Kommerz über Volkes Stimme

Das ist also Amerika. Der harte, blanke Kapitalismus, wo Dollar mehr zählen als die Möglichkeit von Minderheiten ihre Meinungen zu äußern, ihre „Communities“ über den Äther zu erreichen, fernab von Superstars und Talentshows Underground Musik und Kultur zu präsentieren. Das ist die katholische Kirche, die sich als jesuitische Universität im Mantel der Gemeinschaft präsentiert und dann doch lieber das dicke Geldbündel einsackt, und einen lokal wichtigen Radiosender, US weit und weltweit geschätzt, einfach abschaltet.

Vor eineinhalb Jahren marschierte die Leitung der University of San Francisco mit Sicherheitskräften in die Studios von KUSF und schaltete mitten in der Sendung den Transmitter ab. Einfach so, Hebel umgelegt und aus die Maus. Das wars. Nach fast 35 Jahren wichtigem Service für die San Francisco Bay Area macht die jesuitische Uni-Führung klar, was man von einem vielseitigen und lokal orientierten Sendeplan, was man von der hochgelobten „Cultural Oasis“ wirklich, was man von Programmen auf Türkisch, Armenisch, Persisch, Chinesisch, Finnisch, Deutsch, Französisch, von Programmen für Rentner und Behinderte, über Kleinkunst und Theater, über Musikspezialsendungen und und und hält. USF verkaufte an ein schein-öffentliches Klassiknetwork in den Händen der University of Southern California (USC), das landesweit Sender aufkauft, um ein klassisch-kommerzielles Musikprogramm auszustrahlen.

Viele Ehrenamtliche, Fans und Unterstützer von KUSF organisierten sich, bauten „KUSF in EXILE“ auf, ein Internetprogramm, das die Vielfalt des alten KUSF Senders zeigen sollte und klagten gegen den Verkauf bei der Aufsichtsbehörde FCC. Ungewöhnlich lange zog sich der Einspruch hin. Man hoffte, doch umsonst. Am Donnerstag war nun Schluß. Die FCC winkte mal mit dem Zeigefinger Richtung USF und USC „böse, böse Buben“. Zusammen müssen die beiden Unis $ 50.000 zahlen, ein Klaps auf die schmierigen Hände derjenigen, die die Meinungsvielfalt in den USA gezielt abschaffen. Und das nun alles auch noch staatlich abgesegnet, mit dem Siegel der Regularien und Richtlinien.

Aus und vorbei. San Francisco verliert damit nicht nur einen wichtigen Sender, sondern viele Künstler, Musiker, verschiedene Communities und Minderheiten in den USA ein „Outlet“, ein Forum, eine Möglichkeit über ihr Schaffen, ihre Arbeit, ihre Ideen, ihre Überzeugungen, ihre Meinungen, ihre Herkunft, ihre Probleme und Sichtweisen zu sprechen. Armes San Francisco.