Mein Kreuzchen machen

IMG_5718Mit einem Kreuzchen komme ich hier nicht weit. In meinem County, Alameda, werden Linien gezogen. Das ist hier so, in anderen Counties, in anderen Bundesstaaten ist das wieder ganz anders. Ein einheitliches System gibt es in den USA nicht.

Der US Präsidentschaftswahlkampf kommt nun auch nach Kalifornien. Diesmal haben die Stimmen sogar eine Bedeutung, nicht mehr bei den Republikanern, da ist Donald Trump durch. Doch bei den Demokraten könnte sich noch was tun. Bernie Sanders rechnet sich noch was aus, und mit einem Sieg gegen die Frontrunnerin Hillary Clinton im bevölkerungsreichsten Bundesstaat könnte er mit breiter Brust nach Philadelphia zum Parteikonvent fahren.

IMG_5720Ich bin als „Independent“ registriert und darf dennoch bei den Demokraten im Vorwahlkampf mit abstimmen. Daneben wird am 7. Juni noch über einiges mehr entschieden. Ein paar weitere Vorwahlen für verschiedene politische Ämter stehen an, darunter für den US Kongress und Senat , für den kalifornischen Senat und „Assembly“ (Landtag). Und dann darf man seinen Strich auch bei Richtern und Schulaufsichtsbehörden ziehen. Keine Ahnung, wer da kandidiert und warum ich die wählen soll. Ich glaube, ich konzentriere mich auf die Ämter und Personen, die ich kenne und fange erst gar nicht mit solchen Wahlen für Richter, Behöreden oder U-Bahn Gremien an. Was soll das auch?

Der alte Mann und die Partei

Wenn im Fernsehen über Bernie Sanders berichtet wird, dann darf kein Witz über seine wilde, ungezähmte Frisur fehlen. Bernie Sanders kommt wie der „Mad Professor“ in unzähligen Kinofilmen daher. Es fehlt nur der weiße Kittel, die aufgerissenen Augen und ein rauchendes Reagenzglas in der Hand.

Senator Bernie Sanders zeigt Hillary Clinton den Weg. Foto: Reuters.

Senator Bernie Sanders zeigt Hillary Clinton den Weg. Foto: Reuters.

Der Senator aus Vemont war von 1981 bis 1990 Bürgermeister in Burlington, danach 16 Jahre lang Kongressabgeordneter, bevor er 2006 als „Independent“ Kandidat in den US Senat gewählt wurde.  Sanders sieht sich selbst als „demokratischen Sozialisten“, eine politische Standortbeschreibung, die eigentlich in den USA einem politischen Selbstmord gleichkommt. Doch 2012 wurde er mit 71 Prozent der Wählerstimmen in seinem Amt wiedergewählt. Lange Zeit wurde Sanders einfach als Unikum aus New England belächelt. Auch als der 74jährige ankündigte, US Präsident werden zu wollen, nahm ihn kaum einer ernst. Weder die Republikaner noch die Demokraten. Die konzentrierten sich auf ihre eigenen Kandidaten. Die Über-Demokratin Hillary Clinton sah in Sanders nur einen Sparringspartner, der zumindest den Anschein eines Vorwahlkampfes bei den Demokraten vermitteln konnte.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Hillary Clinton stapft mal wieder von einer Panne in die nächste, ein Skandal folgt dem anderen, in den Umfragen ist sie im freien Fall. Und nicht nur das, auch beim Spendengeldersammeln tut sich was…zugunsten von Sanders. Der hat im dritten Quartal sage und schreibe 26 Millionen Dollar eingenommen. Zwar übertrumpfte ihn Hillary Clinton noch mit ihren 28 Millionen Dollar, doch der zweite Blick auf die Zahlen zeigt, dass Clinton langsam nervös werden sollte. Die ehemalige First Lady hatte das Geld in 58 Spendenveranstaltungen, „Fundraisers“, zusammen gekratzt. Bernie Sanders brauchte gerade mal sieben solcher „Events“. Auch kann der Senator auf 1,3 Millionen Einzelspenden von 650.000 Personen verweisen, was eine breite Basis für den Wahlkampf darstellt. Hillary Clinton hingegen ist von Großspendern abhängig, von einer tiefen Verwurzelung ihrer Kampagne kann also keine Rede sein.

Bernie Sanders schafft derzeit den direkten Draht zu den Wählern, das zeigen die Zahlen. Auch gibt er kaum Geld für teure „Fundraising Events“ aus, vielmehr stellen seine Unterstützer Schecks in der Höhe von 20 Dollar und etwas mehr aus, oder spenden über die Webseite des Kandidaten. Sie glauben an ihren Mann aus Vermont, der Amerika einen Linksruck, einen eher sozialdemokratischen Kurs, verpassen will. Damit fällt er auf, damit zieht er mehr und mehr gefrustete Demokraten an, die sich von Hillary & Co verraten fühlen. Bernie Sanders und sein Graswurzelwahlkampf wird Hillary Clinton noch einiges abverlangen.

So macht man Geschichte

Für einen Kandidaten, der eigentlich noch nicht mal ein Kandidat ist, ist er der Lieblingskandidat der Damen und Herren mit tiefen Taschen. Also, wohl ein guter Kandidat. Bislang hielt Hillary Clinton im Wahlkampf 2008 den Rekord. Innerhalb von 100 Tagen sammelte sie damals rund 37 Millionen Dollar an Spenden ein. So viel, wie zuvor noch niemand.

Jeb Bush ist bereit für "the battle of the titans".

Jeb Bush ist bereit für „the battle of the titans“.

Doch der Rekord ist nun geknackt. Jeb Bush gab am Wochenende bekannt, seine Spender hätten Geschichte geschrieben. Hillary sei abgehängt worden. Wie voll die Kriegskasse in 100 Tagen geworden ist, wollte er nicht sagen, nur soviel, es ist mehr.

Jeb Bush sendet damit ein sehr deutliches Zeichen an die anderen Kandidaten seiner Partei: Ihr habt vielleicht die Argumente, ich habe die Kohle. Und bei einem voraussichtlichen Preisschild von 3 Milliarden Dollar fürs Oval Office, ist das ein klare Ansage. Jeb Bush kümmert sich auch nicht gerade um irgendwelche Farmfeste in Iowa, ums Händeschütteln in New Hampshire oder andere Wochenendaktivitäten in den frühen Vorwahlkampfstaaten. Ganz im Gegenteil, er hält sich von allem auffallend fern. Vielmehr konzentriert er sich hinter den Kulissen um die Gespräche mit den zahlkräftigen Parteifinanziers. Er weiß, falls sich Hillary Clinton durchsetzen wird, dann geht es um den Dollarkrieg in den paar Bundesstaaten, in denen die Präsidentschaftswahl entschieden wird.

Das amerikanische Wahlsystem ist nicht gerade sehr demokratisch, wenn man es sich genauer ansieht. Kalifornien ist fest in demokratischer Hand. Texas ist fest in republikanischer Hand. Und so sieht es in vielen Bundesstaaten aus. Der Wahlkampf zwischen der demokratischen und dem republikanischen Kontrahenten wird nur in einer Handvoll Staaten stattfinden, in denen es mal und mal so ausgeht. Dort werden die Wähler monatelang mit Wahlwerbespots, Flugblättern und sonstigem Wahlklimbim zubetoniert, mit Anrufen und Besuchen daheim terrorisiert werden. Ich habe das einmal in Nevada erlebt, es war ein Graus.

Jeb Bush hat nun deutlich erklärt, er ist bereit für den Zweikampf. 12 Runden, kein Problem. Platz da für den Super Heavyweight Fight zwischen Clinton und Bush.

Politik auf kalifornisch

Diese Woche gab es mal wieder Vorwahlen in den USA. Und Kalifornien hat dabei erneut Maßstäbe gesetzt. Die frühere ebay Chefin, Meg Whitman, will kalifornische Gouverneurin werden und walzt alles aus dem Weg, was da aus den politischen Löchern guckt.

Meg WhitmanRund 81 Millionen Dollar hat Whitman im Vorwahlkampf verprasst, um sich die Kandidatur ihrer Partei, der Republikaner, zu sichern. Einundachtzigmillionen Dollar! Das ist ein gehöriger Batzen Geld. Interessanter ist noch die Tatsache, dass die 53jährige knapp 71 Millionen Dollar aus ihrem eigenen Vermögen beigesteuert hat. Ja, Meg Whitman wurde durch den Erfolg von ebay zur Milliardärin und kauft sich jetzt quasi das Büro des Gouverneurs.

Nun hat sie die Kandidatur in der Tasche und startet bereits den nächsten Nahkampf. Der Demokrat Jerry Brown ist jetzt an der Reihe. Brown ist ein Politprofi. Er war bereits von 1975 – 1983 Gouverneur von Kalifornien, versuchte mehrmals Präsidentschaftskandidat seiner Partei zu werden, war Bürgermeister von Oakland (meiner Meinung nach, hat er dabei einen sehr lausigen Job gemacht) und zuletzt Generalstaatsanwalt des Bundesstaates. Jerry Brown gilt als Intellektueller und wird Meg Whitman frontal und ohne mit der Wimpfer zu zucken angehen. Und die wird mir ihren Dollarmillionen reagieren und versuchen das Wahlvolk mit einer Schmierenkampagne zu bombardieren und zu überzeugen, dass sie die bessere Person auf dem Gouverneursstuhl wäre, um Kalifornien aus dem Finanzdebakel zu führen. Also Fenster auf, Dollarsäcke rausgeschmissen und dabei lauthals schreiend: „Ich kann viel besser mit ihren Steuergeldern umgehen als der olle Jerry, liebe Bürgerinnen und Bürger.“

Die Kalifornienwahl ist auf alle Fälle ein Wahlkampf, den man genauer beobachten sollte, denn hier wird gerade ein Schlachtfeld zurecht gerückt, dass blutiger und schmutziger nicht sein könnte.