung als ein offizielles Event des Weißen Hauses dargestellt wurde. Der Auftritt war eine Wahlkampfveranstaltung, eine Jubelfeier, eine Wohlfühlversammlung für ihn und seine Unterstützer.

Abstand halten, Maskenpflicht, all das war nicht wichtig an diesem Tag, auch wenn die Präsidententochter Ivanka fast zeitgleich in einem Tweet darauf hinwies. Man kann sich da nur fragen, in welchem Land die Trump-Beraterin eigentlich lebt.

Was in dieser Rede und diesem symbolischen Auftritt von Donald Trump aber ganz deutlich wurde, ist, der Präsident ist am Ende seiner Amtszeit angekommen. Mit seinen Angstbildern, mit seinen Rufen nach „Law & Order“, mit seiner bewußten Spaltung der Gesellschaft, mit seinem schlichtweg Übergehen der Corona Krise, mit seiner Verallgemeinerung der Proteste auf den Straßen, mit all dem machte Donald Trump deutlich, dass seine Zeit abgelaufen ist. Die USA sind nicht mehr das gleiche Land wie noch zu Jahresanfang.

Trump versteckt sich hinter der Wirtschaft und erkennt nicht, dass dieses Land in seinen Grundfesten erschüttert wurde. Durch die Covid-19 Krise und eine längst überfällige breite Diskussion über systemischen Rassismus. Er stellt sich schützend vor Denkmäler, vor das, für was sie stehen, schwafelt von Freiheit, Gleichheit und der besten Nation auf der Erde, erkennt aber nicht, dass das bei einem Großteil der Amerikaner schon lange nicht mehr so gesehen wird. Es ist symbolisch, dass Trump einfach zu dieser heuchlerischen Veranstaltung einflog und so nicht die Proteste der „Native Americans“ sehen mußte, die lautstark darauf hinwiesen, dass ihr Land gestohlen wurde, dass Mount Rushmore eigentlich ein heiliger Ort für sie ist, dass Trump genau hier seine Jubelmesse abhält.

Die Vereinigten Staaten erleben derzeit eine tiefgreifende und bislang noch nie in ihrer Bedeutung und Breite dagewesene gesellschaftliche Debatte über Geschichte, Symbole, Rassismus. Trump in seiner Rede beschwerte sich erneut über Sportler, die während der Nationalhymne niederknien, um so gegen Polizeigewalt zu protestieren. Gleichzeitig wird im ganzen Land darüber gesprochen, dass sich Teams, wie die „Washington Redskins“, aber auch High School und College Teams umbenennen, um so endlich mit dem sprachlichen Rassismus aufzuräumen. Der Sportartikelhersteller Nike ging sogar in der vergangenen Woche so weit und entfernte seine Angebote mit dem „Redskins“ Logo aus seinem Online Shop. Kein Wort davon in Trumps Rede.

Selbst in den Reihen der Republikaner erkennen immer mehr, dass Donald Trump nicht für die Partei spricht, sondern mehr für die Trump-Partei, nicht die amerikanische Sichtweise vertritt, sondern das Trumpsche Weltbild. Amerika unter Donald Trump ist nicht mehr das Amerika vor zehn, zwanzig oder auch fünfzig Jahren. Trump hat erreicht, dass sich die USA von ihren einst gefeierten Grundwerten verabschiedet haben. Diese Grundwerte waren zwar nur auf dem Papier zu finden und waren noch nie Realität im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, aber es wurde daran geglaubt. Nun aber wird uns allen genau das vor Augen geführt, dass dieser „American Dream“ wohl wirklich nur ein Traum war. Trump hat es geschafft, dass Amerika aufwacht, sieht und erkennt, dass vieles von dem, was als „great“ gefeiert wurde und wird, gar nicht so „great“ für alle war und ist. Trump jedoch träumt weiter, am 3. November wird er deshalb ein hartes Erwachen erleben.

 

Der Elefant im ethnischen Porzellanladen

Man kann sich denken, wen ich mit dieser Überschrift meine. Genau, Donald Trump. Der hat weder Takt- noch Feingefühl und schon gar kein geschichtliches Wissen. Für ihn sind die Proteste und die Forderungen der „Black Lives Matter“ Bewegung nur ein Grund mehr, von den „einst so blühenden (weißen) Vorstädten“ zu schwärmen.

Doch Trump hat nicht nur Afro-Amerikaner vor den Kopf gestoßen und Einwanderer aus Mexiko und Mittelamerika mal ganz pauschal als „Vergewaltiger, Kriminelle und Gangmitglieder“ bezeichnet, Muslime als „Terroristen“ gebrandmarkt, das Leben für Asiaten im Land mit seinem „Chinese Virus“ verschlechtert, nein, Trump hat auch kein Interesse daran, auf die Worte und Warnungen der „Native Americans“ zu hören.

Mount Rushmore in South Dakota, George Washington, Thomas Jefferson, Theodore Roosevelt und Abraham Lincoln. Foto: AFP.

Für morgen den 3. Juli ist ein gewaltiges Feuerwerk am Mount Rushmore in South Dakota geplant. Es ist nicht überraschend, dass genau dieser Ort den Trump für seine Show ausgewählt hat, ein heiliger Ort der amerikanischen Ureinwohner ist. Geschichtlich betrachtet haben die Vereinigten Staaten gleich mehrmals die „Tribes“ über den Tisch gezogen, Verträge gebrochen, die Indianer als Menschen dritter Klasse behandelt. Sie mußten mit ansehen, wie an einem für sie heiligen Berg vier gewaltige Schädel in den Fels geschlagen wurden, drei von ihnen waren zu Lebzeiten Sklavenhalter und sicherlich keine Freunde der „Native Americans“. Ihre Rechte auf das Land wurden mit Füßen getreten, als bekannt wurde, dass genau dort Gold gefunden wurde.

Und nun kommt der amtierende Präsident und will genau hier in den Black Hills eine weitere Wahlkampfshow vor Tausenden von Anhängern abziehen, das ausgerechnet und erneut in der Corona-Krise. Über zehn Jahre lang durften keine Feuerwerke in der Gegend des „Black Hills National Forest’s Black Elk Wilderness“ abgefeuert werden. Der National Park Service hatte diese aus Angst vor Bränden und einer Belastung für das Trinkwasser verboten. Doch dann kam Trump mit seiner Idee, Regierungsvertreter setzten den Park Service unter Druck, der knickte ein und gab seine Zustimmung. Alles nicht soooo schlimm. Im Februar gab es dann noch ein Treffen mit gleich mehreren Vertretern der Sioux Tribes. Man hörte zu, so die Delegierten der Sioux, aber am Ende sagten die Regierungsvertreter: „We’re still going to have this fireworks display“.

Das passt ins Bild dieses Präsidenten, dieser Administration. Schöne Bilder am Mount Rushmore sind wichtiger als eine historische Schuld anzuerkennen, ein Feingefühl gegenüber anderen zu zeigen. Doch die „Tribes“ machen mobil. Durch die „Black Lives Matter“ Bewegung bestärkt, sind nun Proteste geplant. Die zeigen, egal, wohin Donald Trump in diesen Vereinigten Staaten auch kommt, auf ihn warten nicht nur Jubel-Trumpianer. Und das selbst in konservativen Bundesstaaten wie South Dakota.

Trump der Geschichtsverfälscher

Amerika durchlebt derzeit eine schmerzhafte Zeit. Eine tiefe Spaltung im Land, die Corona Pandemie wird nicht unter Kontrolle gebracht, eine breite Diskussion über systemischen Rassismus beherrscht die Diskussionen. Und dazu ein Präsident, der einfach nicht verstehen will, dass er mit seinen Worten und seinem Tun nicht gerade zur Lösung der Krise beiträgt

Donald Trump spricht von MAGA, seinem „Make America Great Again“. Was er damit meint, zeigt er auch in diesem Tweet, in dem er von den „einst blühenden Vorstädten“ spricht. Und das ist wahrlich Geschichtsfälschung. Diese „blühenden Vorstädte“ waren weiß, nicht durch Zufall, sondern staatlich sanktioniert. Die USA waren zwischen 1934 und bis in die 1970er Jahre ein Apartheids Staat, sicherlich nicht so offensichtlich und brutal wie Südafrika, doch die Rassentrennung war auch hier Gesetz.

„Redlining“ hieß diese imaginäre Stacheldrahtziehung. Die Regierung in Washington hatte 1934 durch den sogenannten „National Housing Act“ Nachbarschaften in vier Klassen unterteilt: A, B, C und D. Die höchste davon, A, wurde auf Karten grün eingefärbt und bezeichnete die „besten“ Gebiete: rein weiße Nachbarschaften, erstrebens­wert für die Mittel­klasse. Schon eine einzige nicht weiße Familie in der Gegend drückte den Grad auf B, die Farbe wechselte auf blau und die Bezeichnung auf „immer noch begehrens­wert“. Gelbe C-Nachbarschaften wurden als „eindeutig im Niedergang“ bezeichneit. D, mit rot markiert, als „gefährlich“ eingestuft.

Mit der „G.I. Bill“, einer finanziellen Förderung zur Wiedereingliederung von Soldaten, die aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkamen, wurde dieser Zustand noch weiter betoniert, denn schwarzen Armeeangehörigen wurde diese Unterstützung verwehrt. Die Vorstädte wurden damit weiß, die Innenstädte verelendeten. Die Armutsprobleme blieben in Downtown und den anliegenden Stadtteilen, während in den „Suburbs“ die Vorgärten gepflegt wurden.

Wer sich bislang also wunderte, von welchem Amerika Donald Trump mit seinem „Make America Great Again“ sprach, der bekommt hier eine Antwort. Der Präsident der Vereinigten Staaten denkt an die „einst blühenden Vorstädte“, die durch ein rassistisches System geschaffen und über Jahrzehnte erhalten wurden. Die Auswirkungen sind noch bis heute zu spüren, man denke nur an die erhöhten Covid-19 Zahlen in den „black and brown communities“ in den USA, den einst abgehängten Stadtteilen. Vielleicht hat Donald Trump noch nie etwas vom „Redlining“ gehört, das kann gut sein. Doch wer lauthals „MAGA“ ruft und dabei an die weißen Vorstädte denkt, der sollte wissen, dass Amerika in den 50er und 60er Jahren keine geeinte Nation mit Fairness, Respekt und Chancengleichheit war. Trump verteidigt den systemischen Rassismus, der tief in der amerikanischen Gesellschaft verwurzelt ist. Und er kann oder er will das nicht verstehen.

 

Es geht mal wieder um Abtreibung

Eine verkorkste Reaktion auf die Pandemie interessiert nicht. Ein brutal durchgeführter Photoshoot mit einer verkehrt herum gehaltenen Bibel vor einer Kirche, auch das interessiert nicht. Tausende von Lügen, Falschaussagen, Beschimpfungen und Verunglimpfungen, das wird ihm nachgesehen. Seine persönlichen Fehler und Fehltritte über Jahrzehnte, kann man übersehen. Was zählt ist seine Haltung zur Abtreibung.

Die Wahl ist auch wieder für oder gegen Abtreibung. Foto: Reuters.

Die christlich-evangelikale Basis im Land macht mobil. 2016 stimmten 85 Prozent der Fundamentalisten für Donald Trump. Das soll auch 2020 so sein und nun haben sie einen Schlachtruf erhalten. Das Verfassungsgericht stimmte heute mit einer 5:4 Mehrheit gegen die strengen Abtreibungsgesetze in Louisiana. Zuvor hatte die Christliche Rechte noch den ersten „abtreibungsfreien Bundesstaat“ gefeiert. In dem Gesetz hieß es, ein Arzt, der eine Abtreibung in einer entsprechenden Klinik durchführt, müsse auch an einem Krankenhaus in einem Umkreis von 30 Meilen als Arzt eingeschrieben und tätig sein. Dagegen klagten Befürworter von Abtreibungen und sie bekamen nun recht.

Doch die Evangelikalen im Land schauten ganz genau hin und sahen, dass die beiden Verfassungsrichter, die Donald Trump eingesetzt hat, Neil Gorsuch und Brett Kavanaugh, für das Louisisana Gesetz gestimmt hatten, also ganz auf ihrem Kurs waren. Damit ist klar, dass sie nun die eigenen Reihen mobilisieren wollen, denn Abtreibung ist das Thema, was sie beschäftigt. Corona, systemischer Rassismus, Klimawandel, Umweltzerstörung, Korruption, Aufrüstung,… all das fällt in der Entscheidung der Evangelikalen in den USA nicht weiter ins Gewicht. Für sie steht fest, Donald Trump setzt Richter ein, die gegen Abtreibung stimmen werden. Das große Ziel ist es, das Recht auf Abtreibung in den USA, das seit 1973 nach einem Verfassungsgerichtsurteil – Roe vs. Wade – gilt, auszuhebeln. Dafür wird alles in Kauf genommen, eben auch ein Präsident, der eigentlich nicht gerade so sehr für die christlichen Werte steht, die gerne von Fundamentalisten propagiert werden.

Aber es gibt auch eine Gegenbewegung innerhalb der christlichen Gemeinde in den USA. Die ist laut und stark und organisiert derzeit alles, um die Abwahl von Donald Trump zu ermöglichen. Amerika im Kulturkrieg, im Religionskrieg, im Krieg der Auslegung von Verfassung und Bibel.

War da was?

Krisen, Konflikte, Chaos. So sehe ich das, was seit Januar 2017 aus dem Weißen Haus kommt. Nun kommt noch eine weltweite Pandemie dazu, eine neue „Civil Rights“ Bewegung in den USA, eine aufkommende Wirtschaftskrise. Doch all das führt nicht zu einem Umdenken bei Präsident Donald Trump. Ganz im Gegenteil, Trump zieht im Wahlkampf auf die Gegenfahrbahn und macht mehr als gefährliche Überholmanöver.

Es muß ihn schon sehr wurmen, dass Joe Biden in allen Umfragen weit vor ihm liegt. Biden macht Wahlkampf aus seinem Keller raus, Trump versucht erneut das Bad in der Menge. Doch nichts läuft so für #45, wie er sich das gedacht hat. Auf die Proteste in den amerikanischen Straßen reagiert er mit einer präsidialen Verfügung, die Randalierer für zehn Jahre hinter Gittern bringen wird. Auf seinen Wahlveranstaltungen spricht er von sich und seinen Taten, erwähnt das, was Amerika derzeit beschäftigt überhaupt nicht. Und auf die steigenden Covid-19 Zahlen im ganzen Land reagiert er nur mit einem Schulterzucken und der Forderung, „we must open America again“. Er ist im Wahlkampf mit dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung.

Das ist die Hoffnung Donald Trumps.

Der Sonntagmorgen zeigte erneut, dass Trump in einer Parallelwelt lebt. Er tweetete sich die Finger wund, griff Joe Biden mit kindischen Videos an und verbreitete die Aussage, dass die „Silent Majority“, also die stille Mehrheit in den USA hinter ihm stehe und sich seit 2016 sogar noch verdoppelt habe. Er übersieht dabei ganz bewußt, dass er 2016 keine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler hinter sich hatte, sondern nur durch das veraltete und eigentlich überholte Wahlsystem ins Weiße Haus gehievt wurde.

Trump erkennt die Lage der Nation nicht. Die USA sind nicht nur tief gespalten, sie sind auch zutiefst verletzt. Das zeigt sich ganz deutlich nach dem brutalen Tod an George Floyd, an dem systemischen Rassismus in den USA, der nun auf breiter Basis angesprochen und debattiert wird, eben auch daran, dass vor allem „black and brown communities“ in den USA von Covid-19 betroffen sind. Amerika braucht Lösungsvorschläge und -ansätze, doch die kommen nicht vom „Commander in Chief“.

Donald Trump ist zu sehr mit sich und seiner erwünschten Wiederwahl beschäftigt. Er ist nicht in der Lage zu erkennen, dass es hier nicht um eine Person geht, sondern die Zukunft eines Landes. Trump spricht oft und gerne über die nationalen Symbole. Er will den Kniefall während der Nationalhymne verbieten lassen, das Verbrennen der Fahne unter Strafe stellen, er plant am 3. Juli ein riesiges Feuerwerk am Mount Rushmore. Trump und seine Anhänger besetzen nur zu gerne die „Stars & Stripes“. Doch für was die Fahne, die Hymne, die Freiheitsstatue, der Urgedanke hinter dem „American Dream“ stehen, was dieses Land der Immigranten groß gemacht hat, das übersehen sie oder legen es so aus, dass es für sie und nur für sie passt. Doch Amerika ist nicht Trump Country, es sind vielmehr die Vereinigten Staaten von Amerika, die derzeit allerdings mehr als ungeeint sind. Die Hoffnung liegt auf dem 3. November und darauf, dass die stille Mehrheit in den USA genau das sieht, was derzeit passiert.

Covid-19 auf der Death Row

„Mir geht es nicht gut“, meinte Reno vor ein paar Tagen am Telefon. Er klang krank, so, als ob er eine schwere Erkältung hat. Das Gespräch dauerte nicht lange, er wollte sich wieder hinlegen. Was er genau hat ist unklar. Reno ist 75 Jahre alt, er wurde 1978 verhaftet, seit 1980 ist er im Todestrakt von San Quentin, dem ältesten Staatsgefängnis in Kalifornien untergebracht. Vor kurzem lief diese Serie über unsere Freundschaft auf Deutschlandfunk Kultur.

Eingang zum Todestrakt von San Quentin.

Schon seit März gibt es einen Lock-Down in San Quentin, um eine Verbreitung von Covid-19 hinter den dicken Mauern zu verhindern. Keine Besuche sind erlaubt, auch nicht von ihren Anwälten, den Gefangenen wird geraten in ihren Zellen zu bleiben, sich regelmäßig die Hände zu waschen, Kontakte zu anderen Inhaftierten zu vermeiden. Doch vor ein paar Wochen, am 30. Mai, wurden 121 Häftlinge aus einem anderen Gefängnis nach San Quentin gebracht. Die Justizvollzugsanstalt in Chino war da schon ein Covid-Hotspot. Corona breitete sich schnell in San Quentin aus und hat nun auch die „Death Row“ im East-Block erreicht.

725 Todeskandidaten sind dort untergebracht, von denen, die sich auf das Covid-19 Virus testen ließen waren 166 positiv. Ein erster Todesfall wurde in dieser Woche bekannt, der 71jährige Richard Eugene Stitely wurde tot in seiner Zelle gefunden. Die Corona Pandemie ist ein riesiges Problem für San Quentin und vor allem für den Todestrakt, denn im Gefängnis sind viele „Lifers“, zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteile Strafgefangene untergebracht und dazu eben zum Tode Verurteilte, viele von ihnen schon im Seniorenalter.

Die Gefängnisleitung mauert derzeit, hält sich mit Informationen zurück. Man versucht Herr der Lage zu werden, doch derzeit sieht die Situation nicht gut aus. Ich warte nun auf einen erneuten Anruf aus San Quentin. Manchmal ruft Reno auch am Donnerstag an, gestern kam jedoch kein Anruf. Montags hat er normalerweise das Telefon zur Verfügung…

Das ganz andere Amerika

Unterwegs auf dem „Extraterrestrial Highway“. Foto: Peltner.

Ich bin an einer größeren Sendung über UFOs und Außerirdische dran. Das ist auch ein amerikanisches Thema, denn „Roswell“ in New Mexico und die „Area 51“ in Nevada sind ja Orte, die genau damit zu tun haben. Das tut in diesen Corona Zeiten, mit all dem politischen Hickhack richtig gut. Nun höre ich mich für diese Sendung durch etliche Interviews und Feldaufnahmen, zeichne auf, was wichtig ist, suche nach passender Musik.

Einige der Interviews waren da schon „very far out“. Ein Doktor, der außerirdische Metallteile aus Menschen operierte, die zur Kontrolle und Überwachung der Erdlinge eingepflanzt wurden und, der mir sagte, etwa 12 Millionen Amerikaner seien schon von Aliens „abducted“ worden. Ein Gesprächspartner kandidierte für den Kongress auf der politischen Plattform, endlich die geheimen Dokumente der Regierung über diese intergalaktischen Kontakte veröffentlichen zu wollen. Ich traf an der „Area 51“ eine Frau, die mich anblickte und meinte, ich könnte mit meinem durchdringenden Blick auch ein Außerirdischer sein. Zuvor hatte sie mir von den verschiedenen Aliens berichtet, die in der „Area 51″ versteckt würden.

Ich habe mit Ufologen gesprochen, die jede Sicht eines “ unidentified flying object“ erfassen und „investigativ“ verfolgen. Dabei stieß ich auf eine Frau, die auch nach dem „Dogman“ sucht, einem Lebewesen, das halb Hund, halb Mensch ist. Zuerst wurde es in Pennsylvania gesichtet, mittlerweile scheint es sich auch in den Wäldern Nordkaliforniens ausgebreitet zu haben. Geschichten gibt es, die gibt es gar nicht.

Und dann war da die afro-amerikanische Frau, die ein Buch mit dem Titel „From the Motherland to the Mothership“ geschrieben hat und mir von ihren mehrfachen Reisen auf den Mars berichtete. Sie wurde nachts mit dem „Mothership“ auf den roten Planeten gebracht. Glauben Sie also nicht, was sie da auf den Bildern zu sehen bekommen, die der „Rover“ zur Erde gefunkt hat, denn Mars ist eine Kolonie, auf der Lebewesen mit dunkler Hautfarbe leben. Man kann sich das als „Wakanda“ aus dem Kinofilm „Black Panther“ vorstellen, nur eben auf dem Mars. Und alles war gut, sie hat es ja gesehen.

In dieser langen Sendung werden die Hörer auch mit zur „Area 51“ genommen und das, was man da sieht oder eben auch nicht sieht, wird ganz sachlich erzählt. Ich war dort und habe mit jemandem gesprochen, der sich mit dem Thema mehr als auskennt, der seit Jahrzehnten das erforscht, was auf der geheimen und geheimnisvollen Militärbasis wirklich passiert. Es wird manche enttäuschen, manche werden das anzweifeln, was berichtet wird, andere werden sich darin bestätigt fühlen, dass alles um uns herum einen „logischen“ Grund hat. Aber am Ende wird es wohl dennoch heißen: „The truth is out there“.