Der 28 Prozent Präsident

Mit geballter Faust voran – Donald Trump. Foto: AFP.

Eigentlich ist die Selbstbeweihräucherung dieses Präsidenten ein Alltagsphänomen geworden. Doch diesmal hat sich Donald Trump in einem seiner jüngsten Tweets selbst als „your favorite President“ bezeichnet. Und das sagt eigentlich alles über den 45. amerikanischen Präsidenten aus. Er ist nicht Präsident der Amerikaner, will es auch gar nicht sein, er ist und bleibt nur der Präsident seiner Wählerinnen und Wähler. Und das waren gerade mal 28 Prozent der Wahlberechtigten. weiter lesen

„America Alone“

„America First“ wird zum „America Alone“. Foto: Reuters.

Die USA hatten schon immer eine etwas verdrehte Selbstwahrnehmung. Man denke nur an Äußerungen von amerikanischen Politikern, die von „God’s country“, von der „greatest nation on earth“ sprechen. Manchmal hat man das Gefühl, dass die, die da so lauthals von der Größe Amerikas schreien, noch nie auch nur einen anderen Teil der Welt bereist, erlebt, entdeckt haben. Und sie vergessen dabei auch, dass dieses Land ein Land der Immigranten ist. Viele kamen freiwillig, andere wurden aus ihren Herkunftsländern vertrieben und fanden in den USA eine vorübergehende Unterkunft. Doch fast alle Immigranten tragen auch weiterhin ihre Wurzeln im Herzen. „God’s country“ bleibt für sie das Land, in dem sie geboren wurden, auch wenn die USA noch so ein beeindruckendes Land sind. weiter lesen

Goodnight Saigon

Vor 40 Jahren, am 30. April 1975, endete mit der Einnahme Saigons der Vietnamkrieg. 20 Jahre lang war das Land in Südostasien Spielball im Kalten Krieg. Vietnam veränderte die westlichen Gesellschaften. Die 68er Protestbewegungen wären ohne die Eskalation im Dschungel von Vietnam kaum denkbar gewesen. Hunderttausende gingen in Washington, Berlin, Paris und anderen Städten auf die Straßen. Der Krieg spaltete und provozierte und schuf eine unvergleichliche, politisierte Heimatfront.

Nach der Niederlage Amerikas, wurden die heimkehrenden Soldaten als Kindermörder beschimpft. Viele von ihnen vielen durch das soziale Netz. Irgendwie wollte man schnell einen Schlußstrich unter diese militärische Schmach ziehen und das ganze vergessen. Doch ohne Erfolg. Patriotische Filme wie „Rambo“ oder „Missing in Action“ versuchten daheim, die Niederlage in einen Sieg umzumünzen. Noch heute, 40 Jahre nach Kriegsende, laufen regelmäßig Dokumentationen über den Einsatz in Vietnam. Kürzlich sah ich einen beeindruckenden Film über das Massaker von My Lai, in dem viele Soldaten, die damals vor Ort waren, berichteten. Vietnam ist noch immer eine offene Wunde im amerikanischen Selbstverständnis.

"...Next Stop is Vietnam", eine weitere beeindruckende CD-Box von Bear Family Records.

„…Next Stop is Vietnam“ von Bear Family Records.

Eine beeindruckende Sammlung, wie die Zeit damals klang, hat Bear Family Records zusammengetragen. Auf 13 CDs kann man die Musik, Rock- und Folksongs, Propagandalieder und Anti-Kriegs Hymnen hören. Dazu Propaganda-Durchsagen, Frontberichterstattungen und mitgeschnittene nordvietnamesische Hörfunktexte gelesen von Jane Fonda und Hanoi Hannah. In jahrelanger Recherchearbeit hat das deutsche Label hier eine umfangreiche und umfassende Anthologie dieses Krieges veröffentlicht. Ein grandioses Meisterwerk, für das man sich sehr viel Zeit nehmen sollte.

…Next Stop is Vietnam“ ist eine unvergleichliche Musiksammlung, die Musikfans und Historiker gleichermaßen faszinieren wird. All die Tracks zeigen, wie gespalten damals die USA waren…und wie sie es auch noch immer sind. Es ist eine Box, die einfach nur hervorragend ist, auch wenn ich als erklärter Bear Family Records Fan vielleicht voreingenommen bin. Aber so viel ich weiß, gibt es kein auch nur annähernd so komplettes Klangbild wie dieses hier. „…Next Stop is Vietnam“ ist ein Zeitdokument. Die Box kommt mit einem 300 Seiten umfassenden Buch mit vielen Fotos, Informationen und Hintergrundberichten. 40 Jahre nach Kriegsende ist alles noch so nah und lebendig wie damals. Eine zeitlose und klangvolle Reise in eines der wichtigsten Kapitel der jüngsten amerikanischen Geschichte. Einfach nur genial!

Viva Cuba, Viva la Revolución

Kuba? Yeap, Kuba ist mal wieder ein Thema im US Wahlkampf. Der greise Fidel Castro geistert noch immer irgendwo im Trainingsanzug durch Havanna und träumt wahrscheinlich nach wie vor den Traum von der sozialististischen Weltrevolution, während sein „jüngerer“ Bruder Raoul die Amtsgeschäfte des Inselstaates verwaltet. Große Gefahr für das amerikanische Festland geht nicht vom karibischen Gerontologen Club aus, schon lange nicht mehr, auch wenn Politiker in Washington das gerne hätten.

Die Exil-Kubaner in Florida sind eine wichtige Wählerschicht, mit Einfluß und Geld. Und darauf kommt es im Wahlkampf an, daher werden sie umworben, als sei Kuba eines der wichtigsten Probleme des amerikanischen Alltags. Irgendwie war es lange ruhig um Kuba, Obama und Romney sprachen mehr über Jobs und Wirtschaft, Gesundheitsreform und Mittelstand, als über die Schweinebucht und die Castros.

Das ist nun vorbei, Kuba ist zum Wahlkampfthema geworden. Russland ist mit Plänen an die Öffentlichkeit getreten, eventuell einen Marinestützpunkt auf Kuba errichten zu wollen. Vietnam, Seychellen und eben Kuba werden als Standorte geprüft, so der Vize-Admiral Viktor Chirkov und betonte, es gehe dabei nur um eine Anlaufstelle für Reparaturen und Ersatzteile für die wiedererstarkte russische Marine. Doch das nach genau 50 Jahren Kubakrise. Quasi zum Jahrestag des „Showdowns“ zwischen Washington und Moskau und zeitlich perfekt initiiert zum amerikanischen Wahltag nun also eine tolle Steilvorlage für die republikanischen Kubahasser. Denn im rechten Lager der USA gibt es noch immer so einige, die die größte Gefahr für die Vereinigten Staaten von Amerika im Inselstaat vor ihrer Tür sehen.

Noch ist keine offizielle Reaktion aus Washington zu hören, doch auch das wird dem „Sozialisten“ Barack Obama schon angekreidet, denn der steckt ja sowieso mit den Castros unter einer Decke. Die Sirenen heulen, wie zu den besten Zeiten des kalten Krieges – Moskau steht vor der Tür.